Gruseltage

Ich finde, es ist immer wieder spannend zu erleben, wie unterschiedlich ein Pferd drauf sein kann. Anthony ist von seinem Grundcharakter her eher ein Energiesparmodell. Bevor er sich zu viel bewegt, wird lieber erstmal gründlich überlegt, ob das alles nötig ist und im Zweifelsfall bleibt er lieber stehen, als dass er einen Sprint einlegt. Aber es gibt diese Tage, an denen alles ein bisschen anders ist und ich denke, das kennen viele von Euch auch von ihren Pferden.

Solche Tage nenne ich Gruseltage, denn an diesen Tagen ist einfach alles dazu angetan, sich zu erschrecken:

  • „Wuah, der Traktor da, der frisst Haflinger, ganz sicher.“ – „Nein, Anthony, der Traktor frisst keine Haflinger, das ist der Traktor, der täglich an dir vorbeifährt und der dir noch nie was getan hat.“
  • „Auweia, schau mal da ein Baum und huch, noch einer.“ – „Ja, Anthony im Wald gibt es häufig mal Bäume, die gehören da hin.“
  • „Ojemine, der Findling da lauert mir auf, gleich springt er mich an!“ – „Nein, Anthony, der Findling wird einfach da liegen bleiben, wie er schon seit Jahren an genau dieser Stelle liegt.“

Ihr wisst, was ich meine.

An diesen Tagen reite ich eher einen Flitzebogen als ein Pferd. Früher fand ich das einfach nur schrecklich. Nicht nur, weil ich Angst hatte, sondern weil ich immer dachte, ich müsse etwas dagegen tun. Schließlich sollte er sich das Scheuen nicht angewöhnen. Veräppelt er mich vielleicht gar und ich muss mich durchsetzen? Gerade einem jungen Pferd darf man ja keine Flausen durchgehen lassen, nicht wahr? Oder vertraut er mir einfach nicht? Bin ich kein guter Führungsmensch? Habe ich doch alles falsch gemacht in seiner Ausbildung?

Mit all diesen Gedanken habe ich die Situation natürlich eher schlimmer als besser gemacht. Meine Sorgen führten zu Anspannung auf meiner Seite, was Anthony wiederum als Echo auf seine Anspannung aufnahm und sich bestätigt fühlte, nach dem Motto: „Ha! Ich habe recht, auch sie macht sich Sorgen.“ Und so können sich Mensch und Pferd wunderbar in eine Hysterie-Spirale hineinsteigern.

Heute gehe ich mit diesen Tagen ganz anders um. Ich bleibe ruhig und gelassen, weil ich weiß, dass diese Tage kommen und auch wieder gehen. Ich bleibe freundlich und beruhige mein besorgtes Pferd. Und ich passe meine Forderungen seiner Stimmung an. An einem solchen Tag probiere ich erst gar nicht, ob ein Galopp möglich ist und ich meide ggf. auch den Trab, wenn er sich dabei noch mehr aufspielt. Wir machen dann einfach eine Schrittrunde. Und wenn selbst das noch zu aufregend ist, steige ich ab und führe.

Wir dürfen nie vergessen, dass wir es mit einem Fluchttier zu tun haben und es liegt in der Natur eines Fluchttieres, fluchtbereit zu sein. So gut wir unsere Pferde auch auf alles Mögliche vorbereiten, so viel wir mit ihnen trainieren und so oft sie vollkommen gelassen sind, so bricht manchmal einfach ihre Natur durch. Das kann der Frühling sein oder etwas liegt in der Luft oder es ist einfach an diesem Tag alles beängstigender als sonst. Wenn wir an solchen Tagen versuchen, uns „durchzusetzen“ oder unser Pferd mit „Nun reiß dich mal zusammen, du bist hier schon x-mal vorbeigegangen!“ anmotzen, verkennen wir das Pferd-Sein. Für ein Pferd in der freien Wildbahn ist es überlebensnotwendig, die Umgebung immer genau im Blick zu haben und sich im Zweifelsfall einmal zu viel Sorgen zu machen als einmal zu wenig.

Die meisten unserer Pferde blenden ihre natürlichen Instinkte für uns aus. Wenn sie dann aber einmal durchbrechen, habe ich heute einfach nur Verständnis dafür.

20. März 2012 von Tania Konnerth • Kategorie: Verhalten 29 Kommentare »

 

29 Reaktionen zu “Gruseltage”

 

Von Eva • 20. März 2012

Hallo Tania!
Der Artikel ist mal wieder wunderschön und bringt es genauso rüber wie ich es so oft erlebe. Wenn ich locker und entspannt auf dem Pferderücken sitze dann ist meine Stute auch total lieb und „erschrickt“ nicht wenn ich aber verkrampft und voller Angst auf meiner Stute sitze ich auch auf einem „Flitzebogen“ wie Du es so schön bezeichnest 🙂

Lg Eva 🙂

 

Von Corinna • 21. März 2012

Und uns Menschen gehts doch manchmal nicht anders. Ich hab/hatte Flugangst, aber ich steige immer wieder ein und es wird immer besser und jetzt finds ich sogar spannend, wenn wir im Landeanflug über das Land segeln. Aber hin und wieder werde ich super panisch (von jetzt auf dann) und bekomme Todesangst und bin felsenfest davon überzeugt, dass wir jetzt dann gleich abstürzen und alle sterben. 😎 🙂 Sowas lässt sich einfach nicht so einfach abschalten. Hut ab vor unseren Pferden, wenn sies dann trotzdem tun, da steckt schon viel Mut dahinter, obwohl es Fluchttiere sind.
Wenn meiner wieder Flitzebogen spielt rutscht mir schon das Herz in die Hose, ABER wir arbeiten daran und ich glaub, ich werde sogar immer ruhiger :-), zum Glück.

 

Von Krissi • 21. März 2012

Hallo Tania!
ich verfolge eure Seite schon seit einiger Zeit und habe schon viele Sachen gefunden, die meinem Süßen und mir sehr geholfen haben, gerade was den respektvollen Umgang und das Miteinander betrifft.
Auch dieser Artikel passt gerade wieder zu den jetztigen „Frühlingsgefühlen“ meines Halbstarken ;).

Aber solange ich Ruhe ausstrahle und die Sache mit Humor nehme, kommt er meistens schnell wieder runter und wir können das reiten draußen genießen.
Und der eine oder andere kleine Hüpfer ist meiner Meinung nach gerade nach dem Winter auch Ausdruck von Lebensfreude.
Und sollte ein „Gespenst“ wirklich zu schrecklich für den Kleinen sein, dann wird abgestiegen und das Ding in aller Ruhe angeschaut.

Vielen Dank für die tollen Anregungen und macht weiter so!!

Viele Grüße von meinem Kleinen und mir

 

Von Tania • 21. März 2012

Dankeschön Euch dreien für Eure Kommentare!
Tania

 

Von Renate • 22. März 2012

Menno – das hätte ich am Wochenende gebraucht und der Trainerin unter die Nase halten sollen :-(((( Sie war der Meinung weil ich das 100 % so wie Tania sehe (noch bevor ich den Artikel gelesen hatte…), mein Pferd mich nicht als Führungsperson akzeptiere und ich der, O-Ton “ verzogenen pubertierenden Göre“ (knapp 7jährige Isistute) mal zeigen soll wer Chef ist….Selbstredend wird die mich NIE mehr als Schülerin sehen!!!! Leider habe ich den Unterricht nicht sofort beendet sondern unter Gruppenzwang sozusagen die Stunde fertiggeritten :-((( ich habe immer noch ein schlechtes Gewissen!
Und meine Meinung, die sich mit Krissie absolut deckt: Ziat „Aber solange ich Ruhe ausstrahle und die Sache mit Humor nehme“ erntete nur spöttisches Lächeln…

_________________________

Das mit dem Gruppendruck kennen wir alle, denke ich. Und wir alle haben unter Anleitung schon so manches gemacht, was wir eigentlich für falsch halten. Wichtig ist, das für sich wahrzunehmen und daraus zu lernen.

Herzlich,
Tania

 

Von Dagi • 22. März 2012

Mensch Tania

Das ist so schön jetzt das hier zu lesen! Das bestätigt mich jetzt aber enorm, ich so als Alleinewurstler.

Wie du das beschreibst, erlebe ich es, und genauso habe ich früher reagiert, und genauso wie du es jetzt beschreibst, habe ich mich entschlossen auch zu reagieren.

Es gibt Ausritte wo ich weder trabe noch galoppiere, weil ich genau weiss wies rauskommt, und mein Frieschen und ich nachher sehr unglücklich sind!

Wenn er sich stark gruselt von den alltäglichen Sachen, die so draussen lauern steig ich sogar ab und weisst du was ich manchmal von ihm dann glaube zu hören?

Ich bin ja sowas von froh gehst du einbisschen neben mir! Er lässt dann den Hals fallen und schnaubt schon bald ab! Manchmal steige ich wieder auf und manchmal gehe ich einfach neben ihm 🙂

Liebe Grüsse
Dagi

__________________________

Liebe Dagi,

ich denke, Du hast einen wundervollen Draht zu Deinem Pferd – bewahr Euch das!
Tania

 

Von Sabine • 26. März 2012

Guten Morgen!
Ich habe auch so eine 16jährige „Anstrengungsvermeiderin“ als Pony daheim – nachdem sie sich in ihrem Bewegungstall eh schon soooooooo viel bewegen muss 😉 um an Futter zu kommen ist sie beim Reiten eher auf der gemütlichen Seite. Wenn nun so „Gruseltage“ daherkommen, ist das eine regelrechte Freude für mich – juhu, sie bewegt sich ja doch. Ich mag diese ihre Stimmung und wenn sie hüpft und springt, dann ein Lacher von mir und ich habe das Gefühl, sie grinst dann auch (wenn ihr wisst, was ich meine). Und an eine Schrittrunde ist da nicht zu denken, nee – ganz im Gegenteil. Dazu muss ich allerdings sagen, dass mein Stuti auch in diesem „Fürcht-Schreck-Hüpf-Zustand“ von mir immer unter Kontrolle zu halten ist.
Die Tinkerstute einer Bekannten hat auch so Tage – da hilft dann nur eines: sie geht vorne in der Gruppe – und dort, als „Chefin“ verwandelt sie sich binnen Sekunden vom schreckhaften, buckeligen Fluchttier in eine verantwortungsvolle Gruppenführerin – wir haben das schon mehrmals (gerade jetzt im Frühling!) so erlebt und sind immer wieder erstaunt ob dieses Verhaltens.
Grüße
Sabine

 

Von Gabriele Jensen • 26. März 2012

Guten Morgen!
Auch ich habe einen Tinker, der unnötige Anstrengungen vermeidet, wo er nur kann! Nun haben wir nach dem Winter die ersten 3 Ausritte gemacht. Erstaunlich, was sich alles verändert hat. Wir hatten einen Sturm und der Wald sieht vollkommen anders aus. Hui wie gruselig 🙂 – mein Dicker war richtig frisch! An solchen Tagen darf ich an Galopp auch nicht einmal denken und es werden immer wieder „Arbeitseinheiten“ eingeflochten, um den Herren „runterzufahren“. Zudem sind die Bären aufgewacht, wir sind auf frische Spuren gestossen. Das sorgt bei den Pferden auch immer fuer einen ordentlichen Adrenalinschub 🙂 und man selber ist vielleicht auch nicht mehr so ganz locker….
Liebe Gruesse aus Schweden
Gabriele

 

Von Janika • 26. März 2012

Hallo Tania!

Vielen Dank für den Artikel, ich hatte nämlich gerade dieses Wochenende zwei solcher Gruseltage mit meiner Traberstute „durchzustehen“. Die Pferde waren wohl schon am Freitag sehr lustig drauf, nachdem unser SB im Hof, der an unseren Offenstall grenzt, mit irgendwas fürchterlich Stinkendem hantiert hatte und dann auch noch das Feld direkt neben der Winterweide gepflügt hat.
Schon am Putzplatz, der sich im besagten Hof befindet, stand meine Stute total unter Strom und war kaum zu beruhigen. (Normalerweise steht sie absolut brav am Putzplatz, ich muss sie nicht mal anbinden.)
Ich muss mich in solchen Situationen immer am Riemen reißen, nicht sauer zu werden, sondern das von dir beschriebene Verständnis aufzubringen. Gestern habe ich dann einfach nur auf dem Platz Bodenarbeit gemacht und geclickert, um ganz bewusst wieder Ruhe ins Pferd zu bringen – und siehe da, am Anfang war sie noch permanent am Wiehern, aber irgendwann konnte sie sich immer mehr auf mich konzentrieren und ihre Anspannung ein wenig vergessen. Reiten macht an solchen Tagen für uns kaum Sinn, einfach weil ich selbst noch mein Angstproblem hab und wir uns da nur gegenseitig hochschaukeln. Da bin ich am Boden viel souveräner und gelassener und kann Ylaria einfach viel mehr Sicherheit geben.

Liebe Grüße, Janika

 

Von Katharina • 26. März 2012

Guten Morgen,
dieser Artikel gefällt mir mal wieder besonders gut!
Mein junger Kalti war im Winter im Gelände immer so ängstlich, obwohl er im Herbst noch normal raus ging.Wir haben die Ursache darin gefunden, dass er Schmerzen an den Füßen wegen abgenommener Eisen hatte. Ist doch logisch, dass ein Fluchttier, was das Gefühl hat nicht richtig flüchten zu können, ängstlich ist!
Seit er die Eisen wieder drauf hat, kommen die Gruseltage nur noch selten und dann verfahre ich wie Tanja auch. Gut zu wissen, dass ich das nicht alleine so mache. Mach ein Fußgänger hat mich nämlich schon entgeistert angeschaut, weil ich neben meinem Pferd herlaufe und nicht reite…
Schönen, sonnigen Tag euch allen!
Katharina

 

Von Silke • 26. März 2012

Hallo an alle,also es tröstet mich gerade sehr,wenn ich lese,das viele das Gleiche Problem haben, ich habe mit meinem zur zeit viele Probleme,so das ich schon denke, das wir ein falsches Team sind udn er besser einen anderen Reiter/Besitzer haben sollte…aber das gibt mir wieder den mut und hoffnung weiter zu machen..wir sind leider beide auch oft unglücklich…weil mein isi eher ein unsicherer ist,da brauch doppelt Mut und die Kraft für uns beide,was nicht immer so leicht ist….ich hoffe aber,das es nochmal klappt…lg Silke

 

Von Rita • 26. März 2012

Hallo zusammen
Meine Tochter hat letzten Winter angefangen mit unserer schreckhaften und manchmal nervösen Angloaraberstute alleine auszureiten. Genau wie Tanja beschrieben hat, habe ich mit meiner Tochter abgemacht, dass sie anfangs nur im Schritt reiten darf, und wenn die Stute nervös wird und alles nur schrecklich findet, soll sie absteigen. Dies hat sich total bewährt und gelohnt.Ab dem Frühling konnte sie auch kleine Stücke traben, und seit dem Sommer ist die Stute so ruhig geworden, dass sie sogar mutig voran geht, wenn sich unsere jüngere Stute fürchtet.
Wir wurden zwar etwas belächelt, aber für uns stimmt es so, und etwas zu erzwingen, das liegt uns nicht. Meine Tochter und die Stute haben gelernt, dass sie sich vertrauen können.
Bis bald
Rita

 

Von Tania • 27. März 2012

Danke für all Eure Kommentare!!! Ich freu mich sehr.

Und Bären im Wald? Na, DAS wäre doch wirklich mal eine Herausforderung 😉

Tania

 

Von Angela • 27. März 2012

Hahaha, total süss geschrieben Tania! 😀

Ich glaube, dass auch unsere Rundumsorglos-Pferde einfach manchmal „üben“ müssen: „Wie war das doch gleich? Was musste man machen bei Wolfattacke von rechts, Pumaverdacht von hinten usw.??“

Manchmal kommen die Instinkte doch noch durch und keiner weiss warum genau zu diesem Zeitpunkt.

Ich denke auch das beste ist tatsächlich: einfach nicht beachten. Weder mit beruhigenden Worten noch mit Geschimpfe und schlimmstenfalls wie du beschreibst zur Planänderung „Fittness für den Reiter“ übergehen.

LG 🙂

 

Von Angela • 27. März 2012

Muss jetzt noch einen Beitrag schreiben, weils mir gerade eingefallen ist:

Bei meinem Trainerlehrgang hatte ich eine Mitreiterin deren Pferd IMMER an einer bestimmten Stelle in der Reithalle scheute. Dummerweise war diese Stelle der Platz an dem bei der Prüfung die Richter zu sitzen hatten.

Über die Wochen des Lehrganges übte meine Mitreiterin immer und immer wieder ihr Pferd an den schrecklichen Richterplatz zu gewöhnen. Mit liebevollem Gesäusel, mit Karotten, mit Haferration dort füttern mit länger dort stehenbleiben, hinter den anderen Pferden her usw. usw.

Nichts half.

Am Prüfungstag kam dann das Unvermeidliche. Ihr Pferd scheute vor dem Richterteam, erst in der Horsemanship, dann im Trail.

Unsere Kursleiterin erklärte dem Richterteam, dass wir ALLES versucht hatten das Pferd während des Lehrgangs an die „böse Ecke“ zu gewöhnen.

Die Richter meinten lächelnd, sie würden das Scheuen des Pferdes nicht in Betracht ziehen, die Reiterin hätte ja korrekt und ruhig reagiert und die Kontrolle über das Pferd sofort wiedererlangt.

Alsooo. Offenbar ist es unter echten Pferdeleuten durchaus verständlich wenn Pferde scheuen und nicht ein Hinweis auf Unzulänglichkeiten des Reiters.

LG

 

Von Jessica • 27. März 2012

Hallo Tania,

Ich liebe deine Berichte weil ich mich in so vielen wiederfinde :).
Erst am Samstag war ich mit meinem inzwischen zweijährigen Quarter Jungen eine kleine Runde spazieren. Er war so brav und entspannt, ich war vollkommen zufrieden und glücklich. Wahrscheinlich habe ich von einem Ohr zum nächsten gegrinst :).
In der Nähe des Waldes wurde er skeptisch. Er sieht, riecht und hört natürlich auch viel besser als ich. Ich habe die Runde dann einfach verkürzt, sodass wir den Ausflug positiv abschließen konnten :)!
Eine Frage habe ich aber: Was kann ich am besten machen wenn er einfach stehen bleibt? Das hat er am Samstag zum ersten Mal gemacht. Ich möchte ja ungern wie an einem Tau ziehen, da es eh nichts bringt – im Gegenteil. Richtung spontan wechseln oder hast du einen besseren Tipp ihn zu überzeugen mitzukommen?

Liebe Grüße
Jessica

 

Von Gabriele Jensen • 28. März 2012

Ja das hat Enjoy gemacht, als er 3 Jahre alt war. Wir sind damals fast jeden Tag zu einer Reithalle gegangen, die wir benutzen durften. Dort habe ich dann mit ihm gearbeitet. Da arbeiten doof ist, hat er sich irgendwann geweigert und ist einfach stehen geblieben. Ich habe ihn dann in Richtung Halle rueckwerts gehen lassen – bis ihm das dann doch zu anstrengend wurde. Offensichtlich habe ich damals zu viel mit ihm gearbeitet und so wurden mehr Ruhetage eingeflochten. Nach einer Zeit ging es dann wieder. Nun wird er Ende Mai schon 10 Jahre und er ist nie wieder stehen geblieben 🙂

 

Von Frauke • 28. März 2012

Hi Tanja,

wie schön, dass Du so viele wichtige Eindrücke rund ums Pferd so gut ausdrücken kannst – Du sprichst mir sehr oft aus der Seele und ich finde so einen Weg, meine Gefühle auch mal gegenüber anderen in Worte zu fassen. Denn das ist ja manchmal das Problem, wenn man mit den „normalen“ Pferdleuten im Stall zusammen trifft und die manchmal so unglaubliche Sachen sagen oder fragen. Da bin ich meistens immer ziemlich still, denn ich bin häufig entsetzt, wie sie über ihre Pferde und das Reiten denken und dann fehlen mir die Worte. Jeden Montag freue ich mich auf Euren Newsletter und finde hier die richtigen Worte für eventuelle Erklärungen und Diskussionen, denn man muss sich ja gegenüber den „normalen“ Reitern häufig rechtfertigen! Aber mein kleiner Mann zeigt allen im Stall, dass man ein Pferd auch „anders“ ausbilden und reiten kann – vielen Dank für die tollen Tipps & Anregungen von Euch – das wollte ich mal sagen 🙂
Grüße Frauke & Payo

 

Von Tania • 28. März 2012

Auch Euch noch ein dickes Dankeschön für die vielen Kommentare!

@Jessica: Bei einem Zweijährigen würde ich sagen, dass die Spaziergänge einfach noch zu viel sind und er Dir seine Überforderung durch Stehenbleiben zeigt. Gib ihm noch etwas Zeit.

Herzliche Grüße an alle,
Tania

 

Von Steffi • 31. März 2012

Oh wie wahr, wie wahr …! An anderer Stelle habe ich kürzlich gelesen, daß manche Reiter mit mp3-Player reiten, also Stöpsel im Ohr. Das Pferd hört das zwar nicht, aber Muddi ist oben drauf viiiieeeel entspannter und damit das Pferd auch. Das wollte ich lange schonmal ausprobieren, weil mein Kleiner auch nicht gerade der Mutigste ist.

LG
Steffi

 

Von Gabriele Jensen • 1. April 2012

Hier noch mal ein Beitrag zum Thema zu Fuss gehen. Wir sind heute durch ein kleines Tal geritten und am Ende (fuer uns nicht sichtbar) stand ein ganzes Rudel Rehe, das bei unserem Anblick in wilder Panik davongerannt ist, keine 5 m vor uns! Da reagiert man einfach nur instinktiv – Enjoy hat sofort den Kopf hochgerissen und entsetzt scharf geschnaubt, ich habe ihn nach vorne getrieben und ihn sofort um „Kopf runter“ gebeten. Danach sind wir noch ein Stueck geritten und dann bin ich abgestiegen. Mein Pferd hat dankbar abgeschnaubt und sich nach einigen Metern entspannt. Alles mit Fell ab Mausgrösse grisst bekanntlich Pferde und in dieser Grössenordnung wahrschein mit einem Happs samt Reiter 🙂 Bin sehr zufrieden mit uns! 2 Glöckchen am Sattel scheinen nicht auszureichen.
LG Gabriele

 

Von Christina • 13. April 2012

Hallo!

Ich kenne solche Tage auch, an denen der Boden schon Pferde zu fressen scheint.
Oder nur ein Vogel auffliegen muss und schon zur FLucht angesetzt wird.
Entweder reite ich dann eine Schritt Runde oder ich suche ne Strecke, wo er richtig rennen kann. Danach fühlt er sich meistens besser, weil er es hasst, wenn er den ganzen Ausritt über nur extrem zurückgehalten wird.

Bei manchen Kleinigkeiten habe ich aber auch das Gefühl, dass die lieben Pferde einen veräppeln. Woran genau erkennt man ob der Schrecken echt ist oder nur gespielt?
Also ein bisschen kann man es immer an den Ohren sehen und an der Verspanntheit. Oder können sie das auch gut spielen?

Wieder sehr schön geschrieben! Bin auf Zufall auf die Seite gestoßen und durchforste grad deinen Blog. Gefällt mir sehr gut, was du schreibst und hilft mir weiter!

Liebe Grüße

_________________________

Dankeschön, Christina.

Bei einem Pferd, dass Schabernack im Kopf hat, finde ich, sieht man es am verschmitzten Gesichtsausdruck vor allem in den Augen und um die Mundpartie herum. Das interpretiere ich aber heute nicht mehr so, dass mich mein Pferd veräppeln will (und strafe es), sondern eben wirklich als Scherzchen und reagiere entsprechend locker.

Herzlich,
Tania

 

Von nanja • 30. April 2012

Hallo Tanja,
auch ich habe 2 „chillige“ Modelle und bin demensprechend verblüfft wenn sie die Pferdefressenden Spatzen mal ängstigen.
Und seit ich begriffen habe, dass es in der Situation nichts bringt sich aufzuregen, sind wir auch an „Amoktagen“ deutlich relaxter.
Gerade gestern „frühlingte“ es wieder so wild das mein ach so treues Buschpferd bei einem Raschelnden Rapsacker zum Standbild erstarrte. Bis ich gemerkt hatte, das da drinnen Rehe sitzen hatte er schon die Variante Flucht entdeckt.
Aber: als der Feind identifiziert war und ich mich entspannen konnte ( okay geprahlt, ich musste lachen, mein 180cm Riese erschrickt vor einem Rehkitz!!)
Blieb er innerhalb eines Galloppsprunges wieder stehen und beruhigte sich….
So konnte der Ausritt doch ganz entspannt zuende gehen…

Und ich habe gelernt: Auch mal über nen „Witz“ des Pferdes lachen hilft, und wenns nur zu meiner Entspannung ist…

LG Nanja

 

Von annasbg • 19. Mai 2012

Hallo ihr!

Ich habe mir die Kommentare mal so durchgelesen….. Ja, auch ich kenne das Problem. Dazu muss ich aber sagen, dass ich seit frühester Kindheit immer schon auf dem Rücken verschiedenster Pferde in der freien Wildbahn unterwegs war und es dabei selten bis gar nicht zu solchen Situationen gekommen ist. Ich denke, es lag daran, dass man die kindliche Unbefangenheit nicht unterschätzen darf. Wenn man sich im Sattel keinen Stress macht, hat das Pferdchen auch keinen. Und wenn er mal durchgeht, dann ist das auch nicht der Weltuntergang – so war es eben damals. X-mal runtergeflogen, manchmal kilometerweit zu Fuß nach Hause (das Pferdchen hat dann schon lachend vor dem Stall auch mich gewartet). Was soll´s? Entweder gleich oder am nächsten Tag wieder rauf auf das gute Stück – wie gesagt: einfach die kindliche Unbefangenheit! Und die hab´ ich mir gottlob bis heute (fast imer) erhalten!

Liebe Grüße und „bleibt locker“!!!!

Anna

 

Von heike • 1. Juni 2012

hallo Tanja**
Ich habe heute so einen Gruseltag und bin aus diesem Grund auf deiner Seite gelandet!Finde das Thema mit der Dominanz sehr schwierig in Verbindung mit einem unruhigen Pferd! Ich habe mein Pferd erst seit 3 Wochen,da es einen Senkrücken hat gehe ich im Moment nur im Gelände bergauf spazieren ( Longenkurs in Arbeit!),was bisher auch geklappt hat! Heute war es allerdings windig und gruselig,so dass kein ruhiger Schritt möglich war! Das ging von Kopf schlagen ,bis rumzappeln,mich nicht richtig beachten,usw.! Ich versuche ruhig zu bleiben-ihn zu beruhigen,aber mich völlig übergehen lassen ist doch auch gefährlich!?
Der Vorbesitzer ist der Meinung-`“ ein ordentlicher Ruck am Halfter und der Spurt!“…& meint es liegt an mir,wenn er so zicken macht!Hm?? Totz allem überfordert mich so ne Situation und ich war froh wieder Zuhause zu sein!! Meine Dominanz in so einem Moment durchsetzen ging nicht,beruhigen ging nicht ( nur zeitweise!) und so weiterlaufen geht in so nem Fall eigentlich auch nicht!???? Tipp??
LG Heike**

_________________________

Hallo Heike,

Du hast Dein Pferd erst seit drei Wochen? Das ist noch überhaupt keine Zeit! In drei Wochen kann noch kein Vertrauen entstehen (durch Halfterrucken auch nicht). Gib Deinem Pferd Zeit, sich einzugewöhnen und Dir vertrauen zu lernen.

Herzlich,
Tania

 

Von heike • 4. Juni 2012

hallo Tanja**
Merci für deine Antwort!Da ich nur das Gelände zur Verfügung habe, mache ich jetzt nur ganz kleine Runden! Da mein Pferd noch beim Vorbesitzer in der Herde steht und dieser dort sehr präsent ist ( auf seine Art-die ich ganz sicher nicht übernehmen will!!), habe ich oft das Gefühl, dass es diese ist,die er kennt und er mich nur schwer akzeptiert! Aaaber, wie du schon schreibst….ich lasse ihm Zeit und versuche immer wieder zur Ruhe zu finden, falls er sich aufregt!Vielleicht noch kurz: Er ist ein 7 jähriger Araberwallach mit starkem Senkrücken! Daher habe ich den innerlichen Wunsch/evtl auch Druck? ,dass es möglich ist den Rücken wieder nach oben zu arbeiten! Bin auf der Suche nach einer guten Lehre der Longenarbeit,um diese zu lernen! Daher möchte ich im Moment im Gelände viel bergauf, um die Muskeln wieder aufzubauen!…Schritt für Schritt!!
Also Danke nochmal!! Und fall`s du einen Tipp für mich hast- gute Ausbilder in der Nähe von Kassel-….freue ich mich** LG Heike**

 

Von Monika • 7. August 2014

Wenn mein Pferd Gruseltage hat, gehe ich davon aus, dass ihm etwas weh tut oder er verspannt ist. Mit dem Longenkurs konnten wir die Zahl dieser Tage schon wesentlich verringern, obwohl das Pferd alles andere als gut läuft. Aber irgendwie scheint es ihm doch gut zu tun.

Auch kann es daran liegen, dass er zuwenig Bewegung hat und darum schreckhafter ist. Nach einem schönen Galopp ist es dann auch wie weggeblasen.

Im Winter scheinen dann mehrere Faktoren zusammen zu kommen: Kälte, die Schmerzen verursacht, weniger Bewegung und eine viel zu ruhige Umgebung. Keine Landmaschinen, keine Kühe auf den Weiden und der Schnee, welcher etwaige Geräusche noch mehr absorbiert…

 

Von Sandra • 20. Februar 2016

Genau heute hatten wir auch einen Gruseltag. Ich wollte von vornherein spazieren gehen, um an der Hand in unserem tollen Gelände Hänge zu „klettern“. Es war sehr windig und fing leicht an zu regnen, meine Stute war sichtlich nervös, witterte in der Gegend umher, ging viel zu flott und wäre sicher gern zurück nach Hause gegangen. Ich erinnerte sie mit einem Antippen an der Brust an den höflichen Abstand und atmete selbst bewusst und ruhig, sagte mir im Geist „Wir sind gaaanz ruhig und gehen entspaaannt“. Es funktionierte. Sie schnaubte ab, blieb schön in ihrer Position und war viel mehr bei mir. Ein tolles Beispiel, wie auch gedankliche Bilder an besagten Tagen weiterhelfen.

 

Von Nina • 7. Mai 2018

Hallo ihr Lieben!
Ja, sehr gute Anregung.
Ich hab ja zwei Vollblutaraber und da ist das schon normal und gehört zur Grundausstattung, dass das Pferd tanzt, wenn ein Schmetterling vorbei fliegt (O-Ton Züchterin, 😉
Aber es ist für mich sehr spannend zu lesen, wie Exemplare aus anderen Rassen das genauso haben, egal ob Friese, Isländer, Tinker.
Und ja, locker bleiben und positiv denken ist zum Überleben im Gelände unerlässlich. Da haben wir Menschen was, wo wir an uns arbeiten dürfen. Es ist doch eher erstaunlich, dass die Pferde ja meistens bei uns bleiben, wenn solche Situationen sind. Ich habe mir auch angewöhnt nicht selbst die Situation im Vorfeld zu bewerten. Wobei das ja schwierig ist.. Aber wir Menschen haben ja auch so unsere Gedanken.. Ein großer LKW, da scheut er doch bestimmt. Nein, er scheut nicht, aber die Pflanzen mit den rießigen Blättern im Wald, die sind sehr unheimlich.. Ehrlich gesagt hab ich diese Logik bis heute nicht verstanden, aber gut, ich komm in Ruhe an der Straße entlang und der Herr Pferd kann ja von mir aus einen Bogen machen um diese großen Blätter – wenn es ihn beruhigt.. 🙂
Danke für eure Arbeit und Danke für all die Kommentare!!
Schöne sonnige Tage!!
NR

 

 

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