Wieder mal eine Frage des Fokus

Ich glaube, ich habe es schon mal zugegeben: ich neige zur Fehlerguckerei. Bei mir, aber auch bei anderen. Und seltsamerweise neige ich vor allem in der Reiterwelt zum Fehlergucken. Immer wieder fällt mir bei anderen auf, was ich für doof, falsch oder schlecht halte.

Nun arbeite ich seit einiger Zeit ziemlich hart daran, meinen Fokus in dieser Hinsicht zu verändern. Ich habe nämlich festgestellt, dass mit meiner Fehlerguckerei etwas Ungutes in Gang gesetzt wird: Durch meine negative Wertung von anderen fühle ich mich selbst kein bisschen besser – im Gegenteil, je mehr Negatives ich bei anderen wahrnehme, desto unzufriedener und mäkliger bin ich auch mit mir selbst (es mag sein, dass die Wirkungsweise auch anders herum ist, ich also je härter ich zu mir selbst bin, desto mehr ich auf die Fehler anderer schaue – aber das ist letztlich egal, denn entscheidend ist, es zu durchbrechen). Und das hat natürlich wieder Auswirkung auf meine Pferde, die diese „negative Energie“ spüren.

Inzwischen gelingt es mir immer öfter, bei anderen wahrzunehmen, was gut ist. Wie toll viele Leute mit ihren Pferden umgehen, wie viel Liebe da oft ist und dass es Leute gibt, die vieles auch besser können als ich selbst. Und wisst Ihr was? Ich fühle mich so viel besser damit.

Ist es nicht seltsam, dass wir andere oft versuchen klein zu machen, um uns besser zu fühlen (unbewusst natürlich, das macht kaum jemand vorsätzlich), dass aber die Wirkung eine ganz andere ist? Dass man sich nämlich selbst dann noch kleiner und mickriger fühlt?

Probiert mal aus, ganz gezielt Positives an anderen Pferdeleuten wahrzunehmen – und seien es noch so kleine Momente. Spürt mal nach, wie es Euch damit geht und was Ihr mit diesem Fokus in die Welt gebt. Für mich hat sich durch diesen bewussten Wechsel meiner Sicht schon jetzt enorm viel zum Guten geändert – für mich, für andere und vor allem für meine Pferde.

2. September 2010 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse 8 Kommentare »

 

8 Reaktionen zu “Wieder mal eine Frage des Fokus”

 

Von Sylvia • 2. September 2010

Hallo Tania,

wie wahr! Pferde sind wie Kinder und reagieren auch ähnlich wie Kinder auf alles.
Ich lobe (auch durch meine heilpädagogische Arbeit) schon immer eher die positiven Dinge. So auch bei den Pferden! Die Reaktion kennst Du ja selbst bei Deinen eigenen Pferden…;o))
Auch bei anderen Reitern versuche ich immer zu filtern, was mir gefällt, denn DAS mopse ich mir als „Vorbild“ und versuche dem nahe zu kommen. Ich klau also mit den Augen. Da bleibt nichts anderes übrig, als nach Positivem zu suchen. Denn das Negative will ich ja nicht haben…und schon gar nicht nach machen!
Aber man muss sich auch mal dazu auffordern, denn es gibt wirklich noch zu viel Negatives wenn man durch so einen Stall geht oder Reithallen mit Pferden bei der Arbeit. Leider!
Neulich sagte eine Freundin von mir :“Pferdeleute sind irgendwie ein eigenes Völkchen“ Irgendwie hat sie Recht?!?! Oder? Ich lebe ja viele Interessen aus. Aber mir ist kein Bereich bekannt, in dem Konkurrenz so groß ist! Dabei wollen wir doch alle nur reiten und Spaß mit unserem Gefährten Pferd haben!

Viele liebe Grüße, Sylvia

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Hallo Sylvia,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Ich habe darüber auch schon oft nachgedacht… – vielleicht sind wir wirklich ein eigenes Völkchen, aber ich kenne viele Muster auch von anderen Gruppierungen. Nur betrifft dort das Konkurrenzdenken nicht auch noch andere Wesen (die Pferde), sondern bleibt unter Menschen. Ist für die Menschen auch nicht schöner, aber es sind eben nicht noch andere Wesen betroffen. Und vielleicht verschärfen ja gerade die Schuldgefühle den Pferden gegenüber (ob nun bewusst oder unbewusst) die ganze Situation noch.

Tania

 

Von Ronald Hörstmann • 5. September 2010

Liebe Frau Konnerth, wenn Sie Ihre Liebe zu den Pferden zu anderen Tieren entwickeln, geschieht bei diesen Tieren genau das gleiche. Habe dies gerade bei Ziegen festgestellt. 260 Ziegen auf 1860 Meter Höhe in Graubünden. Es kamen aus der immer zum Melken zusammengetriebenen Herde diegleichen zum Streicheln. Sie schließen sogar untereinander Freundschaften. Die Ziege ist jedoch eigenwilliger als ein Pferd und unterwirft sich nicht dem Menschen. Diese Freiheit gefällt mir an ihr.

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Hallo Herr Hörstmann,

ja, jedes Tier hat wundervolle Seiten und es macht auch mir viel Freude, sie alle in ihren besonderen Eigenheiten kennenzulernen. Ich hatte mal zwei Ziegen zu Besuch auf meiner Weise – tolle Tiere sind das!

Herzlich,
Tania Konnerth

 

Von Carmen Lozano • 6. September 2010

Liebe Tania,

danke für diesen so wichtigen Gedankengang!
Man hat immer selbst die Wahl, wie man das Leben sehen will. Mit mehr Sonnenschein im Blick wird auch mehr Sonne auf einen scheinen.
Ich habe aber auch die Erfahrung gemacht, daß die Menschen, denen das manchmal schwer fällt, oft einfach nur zu streng zu sich selbst sind. Das heißt, wenn ich es schaffe, mir selbst meine Fehler zu verzeihen und mich so, wie ich bin, selbst zu mögen, dann habe ich auch automatisch eine liebevollere Sicht auf meine Umwelt. Also ist es vielleicht auch ein guter Anfang, sich selbst positiver zu sehen, um dann besser in der Lage zu sein das Positive an Anderen wahrzunehmen?!

Sonnige Grüße
Carmen

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Jep, das ist ein kluger und hilfreicher Gedanke!

Danke fürs Teilen,
Tania

 

Von Manfred • 6. September 2010

Ja Tania,

die Erkenntnis mit dem „Worauf setze ich meinen Fokus, das wird sich auch für meine Wahrnehmung erfüllen!“ ist eine ganz wesentliche auch in meinem Beruf gewesen. Bei der Bauüberwachung habe ich halt immer nur nach Mängeln Ausschau gehalten und natürlich auch immer welche gefunden. doch all die positiven Dinge, die geklappt haben oder richtig gut geworden sind, habe ich dabei übersehen.

So war es auch im Umgang mit den Pferden und ich wurde immer unzufriedener und sehr unglücklich dabei. Bis mir eines Tages „Kelly“ an den Kopf war: „Du kannst ja nicht mehr die Schönheit einer Blume am Straßenrand erkennen!“ Ich stand am nächsten tag an der Bushaltestelle und bewunderte eine Butterblume, der es gelungen ist die Asphaltdecke zu durchbrechen, um ihr Blüte im Sonnenlicht voll entfalten zu können. Völlig fasziniert starrte ich dieses Wunder der Natur an und konnte es mir nicht erklären, wie sie das hat schaffen können.

Nun bin ich mehr und mehr damit beschäftigt, all diese wundervollen Dinge im Leben zu erkennen und es ist auch schon vorgekommen, dass ich Mängel am Bau dabei völlig übersehen habe. Vielmehr konnte ich mich darüber freuen, wie schön das Bauwerk doch geworden ist. Und bei den Pferden gelingt mir das inzwischen auch immer mehr.

Das Leben kann so schön sein, wenn man es mit dem richtigen Fokus wahrnimmt. Ich freue mich immer wieder über diese Newsletter und die schönen Berichte darin. Macht weiter so.

Herzliche Grüße
Manfred

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Danke, Manfred, ich freu mich sehr über Deine Zeilen.

Alles Gute,
Tania

 

Von Claudia • 8. September 2010

Liebe alle,

den Feststellungen über die Wahrnehmungen kann ich nur beipflichten. Das trifft auf alle Lebensbereiche zu und überträgt sich mindestens auf Mensch und Tier, wenn nicht sogar auch auf Erlebnisse. Es ist halt nicht immer so einfach, eine positive Einstellung zu behalten, je nach dem was man alles erlebt und in welchen Zeitabständen.
Zum Thema Reiten bin ich auch der Meinung das Reiter wirklich ein sehr eigenes Völkchen sind. Ich gehöre nicht zu den „Cracks“, wenn ich das mal so nennen will und aus dem Reitsport heraus ist bei mir mehr und mehr die Freude am Umgang mit diesen Tieren und die Liebe zu ihnen in den Vordergrund getreten. Ich muss aber dazu sagen, dass ich mich aus den letzten Erfahrungen heraus, im Stall etwas zurück gezogen habe. Ist vielleicht auch nicht die beste Lösung aber ich finde, dass einfach zuviel negative Stimmungen vermittelt werden und mir ist das hinten herum Gerede einfach zuwider. Ich hatte neulich meine erste Reitstunde bei einer neuen Trainerin, ich war ziemlich lange auf der Suche. Das erste was ich von einer Einstellerin zu hören bekam war, ah ja die kenne ich, das war früher immer so eine Hauruckreiterin. Zu guter Letzt stand dann während meiner Stunde eine ganze Versammlung an der Reithallentür und hat zugeschaut, die ganze Stunde! Und alles Leute die sonst eigentlich kein grosses Interesse an uns haben. Wozu haben die sich wohl alle eine ganze Stunde Zeit abgezwackt. Mir war es egal, ich kann soetwas mittlerweile sehr gut ignorieren, aber eben… Bös gemeint haben die Leute das sicher nicht aber ob sie jetzt da waren um zu gucken ob die Stunde für mich mein Pferd positives bringt? I have my doubts ;-))

Alles Liebe
Claudia

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Nehmen wir im Sinne meines Textes mal an, dass sie einfach nur positiv interessiert waren 😉

Ich kann das Bedürfnis, sich zurückzuziehen, gut verstehen – das war auch z.T. mein Weg. Dass ich eben einfach für mich hingewurschtelt habe. Interessant ist nur, dass man selbst ja durchaus Einfluss haben kann – sprich, wenn man Dinge anders macht, ruft das manchmal Lästereien hervor, gleichzeitig aber kann es auch zu positiven Denkanstößen führen.

Herzlich,
Tania

 

Von Claudia • 10. September 2010

Liebe Tania

ja Du hast Recht. Man sollte der positiven Seite immer auch eine Chance geben. Werde mir Mühe geben 🙂

Herzliche Grüsse
Claudia

 

Von Jenny • 14. September 2010

Ja ich gebe dir recht.
Die Kraft der Gedanken kann Berge versetzten.
Ich habe mich schon genauer mit diesem Thema beschäftigt.
Es gibt auch unzählige Bücher darüber.
Man kann so viel an sich und seiner Umgebung positiv beeinflussen wenn man nur positiv denk.
Denn so wie man es aussendet, kommt es auch zu einem zurück.
Man muss sich nur immer wieder selber daran erinnern poisitiv zu denken, irgendwann geht es dann automatisch ins Denkmuster über.-
Ist eine interessante Sache die Gedanken.
LG Jenny

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Das stimmt!
Tania

 

Von tina • 21. März 2013

nicht immer funktioniert es… Manchmal sind die negativen Dinge, die man sieht, so schlimm, dass ich sie oft nicht ausblenden kann und auch nicht schön reden. Es hilft mir nur dann, wenn ich mich wegdrehe und versuche, mich selbst positiv zu fokussieren, dass ich mich bemühe, mich selbst an die Hand zu nehmen und zwischen mir und meinem Pferd ein Band des Vertrauens zu schaffen.
Kann ich das nach aussen widerspiegeln, durch meinen Umgang mit meinem Pferd und durch mein Reiten und anderen fällt das positiv auf – dann, ja dann weiss ich ich bin auf dem richtigen Weg…

 

 

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