Aus der Fohlenschule: So bringen Sie einem Fohlen bei, sich führen zu lassen

In meinem Blogbeitrag von letzter Woche habe ich über meine Sichtweise zum Umgang mit Fohlen geschrieben und darüber, was sinnvoll ist, einem Fohlen schon früh zu lehren und was nicht. Was ich meinen Fohlen schon sehr früh beigebracht habe, ist das Sich-Führenlassen am Halfter. Und wie ich das mit meinen Fohlen geübt habe, erkläre ich Ihnen heute.

Die Stricktechnik nach Linda Tellington-Jones

Ich habe meinen Fohlen das Geführtwerden so beigebracht, wie ich es in dem Video „Fohlen erziehen- sanft und konsequent“ von Linda Tellington-Jones gesehen habe.

Für die ersten Trainingseinheiten braucht Ihr Fohlen noch kein Halfter tragen. Sie brauchen nur einen ausreichend langen Strick. Zeigen Sie dem Fohlen den Strick und berühren es vorsichtig damit. Lässt es sich das gut gefallen, streichen Sie es am ganzen Körper mit dem Strick ab. Loben Sie viel!

Nun legen Sie diesen Strick wie eine Acht um den Körper des Fohlens. Die eine Schlaufe der Acht wird vorne um die Brust gelegt, die andere Schlaufe um die Hinterhand des Fohlens. Dort wo beide Schlaufen zusammentreffen, kurz hinter dem Widerrist des Fohlens, halten Sie den Strick. Wie das aussieht, sehen Sie hier:

(Bitte nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft. Da ich gerade nicht mit einem Fohlen dienen kann, übernimmt heute unser Starschauspieler Buddy die Rolle 🙂 )

Nehmen Sie sich zunächst ein bis zwei Übungseinheiten Zeit, das Fohlen an den Strick um den Körper zu gewöhnen. Wenn Ihr Fohlen an das Anlegen des Strickes um den Körper gewöhnt ist, brauchen Sie einen Helfer, der die Mutter des Fohlens ans Halfter nimmt und auf Ihre Anweisungen hin die Stute ein paar Schritte anführt und wieder anhält.

Bitten Sie also den Helfer, die Mutter anzuführen. Das Fohlen wird mit Sicherheit mit seiner Mutter mitgehen wollen. In dem Moment, wo das Fohlen losgeht, wenn möglich sogar schon kurz davor, geben Sie etwas Druck mit der Schlaufe an der Hinterhand, so dass das Fohlen die Hilfe an der Hinterhand mit dem Antreten verbinden kann und sprechen das Kommando „Und Scheeeritt„. Loben Sie mit weicher Stimme das Antreten und Gehen des Fohlens.

Nach wenigen Schritten hält der Helfer die Mutter wieder an. Auch das Fohlen wird stehenbleiben wollen. Ihre Aufgabe ist es nun, in diesem Moment ein Signal auf der Brust des Fohlens mit der vorderen Schlaufe und  das Stimmkommando „Und Haaalt“ zu geben. Auch jetzt loben Sie Ihr Fohlen natürlich sehr, sobald es stehen bleibt.

So üben Sie wiederholt das Antreten und Anhalten, bis Ihr Fohlen antritt, wenn Sie die Schlaufe an die Hinterhand annehmen und das Stimmkommando zum Angehen geben und wenn es anhält, wenn Sie die Schlaufe an der Brust annehmen und das Stimmkommando zum Anhalten sagen.

Halten Sie die Übungseinheiten kurz

Wichtig ist, dass Sie die Übungseinheiten sehr kurz halten und Ihrem Fohlen viele Pausen geben, in denen Sie es über das Gelernte nachdenken lassen. Üben Sie nie länger als 5-7  Minuten, denn länger kann sich so ein kleiner Knopf nicht konzentrieren. Wird das Fohlen unsicher, versucht es sich zu befreien und auch selbst dann, wenn es steigen sollte: Bleiben Sie ruhig und sanft. Beruhigen Sie das Fohlen. Strafen Sie nicht. Es ist nicht aus böser Absicht widersetzlich und es wird sich schnell an Ihr Tun gewöhnen. Die Routine bringt den Gehorsam.

Ab jetzt mit Halfter und Führstick

Klappt es mit dem Strick gut, ist der Zeitpunkt gekommen, Ihr Fohlen zusätzlich zum Seil um den Körper mit einem Halfter mit Führstrick auszustatten. Auch hier gilt natürlich: Üben Sie zunächst in Ruhe das Anlegen des Halfters.

Akzeptiert Ihr Fohlen also das Halfter am Kopf, geht es zuverlässig auf Ihr Kommando los und entspannt mit Ihnen mit, lassen Sie zuerst die Schlaufe an der Hinterhand weg und ersetzen die Hilfegebung der Schlaufe um die Hinterhand durch das Antippen mit einer Gerte an diese. Genau in dem Moment, in dem Sie das Kommando zum Antreten geben, gehen Sie mit der Hand am Führstrick vor. So kann Ihr Fohlen die Verknüpfung vom bereits bekannten Signal an der Hinterhand plus Stimmkommando, zum neuen Signal am Führstrick erstellen. Später lassen Sie dann auch die Schlaufe an der Brust weg und ersetzen das Zeichen an der Brust mit dem Anlegen Ihrer Hand oder mit der Gerte an die Brust. Die Hand am Führstrick geht in diesem Moment zurück.

Vom Einfachen zum Schweren

Nach und nach können Sie dann Ihr Fohlen einige Schritte von der Mutter wegführen, aber nur, soweit Sie es sanft überredet bekommen und es keine Anzeichen von Widersetzlichkeit und Stress zeigt. Zwingen Sie es nicht! Wenn Sie merken, dass Ihr Fohlen sich zu sehr sträubt, drehen Sie um und gehen Sie wieder zur Mutter zurück. Loben Sie jeden richtigen Ansatz sehr. Nach und nach wird Ihr Fohlen mutiger werden und sich etwas weiter von der Mutter entfernen lassen.

Meine Fohlen haben auf diesem Weg alle in relativ wenigen Einheiten völlig stressfrei gelernt, sich von mir führen zu lassen.

18. Oktober 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 2 Kommentare »

 

2 Reaktionen zu “Aus der Fohlenschule: So bringen Sie einem Fohlen bei, sich führen zu lassen”

 

Von Daniela • 20. Oktober 2011

Die Stricktechnik ist von LTJ? Mir hat das mal jemand im Zusammenhang mit Parelli erklärt – scheint also so gut zu sein, daß es mehrere „Pferdemenschen“ anwenden 😉
Ich habe unser letztes Fohlen bereits am ersten Tag so „geführt“/geleitet, da wir auf dem Weg zur Koppel ein paar Meter nicht entsprechend einzäunen konnten um so eine Gasse/Gang zu haben. Innerhalb kürzester Zeit ließ sie sich brav mit der Stricktechnik führen/dirigieren.
Ich empfand es als tolle Vorbereitung zum Führen mit Strick und würde es jederzeit wieder so machen 🙂

LG, Daniela

 

Von Peter • 7. Mai 2012

Manches scheint plausibel, gar genial – und ist doch nur humbug:
„die stricktechnik“ wurde von einem gewissen monty roberts in seiner „sprache der pferde“ beschrieben. Das fohlen mit henkel dran hat wenig mit einer „technik“ zu tun. Der henkel ist ein ebenso billiges wie schäbiges hilfsmittel, ausflucht für jene, denen sich ein vorsichtiges fohlen nicht freiwillig nähert rsp dessen kluge mutter es in weiser voraussicht daran hindert.
Die alternative wäre in vertrautheit zu finden, die dann auch das vertrauen trägt und so ein fohlen z.b. dazu bewegen kann, freudig alle möglichen faxen mitzumachen. Anfassen, kraulen, rücken, hals, brust, eine vorsichtige umarmung. Das dauert vielleicht ein paar tage, und man (fohlen) steckt voller neugier sein köpfchen da rein. Fertig!
Ganz ohne werkzeug! Nur mit freundlichkeit und vertrauen.
Werkzeug beliebiger art hat einen großen nachteil: man muß es dabeihaben.
-p-

 

 

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