Von Geschenken

Stellt Euch mal vor, jemand bringt Euch das Bodenturnen bei. Ihr seid zunächst ungelenkig und ungeschickt und fragt Euch, wie Ihr nur all die vielen Übungen bewältigen sollt. Dann spürt Ihr, dass Ihr eine Übung langsam beherrscht und als Euer Trainer sie sehen möchte, präsentiert Ihr sie freudestrahlend. Und die Reaktion? „Schön und nun bitte diese Übung gleich nochmal und einen Handstand dazu!“ Ach ja, … und falls Ihr das nicht schafft, bufft Euch die Person solange, bis Ihr es macht.

Abwegig? Absurd?

Schauen wir uns noch ein Beispiel an: Wir bringen unseren Pferden Lektionen bei. Mühsame, schwierige Lektionen, die viel Einsatz und Konzentration fordern. Den Pferden fällt es ganz schön schwer, ihre Beine zu sortieren, die Balance zu halten und all die vielen Anweisungen zu verstehen. Und was passiert nun, wenn ein Pferd uns zeigt, was es kann, wenn es uns also die Ausführung einer Lektion schenkt? Wir klopfen den Hals und fordern nicht nur die Lektion gleich nochmal (oder sogar viele, viele Male), sondern nein, wir wollen dann sofort auch die nächste angehen. Je nach unserer Grundeinstellung machen wir das mehr oder weniger liebevoll oder nachdrücklich.

Auch abwegig? Auch absurd? Oder der ganz normale Pferdewelten-Wahnsinn?

Und noch verrückter ist es, wenn ein Pferd dann später von sich aus stolz eine Lektion zeigt, die es gerade verstanden hat und dafür dann bestraft wird, weil das „gerade nicht gefragt war und man ja nicht zulassen kann, dass so ein Pferd macht, was es will“.

Fühlen wir uns doch mal für einen Moment in oben aufgeführtes Beispiel ein und stellen uns vor, was das Verhalten des Trainers für uns und unsere Motivation bedeuten würde. So können wir eine Ahnung davon bekommen, wie es unseren Pferden leider sehr, sehr oft geht.

Es gibt so viele schöne Wege, sich für ein Geschenk zu bedanken – denken wir das nächste Mal daran, wenn wir eines von unserem Pferd bekommen!

13. Mai 2010 von Tania Konnerth • Kategorie: Umgang 14 Kommentare »

 

14 Reaktionen zu “Von Geschenken”

 

Von Natalie • 13. Mai 2010

Hey Tamia,
danke für die lieben Gedanken…
ich muss getehen früher hätte ich genauso gehandelt wie die meisten. Ok jetzt klappt´s, dann kann ich ja jetzt mit dem nächsten weiter machen…
Aber bekomme ich heute von meinem Pferd etwas geschenkt, dann halt ich einfach mal an, für viele unverständlich, gebe meinem Pferd Kekse und lasse sie so rumstehen, wie sie möchte… es gibt eine lange Pause, oder ich höre einfach auf, steige ab und wenn sie sehr warm ist führe ich noch ein paar Runden…
Ja aber du hast völlig Recht auch mir war das vor noch gar nicht allzu langer Zeit noch gar nciht bewusst, was die Pferde uns für Geschenke machen und vor allem wie wenig wir diese Geschenke achten…
Ich hab diese Situation neulich erlebt… Mein Pferd hat mir einfach so das SH im Trab geschenkt. Ganz von sich aus. Darauf hin war ich so erfreut, dass ich sie mit Keksen überseet habe 🙂
Liebe Grüße Natalie

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Superschön, Natalie!!!
Tania

 

Von Corinna • 14. Mai 2010

Hallo Tania,

es ist anscheinend wirklich der normale Pferdewelt-Wahnsinn… Traurig eigentlich und sehr schade, dass man sich diese Geschenke durch die eigene Sturheit (oder was es auch immer ist) zu nichte macht.
Ich gestehe auch wie Natalie, dass ich so war, aber das gut ist ja, wir habens erkannt und uns geändert:-)

LG
Corinna

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Danke, Corinna, für Deine Zeilen,
Tania

 

Von Corinna • 14. Mai 2010

Jetzt muss ich nochmal schreiben.
War grad in der Mittagspause bei meinem Pferd. Heute war alles ruhig. Niemand war im Stall.
Ich ließ Nanigo in Ruhe etwas in der Halle laufen. Er machte so schön mit und plötzlich bekomme ich eins von diesen besonderen Geschenken bzw. Momenten. Er hat die Arbeit von der Longe mit in die heutige Freiarbeit genommen.
Er hob sehr schön seine Schulter an und lief in Stellung. Es war einfach herrlich zu sehen wie er es von sich aus angeboten hat. Mensch waren wir zwei stolz:-)
Ich glaub das passt hier ganz gut dazu oder?

LG
Corinna

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Das passt bestens hierher!!!

Schööön,
Tania

 

Von Sigrun • 17. Mai 2010

Hallo Tania,

es ist abwegig und absurd und der ganz normale Wahnsinn, zumindest, wenn es so läuft, wie von Dir beschrieben.

Die gute Variante, wenn man nach einem solchen Geschenk oder einfach etwas Gelungenem nicht ganz aufhören möchte, wäre Lob und Pause und dann beim Pferd anfragen, ob’s vielleicht wiederholbar ist. Meistens geht es ja nach einer Denk- und Atempause noch einmal so gut oder gar besser. Und die Fortschritte stellen sich natürlich viel schneller ein, obwohl / weil man sich am Anfang mehr Zeit lässt. So zumindest lernen wir das bei unserem Reitlehrer 😉

LG
Sigrun

__________________

Na, das scheint dann ein guter Reitlehrer zu sein! Wobei ich selbst auch schon oft in die Wiederholungsfalle getappt bin und mich hinterher ziemlich geärgert habe, dass ich es unbedingt nochmal probieren musste. Kommt auch hier immer drauf an, denke ich.

Herzlich,
Tania

 

Von Gela • 17. Mai 2010

Hallo!

Auch ich bin vor kurzem beschenkt worden. Wir sind im Moment dabei uns den Longenkurs zu erarbeiten – was nicht immer so einfach ist. Nach einem weniger guten Trainingstag und zwei freien Tagen – läuft mein Schnuckel beim spazierengehen plötzlich in super gut gebogener Haltung neben mir her, ganz ohne aufforderung – bin ihm vor Freude um den Hals gefallen. :-))
(Habe für mich die erfahrung gemacht, das Pferde wie kleine Kinder sind. Sie brauchen Liebe, Aufmerksamkeit und Lob – dann sind sie mit Feuereifer bei der Sache.)

LG, Gela

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Huuuuuiiiii – schön!!!
Tania

 

Von Claudia • 17. Mai 2010

Liebe Tania,

das ist so so fies wenn ein Pferd von sich aus so freudig eine Lektion zeigt und man ihm dafür auch noch eine auf die Rübe gibt!! Ich glaube vielen ist wirklich nicht klar, wie anstrengend viele Übungen sind und wie anstrengend auch geistig! Eigentlich sollte man einen Luftsprung vor Freude machen bei sowas.
Ich hab mal eine Stute geritten, von einer Freundin, das war vielleicht das 2. oder 3. Mal. Damals ritt ich sie in einer Reitstunde und die Halle war voll. Sie lief brav mit mir in die Mitte, wo ich ein bisschen nachgurten wollte. Und sie zeigte mir den spanischen Schritt. Als ich dann auf der Aufsteigehilfe aufsteigen wollte, ist sie mit beiden Vorderfüssen draufgestiegen – um mir zu zeigen, dass sie das auch kann. Sie hat natürlich Leckerchen bekommen und viel Lob. Ich fand’s so goldig.

Liebe Grüsse
Claudi

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😀
Tania

 

Von Michaela • 18. Mai 2010

Hallo Tanja,

super toll diese Artikel.

Ich hatte auch lange und immer wieder Probleme mit meinem Pferd. Wir haben einfach keine Basis gefunden. Aber seit ich, durch euch =), immer wieder meine Taten und die Reaktionen meines Pferdes darauf hinterfrage kann ich viele seiner Aktionen auch als solche GESCHENKE ansehen und nicht mehr als etwas was ich jetzt grad nicht abfragte. Seither haben wir viel mehr zusammengefunden und freuen uns jeden Tag aufeinander ♥♥♥.

________________

Wow,

da freu ich mich riesig mit Euch!!!
Tania

 

Von Britta • 18. Mai 2010

Hallo Tanja,

danke, für diese Worte. Ich bekomme oft zu hören, ich dürfte das meinen Ponys nicht durch gehen lassen. Ich freu mich trotzdem.

Einmal hat meine Lewitzerstute, die sonst immer nur zögerlich ihre Vorderbeine auf den Bodest setzt, in einer Reitpause im Wald ihre beiden Vorderhufe auf den Baumstamm gestellt, auf dem ich mit meiner Freundin saß. Ich war stolz und sie meinte, was soll der Unsinn. Naja, jeder so wie er mag. Seit damals geht sie schön auf den Bodest. Hätte ich sie bestraft oder auch nur unbeachtet gelassen, wäre das sicherlich nicht der Fall. Ich finde auch, dass den meisten Menschen nicht bewußt ist, welche Geschenke uns diese wunderbaren Tiere geben. Oft höre ich auch, Pferde darf man nicht aus der Hand füttern. Kuscheln ist absolut tabu usw. Also ich frag mich da, wofür habe ich dann ein Pferd. Wie wäre es mit einem Fahrrad?
Meine Ponys lieben es gekuschelt zu werden. Was gibt es schöneres als zwei Ponys, die einem freudig entgegen wiehern, wenn ich komme?

Macht weiter so. Ich bin froh im Internet auf eure Seite gestoßen zu sein. Den Longenkurs habe ich letzte Woche schon gekauft und komplett gelesen. Leider sind meine Kappzäume noch nicht da. Hier gab es keine passenden. Ich warte und brenne.

Liebe Grüße

Britta

Die Kraft der Vorstellung macht uns unendlich.
(John Muir)

_________________

Ganz lieben Dank, Britta, für die tolle Rückmeldung!

Knuddler ans Pferdi 😉
Tania

 

Von Ulrike • 18. Mai 2010

Ich hatte Glück: als sehr Späteinsteigerin war ich schon mal gewohnt alles zu überdenken und nach Gründen zu fragen. So habe ich nie verstanden warum die von Dir geschilderten Verhaltensweisen erzieherisch gut sein sollen. Und als ich dann auch noch ein Pferd fand, das aus einer anderen Welt kam, sehr ängstlich und gleichzeitig dominant war – da war klar, daß ich nicht nach Schema f vorgehen konnte.
Euer Grundsatz, viel Lob für den Schritt in die richtige Richtung, war unser Erziehungsstil und Ende der Arbeit,wenn eine neue Aufgabe gut erfüllt ist, das mache ich auch jetzt nach Jahren so. Eine geschenkte Lektion wird gelobt und wenn mein Pferd dann glaubt, den Leckerli-Automaten bedienen zu können, wird eben eine neue interessante Aufgabe gestellt – aber nicht geschimpft (oder sogar gestraft), sondern gelacht.

So habe ich immer ein Pferd, daß sich auf die Zusammenarbeit freut, mit allen Auf und Abs, die die Pferdewelt so bietet.

Ich bin sehr froh, daß diese pferdefreundliche Einstellung durch Euren Longenkurs und das Forum immer öfter aufgenommen und praktiziert wird. Und wer weiß – vielleicht ist diese Art mal das Schema „f“ in einem sehr positiven Sinn ?
Das hofft
Ulrike

________________

Dankeschön, Ulrike – wir freuen uns sehr!

Und weiterhin gutes Hinterfragen 🙂
Tania

 

Von Claudia • 19. Mai 2010

Ein Sprichwort sagt „Es gibt keine größere Schuld, als die „Danke“ zu sagen“. Ich sage meinem Plegepferd danke, in dem er sich nach der Bodenarbeit ausgiebig im Sand wälzen darf, er liebt das. Oder ich mache noch etwas Wellness/Massage wie Babette es vorgestellt hat. Ich tue dies noch nicht lange, aber ich glaube er wird es bald mögen und genießen. Ab und zu gehen wir auch nur spazieren ohne jegliche „Arbeit“
Grüße Claudia

______________________

Super!
Tania

 

Von Caty • 20. Mai 2010

Hallo Tania,

dein Artikel ist echt klasse, weil aus diesen blickwinkel habe ich das noch nie betrachte. jetzt da ich es weiß, reagier ich auch ganz anders. habe meinem Pony letzte Woche bei gebracht die Vorderbeine auf einen Baumstamm zu legen, nach 5 min. hat er es beriffen, viel lob und leckerlis und pausen nartürlich inbegriffen. jetzt macht er es ständig wenn er an einem baumstamm vorbei kommt ohne es von ihm verlangt zu haben.Er macht das so gerne hat total viel spass dabei, manchmal stehe ich neben ihm und dann machen wir das im duett.Sieht sehr lustig aus,vorallem wenn Leute an uns vorbei gehen. 🙂

Lg Caty

________________

Wie süß!!!
Tania

 

Von Charlotte • 29. Mai 2010

Hallo Tania!
Als ich deinen Artikel gelesen habe, habe ich gleich an einen Satz aus einem Interview mit Monty Roberts gedacht, in dem es um das Thema Join-Up geht. Er sagte nämlich auf die Frage, warum er einem rohen Pferd z.B. bei seinen Shows schon nach wenigen Runden im Roundpen den Sattel auflegt und sich draufsetzt: “ Wenn mein Pferd verstanden hat, was ich will, und die Aufgabe gut gelöst hat, warum sollte man dann nicht mit der nächsten Aufgabe weiter machen? Hauptsache der Adrenalinspiegel bleibt unten!“
Ist das so? Irgendwann wird schließlich für jedes Pferd die Aufgabe kommen ,die es nicht sofort schafft, aber dann ist doch das erfolgsgefühl, dass es die anderen Aufgaben geschafft hat nicht mehr da! Sollte man nicht einfach zufrieden aufhören und das Pferd seinen „Ruhm genießen“ lassen, sodass er mit einem positiven Gefühl die Arbeit beendet?
Was sagst du dazu?
Liebe Grüße,
Charlotte

_______________________

Hallo Charlotte,
ich ganz persönlich glaube, dass in einer Situation, wie Du sie beschreibst, ein junges Pferd komplett überfordert ist und dass man es auf diese Weise schafft, den Willen des jungen Pferdes zu brechen, weil man ihm keinen Ausweg lässt. Klar, es akzeptiert dann den Sattel in dieser Situation, was bleibt ihm anderes übrig? Mein Weg ist das nicht. Es gibt viel schönere Wege, ein Pferd an einen Sattel zu gewöhnen 🙂

Herzlich,
Tania

 

Von Anja • 13. März 2015

Hallo Tania,
oh, das passt gerade sehr gut zu einer Situation, die ich erlebt habe…
Ich hatte meinem Pferd das Seitwärts-Treten vor einer Stange vom Boden aus gezeigt. Als ich das nächste Mal in der Bahn geritten bin und eine Stange herum lag, zog er von alleine dort hin, stellte sich vor die Stange und trat ein paar Schritte seitwärts und grummelte dabei. Ich habe mich sehr gefreut und ihn dolle gelobt.
Ein Mitreiter in der Bahn sah mich verständnislos an und fragte „Solle er das gerade tun?“
Da hab ich nur geantwortet „Nein, er wollte mir nur zeigen, dass er es kann.“ 🙂
Ganz liebe Grüße und danke, dass es Euch gibt.
Anja

 

Von Christl • 28. November 2016

Hallo Tania!
Seitdem ich ein extrem sensibles und misshandeltes Pferd „bekommen“ habe,
und mit keiner mir bislang bekannten Methode weiter gekommen bin,
bin ich auf eure Seite gestoßen. Gott-sei-Dank Vieles von euren Blogs
trifft auf uns zu. Besonders aber die Geschenke: Wir freuen uns über die
allerkleinsten Geschenke von unserer „Hope“, die für viele Pferdebesitzer
selbstverständlich sind. Im Stall sind wir Exoten,
Danke, dass wir nicht allein so exotisch sind!!

 

 

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