So ein Rüpel!

Rüpelige Pferde gehören für viele Leute zu den echten Ärgernissen. Ich hingegen finde diese Pferde zunehmend spannender.

Mit meinem Anthony habe ich ja einen echten Oberrüpel bekommen. Dieses Pferd scheute vor nichts zurück, wenn ihm etwas nicht passte – nicht davor mich bzw. andere über den Haufen zu büffeln und nicht davor, sich ggf. sogar selbst zu verletzen. Er war ein Pferd, das wortwörtlich mit dem Kopf durch die Wand wollte, wenn ihm etwas nicht passte: Ich werde nie mein Gefühl vollkommener Ungläubigkeit vergessen, als sich mein Pferd in einer recht frühen Phase des Anreitens weder abwenden noch anhalten ließ und einfach mit dem Kopf gegen die Bande der Reithalle lief. Gleiches galt für die Boxentür…

Wie oft ich bei Anthony schon dachte, dass es auch nicht viel schwieriger sein kann, einen Bison longieren und reiten zu wollen, kann ich gar nicht zählen! 😉

Aber – und das ist für mich inzwischen immer wieder ein kleines Wunder – inzwischen habe ich mit Anthony ein zum immer größer werdenden Teil kooperatives und motiviertes Pferdchen, der sich sichtlich Mühe gibt.

Anthony hat mich auf eine Theorie gebracht, von der ich immer sicherer bin, dass sie zutrifft: Ich glaube inzwischen, dass gerade die rüpeligsten aller Dickköpfe mit die sensibelsten Pferde überhaupt sind. Sie halten Aufregung, Angst oder Unwohlsein in sich und lassen es sich nicht anmerken. Sie schützen sich durch eine ordentliche Schicht Dickfelligkeit, die dann nach außen stur und rüpelig wirkt. Aber innen brodelt es.

Bei Anthony hat sich z.B. immer wieder gezeigt, dass seine „Rüpeligkeit“ ganz oft konkrete Gründe hat: Sei es, dass ihn mal wieder Zahnhaken zu pieksen begannen, dass ihn eine (nötige) Umstellung der Hufbehandlung aus dem Gleichgewicht brachte oder dass irgendetwas anderes nicht so war, wie es sein sollte. Dinge, die viele andere Pferde natürlich auch merken, aber vielleicht leichter ignorieren und hinnehmen können.

Einem hibbeligen Vollblut gesteht man Empfindlichkeiten dieser Art zu, da hat man Verständnis dafür, wenn es bei einem Wetterumschwung am Rad dreht oder sich nicht konzentrieren kann, weil ihm die Haut wegen Haarlingen juckt. Bei den so genannten „Sturköpfen“ hingegen kommen viele nicht einmal auf die Idee sich zu fragen, was es dem Pferd gerade schwer machen könnte. Diesen Pferden wird oft sofort unterstellt, dass sie einfach nur ungezogen und unkooperativ sind und so langt man zu, statt nach Ursachen zu suchen. Oft auch noch mit unsäglichen Sprüchen wie „Der braucht das.“

Aus meiner Sicht, ist der Gedanke, dass rüpelige Pferde für ihr Verhalten immer sehr gute Gründe haben, ein Schlüssel dazu, das rüpelige Verhalten nicht nur verstehen, sondern auch aus der Welt schaffen zu können. Und meiner Erfahrung nach, sind diese „rüpeligen“ Pferde oft heilfroh, dass endlich mal jemand versteht, was sie signalisieren wollten. Seitdem ich verstanden habe, dass immer dann, wenn Anthony besonders büffelig ist, ich aufgerufen bin, die Ursache zu finden, ist er kaum noch rüpelig. Er hat erkannt, dass auch kleinere Zeichen von ihm reichen, damit ich mein Tun überdenke und so wird unsere Kommunikation immer feiner. Er braucht schlicht und einfach nicht mehr so rüpelig zu sein.

Es gibt leider viele, viele Dinge, die unseren Pferden Unbehagen bereiten können und es ist unsere Aufgabe, diese aufzuspüren. Ärgern wir uns also nicht länger über den vermeintlichen „Ungehorsam“ oder die unterstellte „Rüpeligkeit“, sondern schauen wir genauer hin.

30. Juni 2011 von Tania Konnerth • Kategorie: Verhalten 28 Kommentare »

 

28 Reaktionen zu “So ein Rüpel!”

 

Von Susanne • 30. Juni 2011

Hallo Tania,

ich sehe da ganz deutlich mein Pferd vor Augen 🙂
wie oft er anfangs auf meinem Fuß gestanden hat, oder sich einfach losgerissen hat, sich aufgehangen hat…alles mögliche, wo man nur denkt „Gott, wie krieg ich DEN erzogen?“
Eigentlich ist er aber ein ganz sensibler, der am besten reagiert, wenn ich ihn kitzle. Es ist immer wieder herrlich zubeobachten, wie viele im Umgang mit Miro denken, wenn er so grob ist, muss ich das auch sein. Woraufhin Miro total auf Stur stellt und gar nichts mehr macht 😀
Das fängt beim herumschieben der Kruppe am Anbinder an. Da wird von Anfang an mit ganzer Kraft gedrückt und sogar mit dem ganzen Körper gegen gestemmt, Miro bleibt hart 😀
Dann geh ich hin..nehme einen Finger und streichel ihn an der Flanke und er tritt bereitwillig um.

Ich finde rüpelige Pferde zwingen einen ganz stark zum Umdenken, denn mit Kraft kommt man bei ihnen nicht weit. Rüpelige Pferde sind für mich sehr intelligente Tiere und fordern Intelligenz vom Besitzer…

Liebe Grüße
Susanne

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Das unterschreibe ich voll und ganz!
Tania

 

Von Corinna • 30. Juni 2011

Hallo Tania,

toller Beitrag.
Darin finde ich mich mit meinen Hafi-Tier auch wieder. Seit ich bei auch gelandet bin 😉 , fang ich an ihn auch besser zu verstehen und er muss mir nicht mehr anschrein, dass ich versteh was er meint.
Er zeigt dann seine Erleichterung deutlichst und schenkt mir beim nächsten mal mehr Aufmerksamkeit. Und mittlerweile freut er sich auch sichtlich und hörlich 🙂 wenn ich komm.
Herrlich!!!
Danke <3

LG

________________

Schön!
Tania

Corinna

 

Von Beate • 30. Juni 2011

Wie recht du hast! 😉

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😀
Tania

 

Von Mareike • 30. Juni 2011

Kann es sein, dass das typisch für Hafis ist?
Ich habe nämlich auch eine sehr empfindsame und (wie Babette sie selbst benannt hat) ganz feine und aufmerksame Haflinger-Stute.
Rüpelig, aber nur, wenn sie etwas wirklich „braucht“.

Allerdings bin ich der Meinung, dass da nicht nur positive Verstärkung und Ursachen finden etwas bringt.
Wenn mich meine Indra über den Haufen rennt, weil sie ganz dringend zu ihrem Stroh in die Box möchte, kann das schon sein, dass ich da mal nicht nach Ursachen suche, sondern auch mal ein deutliches körperliches „Stopp-Signal sende“.
Allerdings ist das nach 10 Jahren nahezu überhaupt nicht mehr nötig, man merkt meistens rechtzeitig bevor (!) sie rüpelig wird.
Und genau das ist es, was Tanja wohl meint.

„Hör mir zu, oder ich muss deutlich werden“ – und wenn wir nicht zuhören, werden sie sehr deutlich!

Danke, Tanja!

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Ich bin mir nicht sicher, ob es haflinger-typisch ist. Ich kenne das auch von anderen Rassen. Und ja, eine konsequente Erziehung ist natürlich immer unerlässlich, genauso wie, kleine Zeichen früh zu erkennen.
Tania

 

Von Corinna • 1. Juli 2011

Ich könnte mir vorstellen, da Haflinger gurndsätzlich als sture, büffelige Ponys dargestellt werden, dass wir Besitzer uns da halt viel mehr Gedanken dazu machen und uns deshalb gleich so angesprochen fühlen. Bzw. könnte das für alle Ponyrassen gelten.
Shettys… 🙂

_________________

Mir fallen noch etliche Kandidaten mehr ein 😉
Tania

 

Von Nanja • 2. Juli 2011

Hallo Tanja,
Oh Jaaa du sprichts mir aus dem Herzen.
Mein Holsteiner ist genauso nur mit 186cm dabei handlich wie ein ICE. hat man ihn aber „bei Laune“ kann er auf Gedanken hören und überrascht mich immer wieder mit seiner feinfühligkeit.
Häufig zeigt er mir sogar konkret was er will, aber bis ich das schnalle…dauert manchmal etwas länger…
;-)ich gelobe dann regelmäßig besserung!
Wie heissts so schön? “ Der s nicht stur, der gibt dir nur Gelegenheit deinen Entschluß nochmal zu überdenken!“

_______________________

Coooooler Spruch – den muss ich mir merken!!! 😀
Tania

 

Von Maike • 4. Juli 2011

Sehr interessante Gedanken!
Was mich an deinen beiden immer sehr positiv überrascht sind ihre wachen Gesichter. Bei wie vielen dieser „Büffelpferde“ sieht man stumpfe, geschlossene Gesichter. Die haben förmlich dicht gemacht und sich abgeschottet.

Vielleicht ist es wie bei Kindern die verzweifelt versuchen die Aufmerksamkeit ihrer Eltern zu bekommen und dafür immer lauter und lauter werden …

Glaub mir bei einem hibbeligen Vollblut wollen auch immer alle gleich schreien und schlagen ;-(.

Liebe Grüße
Maike

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Danke, Maike, das freut mich sehr. Tatsächlich ist Anthonys Blick für mich inzwischen der beste Anzeiger dafür geworden, immer weniger auf sein Verhalten zu reagieren als auf seinen Ausdruck (also das, was dahinter liegen könnte). Den Vergleich mit den Kindern finde ich übrigens sehr gut.

Zu den Vollblütern: 🙁
Tania

 

Von Claudia • 4. Juli 2011

Liebe Tania,

ich hab auch so einen und ich kann das nur unterschreiben und dem nichts mehr hinzufügen!

Was ich auch bestätigen kann ist etwas, dass schon in einem der obigen Kommentare erwähnt wurde. Viele Leute meinen bei büffeligen Pferden muss man ordentlich zulangen. Funktioniert gar nicht. Dann geht nämlich gar nichts mehr. Wobei man aber mit einem leisen Fingerzeig z.B. das Aufheben und Absetzen eines Hufes erfragen kann.

Nur komischerweise bleiben viele Menschen immer bei ihrem gleichen Verhalten: bei Büffeln muss man ordentlich zu langen.. anstatt dass man einfach mal was anderes probiert….

Liebe Grüsse und eine schöne Woche
Claudia

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Danke für Deine Zeilen, Claudia. Ich glaube, dass viele sich von eher büffligen Pferden provoziert fühlen. Und so greifen dann Automatismen, leider.
Tania

 

Von Nina • 4. Juli 2011

Hallo Tanja,

tut gut, das zu lesen. Ich habe leider auch eine rüpelige Reitpony-Stute. Sie ist im „Normalzustand“ sehr fein, aufmerksam und reagiert auf die kleinsten Signale. Aber wenn sie aufgeregt ist, schubst sie mich mit ihrem Kopf und wird eben richtig „büffelig“. Ich finde das sehr anstrengend und weiß nicht so recht, wie ich darauf reagieren soll, denn unsere ansonsten sehr feine Kommunikation versagt dann natürlich genau in den Situationen (z. B. Zuchtschau o. ä.) wo es am dringendsten nötig wäre 🙁 Aber ich kann Dich in Deiner Annahme nur bestätigen: auch mein „Rüpelchen“ ist ein sehr sensibles und feines Pferdchen – solange die Welt um sie herum in Ordnung ist.

Ganz liebe Grüße

Nina

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Hallo Nina,

ich denke, der Schlüssel ist Verständnis. Gib Deiner Stute zu verstehen, dass Du ihre Aufregung bei der Zuchtschau verstehst – das IST ja auch aufregend. Sag „ja“ zu ihrem Verhalten und gibt ihr Sicherheit. Ich denke, damit kannst Du das am besten lösen.

Tania

 

Von Frauke • 4. Juli 2011

Liebe Tanja,

Du sprichst mir aus dem Herzen – endlich kann jemand das formulieren, worüber ich mir schon so lange Gedanken gemacht habe … und zum Glück hatte ich immer wieder vernünftige Phasen in meiner bisherigen Ausbilung meines „Panzers“, in denen ich mich auf ihn uns seine Signale konzentriert habe. Auch Andalusier können rüpelig sein – vor allem, wenn sie so ein großes Ego wie meiner haben 🙂 Aber, dafür liebe ich ihn, denn hier passen wir genial zusammen und ich kann noch viel von ihm lernen – denn meine Ego ist auch ziemlich groß 🙂 Vielen Dank immer wieder für die tollen Gedanken, die Du/Ihr wachruft und echt mega schade, dass es so wenig solcher Ausbilder hier im Süden gibt!

Grüßle
Frauke & Payaso

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Dankeschön, Frauke!
Tania

 

Von Sylvia • 4. Juli 2011

Hallo Tanja!
Als ich vor knapp 2 Jahren in eine kleine Stallgemeinschaft kam, war das Pflegepferd einer Mitreiterin als respektlos, fast gefährlich, verschrien. Sogar die Besitzerin traute ihm nicht und er wurde meistens mit Kandarre geritten. Als er dann im Winter seine Reiterin durch die Stallgasse zog, mischte ich mich ein. Wir übten mit ihm das respekt- und vertrauenvolle Führen und Folgen und begannen mit Bodenarbeit, die er überhaupt nicht kannte. Inzwischen geht er wie ein Hund ohne Führstrick mit seiner Reiterin durch Dick und Dünn. Die beiden haben eine tolle Beziehung und man kann ihn sogar mit Kappzaum reiten. Auch hier sieht man, dass das Pferd super intelligent, neugierig und wissbegierig ist und sich nach Abwechslung und Zuwendung gesehnt hat und er würde nicht auf den Gedanken kommen, seine Bezugsperson in Gefahr zu bringen. Er ist einfach klasse! Schade ist nur, dass die Besitzerin sich selten um ihn kümmert, unsere Aktionen eher belächelt und ihn noch mit Kandarre reitet. Aber wir sind uns sicher: sein Vertrauen und Respekt ist uns sicher!

Liebe Grüße,
Sylvia

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Wow, das klingt toll, was Du Dir erarbeitet hast!
Tania

 

Von Steve • 4. Juli 2011

Habt ihr schon mal beobachtet, dass die „Rüpel“ untereinander auch ganz anders spielen, als die „blütigeren“ Pferde, wie z.B. Araber? Während die sich gegenseitig eher scheuchen und auch kaum Körperkontakt untereinander haben, aber eine große Show mit viel Tempo und Quieken hinlegen, beobachte ich bei den Hafis z.B. folgende Spiele: Das „Mit-den Köpfen-gegeneinander-rasseln-Spiel“, das „Popo-rückwärts-Rammbock-Spiel“, das „In-die-Flanke-kneif-und-nicht-Loslassen-Spiel“ (vorzugsweise beide gleichzeitig, mit Drehen im Kreis). Oder das „in den Popo gekniffen-werden-dieses-aber-ignorieren-langsamweggehen-und-Isländer-hinter-sich-her-ziehen-Spiel“……..

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Spannend! Da könnte man vielleicht eine richtige Spieltypologie aufbauen, oder? Das Rammbockspiel kenne ich auch gut 😀
Tania

 

Von Katja • 4. Juli 2011

Ein sehr schöner Bericht, Tania!
Mein Haflinger wird auch oft als stur oder unerzogen abgestempelt.
Seltsamerweise kann ich aber den Huf locker bearbeiten, während der Schmied jedesmal fast verzweifelt.
Mein Hafi reagiert auf den kleinsten Wink (von mir).
Ich finde ihn weder stur noch unerzogen – im Gegenteil, er ist sehr sensibel !!
Ich würde mir von den anderen (z.B. Schmied) mehr Sensibilität im Umgang mit meinem sensiblen Haflinger wünschen. 🙂
Liebe Grüße
Katja

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Ich schätze, da wirst Du einiges für tun müssen, kenne ich nämlich auch.

Meine Pferde z.B. heben auf ein leichtes Anklopfen von allein den Huf, die meisten aber versuchen, den Huf selbst hochzuheben. Je mehr sie ziehen, desto weniger heben meine dann den Huf. Ich sage dann auch immer: Ein leichtes Klopfen reicht!, aber die meisten versuchen es weiter auf ihre Art … Dafür aber erlebe ich jetzt einen Hufpfleger, der unglaublich rücksichtsvoll mit Anthony umgeht, so dass der Kleine sogar wirklich lange Hufbearbeitungssitzungen mitmacht, ohne garstig zu werden. Der Umgang macht’s!
Tania

 

Von Sonja • 4. Juli 2011

Genauso sehe ich das auch:-).
Am Anfang meiner Beziehung mit meinem Isländer dachte ich manchmal auch, was ist er stur. Ich fiel praktisch auf sein kuscheliges und kräftiges Äusseres rein. Bis ich dann immer mehr merkte, wie sensibel er ist. Und das war der Schlüssel zu meiner tiefen und innigen Beziehung zu meinem ,,Dicken“ :-)).
Ganz liebe Grüsse,
Sonja

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Schööön!
Tania

 

Von Jenny • 4. Juli 2011

Ich habe auch so eine kleine Walze zuhause.
Und frage mich jedes mal was er mir sagen will.
Nich jedesmal komme ich dahiner,aber ich weiß das es für mich eine lernaufgabe ist.
Auch in sollchen Rempelsituationen ruhig zu bleiben.
Und ich muss sagen wir haben da schon einige Virtschritte gemacht.

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Ja, das als persönliche Lernaufgabe zu sehen, hilft mir auch sehr!
Tania

 

Von Petra • 4. Juli 2011

Das kann ich alles nur unterschreiben. Auch mein PH-Wallach könnte man auf den ersten Blick auch als ziemlichen Sturkopf bezeichnen. Die große Show mit Tempo und Quicken kenne ich auch von ihm. Aber eigentlich ist er total sensibel, will es seinem Reiter recht machen und macht sich dabei selbst Kopfstress. Was bei ihm schon zu Magengeschwüren führte. Mit viel Lob und Zuwendung, aber auch klaren Grenzen sind wir, denke ich, bisher auf einem guten Weg.

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Supi, dann weiter so!
Tania

 

Von desiderium • 11. Juli 2011

Hey Tanja,

ich unterstütze deine Theorie voll und ganz.

Mein Großer wird auch als unerzogen abgestempelt. Dabei ist er ein Pferdle, das auf feinste Signale reagiert, sogar oder insbesondere auf unbewusst gegebene. Sein Weichen am Anfang hat mich fast wahnsinnig gemacht. Aber wenn man erstmal dahinter gestiegen ist, klappts super. Andere Pferde stehen nur da und ignorieren Bemühungen oder bewegen sich erst, wenn geschoben wird.

Ich fange an, mein Pferdle zu verstehen und das zu sehen, was mir mein Bauchgefühl beim ersten Kontakt auf der Koppel gesagt hat: Er ist ein klasse Pferd!

Ich finde deinen Beitrag super und hilft hoffentlich auch anderen, das zu erkennen. Danke!

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Schön, ich freu mich sehr mit und für Euch!
Tania

 

Von Anna • 14. Juli 2011

Hallo Tania!
Ich habe auch so ein Haflingerlein. Von anderen wird sie gern „Monsterlein“ gerufen – total zu unrecht!!!
Bei meinem Pferdchen kommt dazu, dass sie jeden neuen Menschen durch die „Rüpel-Prüfung“ schickt, also: Sie ist die perfekte Lehrmeisterin für das Prinzip „Druck erzeugt Gegendruck“. Nur leider sind Menschen soooooo wenig lernfähig. Ich habe aber auch den Eindruck, dass sie in ihrer Sensibilität sich ganz besonders an einen Menschen anbindet. MEIN Pony eben!
Ich hoffe, dass noch viele, viele Pferdeleute deinen Beitrag lesen und drüber nachdenken!!!
Lg
Anna

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Dankeschön, Anna!
Tania

 

Von Margaretha • 11. Mai 2012

Hallo Tania,

dieser Beitrag ist eine wunderschöne Bereicherung für die Pferdewelt!
Früher verabscheute ich Haflinger regelrecht, eben aufgrund ihrer mir bereits bekannten Sturheit. In dem Stall, in dem ich damals meine RB hatte, stand auch so ein Haflinger, ein absolutes Paradebeispiel: stur und eigensinnig, büffelig ohne Ende. „Niemals einen Haflinger“, dachte ich stets. Doch es sollte anders kommen und nun habe ich, welch Wunder, einen Haflinger, von dem ich so unendlich viel lernen durfte.
Unsere erste Zeit war nicht ganz einfach. Im Nachhinein betrachtet kann ich einfach sagen, dass die Kommunikation zwischen und einfach nicht stimmte. Mein Alegro ist so ein sensibler Wallach, der mir stets Zeichen gab, die ich jedoch nicht lesen konnte und natürlich war es einfacher sein „Fehlverhalten“ auf die rassetypische Sturheit abzuschieben als den Fehler bei mir selbst zu suchen.
Dann schickte mir eine Freundin den Link zu diesem Artikel aus deinem Blog und er veränderte mein Leben. Ich habe mein Denken und meine Handlungen komplett hinterfragt und umgestellt und mein Pferd plötzlich in einem ganz anderen Licht gesehen.
Nun habe ich eine ganz tolle und ebenso feine Trainerin gefunden wie mein Pferd es selbst ist. Wir trainieren seit einem halben Jahr zusammen und es ist der Wahnsinn, wie unser Zusammenspiel sich verändert hat. Mit der nötigen, aber liebevollen Konsequenz und „horse-sense“ hat sich unsere Beziehung sehr zum Positiven verändert.
Eure Seite ist eine enormer Beitrag für das Pferd- Mensch- Verständnis. Macht bitte weiter so!

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Ganz herzlichen Dank für Deinen Kommentar! Ich freue mich sehr über das Feedback und noch mehr über Eure Geschichte!
Tania

 

Von Möhrchen-Automat • 5. November 2012

Ich bin vor einigen Jahren auch an meine äußerlich büffelige Ponystute gekommen.
Es hat eine Weile gedauert bis ich kapiert habe dass sie keineswegs stur und rüpelig war, sondern einfach meinen ganzen Druck mit Gegendruck beantwortet hat – und da hatte sie definitv mehr Kraft und einen längeren Atem.
Seit ich sie mit minimalen Signalen aber dafür mit Konsequenz leite klappt alles viel besser mit uns. Wie schon angesprochen gab’s auch bei uns anfangs das typische herum-drücken-wollen oder Huf-hochheben-wollen meinerseits. Seit ich sie nur mehr locker antippe tritt sie bereitwillig von selbst rum und gibt mir ihre Hufe selbstständig auf leichtes Klicken. Noch heute kommt es immer wieder vor dass sie auf Durchzug schaltet und einfach gegenhält – bisher war das Problem aber immer ein „zu viel“ meinerseits, als ob man jemanden neben sich anschreit obwohl er einen auch im Flüsterton verstehen würde, das muss nicht sein!
Weniger ist mehr, das durfte ich von ihr lernen.

 

Von Sionone • 17. Dezember 2012

!! Ein toller Beitrag. Eben erst dank des Newsletters gefunden. Auch ich habe einen jetzt siebenjährigen Haflingerwallach, mit dem ich mir schon einen „speziellen Ruf“ erarbeitet hatte, was mich jedes Mal sehr getroffen hat. Mittlerweile haben wir dank deutlich verbesserter Haltungsbedingungen, dank mehrerer Jahre Beziehung, vielen Suchen und Nachdenken einen ganz guten Draht zueinander gefunden und auch die in den ersten Jahren immer wieder kehrende Frage nach dem Verkauf des Hafis als mittlerweile absurd abgetan.
Trotzdem fehlen mir oft die Erkenntnisse für bestimmte Verhaltensweisen. Beim Führen bspw. bekommt er einen ganz eigentümlichen Gesichtsausdruck und ellenlange Lippen, die dann versuchen mich zu beissen. Bösartig ist das absolut nicht, aber schmerzhaft. Kann das Langeweile sein?
Bedeutet ein Sich-Losreißen beim Spazieren gehen, „Hallo Menschlein, Du bist keine Führungskraft“?
Manchmal wäre es so schön einfach, ein Nachschlagewerk zu haben für: Pferd macht dieses, dann hat es jene Ursache“…wie schöön!! ;o))

________________________

Hallo Sionone,

mit den Deutungen aus der Distanz ist das immer so eine Sache. Ich würde bei der „ellenlangen“ Lippe auf ein Spielgesicht tippen. Und Losreißen kann sehr unterschiedliche Ursachen haben. Vielleicht ist Dein Pferd überfordert? Ängstlich? Unausgelastet? Das lässt sich so nicht wirklich sagen.

Herzlich,
Tania

 

Von Maya • 18. November 2013

Soeben ist mir ein Lächeln übers Gesicht gehuscht, das in einem breiten Grinsen endet.
Ja, so ist das mit den Büffeln. Gegen aussen die harte Schale und innen das empfindsamste Gemüt, das man sich nur vorstellen kann.
Unser Haflinger hat mit seiner vermeintlichen Sturheit schon manchen Zweifler laut werden lassen. Die Sprüche hat man ja alle schon mal gehört. Mein Gefühl sagte mir aber immer wieder, dass da etwas anderes hinter dem Büffeln sein muss.
Ich habe früh gemerkt, dass Druck bei ihm Gegendruck erzeugt. Da hast du keine Chance. Aber ein klein wenig nachgeben und er gibt ebenfalls nach. Wie schreibt auch Mark Rashid so schön: „Nicht kämpfen…“ Die Suche nach anderen, sanfteren Wegen lohnt sich tausend Mal.
In der letzten Zeit habe ich angefangen mit ihm zu spielen. Nur ein Seil um den Hals und einige Karottenschnitzel in der Tasche. Wie viel Spass das macht. Er, der früher versuchte über die 1.60 hohen Panels zu klettern, weil ihm was nicht passte, sprintet nun voll motiviert mit mir über den Hausplatz, der mit einem 1-Meter-Zaun versehen ist.
Dann wieder lässt er sein Heu liegen, legt mir den Kopf über die Schulter, sein Blick ist voller Vertrauen, während er die Streicheleinheiten und Umarmungen offensichtlich geniesst.
In all diesen Momenten ist es mehr als nur deutlich, was innen drin ist! Und in genau diesen Momenten weiss ich, dass es sich gelohnt hat, auf mein Gefühl zu hören. Darauf, dass da noch etwas anderes hinter der rauhen Schale steckt.

 

Von Dörte Kedenburg • 18. November 2013

Hallo,
interessanter Beitrag, gut ihn noch mal aufzugreifen.
Ich habe es mit zwei sehr verschiedener Haflingern zu tun:
1. Meine Stute, sehr aufmerksam und feinfühlig, aber gelassen und wenn ihr was nicht paßt, geht sie einfach weg.
2. Ein Wallach, der mit ihr den Offenstall teilt, mir aber nicht gehört. Der ist irgendwie autistisch oder verträumt, kriegt vieles gar nicht mit oder viel zu spät, um dann völlig überzogen, manchmal gar hysterisch zu reagieren. Z.B. wenn ich zuerst die Stute von der Weide hole, weil er sich schlecht einfangen läßt. Dabei hat er mir schon oft die Zäune kaputt gemacht, weil er nicht außen rum läuft, sondern den kürzesten Weg nimmt, Luftlinie sozusagen.
Meiner laienhaften Meinung nach ist der völlig unterfordert und dadurch ein wenig verblödet, sorry. Tut mir auch leid für ihn, kann ich aber nicht ändern.

Jedenfalls ist er oft rüpelig aber auch sehr feinfühlig…anstrengende Mischung.
Für mich ist der Umgang mit ihm und vor allem seiner Besitzerin oft anstrengend.

Wenn ich mit meiner Stute Bodenarbeit mache, muß ich das auf dem Paddock machen, wegen der Bodenverhältnisse hier im Moor. Er kommt dann immer mit und möchte auch mitmachen, steht aber leider im Weg rum und beißt auch oft die Stute dabei. Ich muß ihn wegschicken, damit ich weitermachen kann. Traurig.

 

Von Susanne • 19. November 2013

mein Reitpony ist auch so ne kleine „Dampfwalze“. sie reagiert damit meiner Meinung nach aber nur auf dinge, die ihr nicht passen. ich weiss, dass die vorbesitzerin sehr ruppig mit ihr umgegangen ist und meiner meinung nach hat sie einfach gelernt, dass sie sich so am besten gegen diese behandlung wehren kann. die ganze geschichte ist also mal wieder vom menschen hausgemacht. kleine rüpel sind in meinen augen schlau und haben schnell raus, wie sie sich am besten wehren können. als ich mein pony bekam, war sie im maul absolut abgestumpft. sie hat damit darauf reagiert, dass die besitzerin auf immer schärfere gebisse umgestiegen ist, weil sie mit dem pferd einfach nicht zurecht kam. am ende ist sie nur noch durchgegangen. das war ihre antwort auf die schmerzen im maul. sie hat auch permanent mit dem kopf geschnickt. ich reite jetzt fast ausschließlich mit gebissloser zäumung und auf langen wanderritten oft nur am stallhalfter. falls ich mit gebiss reite, dann mit gummigebiss. die ticks wie kopfschnicken, durchgehen usw. sind weg.

 

Von Doris • 19. November 2013

Hallöchen,

super Beitrag, der mich grad zum Nachdenken brachte… Mein Freund und ich haben uns vor 2 Jahre zwei polnische Warmblut gekauft. Ich habe mit Meinen schon Einiges mitgemacht und z.T. von euch Babette und Co 😉 viel gelernt und jetzt klappt es ziemlich gut mit meinem Kleinen(= ist ein Sensibelchen). Da mein Freund momentan kaum Zeit für sein „stures Pferd“ hat, versuche ich immer wieder mich mit ihm anzufreunden, was er mir etwas erschwert… Er ist ein sehr lieber Kerl, aber büffelig und „unmöglich“ zu reiten..keine meiner Hilfen kommt an und da mein Pferd sehr sensibel ist, ist er schon eine ganz schöne Herausforderung 🙂 Schon meine RL sagte, dass er sehr sensible sei – was ich irgendwie nicht herauskitzeln kann aus ihm…Auf alle Fälle möchte ich mich in Zukunft wieder etwas mehr um ihn kümmern und da kommt dieser Bericht eigentlich genau richtig – denn manchmal verliere ich schon die Geduld mit ihm und bestrafe ihn sicher oft auch zu Unrecht (einfach weil mein Pferd so schnell und fein reagiert und er geschätzt eine Minute länger braucht bis er sich bewegt 😉 Also – danke für den Beitrag und ich werde mich bemühen das Sensibelchen in ihm zu finden !!!

 

Von Rebecca • 25. November 2013

Ich habe in deinem Text auch meine Piri ein bisschen wiedergefunden. Sie ist eigentlich ein sehr respektvolles und ausgeglichenes Pferd, meistens total lieb. Nur manchmal hat sie einen „Aussetzer“, und wird sozusagen aggressiv. Nicht so dass sie mir wehtun möchte. So halb auf mich gerichtet. Zwar schon mir drohend, aber immer so, dass sie mir nichts tun kann. Das langt von Ohren anlegen, über ausschlagen androhen, bis zum Steigen (nicht in meine Richtung).
Ich dachte immer sie möchte mir da nur zeigen, dass sie keine Lust hat oder so. Was auch irgendwie logisch wäre, weil sie ein sehr dominantes Pferd ist, und auch die Alpha Stute unserer kleinen Herde. Und zwar ein „passive leader“, wie Mark Rashid es bezeichnet. Man sieht selten, wie sie die anderen herumscheucht oder dominiert ohne Grund.

In einem Forum hat mal jemand vermutet, dass sie so reagiert wenn sie unsicher und hilflos ist, weil sie nicht weiß was sie tun soll. Ich habe in letzter Zeit vermehrt darauf geachtet, und festgestellt, dass es ziemlich wahrscheinlich so ist!
Und wenn man dann als Quittung ihrer vermeintlichen Aggressivität straft, macht man es ja eigentlich nur noch schlimmer…

Vielen Dank für den Text!!

 

Von Sonja • 20. November 2017

Ich bin mit meinen Forschungen noch nicht zum Ende gekommen ;-), aber ich frage mich inzwischen, ob es überhaupt so etwas wie „schwierige“ Pferde gibt. Nach meinen bisherigen Beobachtungen war das „schwierige“ immer der Mensch. Ich habe bisher nie erlebt, dass freundliche, ausgeglichene Menschen ein schwieriges Pferd gehabt hätten (oder die anfangs schwer zu händelnden Pferde wurden nach einiger Zeit viel einfacher im Umgang).

Ich glaube, dass die meisten Leute eine unrealistische Vorstellung von Pferden haben. Wenn ich einen Haflinger habe, habe ich einen Haflinger. Das geht dann eben meist mit Haflinger-typischem Verhalten einher, das man aber durchaus händeln kann, wenn man mit Haflinger-kompatiblen Methoden arbeitet (nämlich mit Sensibilität). Eine andere Ursache für unerwünschtes Verhalten sind körperliche Beschwerden. Neben Schmerzen im Bewegungsapparat sollte man dabei ungedingt an Stoffwechselstörungen/-erkrankungen denken. Dank oft suboptimaler Heuqualität und von Tierärzten regelmäßig und im Übermaß verschriebenen, leberbelastenden Medikamenten sind die nicht selten. Nicht zu reden von anderen, nicht pferdegerechten Haltungsbedingungen oder physischer od. psychischer Überforderung.
Leider wird so etwas in Reitschulen auch nicht vermittelt. Wenn man sich nicht von sich aus dafür interessiert (und brauchbare Informationen dazu zu finden ist alles andere als einfach) weiß man ja oft nicht anders mit dem Pferd umzugehen, als es in dem Stall, den man kennt üblich ist. Und das ist meist mit Gewalt („der muss mal ordentlich in den Senkel gestellt werden“).

 

Von Sonja • 20. November 2017

Nachtrag: Mir scheint, das eigene Pferd wird auch zu oft nach unpassenden Kriterien ausgewählt. Ich kenne (wie wohl jeder) ganz unerfahrene Erst-Pferdebesitzer, bei denen es ein junges Vollblut oder ein Fohlen sein musste. Oft wird ausschließlich nach der sportlichen Eignung, oder nach der Fellfarbe geschaut, selten aber nach dem Charakter. Da klemmt es natürlich gerne mal. Die Schuld wird dann gerne dem „schwierigen“ Pferd zugeschoben.

 

 

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