Funktioniert nicht mehr …

Muss ein Pferd funktionieren? Ja, ich wähle ganz bewusst diese mechanistische Wortwahl, denn das ist das, was ich immer wieder in der Pferdewelt erlebe und was mich auch selbst geprägt hat: unsere Anspruchshaltung unseren Pferden gegenüber, dass sie zu erfüllen haben, was wir von ihnen erwarten. Ein Pferd ist zum Reiten da (wahlweise noch zum Fahren), basta.

Tja, und genau das funktioniert bei mir nicht mehr.

Meine Pferde zeigen mir inzwischen freundlich, aber dabei sehr deutlich, dass sie sich nicht mehr benutzen lassen. Auf gut deutsch: ihre Eignung zum Nutztier habe ich mir durch den Umgang, den ich mit ihnen pflege, gründlichst versaut. 😀 Für viele sicher ein Alptraum, für mich nur eine vollkommen logische Folge des Weges, den ich mit meinen Pferden eingeschlagen habe. Wenn ich meinen Pferden eigene Ideen zugestehe, wenn ich bereit bin, zuzuhören, wenn ich sie als eigenständige Wesen akzeptiere, muss ich auch dafür offen sein, dass meine Pferde „Nein“ sagen. Und dass sie eigene Vorstellungen entwickeln.

Ich weiß, ich rühre damit an Grundfesten der Pferdewelt, denn Pferden einen eigenen Willen zuzugestehen, ist ja immer noch geradezu ein Tabu. Darf man tatsächlich so weit gehen?  Wo schließlich kämen wir denn hin, wenn Pferde plötzlich nicht mehr zu tun bräuchten, was wir von ihnen wollen?

Tja, … wo kämen wir hin?

Ich bin auf diesem Weg zu einem Verhältnis mit meinen Pferden gekommen, das ich jeden Tag neu schätze. Das mich auch fordert, keine Frage, aber das ich mir immer gewünscht habe. Es entsteht eine Verbindung, von der ich zwar geträumt hatte, die ich aber nicht wirklich für möglich gehalten hatte. Ich lerne meine Pferde gerade in dieser Zeit noch viel intensiver kennen als mir das in all den letzten Jahren möglich war. Ich lerne, sie in ihrem eigenen Sein zu sehen und auch, sie immer besser zu lesen (auch wenn ich nach wie vor immer wieder an Punkte komme, an denen ich gar nichts mehr zu verstehen glaube). Das sind die Momente, in denen sich der Verstand mit seinen Vorstellungen, Ansprüchen und Erwartungen ausschalten muss, damit ich fühlen , damit ich mich einfühlen kann. Einfühlen in das, was mir meine Pferde zeigen, was sie mir vielleicht sagen wollen und wohin uns unser weiterer Weg führen wird.

Ob es auch ein bisschen konkreter geht? Nein, leider nicht, denn im Moment bin ich wieder einmal Suchende. Es ist ein Blindflug für mich, denn ich muss immer mehr Vertrautes (wie Trainingspläne und Ziele, Lektionen und Übungen, Ideen und Erwartungen) loslassen. Ich möchte lernen, mich darauf einzulassen, um mich von meinen Pferden führen zu lassen, denn ich ahne, dass es mal wieder ich bin, die etwas lernen soll. Wie so oft sind sie meine Lehrer und immer noch fällt es mir nicht leicht, das Annehmen und auch das Loslassen zuzulassen. Aber ich arbeite daran. Schauen wir mal, wo wir ankommen werden, was?

19. Februar 2013 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse 17 Kommentare »

 

17 Reaktionen zu “Funktioniert nicht mehr …”

 

Von Petra • 20. Februar 2013

Hallo,
das geht mir gerade ähnlich.
Gestern sagte ich doch glatt zu meinem Pferd es soll nicht mitdenken!
Er denkt zu viel und deswegen klappt das nicht mit der Übung?
Das kann doch nicht stimmen.
Vermutlich muss ich nur lernen genauer so sagen woran wir gerade arbeiten und worüber er gerade mitdenken soll.
Vielleicht muss ich auch was anderes gerade lernen, mit Glück verstehe ich das irgendwann.
Manchmal wundert man sich über sich selber.
In der Zwickmühle steckt wohl jeder mal. Wenn er Glück hat. 😉

_______________________

Zu schön, dieses „Wenn er Glück hat.“ 😀
Tania

 

Von Manuela • 21. Februar 2013

Liebe Tania,

auch mir geht es gerade so. Und nachdem ich euren Filmtip „Der Weg des Pferdes“ angesehen habe, ist bei mir noch viel mehr „durcheinander“ geraten. Au weia …
Da meint man, nach 30 Jahren „Erfahrung“ mit Pferden lehnt man sich zurück und alles flutscht von alleine. Pustekuchen …
Dieser Weg zu Freiwilligkeit und Partnerschaft, weg von Zwang und Dominanz ist verwirrend, auch frustrierend, aber die Momente, in denen das Pferd sich den gemeinsamen Ideen freudig anschließt, sind pure Gänsehaut und strahlendes Glück. Davon wieder abkommen – niemals! Einen Plan haben was der nächste Tag bringt – Fehlanzeige. Jemandem erklären was da gerade abläuft – unmöglich. Es ist das reine, pure Fühlen ohne Technik, Equipment und doppelten Boden. Aber dieses Glücksgefühl – das entschädigt für alles … 🙂 🙂 🙂

 

Von Marita Moje • 25. Februar 2013

Liebe Tania,
ich kann gut nachvollziehen, worauf du hinweisen willst! Und genau deshalb lese ich gern auf eurer Seite! Doch das Wort funktioniern hat nicht nur eine mechanische Bedeutung (die man unter Synonymen nicht mal findet!) Würde jeder so mit Pferden arbeiten, dass die Pferde oder viel mehr die Aufgaben, die man sich vornimmt ohne Druck
„arbeiten, gehen, laufen, glattgehen, glücken, gelingen, geraten, flutschen, auf Touren sein, geschmiert gehen, in Betrieb sein, in Gang sein, in Schuß sein, nach Wunsch gehen, ordnungsgemäß ablaufen, funktionieren, klappen“ gäbe es wenig Verbesserungsbedarf.
Am Wochenende durfte ich das Pferd meiner Lehrerin Steffi Böttcher „bespaßen“, d.h. ich durfte Otis frei arbeiten und er „funktioniert“ genau wie meine Ponys, obwohl sie absolut unterschiedlich vom Charakter und Temprament her sind! Warum? Es ist nicht nur die ähnliche Ausbildung. Vielmehr ist es der Umgang des Menschen mit den Antworten der Pferde. Und hierzu gehört, dass der Mensch ernst gemeinte Fragen stellt und zwar nicht „kannst du das für mich tun?“ sondern „was muss ich dafür tun, das du das tun kannst?“
Schon bekommt man auch das viel bemühte „nein“ nicht mehr, denn auf diese Frage kann nicht mit nein geantwortet werden. Wenn man ehrlich frei arbeitet, d.h. nicht erst mit Hilfsmittel zum Festhalten, dann erübrigt sich ohnehin das Meiste von selbst.
Viele Grüße Marita

 

Von christa müller • 25. Februar 2013

Liebe Tania,
was für eine schöne Einstellung den Pferden und auch Dir gegenüber! Ich wünsche gutes Gelingen und viele tiefgehende, berührende Momente. So, wie Du es schreibst, hast Du die ja schon…aber von denen wünsche ich Dir, mir und allen andern Pferde /Pony „Besitzern“ (wohl eher Partnern !)noch viele mehr.
Für mich mit meiner Reitschule, manchmal etwas kniffelig, allen gerecht zu werden, vor allem den Pferden, wenn ich diese Grundsätze anwende….nicht immer soo zufriedene SchülerInnen, da sie eben erst an sich arbeiten sollen/dürfen/müssen ;-).Versteh mich nicht falsch, die Leute wissen schon, dass es meist an ihnen liegt oder eben, dass das Pferd sie auch beim Reiten haargenau spiegelt, nur, mal ganz ehrlich: WOLLEN wir immer ganz genau im Spiegel hinsehen?!
Diese ReitschülerInnen kommen ja auch genau aus diesem Grunde zu mir, um sich da eine etwas andere Sehensweise zu erarbeiten, aber es ist nicht immer alles so rosig dann. Es braucht viel Ehrlichkeit, Mut, Wille, auch Liebe sich und seines Pferdes gegenüber, um hier an sich zu arbeiten. Wieviel einfacher ist es doch manchmal zu sagen, „das kann mein Pferd einfach nicht“. Oder: “ Ich bezahl schliesslich sein Futter, da muss er jetzt durch, wie durch Ostern und Pfingsten „!
Wenn man dann, von dieser Art zu unterrichten lebt, macht man dann schon mal fast den Spagat….
aber es lohnt sich! Vor ca 25 Jahren war das noch schwieriger, mit so einer Einstellung den Tieren gegenüber, dass sie eben auch mal NEIN sagen dürfen, zu einem Reitschüler oder zu der Art, wie sie grad behandelt werden, genug Gleichdenkende Menschen zu finden, um diesen Reitunterricht bestehen zu lassen.
Als ich damals anfing, machte ich mir und den Pferden ein Versprechen; wenn ich dies so nicht durchziehen könnte, würde ich wieder etwas anderes arbeiten gehn.
Wir haben’s geschafft und jetzt ist die Zeit da, dass viele umdenken! Nicht zuletzt auch wegen Dir, Tania und Babette! Ein herzliches Dankeschön und macht weiter so!!
Christa

 

Von Esther Koplin • 25. Februar 2013

Wir hatten eine Reitstunden, in der mein Pferd keine Lust auf Trab sondern nur auf Galopp (ihre Lieblingsgangart) hatte. Da haben wir uns eben nach ihr gerichtet, haben viel Galopparbeit gemacht mit dem Ergebnis: zufriedenes Pferd und viel Spaß. So soll es sein. Reiten muss beiden Spaß machen!

 

Von Nicola Hoffmann • 25. Februar 2013

Hallo Tanja,

genau das was du beschreibst erlebe ich gerade, aber ich stehe noch ganz am Anfang. Seit September haben wir einen kleinen Offenstall und auch ein 2. Pferd. Das stand schon an diesem Stall und wir haben es „einfach“ übernommen. Ich lerne so ganz allmählich von diesem Druck, du mußt heute aber etwas mit den Pferden „arbeiten“ weg zu kommen. Es fällt mir zugegebenermaßen häufig noch schwer, aber es gelingt mir immer mehr meinen Pferden zuzuhören. Und wenn dann plötzlich einfach so, nur auf ein Zeichen hin etwas klappt, mein Pferd motiviert ist und mir begeistert alles zeigt was es kann, ist das ein unglaublich schönes Gefühl. Ich habe noch einen weiten Weg vor mir, aber alles beginnt mit dem ersten Schritt.

 

Von Nina • 25. Februar 2013

Hallo Tania!
Nein, die Pferde müssen nicht funktionieren, aber ein bisschen gesundheitserhaltender Sport muss schon sein. Außerdem ist es doch auch langweilig, immer im selben Paddock rumhängen. Damit wir uns aber zusammen auf der Straße bewegen können, müssen die lieben 4 Beiner auf mich hören. Da kann ich auch mal ganz schön streng sein, z.B. Wenn es um etwas geht, wie an der Straße anhalten. Jahrelang bin ich im Gelände herumgeritten und fand das klasse, dass meine Pferde alles selbst entscheiden und ich ganz lässig drauf sitze und durch die Gegend träume. Auf diese Art bin ich auch öfter mal runter gefallen. Heute weiß ich, wenn ich drauf sitzen will, dann muss ich dem Pferd auch sinnvolle Gymnastik bieten, damit es mich gut tragen kann. Darum mache ich mir nun hauptsächlich Gedanken. Wenn etwas nicht geht, dann finde ich es gut 3 Fragen zu betrachten: kann er nicht? Will er nicht? Oder hat er es nicht verstanden? Wenn man dann mit Einfühlungsvermögen dran geht, dann findet man schon nen Weg. Ich habe drei Wallache und ich erlebe es so, trainiere ich mal mit dem einen mehr, dann fühlen die anderen sich vernachlässigt und auch wenn sie mal anstrengende Dinge machen müssen, so sind sie doch stolz, wenn sie was geleistet haben, die Belohnung einheimsen und dann immer fitter und geschmeidiger werden. Die schlimmste Erkenntnis, ist einfach die, dass ich meinen älteren Araber im Rücken geschädigt habe durch das jahrelange Geländereiten im leichten Sitz und am langen Zügel..Dieses Pferd hätte schon von Anfang an in seiner Grundausbildung Geraderichten gebraucht. Aber ich wusste nicht wie..Mein Haflinger, der ist der älteste von den dreien, der hat es körperlich gut weggesteckt. Der ist nun 29 Jahre und immer noch relativ gut beweglich. In meiner Umgebung gibt es so einige Pferde, mit denen nichts gemacht wird. Das find ich immer schade. Das sind doch intelligente Tiere und die wollen doch auch mal nen Ausflug machen.
Also mein Fazit zu diesem wichtigen Thema: mit der Einstellung, dass das Pferd zu funktionieren hat, soll man wirklich nicht dran gehen! Aber wenn es um die Fitness geht, dann erlaube ich mir schon die Herren aus dem Mittagsschlaf zu holen. Vor allem, wenn zu beobachten ist, dass sie sonst immer dicker werden..;)
Das einzige Thema, wo ich mir wirklich schwer tue, ist das Hängerfahren. Mein jüngerer Araber ist sehr intelligent und temperamentvoll, wenn er in den Hänger soll, dann ist das ne aufregende Aktion. Ich kann ihn nur zu gut verstehen, dass er da nicht rein will und neben seinem Gleichgewichtsproblem widerspricht es ja auch völlig seinem Instinkt..Aber mit diesem Pferd möcht ich endlich mal auf Lehrgängen lernen und ihn von Anfang an korrekt ausbilden. Also werde ich demnächst wieder mit ihm vor dem Hänger stehen und sagen: „Sorry, ich kann Dicht nicht hinbeamen und zum hinreiten ist es auch zu weit..Du musst jetzt also einsteigen.“ Und wenn er dann völlig gestresst und nassgeschwitzt wieder aussteigt, dann bedanke ich mich bei ihm und bin stolz auf ihn, dass er diesen Stress für mich auf sich nimmt. Aber so ganz freiwillig geht’s halt nicht..Bei diesem Thema geht’s wohl vielen Pferdebesitzern so, oder?
Liebe Grüße, Nina

 

Von Kerstin • 25. Februar 2013

…ständig hörte ich Sätze wie; wenn DU Deinem Pferd nicht zeigst, dass DU der Chef bist, wirst DU nie „sicher“ sein 🙁
Ich glaube nicht, dass man mit Dominanz Probleme lösen kann.
Von Anfang an versuche ich (von Pferden kaum einen Schimmer) einen ähnlichen Weg zu gehen, wie Ihr ihn geht. Ich habe viel gelesen. Eine Zeit habe ich gedacht, ich wäre mit der Einstellung so ziemlich alleine und es gibt keinen der mich versteht. Bis ich auf die Bücher von Mark Rashid stieß. Und nun habe ich Eure Seiten gefunden und werde mich hier regelmäßig einlesen. Danke für diese Seiten.
Mein Mädchen zeigt mir auch deutlich wenn sie etwas nicht will, oder sie sich ungerecht behandelt fühlt, oder vielleicht mal Bauchweh hat und den Sattel grade dann nicht auf dem Rücken haben mag. Manchmal verstehe ich sie – manchmal leider nicht. Aber ich glaube das nimmt sie mir dann auch nicht wirklich übel, weil sie weiß, wie wir zueinander stehen.
liebe Grüße

 

Von Frauke • 26. Februar 2013

Für Nina: ja, dass geht auch anderen so. 😉 Ich habe mein Pferd vor 12 Jahren halbtot aus ganz schlechter Haltung und schlechtem Umgang „rausgekauft“. Und ich arbeite seit 12 Jahren am „nein“. Wir werden darin immer feiner und ich bin heute super stolz auf alles, was wir schon geschafft haben. Inzwischen kann ich ihn sogar auf den Anhänger schicken. Echt cool! Nun gibt´s aber das nächste Problem: das Aussteigen dauert ihm zu lange…
Total überrascht war ich davon, dass mein Pferd auf unterschiedliche Peitschen / Sticks total unterschiedlich reagiert – selbst, wenn ich sie nur einfach locker in der Hand halte und sie auf dem Boden mitschleife. Mit meiner Longenkurspeitsche trabt er frei ganz langsam neben mir und mit dem viel kürzerem Stick (der für mich viel „harmloser“ ist) ist er immer so ein wenig auf der Flucht. Tja, mal wieder falsch gedacht. 😉 So lernt man täglich.

 

Von Tania • 26. Februar 2013

Wow, danke für all Eure Gedanken und Rückmeldungen. Spannend! Ich freu mich auf mehr!!!
Tania

 

Von Mirja Kasper • 26. Februar 2013

@Nina, ich sehe das auch ähnlich wie du, wenn das Pferd alles elbst entscheiden kann kann das unter Umständen schon echt gefährlich werden, gerade im Gekände, und ich habe eben auch an stehn an ner Straße oder so gedacht etc….was ich gerade versuche rauszufinden ist die Balance zu finden..von dem absoluten be strict zu eigenen Willen zugestehn, Geitner sagt dazu das ei Pferd einen nicht ernstnimmt wenn man da keine klare LInie vertritt und absolut geklärt sein muß wer der Boss ist. Mhhhh…is alles nich so einfach, und manchmal verwirrend….doch vielleicht muß man einfach selbst herausfinden wie es mit dem eigenen Pferd am besten funktioniert, auch mein absolutes Ziel ist es eine Harmonie mit dem Pferd zu erreichen, ein motiviertes und glückliches, ausgeglichenes, gesundes Pferd, gute Teamarbeit, Vertrauen…
Ich denke schon das ein Pferd gehorsam sein sollte, aber eben nicht unter DRauck, Zwang oder Angst, sondern weil es weiß das ich es gut mit ihm meine,und das er dann dafür von mir auch ne extra Portion lckre Sachen wie ne Mohrrübe, Apfel,Hafer oder müsli gibt. Ein geben und nehmen …:-)???

 

Von Marina • 27. Februar 2013

Wunderschöne Worte!
Seit ein paar Jahren gehe ich jetzt schon diesen Weg, den Du dort beschreibst. Meine Pferde „funktionieren“ schon seit Jahren nicht mehr. Im gemeinsamen Tun lernen sie das, was sie lernen möchten. Das kann immer ganz unterschiedlich aussehen. Es führt dazu, dass meine Pferde sich gut trainieren – weil sie merken, dass es ihnen gut tut. Für uns war das Buch „Selbstbewusste Pferde“ der Schlüssel zu dieser ganz anderen Pferdewelt.
Glücklicherweise geht im Alltag vieles ganz automatisch. Die Pferde sind froh, wenn ich mich draußen auskenne, wenn ich dann einfach die Führung für den Moment übernehme, wenn ich das „Monster“ kenne und damit umgehen kann. Aber es ist einfach eine ganz selbstverständliche Folge unserer Freundschaft. Wenn ich eine Freundin in einer fremden Stadt besuche, dann überlasse ich auch ihr die Führung.
Ich habe nach diesen Jahren den Eindruck, dass Pferde ziemlich zugänglich sind. Meine halten an der Straße zuverlässig an, weil sie merken, dass ich mir das wünsche und weil mein Gefühl ist, dass die Straße gefährlich ist. Und es gab noch nie eine Diskussion an dieser Stelle (und auch sonst ist uns in all den Jahren nie was passiert, obwohl mir das von „Pferdeleuten“ immer und immer wieder prophezeit wurde). Ich habe gelernt, mit meinen Pferden ehrlich, authentisch und in Übereinstimmung mit dem, was ich gerade fühle, zu kommunizieren. Ich glaube, dass es deswegen auch so gut klappt. Denn sie wollen genauso kommunizieren wie ich, sie wollen mit mir zurecht kommen, wie ich mit ihnen zurecht kommen will und deswegen gibt es eben auch im Gelände oder an der Straße dann keine Probleme. Denn es ist ja nicht so, dass ich sie einfach machen lasse. Wir sind Freunde und wir wollen gemeinsam etwas machen. Deswegen hören wir einander zu und deswegen muss keiner von uns der Boss sein.
Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht!

 

Von Sibylle • 2. März 2013

Tanja, du sprichst mir und allen Pferden aus der Seele. 🙂
http://www.youtube.com/user/BILLYBAJI1?feature=mhee
http://www.facebook.com/pages/lavoro-con-il-cavallo-in-libert%C3%A0/287680477928004

Ich bin schon alnge auf der Suche nach Menschen, die sich von diesen Vorstellungen loesen wollen oder schon geloest haben, und bin gluecklich in deinem Blog diese zu finden.

Sibylle

 

Von Nicole • 11. April 2013

Hallo Tanja,

diesen Beitrag finde ich echt gut. Nun wollte ich dazu ein Verhalten von meinem 6 jährigen Hafi berichten.
navaro ist immer bereit mit mir zu kommen, wenn ich mit ihm etwas unternehmen möchte. Noch mehr natürlich, wenn er dazu noch Begleitung hat, wir also nicht allein ins Gelände gehen. Dabei fällt mir seit einiger Zeit auf, dass er irgendwann, wenn wir etwa 3/4 der gesamtlänge zurückgelegt haben, einfach stehen bleibt und mich dabei erwartungsvoll anschaut. Ich interpretiere es dann meist als „Hey, jetzt hab ich dich lang genug getragen. Wie wärs denn mal, wenn du auch mal wieder die eigenen Füße benutzt?“ Wenn ich allein unterwegs bin steige ich dann oft ab. Man sieht es ihm richtig an, wie erleichtert er ist, dass ich ihn richtig verstanden hab. Manchem gefällt das aber nicht, dass ich dann absteige und meint, er würde mich nur verar*****. Aber ich sehe das so nicht. Er scheint mich ja wirklich darum zu bitten, denn er könnte ja auch einfach losbuckeln und so sagen, „…jetzt ist Schluss mit Lustig! Von hier aus läufst du!… Außerdem hat er bis jetzt höchstens 2x Nein gesagt zu meinen Ideen, mit ihm zu arbeiten.
Dazu muss ich sagen, dass die Geländerunden nicht sonderlich lang sind (höchstens 1h)und er mit einem passenden Barefoot Cherokee gesattelt wird. Kleine Schrittrunden werden auch mal ohne Sattel oder nur mit einem Pad mit Longiergurt absolviert.
Jenachdem wer dann mitreitet – wenn jemand mitreitet- entscheide ich dann, ob ich absteige oder bis zum Stall oben bleibe und seine „Bitte“ einfach ignoriere. wenn ich obenbleibe fragt er in kurzen abständen noch ein paar mal und sagt dann: „… ja ok, dann bleib halt oben, bis wir zu hause sind.“

Diejenigen, die zu mir sagen, ich solle unbedingt oben bleiben, da er mich verar***** will, irritieren mich dann doch und ich weißß dann manchmal nicht, was denn nun richtig ist. Aber mein Bauchgefühl sagt mir doch, dass es völlig ok ist, dann auch mal abzusteigen und den Rest des Weges zu Fuß nebenher zu gehen.

Kennst Du das auch von Deinen beiden Hafis und wie gehst Du mit sowas um?

LG Nicole

____________________

Hallo Nicole,

ich finde das toll, dass Du so achtsam bist und Dein Pferd Dir das so zeigen kann und Du es so liebevoll beantwortest! Ich würde sagen: Bleib bei Deinem Gefühl und lass Dir da von niemanden reinreden. Es geht um DEIN Pferd und DEINE Beziehung zu Deinem Pferd!

Alles Gute,
Tania

 

Von Ellen Schneider • 29. April 2013

Habt ihr mal Cesar Milan bei der Hundearbeit gesehen? Er sagt ganzbewußt arbeite mit deinen Gedanken, sehe Bilder „so soll es sein/ So wünsche ich es mir“ Das Tier egal ob Hund oder Pferd reagiert darauf den dein Körper/ Gedanken spricht auf eine für alle Sprachen verständliche Weise…
Dieser Mann hat mit Pferden gar nix am Hut ich hab ihn in Amerika auf einem Pferdehof gesehen als er einen Hund mit Panischenbeißattakken „Therapiert“ hat.Als er Spasseshalber auch mit einem Pferd gearbeitet hat hat es ohne mit der Wimper zu zucken bei ihm „funktioniert“! er sagte nur „I think always animalish“
Am Anfang habe ich nicht so ganz verstanden was er meint aber wenn man das ganze auf unsere Hottes überträgt erscheinem einen ein AHA nach dem anderen…. Ich entdecke Möglichkeiten mit meinem Pferden, die ich nie für möglich gehalten hätte…Wenn ich mein“Alpenmonster“ zum Beispiel nehme.. Sie kam als unreitbar zu mir ich bin sooo oft von diesem Pferd gesegelt, das man mir fast den Segelflugschein ohne Prüfung verliehen hätte. Ich war am Ende.. Ich hatte sie doch bisher ALLE geknackt das sie „Funktionieren“
Aber erst als ich mich an dieses spezielle Ereignis besann, hat es klick gemacht… Ihr könnt mich jetzt für Verrückt halten in der Zwischenzeit können wir sogar „Bilder“ austauschen es klappt nicht immer aber ich habe gelernt auf das, zuhören was meine Zossen mir sagen wollen.. Und Ich kann nur sagen das meine Pferde einiges aushalten müssen( Therapeutisches Reiten/ Behinderte Kinder/Reitunterrichtect.).. und sie tun es (meistens) ohne mit der Wimper zu zucken, für das „Team/ die Herde“…..

 

Von Stephanie Silvan • 2. Mai 2013

@Ellen Schneider
Ich bin Verhaltensbiologin und finde Cesar McMillan und seine Dominanz- und Gewaltmethoden ganz, ganz furchtbar. Den würde ich mir jetzt nicht als Vorbild zu tiergerechten Ausbilungsmethoden hernehmen.

Zurück zum Pferdethema denke ich, dass man unterscheiden muss zwischen Beziehung, Erziehung und Ausbildung. In der Ausbildung haben aversive Methoden meiner Meinung nach gar nichts zu suchen, ebensowenig in der Beziehung.
Allerdings muss ein Pferd schon auch seine Grenzen kennenlernen, denn so viel Wert mir auch die Meinung meiner Pferde ist – meine eigene wird dadurch ja nicht vollkommen wertlos.

Ich lege viel Wert auf Überzeugungsarbeit statt Zwang. Ich habe aber zwei sehr unterschiedliche Pferde und dem entsprechend gehe ich auch unterschiedlich auf sie ein. Meine Stute ist sehr zuverlässig, kooperativ und mutig, scheut vor nichts und niemandem, neigt dafür aber sehr leicht zum Büffeln, Rempeln und Zerren. Da muss ich ihr schon unmissverständlich sagen dürfen, dass Anrempeln ein No-Go ist. Unterm Strich denke ich aber, dass gerade sie eine heftige „Ansage“ meinerseits nie übel nimmt. Im Gegenteil, ich bekam sie als „Wildsau“ und habe jetzt ein sanftmütiges leichtführiges Pferd, das sich gern in meiner Nähe aufhält und gern und freiwillig mitarbeitet.

Mein Wallach ist wiederum ganz anders. Er ist leicht zu verunsichern, erschreckt leicht und wird schnell panisch/unruhig, wenn er sich festgebunden oder eingepfercht fühlt. Zuviel Druck lässt ihn „explodieren“. Mit ihm dürfte ich nie grob sein oder er würde das Vertrauen verlieren. Er sucht von mir vorwiegend Schutz, aber auch Führung. Er ist ein echtes „Mamapferd“ und wenn er sich erschreckt, springt er nicht vor mir weg. sondern mir auf den Schoß. Im Gegensatz zu meiner Stute würde ich das bei ihm aber nie sanktionieren.

Ein guter Pferdemensch (war es Mark Rashid?) sagte mal, das Pferd entscheidet selbst wie man mit ihm umgeht. Meine Stute nimmt Menschen, die „zu zart“ sind, einfach nicht ernst. Mein Wallach reagiert darauf sehr positiv.

Es ist immer alles eine Frage der ganz persönlichen Beziehung und ein und die selbe Sache kann für ein Pferd genau das Richtige und für ein anderes genau das Falsche sein.

 

Von Monika • 7. August 2014

Dass man der Führer in der Mensch/Pferd-Beziehung sein sollte, ist, denk ich, unbestritten. Nur, wie man zum Führer wird, das ist entscheidend. Ideal ist, wenn das Pferd selber erkennt, dass es im Menschen einen zuverlässigen Partner hat an dem es sich orientieren kann, ja will. Mein Pferd ist froh, wenn es nicht selber entscheiden muss, denn es hätte vor allem und jedem Angst. Wenn ich aber dabei bin, dann *fragt“ es mich, was ich davon halte und ich deute ihm: Alles okay, wir können durch, und er geht ganz ruhig weiter. Das war nicht immer so! Lange dachte ich, der muss jetzt da durch und versuchte mich mit allen Mitteln durchzusetzen und jedesmal erhielt ich eine Lektion darin, wie es eben nicht funktioniert Ja, es wurde immer schlimmer und mein armes Pferd immer ängstlicher, weil er nun auch noch Angst vor mir hatte, was mich sehr traurig und nachdenklich stimmte. Ich musste umdenken und lernen, dass ich nur weiterkommen werde, wenn ich die Bedürfnisse meines Pferdes berücksichtige. Dir Lösung war „passive Persistenz“, also präsent sein, Geduld aufbringen und dem Pferd Zeit lassen und Unterstützung bieten, wenn es danach fragt. Erst als ich dies wirklich verstanden hatte, begann das Pferd mir zu vertrauen, denn es wusste, es würde nicht mehr gedrängt und überfordert.

Mein Pferd ist und bleibt ein grosser Lehrer für mich, denn er zeigt mir, was wahre Freundschaft bedeutet und seit ich so agiere wie er es mich gelehrt hat, gibt es auch keine Probleme mehr.

Ich habe übrigens auch gelernt, meinem Pferd Dinge mit Worten zu erklären und auch das ist erstaunlich erfolgreich. Z.B, war mein Kleiner anfangs sehr maulorientiert und knabberte gerne an mir herum. Ich erklärte ihm dann, dass er es immer fein tun solle, weil er mir sehr weh tun könnte. Bisher hält er sich super daran. Er hat mich noch nie gezwickt oder so, sondern immer nur zart mit den Lippen berührt, was ich unheimlich süss finde. Auch die Leckerli nimmt er jetzt sehr fein aus der Hand.

 

 

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