Expertin in allen Feldern?

Vorsicht – der folgende Blogbeitrag kann Euer Leben etwas ungemütlicher machen. Also nicht unbedingt weiterlesen, wenn Ihr gerade eh schon genug um die Ohren habt und keine zusätzlichen Baustellen in Eurem Leben braucht!

Ihr lest weiter? Gut, dann seid Ihr mir in dieser Hinsicht ähnlich, denn auch ich entscheide mich immer wieder dazu, mich auch mit unbequemen Dingen zu befassen, wenn es um meine Pferde geht. Und genau deshalb habe ich diesen Beitrag geschrieben – aus einer Art Frust heraus, aber gleichzeitig auch, um Euch Mut zu machen. Aber…, der Reihe nach.

Zuerst eine Frage: Wie viele Experten lasst Ihr an Eure Pferde? Ich nehme an, mindestens einen Tierarzt und einen Hufmenschen. Manche sicher auch Physiotherapeuten und Sattler. Viele auch Bereiter und Ausbilder. Egal, wie viele Experten es sind, wir alle erhoffen uns, dass diese Menschen wissen, was sie tun und unserem Pferd nicht nur nicht schaden, sondern guttun.

Nur, wie sicher können wir uns da sein?

Ich stelle immer wieder fest, dass allein, um ansatzweise beurteilen zu können, ob das, was Experten da mit meinem Pferd machen, gut ist oder ob deren Vorschläge sinnvoll sind, ich ein gewisses Grundwissen brauche. Und wenn ich auch noch halbwegs schlaue Fragen stellen will, muss ich noch mehr Ahnung haben, denn gute Fragen kann nur jemand stellen, der schon ein bisschen etwas über ein Thema weiß. Tja, und das bringt mich immer wieder in ein Dilemma, nämlich das, die Zeit und Energie aufzubringen, die es kostet, mich immer wieder mit neuen Themen zu befassen. Und das – wenn möglich – nicht nur allzu oberflächlich, sondern im Grunde so intensiv, wie es mir möglich ist.

An manchen Tagen hadere ich sehr damit und schimpfe auf die „sogenannten Experten“, dann für alle nur als „Pfuscher“ erscheinen (ich überzeichne, aber ich denke, Ihr wisst, was ich meine). An anderen Tagen hingegen bin ich sehr dankbar dafür, auf diese Weise immer wieder meinen Horizont zu erweitern und ständig zuzulernen. An solchen Tagen sehe ich, dass auch Experten nur Menschen sind und kann ihnen verzeihen, dass auch sie Fehler machen. An diesen Tagen ist mir klar, dass ich zwar Aufgaben, wie z.B. die Hufpflege, die Sattelanpassung oder eine medizinische Behandlung abgegeben kann, nicht aber aber meine Verantwortung für mein Pferd. Die habe ich immer.

Ich schätze, dass mich nun so mancher Fachmensch für diesen Beitrag lynchen möchte, denn Pferdebesitzer mit Halbwissen sind meist ziemlich anstrengend. Aber leider ist es meiner Erfahrung nach nötig, sich dieses (Halb)Wissen anzueignen und eben in der Folge dann auch unbequem zu sein, eben weil es unter den Experten solche und solche gibt und weil es überall verschiedene Wege und unterschiedliche Methoden gibt und ich nur mit einem Basiswissen ausgestattet entscheiden kann. Die letztliche Entscheidung liegt ja immer bei mir als Eigentümerin des Pferdes. Natürlich kann ich selbst dann, wenn ich mir Wissen aneigne, keinen der Experten ersetzen (das ist auch gar nicht mein Ziel), aber ich kann dann wenigstens meiner Verantwortung für mein Pferd etwas besser nachkommen bei dem Versuch, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Und so lautet die Antwort auf meine in der Überschrift zu diesem Beitrag gestellte Frage: Ja, ein bisschen muss ich mich wohl wirklich zum Experten in allen Feldern entwickeln.

Oder seht Ihr das anders?

12. November 2009 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse 19 Kommentare »

 

19 Reaktionen zu “Expertin in allen Feldern?”

 

Von Ramona • 12. November 2009

Ich stimme dir voll und ganz zu, Tania!

Nur wenn ich selbst auch etwas Hintergrundwissen habe, kann ich beurteilen, ob der Experte seine Arbeit gut macht. Einen guten Experten erkennt man meiner Meinung aber u. a. auch genau daran, dass er auf Fragen bereitwillig und geduldig schlüssige Antworten gibt. Jemand der weiß, was und warum er es tut, wird in der Regel gerne Auskunft über seine Arbeit geben.

Unbequem sind doch vor allem die Fragen, auf die man keine Antwort weiß, weil sie den Gefragten ein bisschen in die Enge treiben und sich daraus gewissermaßen eine Verteidungshaltung ergibt. Dem Laien gegenüber möchte ja wohl kaum ein Experte zugeben, dass er selbst nicht recht weiß, was er macht. Wenn mir also so ein „Experte“ nur ausweichende, unbefriedigende oder gar keine Antworten gibt, frage ich mich schon, ob der wirklich so viel Ahnung hat, wie er vorgibt.

Zeitdruck kann natürlich auch mal ein Grund für knappe Antworten sein, sollte aber eher die Ausnahme sein. Wenn ich jemanden zu meinem Pferd rufe, möchte ich schon dass er/sie sich so viel Zeit nimmt, wie es eben braucht und nicht von einem Termin zum nächsten hetzt.

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Danke, Ramona, für Deinen Beitrag!
Tania

 

Von Lizzy • 12. November 2009

Ich schon wieder ;)…
Aber auchhier mal wieder ein ganz, ganz spannendes Thema!
Auch ichhabe die Erfahrung gemacht, dass man sich für alles ein gewisses Basiswissen aneigenen muss und nur selten „blind“ vertrauen kann. Aber das ist sehr schwer, denn hätte man das Expertenwissen, so bräuchte man ja den Experten nciht mehr… Ist wirklich schwierig.
Meiner alten Stute habe ich vor ein paar Jahren einen Sattel extra anpassen alssen- und? Das einzige, was der Sattel nciht war, war passend! Seit dem reite ich sie nur noch ohne Sattel. Aber das ist ja nu auch im Normalfall nciht die Lösung (in dem Bsp war es kein Problem).
Ein positives Beispiel ist der Huftechniker, der seit jahren zu uns kommt. Auf ihn kann ich mich in der Tat verlassen.
Wenn er ein Pferd ansieht, kann er an den Hufen „ablsen“ ob das Pfer in letzter ZEit zB wegen Krankheit lange gestanden hat, mal schlechtes oder zu wenig Futter bekommen hat, lahm ist (aufgrund unterschiedlicher Abnutzung, nicht nur wegen des Gangbildes!) und vieles mehr.
Und das ist sicher ein guter Hinweis, wie man einen echten Experten erkennt: Wenn er einem Zusatzinfos zur Sache geben kann. Und zwar nicht „Gelaber“, sondern handfeste Aussagen.
Aber schwer wird das immer sein, so jemanden zu finden und zu erkennen und die anderen zu „entlarven“.
Das ist in der Tat ein sehr frustrierendes Thema.
Und im Grunde kann ich nur bestätigen: Das Denken wir deinem seltenst abgenommen! Das muss man schon selbst.
Auch mit meiner alten Stute haben wir einen Winter sehr an ihrem Husten rumgedoktort. Der Tierarzt hat es nciht wirklich in den Griff bekommen. Ursache war schließlich schlechtes Heu, was wir zu spät erkannt haben. Gut, das hätte er nachfragen können, aber da sind wir eben immer als Besitzer gefragt, selbst mal nachzudenken! Und auch wenn wir die ein oder andere ungute Erfahrung machen, sie erweitert unseren Erfahrungsschatz, wenn wir daraus lernen, solche Situationen zu erweitern.
Frei nach dem Motto meiner Oma: Man wird so alt wie eine Kuh und lernt noch immer was dazu! 😀
Schöne Grüße, Lizzy.

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Hihi, ein schöner Spruch! 😀
Tania

 

Von Susanne • 14. November 2009

Hi Tania,

wie wahr wie wahr! Ich stimme dir in jeder Einzelheit zu. Als sich bei uns im Stall der schlimme Fall des Botulismus rumtrieb hab ich mich sofort stunden- und nächtelang an mein Laptop gesetzt und alle Möglichkeiten und Probleme recherchiert. Als es dann mein Pferd bekam, erkannte ich es sofort am ersten Anzeichen und wusste was in Zukunft passieren wird. Hätt ich mich nicht so schlau gemacht, wär ich wahrscheinlich stinksauer auf die Klinik gewesen, dass sie nicht genug gemacht hätten und ich deshalb mein Pony gehen lassen musste. Aber durch die Recherche wusste ich, wie hoch die Chancen stehen und was getan werden kann und was nicht.
Immer wenn mein Pferd irgendeine kleine Veränderung durchmacht oder bekommt, mach ich mich immer erst im Internet schlau (Gott segne das Internet 🙂 ). Ich gebe zu in den Themen Hufe und Sattel, bin ich noch Anfänger, aber das lag bisher auch daran, dass ich da nie Probleme hatte. Aber ich bemühe mich jeden Tag dazuzulernen.
Ich finde auch JEDER sollte darüber Bescheid wissen, wann es seinem Tier gut geht und wann nicht und das geht nicht ohne Grundwissen in allen Bereichen.

Viele Grüße
Susi

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Jep, das Internet empfinde ich hier auch als große Hilfe! Nur die Glaubwürdigkeit der Quellen muss man natürlich prüfen (aber das gilt ja immer).

Herzlich,
Tania

 

Von Silvia • 14. November 2009

Sehr schöner Beitrag. Und absolut korrekt!
Leider musste ich bei einem an sich guten Beitrag zum Leben in einem Gestüt feststellen, dass viele der zukünftigen Pferdewirte im 2. Lehrjahr nichtmal wissen, wie die einzelnen Körperteile des Pferdes heißen. Und das wunderte mich doch sehr. Dachte ich bis heute, dass man sich bei einem Hobby, was man später mal zum Beruf machen will, noch mehr rein kniet als irgendwer anders. Aber leider ist das nicht so. Für viele zählt nur das Reiten an sich. Hintergrundwissen gib es kaum. Sehr traurig.

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Ich setze darauf, dass das Bewusstsein darüber, wie wichtig Hintergrundwissen ist, immer größer wird – bei Eigentümern, aber natürlich erst recht bei allen, die sich beruflich mit Pferden befassen.

Danke für Deinen Beitrag,
Tania

 

Von Bianca • 15. November 2009

Hallo Tania,

super Beitrag! Ich muss gestehen, dass mir das bisher garnicht so bewusst war, ist ja auch schließlich viel bequemer sich auf die Experten zu verlassen 😉 Sicher habe ich mir auch schon Wissen angeeignet, aber eben einfach aus Interesse und nicht mit diesem „Hintergedanken“. Bisher war es zum Glück auch nicht nötig, da wir noch nie wirklich Probleme hatten und auch meine Mutter einiges an Wissen, vor allem im medizinischen und osteopathischen Bereich mitbringt. Aber ich werde mich wohl doch noch mehr damit beschäftigen.
Danke dafür!

Lg Bianca

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Gern geschehen!
Tania

 

Von no0815girl • 15. November 2009

Wie immer ein toller Beitrag, der zum Nachdenken anregt!

Ich mache das so, dass ich mich hauptsächlich auf Menschen verlassen, denen ich vertraue. Zum Beispiel meine Reitlehrerin, die mich seit Jahren nicht nur mit Reitunterricht unterstützt, sondern auch beim Pferdekauf, Kauf von Ausrüstung, usw., worauf ich da achten muss. Wenn ich bei irgend etwas unsicher bin, hat sie meist einen guten Tipp parat oder kann mir einen Experten empfehlen. Da sie ihr breites Pferdewissen und ihr gutes Auge immer wieder unter Beweis gestellt hat und auch auf kritische Fragen offen und verständlich antwortet (zB warum ihre Pferde nicht Barhufer sind), ist dieses Vertrauen für mich auch gerechtfertigt.
Das ist für mich eine grosse Stütze und ich denke keiner der anderen Experten, wie Sattler, Tierarzt usw. werden je diese „Experten-Stellung“ bei mir einnehmen.

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Oh ja, jemand, mit dem man sich auf diese Weise austauschen kann, ist sehr viel wert!
Tania

 

Von Marion • 16. November 2009

Sich auf „Experten“ – was für ein Untwort – zu verlassen, bedeutet Verantwortung abgeben.

Bestes Beispiel die Boxeneinsteller in meinem alten Stall: hier wurden kein noch so pferdeunfreundlicher Rat eines Tierartzes, Hufschmiedes etc. hinterfragt, bzw. infrage gestellt. Wochelange „Boxenruhe“, „Spezialbeschläge“, etc. musste die Kreatur Pferd über sich ergehen lassen. Ignorante, unwissende und nichts-wissenwollende Pferdebesitzer mit dem einzigen Ziel den Traum der (Turnier)Reiterei vor Augen sind ein gutes Klientel für die „Experten“.
Leider bleibt das Tier hierbei auf der Strecke.
Da stellt sich auch die Frage: Handeln manche Experten
– trotz besserem Wissen – gemäß den Wünschen der Pferdebesitzer ? Zumindest scheint Boxenruhe sehr beliebt zu sein (bei Pferdebestitzern und Experten.
Ausnahmen gibt es natürlich immer, aber der Großteil der Boxeneinsteller in meinem alten Stall war und ist genauso. Die Offenstaller waren genau das Gegenteil, hier gab es auch nur wenig zu verdienen. Boxenruhe wurde auch nie verordnet.
Das musste jetzt mal gesagt werden.
LG
Marion

_________________________

Stimmt schon – da wird es oft auch ein Wechselspiel zwischen Besitzern/innen und Experten geben… – auch mal interessant zu beleuchten!

Herzlich,
Tania

 

Von Sigrun • 16. November 2009

Ein guter Beitrag! Es ist eine Gratwanderung, Verantwortung abzugeben und auf Kompetenz zu vertrauen und dabei doch stets kritisch zu beobachten. Das ist oft anstrengend, aber ich möchte auch nicht darauf verzichten und zu denjenigen gehören, die nicht einmal wissen, was und wie viel ihr Pferd zu fressen bekommt, weil ein Stallbesitzer das für sie übernimmt.

Letztlich geht es uns in anderen Bereichen des Lebens auch nicht anders. Als „Generation Option“ (Rebekka Reinhard, Die Sinndiät) mit unendlichen Möglichkeiten erwarten wir von uns, immer alle Möglichkeiten in Betracht gezogen und verglichen zu haben, um für uns das Optimale zu entscheiden. Das ist sowohl eine Chance, als auch eine belastende Verpflichtung.

Ich bin inzwischen z.B. dazu übergegangen, keine Schnäppchen mehr zu jagen, sondern etwas dann zu kaufen, wenn und weil ich es brauche. Wenn ich etwas nicht brauche, dann gucke ich auch nicht danach, selbst wenn sich eine einmalig günstige Gelegenheit ergibt (zumindest versuche ich das, mal sehen, ob ich das auf 4 Tagen Pferd & Jagd auch durchhalte *g*).

Und wenn ich einen Behandler / Dienstleister für mein Pferd gefunden habe, bei dem ich mein Pferd in guten Händen wähne, dann suche ich auch nicht weiter, sondern beobachte, ob es dem Pferd hilft oder nicht.

Viele Grüße
Sigrun

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Jep, da hast Du recht – die gleiche Herausforderung haben wir in vielen anderen Bereichen auch zu leisten. Ich persönlich bin auch sehr froh darüber, tatsächlich mitentscheiden zu können und zahle dann eben auch den Preis dafür.

Herzlich,
Tania

 

Von Stephanie • 16. November 2009

Guten Morgen zusammen.

Ich finde den Beitrag sehr angregend.
Leider schipfen sich mitlerweile sehr viele Experten.
Ich möchte niemandem zu nahe treten, aber wenn ich sehe wieviele einen Trainerschein machen und dann auf die Menscheheit und vorallem Pferde losgelassen werden, gruselt mich schon des öfteren.
Wir haben leider auch schon die Erfahrung machen müssen das uns der Experte erzählen wollte was mit unserem Hund los ist. Zum Glück habe ich da eine Mutter, die sehr hartnäckig sein kann und drauf bestanden hat das dieses oder jenes gemacht wird, was im nachhinein auch richtig war. Ich denke das es für alle Beteiligten schwierig sein kann. Ich als Besitzer sollte mein Tier so gut kennen, das mir Veränderungen auffallen und das dann einem versierten Experten in die Hand geben, der es wieder „heilen“ kann.
Man sollte auf jeden Fall immer genau hinschaun.

___________________

Absolute Zustimmung!
Tania
LG Stef
fi

 

Von Beate • 16. November 2009

Hallo Tania, danke für diesen Beitrag. Das Wichtigste daran ist für mich die Aufgabe, den Leuten bewusst zu machen, dass SIE und nur SIE selbst für ihr Pferd verantwortlich sind. Dieser Verantwortung hat man nachzukommen. Sei es durch informieren, durch lernen und vor allem auch dadurch sich selbst in Frage stellen zu können.

Denn oft sind genau diejenigen die über ihre Pferde schimpfen ( Wie war das gleich heute im Newsletter bei Babette:“Wer kämpfen will, dem schickt das Leben einen Gegner.“)
auch diejenigen, die sich am wenigsten mit ihren Tieren und deren Bedürfnissen beschäftigen.

_________________

Danke für Deinen Beitrag, Beate!
Tania

 

Von Kerstin Schneider • 16. November 2009

Hallo Tania,
ich glaube, daß wir mit unserem „Halb“Wissen gar nicht schlecht in der Betreuung unseres Pferdes fahren. Wir suchen immer wieder nach Wegen und Möglichkeiten oder gar Behandlungswegen/arten, um unserem Tier helfen zu können. Sogenannte Experten sind meistens sehr eingefahren und haben den Scheuklappenblick und sind selten bereit auch mal nach links oder rechts zu schauen und haben (leider) häufig kein Ohr für Alternativmöglichkeiten. Egal, was mein Tierarzt, Hufschmied oder wer auch immer sagt- ich nehme es zur Kenntnis, informiere mich aber parallel noch nach anderen Möglichkeiten- zum Wohle meines Pferdes. Wie Du schon so schön sagtest: WIR haben die letztendliche Verantwortung für unser Tier.
Viele Grüße Kerstin und Guinness

_____________________

Oh ja, das ist auch ein wichtiger Aspekt bei der Sache: den Blick offen halten für alle Optionen!
Tania

 

Von Sonja • 16. November 2009

Du hast völlig recht, Tania. Und vor allem sollte man sich selber an der Nase nehmen, und sich auch über Bereiche, die einen weniger interessieren (für mich z.B. Fütterung) ein gewisses Grundwissen aneignen und hin und wieder auch altes Wissen auffrischen. Mit der Routine vergisst man leider das eine oder andere auch wieder oder es gibt mittlerweile neue Erkenntnisse.

___________________

Jep, ganz genau – und Fütterung ist auch bei mir so ein Thema 😉
Tania

 

Von Juliana • 17. November 2009

Liebe Tania, was für ein wichtiger und guter Hinweis.Es ist gar nicht so leicht bei sich selbst festzustellen, wann und in welcher Situation man dazu neigt, Verantwortung an einen Menschen abzugeben, von dem man überzeugt ist, dass er etwas besser kann oder mehr Wissen hätte.Nachdem ich im Anschluß einer Reitstunde eine Aufzeichnung der Stunde mit einer „teuren“ und „qualifizierten “ Ausbilderin sah, konnte ich an meinem Pferd erkennen,dass der gezeigte Weg für ihn nicht der richtige war und/oder die Lernschritte zu schnell waren, denn er zeigte einen verspannten Kiefer,verkrampfte Nackenmuskulatur,e.t.c.. Ich hatte es schon in der Stunde gefühlt,aber auf die Reitlehrerin gehört und nicht auf mein Pferd.Das soll mir nie wieder passieren und ich habe gelernt, auf meinen Umgang mit Verantwortung aufzupassen, wenn sogenannte Experten im Spiel sind.Gruß Juliana

_______________________

Schön, dass Du es so für Dich erkannt hast!!!
Tania

 

Von Karin • 17. November 2009

Hallo Tania,
seit langem erfreut mich das Niveau Deiner Beiträge.
Dieser hier veranlasst mich zu antworten. Würde ich alles aufschreiben, was ich mit Schmieden und sonst. Hufexperten, Ärzten und Heilpraktikern, Reitlehrern und Pferdetrainern erlebt habe, es würde ein Roman werden, der fast ein tragisches Ende gefunden hätte.
Wenn man sein Pferd zum Tierarzt fährt mit dem Gedanken, mit leerem Hänger zurückzufahren, dann ist im Nachhinein immer noch – bei aller Eigenverantwortung -die Wut da auf all die Experten die diese Entwicklung mitverursacht haben und nicht einmal auf gezielte Fragen zu erkennbaren Fehlentwicklungen Antworten hatten. Und unter diesen Experten waren auch namhafte sog. Pferdeleute. Ob die richtigen Antworten aus Unkenntnis oder aus Geschäftsinteresse nicht gegeben wurden, mag dahingestellt bleiben.
Wir haben es jedenfalls hinbekommen durch nächtelanges Studium von Erfahrungsbrichten, Fachliteratur und Dank Internet aus einem Pferd, dass ein körperliches Wrack war und mit sich und den Menschen abgeschlossen hatte wieder ein lebensfrohes Reitpferd zu machen.Auch Babettes Longenkurs hat einen erheblichen Anteil daran gehabt, dass mein Dicker wieder laufen gelernt hat (besser als jemals zuvor!). Die langsame Umstellung von Eisen auf Barhuf, eine kontinuierlich Muskelaufbauarbeit, Homöopathie und traditionelle chinesische Medizin und eine konsequente Rückbesinnung auf die Werte der klassischen Reiterei haben dazu geführt, dass die Schar der Experten sich reduziert hat auf Tierarzt (zum Impfen), Zahnarzt und Sattler. Alles andere passiert zur Zeit in Eigenregie. Eine für mich wichtige Erkenntnis hat sich auf diesem mühevollen Weg ergeben: Es gibt einen Experten – und das sind unsere Pferde selbst. Durch Ihre Mimik, Ihre Haltung, ihren Gang, ihre körperliche Entwicklung und Ausstrahlung sprechen sie mit uns. Es bleibt in unserer Verantwortung, sie richtig zu verstehen und in ihrer Entwicklung zu fördern. Als menschlichen Experten kann ich nur noch akzeptieren, wer mir dabei hilft und dem Tier mit Respekt begegnet.

______________________

Oje, was für eine Geschichte… – ich freu mich sehr, dass sie offenbar ein Happyend hat. Und ja, da sagst Du was ganz Wichtiges: dass die wahren Experten die Pferde selbst sind – und dass es unsere Aufgabe ist, sie bestmöglichst zu verstehen zu lernen.

Tania

 

Von Kerstin Hasse • 18. November 2009

Hallo Tania,

ich musste bis über beide Ohren grinsen, als ich Deinen Artikel gerade las. Eine Freundin nennt mich liebevoll „Koryphäenkiller“, weil ich mich auch immer mit allem so intensiv wie es mir gerade möglich ist auseinandersetze. Mich informiere. Und so manchen „Experten“ damit völlig aus dem Konzept bringe :).

Selber bin ich u. a. Pferdephysiotherapeutin, d. h. ich kenne auch die „Gegenseite“: die Pferdehalter, die mich mit ihrem Halbwissen auf die Palme brachten. Brachten, ja! Mittlerweile bin ich dankbar für diese Pferdehalter, weil sie a) sich Gedanken machen, b) die Verantwortung für ihr Tier nicht abgeben c) mich immer und immer wieder zum Nachdenken bringen und d) mir die Möglichkeit geben, aus dem Halbwissen vielleicht ein Dreiviertelwissen zu machen. Ich lerne dadurch selber unendlich viel! Und mittlerweile freue ich mich über unbequeme Fragen :))).

Lieben Gruß

Kerstin

_________________________

„Koryphäenkiller“ – das finde ich ja klasse! 😀

Danke für Deinen Beitrag!
Tania

 

Von Manuela • 19. November 2009

Guten Morgen Tania,

vielen Dank für Deinen Beitrag!

Ich sehe die Sache mit Experten – Laienwissen und Verantwortung etwas differenzierter – auch und gerade wegen der erlebten Ereignisse rund ums Pferd…

Holen wir uns nicht die Fachleute, denen wir Vertrauen, um unseren Pferden zu helfen und weil wir nicht mehr weiterwissen? Denen wir unsere Pferde anvertrauen und die spezielle Verantwortung in ihre Hände legen, weil unser Wissen, unser Handlungsvermögen ab einem gewissen Punkt endet? Natürlich werden wir so gezwungen, uns fortzubilden – aber leider manchmal auch auf Kosten der Pferde…

Ich vergleiche unsere Situation als Pferdebesitzer mit der Situation im Krankenhaus: Da kommen Menschen, die operiert werden müssen. Wenn ich das überspitzt übertrage sollten die Leute wissen, welche Möglichkeiten der Narkose es gibt, dann die OP-Technik(en), möglichst noch Grundlagen über die folgende Schmerztherapie und von der Krankengymnastik gar nicht zu reden…ein Graus ist das! Die Leute kommen und legen teilweise ihr Leben und ihre Ängste und die Verantwortung in unsere Hände!
Fragen, um zu verstehen, was wir machen, ist eine andere Kategorie

Und so sollte es auch bei den Pferden sein!

Ich werde die Hoffnung nicht aufgeben, dass es Ärzte und Therapeuten gibt, die gesamtheitlich denken und handeln und denen ich meine Pferde in die Hände geben und auch für diesen Punkt die Verantwortung abgeben kann – ohne lange überlegen und nachhaken zu müssen!

Herzliche Grüsse
Manuela

_________________________

Danke, Manuela, für Deine Gedanken, die mir auch gut tut. Skepsis kann manchmal schon ziemlich anstrengend sein und manchmal möchte ich auch gerne vertrauen.
Tania

 

Von Claudia • 27. November 2009

Hallo alle,

Ich finde Manuelas Beitrag zum Thema sehr gut.
Ich habe mir im Moment angewöhnt, mich, bei Dinge, wo mir das Wissen fehlt, auf mein Bauchgefühl zu verlassen. Ich habe mir auch schon einmal eine Zweitmeinung eingeholt und lasse Verdauungsprobleme die mein Pferd entwickelt hat, von einer anderen Tierärztin behandeln, weil mein Haustierarzt meinem Pferd nicht weiterhelfen konnte. Im Moment habe ich zu meinen Tierärtzen, Hufschmid, Physiotherapeut, Reitlehrer 100% Vertrauen. Trotzdem habe ich für mich entschieden, dass ich alle Entscheidungen und Diagnosen verstehen möchte. Ich stelle also jede Menge „dumme“ Fragen wenn ich etwas nicht verstanden habe und sollte ich mit den Antworten nicht glücklich sein, würde ich mir eine Zweitmeinung einholen. Da müssen meine Experten halt durch ;-)). Es ist einfach fast nicht möglich, sich für alle Eventualitäten zu rüsten aber ich finde, man sollte nie blind vertrauen und immer „mitreden“ statt „nur machen zu lassen“.

Liebe Grüsse Claudia

_____________________

Sehr guter Ansatz!
Tania

 

Von Steffi • 13. Juni 2012

Hallo Tania,
Ja, deine Gedanke zu dem thema kann ich sehr gut nach vollziehen. Habe mir letztes Jahr ein Pferd gekauft und mich gerade zu Anfang einfach auf meinen Stallbesitzer/Trainer und dessen Erfahrung verlassen. Trotzdem ist es meine Art vieles mal zu hinterfragen und mir -durch viel lesen- meine eigene Meinung zu bilden. Irgendwie ist es ganz schön schwer, nun auf einmal den Menschen, die ja schließlich viele Jahre Pferdeerfahrung haben, plötzlich zu wiedersprechen.
Ich versuche es im Dialog und mit viel Diplomatie.

Als mir nun von meinem Traine nahe gelegt wurde, meinen 2Jährigen doch schon anzulongieren, sagte ich – die ich doch noch so gar keine Jungpferdeerfahrung habe- entschieden nein. Eine Entscheidung, für die ich notfalls auch einen Trainer und damit Stallwechsel in Kauf genommen hätte.
Aber wenn ich meinen Kleinen auf der Koppel oder im Umgang mit mir beobachte, weiß ich, dass es einfach die Richtige Entscheidung ist.

Und ich werde weiter nervige Fragen stellen…

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Wie schön, Steffi, dass Du da auf Dich hörst!!!
Tania

 

Von Silvia Suckow • 5. Juli 2016

Für mich ist permanente Weiterbildung rund ums Pferd
mein ganzes Leben lang wichtig. Meinen Mitreitern lege ich immer nahe, selbst ein halber Tierarzt, Sattler und Hufschmied zu sein. Zum Glück habe ich auch diese Experten zur Verfügung, die sich nicht für Halbgötter halten, sondern durchaus gerne mit mir wichtige Entscheidungen von allen Seiten beleuchten und diskutieren. Wir lernen quasi voneinander und sind auch nach 40 Jahren Pferdehaltung immer noch offen für neue – oder manchmal auch uralte -Wege.
Alle Entscheidungen nur den „Experten“ zu überlassen,
kann schiefgehen, denn keiner kennt seine Pferde so
gut wie der Besitzer – hoffentlich!
Pferdehaltung und Ausbildung erfordert viel Wissen und
lebenslanges Lernen rund ums Pferd – und wer dazu nicht
bereit ist, sollte vielleicht lieber eine Reitbeteiligung anstreben statt ein eigenes Pferd zu halten.

 

 

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