Vertrauen braucht Vertrauen

Neulich konnte ich mal wieder etwas von Babette lernen, das mich sehr bereichert hat.

Ein Pferd sollte verladen werden. Es war ein kalter Tag und es war schon einige Zeit vergangen, in der das Pferd nicht auf den Hänger wollte. Babette wurde dann um Hilfe gebeten und wir beide machten uns an die Aufgabe.

Babette hat eine sehr ruhige und klare Art und es war schön zu sehen, wie das Pferd nach kurzer Zeit schon fast im Hänger stand. In diesem Moment hätte ich wohl einen entscheidenden Fehler gemacht: nämlich Druck. Ich hätte wahrscheinlich versucht, das Pferd noch das kleine Stückchen vorzutreiben, aus Angst, es könnte sonst noch viel länger dauern. Nicht so Babette. Sie ließ das Pferd die Rampe wieder runtergehen, damit erst einmal der Äppelhaufen weggemacht werden konnte, der die Rampe doch ziemlich rutschig machte. Das Pferd ging dann fast anstandslos wieder bis an denselben Punkt: eben kurz davor, aber noch nicht ganz rein. Doch auch dieses Stück war schnell geschafft.

Nun hätte ich wohl den zweiten Fehler gemacht, nämlich möglichst gleich die Stange befestigt. Babette aber sagte, wir sollen das Pferd erst einmal ankommen lassen. Erst wenn es sich wohl und sicher fühlt, solle ich ganz langsam die Trennwand ranschieben und die Stange festmachen. Und genauso machten wir es. Das Pferd machte keine Anstalten, einen Schritt zurück zu machen, obwohl es dazu alle Möglichkeiten gehabt hätte.

Mir zeigte das ganz deutlich: Vertrauen braucht Vertrauen. Babette vertraute nicht nur ihren Fähigkeiten, das Pferd verladen zu können, sondern sie erkannte, dass sie zuerst darauf vertrauen muss, dass das Pferd freiwillig im Hänger bleiben würde. Dass genau das dem Pferd die Sicherheit geben würde, die es brauchte, um seinerseits zu vertrauen.

Danke, Babette, ich habe damit wieder etwas ganz, ganz Wichtiges gelernt!

25. Juni 2013 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse 8 Kommentare »

 

8 Reaktionen zu “Vertrauen braucht Vertrauen”

 

Von Kelly • 26. Juni 2013

Liebe Tania,

wie wahr Deine Worte doch sind. Allerdings ist der Aufbau von Selbstvertrauen eine langwierige Sache, die viel Auseinandersetzung mit der eigenen Persönlichkeit erfordert. Ich denke, die Ausübung von Druck hat fast immer mit mangelndem (Selbst-)Vertrauen zu tun. Auch Aggression entsteht ja in den meisten Fällen aus Angst bzw. Unsicherheit. Deshalb ist es sehr wichtig, sich mit sich selbst und seinem Selbstvertrauen auseinander zu setzen. Dieser Weg zu sich selbst ist anstrengend, aber sehr bereichernd und lohnenswert. Und das Beste: die Pferde helfen uns dabei :-). Diese Entwicklung geht nicht von heute auf morgen, es ist wichtig, mit sich selbst geduldig und liebevoll umzugehen und sich selbst „Fehler“ zu verzeihen.

Viele Grüße. Kelly (www.meinPferdetraum.de)

 

Von Petra • 1. Juli 2013

Hallo Tania, diesen Vertrauensbonus lerne ich mit meiner Vollblutstute. Im Gelände ist sie ziemlich gelassen. Doch manchmal gibt es Dinge (manchmal nur ein Heubüschel auf dem Boden oder ein Felsbrocken, etc.), die sie gruselig findet. Dann bleibt sie stehen und starrt auf dieses „Ungeheuer“. Ich lasse sie dann schauen und vertraue darauf, dass sie sich selbst und mir vertraut und daran vorbeigeht. Ich mache keinen Druck sondern bleibe entspannt. Nach einer Weile frage ich sanft bei ihr nach, ob sie vielleicht etwas vorwärts gehen kann. Meistens klappt das. Manchmal aber auch nicht, dann geht sie rückwärts oder möchte umdrehen. Dann weiß ich, dass sie nicht daran vorbeigehen wird. Ich steige also ab und gehe voraus. Sie vertraut mir und geht mir hinterher.

 

Von Gabriela • 1. Juli 2013

…ach welcher neid erfasst mich wenn ich solche solle sachen lese!! …. Ich möcht ich hätt mehr ruhe in mir….denn ruhe kann man ein ganzes stück lernen aber ruhe ist ein talent das nicht alle leute haben….. Mich haben meine pferde sehr vie mehr ruhe gelehrt…leider ist das harte arbeit an mir selber….denn talent….ist dazu leider nicht grad viel vorhanden! Grrrrrr ! Lg. Gabriela

 

Von Stephie • 2. Juli 2013

Hallo Tanja, das hier ist irgendwie ein Hilferuf!
Wenn ich von Vertrauen lese, dann habe ich z.Zt. die Befürchtung, dass mein Pflegepferd mir momentan gar nicht mehr vertraut. Mir persönlich geht es schon seit einiger Zeit mental extrem schlecht. Das Pferd welches ich reite, geht mit mir auf dem Rücken nicht mal mehr vom Hof und selbst beim Führen bleibt er immer wieder stehen und ich muss erst von der Seite einen Klaps androhen, um ihn vorwärts zu bewegen. Das macht mich noch viel trauriger als ich es eh schon bin. Ich verzweifle schon beinah, denn meine einzige Freude war eigentlich zwischendurch das Pferd. Ich sehe mich tatsächlich als die Quelle dieses Problems und wollte mal wissen, ob ich da so falsch liege. Die Besitzerin hat dahingehend keine Probleme mit ihm.
Ich kann gar nicht mehr ausreiten, selbst zu dem Reitplatz am Hof (ca. 20m vom Anbindeplatz!!!) kann ich ihn nicht mal mehr reiten.
Ich beschränke mich zur Zeit also nur mit ihm vom Boden aus und gehe die Tricks im Roundpen durch, die er eh schon beherrscht.
Mein Leben lang habe ich schon mit Pferden zu tun gehabt, aber das mir so etwas mal passieren könnte hätte ich wirklich nie gedacht.
Was kann ich nur tun? Ich will ihn ja auch nicht mit Gewalt zu etwas zwingen. Er spürt wahrscheinlich mehr als ich selbst…
Würde mich über eine Antwort freuen. LG Stephie

____________________________

Hallo Stephie,

vielen Dank für Deine Nachricht. Was Du beschreibst, kann einen wirklich ganz schön runterziehen. Ich kassiere von meinem Anthony ja auch immer wieder deftige „Neins“ und je nachdem, wie ich selbst drauf bin, stecke ich das besser oder schlechter weg.

Konkreter Rat ist aus der Entfernung leider so gut wie nicht zu geben, weil sooo viele Faktoren für ein Nein des Pferdes eine Rolle spielen können – angefangen von tatsächlich guten Gründen des Pferdes bis hin zu feinsten Signalen, die man unbewusst gibt und auf die das Pferd reagiert.

Kann die Besitzerin sich nicht mal Euer Miteinander anschauen und Dir Feedback geben? Oder jemand anderes mit Pferdeverstand und einem liebevollen Blick? Manchmal kann auch eine kleine Pause Wunder wirken.

Alles Gute
Tania

 

Von Birgit • 2. Juli 2013

Der Beitrag und der Hilferuf von Stephie zeigen einmal mehr, wie die Pferde unser Innerstes spiegeln. Die Pferde registrieren unsere feinsten Signale, vor allem die, die wir aussenden, ohne es selbst zu bemerken.

Für mich ist inzwischen der einzig gangbare Weg, an mir selbst zu arbeiten. Ob ich jemals die Gelassenheit und das Selbstverständnis erreichen werden, was ich gerne hätte, weiß ich nicht. Aber jeder noch so kleine Schritt ist ein Schritt in diese Richtung.

Stefhie: such dir professionelle Hilfe, die vor allem Dich sieht.

 

Von Stephie • 2. Juli 2013

Habt Dank für Eure Antworten!

Ja, eine kleine Pause von 2 Wochen steht kurz bevor. Ich hoffe, dass ich aus meinem Urlaub mit neuem Mut und neuer Hoffnung zurück kehren werde.
Ich werde dann auch mal die Besitzerin bitten mit zu kommen. Sie hatte mir aber auch schon angeboten mal zusammen mit mir auszureiten.
Das Ganze ist natürlich ein ganz empfindliches Thema und ich gehe nur noch ab 19h in den Stall, weil ich mich so unwohl unter anderen beobachtenden Blicken fühle. Abends stehen die Chancen gut, dass ich alleine da bin 😉
Außer zu der Besitzerin selbst, habe ich wirklich kein Vertrauen zu jemand anderem.

Euch noch einen schönen Reitsommer und viel Freude mit Euren Lieblingen!

LG Stephie

 

Von Anja • 8. Juli 2013

Viel schwieriger sind aber manchmal die netten Helferlein, die dann Druck machen und mir ihre Art des Verladens aufoktroyieren wollen (ich musste mir bisher immer einen Fahrer und Hänger mieten und da ist meistens etwas Zeitdruck). Durch so etwas hätte es fast einen Unfall gegeben. Dann haben die selben ungebetenen „Helfer“ noch so getan, als hätten sie Schlimmeres verhindert.

 

Von Sabine • 26. Februar 2014

Auch ich habe schlechte Erfahrungen beim Verladen gemacht. Unser Pony hatte schon immer die Angewohnheit, gut auf den Hänger rauf zu gehen, aber manchmal etwas stürmisch herunter. Sie hatte jedoch nie ein Problem damit, auf den Hänger zu gehen und auch herunter ist ihr nie etwas passiert, mann durfte nur nicht versuchen, sie oben festzuhalten.

Nun mussten wir den Stall wechseln. Dann war der Plan, zum Reiten in einer Nahe gelegene Halle zu fahren. Wir haben unser Pferd wie immer verladen, aber beim dritten Unterrichtstag, meinte ein wohlwollender Helfer uns zu helfen: spannt doch eine Longe hinter dem Pferd und lasst sie so kontrolliert vom Hänger absteigen. Genau so haben wir es auch gemacht. Und danach haben wir unser Pony leider nicht mehr freiwillig und ohne Probleme auf den Hänger bekommen, das heißt, rauf ging sie schon, doch bevor man die Stange schließen konnte, war sie schon wieder unten.

Dieser Zusammenhang ist mir erst jetzt klar geworden. Wir haben dann zu Haus einige Male geübt, aber es war wie so oft, rauf ja, aber bleiben nicht sehr lange.

Nun überlege ich, ob ich versuche, sie rückwärts auf den Hänger zu laden. Dann sieht sie, dass wir nicht mit ihr machen.

Ich habe jedoch etwas Angst, dass ich damit etwas auslöse, was ich jetzt nicht absehe und etwas neues stören wird.

Habt ihr vielleicht noch einen Tipp, was ich versuchen könnte? Wie gesagt, rauf kriege ich sie ohne größere Probleme, aber wie überrede ich sie, dass sie bleibt?

Eine ratlose Ponybesitzerin

_____________________

Hallo Sabine,

ich würde das Verladen neu aufbauen und zwar konsequent mit Clickertraining. Versuche nicht, die Stange gleich zuzumachen, sondern lass sie runtergehen, ohne dass Du Dich ärgerst oder sie anmotzt. Sie darf runter und wieder rauf und runter und wieder rauf. Je lockerer Du bist, desto lockerer wird auch Dein Pferd sein. Je mehr Du willst, dass sie unbedingt oben bleibt, desto angespannter wirkst Du und das wird sie misstrauisch machen. Gib Ihr Zeit, biete Ihr Futter im Hänger an und lass sie einfach eine gute Zeit haben.

Es rückwärts zu versuchen, halte ich persönlich nicht für sinnvoll (Pferd können ja auch fast rundum sehen, sehen tut sie es also trotzdem 😉 ).

Das wird schon!
Tania

 

 

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