So bringen Sie Ihrem Pferd das Warten bei

Heute unterbreche ich meine Serie zum Thema Dehnungsübungen, um Ihnen einen Tipp zu geben, mit dem Sie es erreichen können, die Verweildauer in einer Übung zu verlängern.

Bei den Dehnübungen ist es ja so, dass sie erst wirklich wirksam werden, wenn das Pferd in der Dehnung mindestens 30 Sekunden verbleibt. Sie haben wahrscheinlich schon festgestellt, dass es ziemlich schwer sein kann, so lange in einer Position zu verharren. Auch bei anderen Übungen, wie dem Kopf tief oder dem einfachen Stillstehen, möchten wir erreichen, dass die Pferde eine gewisse Zeit entspannt in derselben Haltung bzw. auf derselben Position bleiben und möglichst erst dann den Kopf wieder anheben bzw. den Platz verlassen, wenn wir dem Pferd anzeigen, dass die Übung beendet ist.

Wenn wir schon gleich beim Erlernen einer Übung verlangen, dass unser Pferd die Übung bzw. die Haltung über eine längere Zeit beibehält, sind Misserfolge vorprogrammiert. Deswegen ist es schlau, Ihrem Pferd zunächst das „Warten“ beizubringen.

Und so geht’s

Geben Sie das Kommando für eine Übung, z.B. „Kopf tief“.

Hat Ihr Pferd den Kopf gesenkt, sprechen Sie laut (ich meine nicht schreien, nur so, dass Ihr Pferd Sie gut hört): „Eins, … Keks.“

Hinweis: Keks ist mein Lobwort, haben Sie ein anderes, ersetzen Sie „Keks“ durch Ihr Lobwort. Wenn Sie mit dem Clicker arbeiten, ersetzen Sie „Keks“ durch einen Click.

Nachdem Sie „Keks“ gesagt haben (oder Ihr persönliches Lobwort), bekommt Ihr Pferd die angekündigte Belohnung.

Nun geben Sie wieder das Kommando „Kopf tief“ und zählen nach unten „Zwei, eins … Keks“. Nach der Belohnung geben Sie wieder das Kommando und zählen „Drei, zwei, eins … Keks“ usw.

Immer wenn Ihr Pferd bis zum Wort „Keks“ in der Haltung geblieben ist, belohnen Sie begeistert. Hat Ihr Pferd die Übung von sich aus beendet, bevor Sie fertig heruntergezählt haben, gibt es keine Belohnung. Warten Sie in diesem Fall kurz und geben Sie wieder das Kommando für die Übung. Beginnen Sie nun erst wieder mit einem leichteren Level. Waren Sie beispielsweise schon bei 15, starten Sie Ihren Countdown das nächste Mal wieder bei 10.

Arbeiten Sie immer so, dass Ihr Pferd viele Erfolgserlebnisse hat und Sie viel loben können. So wird Ihr Pferd am besten lernen und bald wissen, was es mit Ihrem Zählen auf sich hat. Und wenn Sie irgendwann von 100 herunterzählen können, haben Sie und Ihr Pferd die Meisterprüfung mit 1 bestanden. 🙂

15. September 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining, Übungen 4 Kommentare »

 

4 Reaktionen zu “So bringen Sie Ihrem Pferd das Warten bei”

 

Von Steffi • 15. September 2009

Dieses Problem habe ich auch und dachte immer: Wie kann man das nur lösen? Geht wahrscheinlich gar nicht. Wie soll ich das Warten konkret verlangen und dann belohnen?

Ha, geht aber doch. Und dann auch noch ohne Zauberei, ich kanns kaum glauben. 😀 Also, drei, zwei, eins…jetzt wird gewartet!

Vielen lieben Dank,
solche „Kleinigkeiten“ können einem sehr helfen!

Steffi
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😀 !
Dann wünsche ich Dir viel Erfolg und Geduld beim „Warten“ 😉
liebe Grüße,
Babette

 

Von Jackeline • 21. September 2009

Das ist ja toll! So einfach und doch kommt man selbst nicht drauf. Irgendwann wird das Pferd wohl auch schon selbst mitzählen. 😉 Nein, aber ich glaube schon, dass die Pferde irgendwann das „eins“ nicht mehr erwarten können und gespannt warten, wann endlich „eins“ kommt, weil danach gibt es Click und dann Keks. Deshalb ist es wohl auch wichtig, runter- und nicht raufzuzählen. Echt durchdacht!
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Danke! Ich bin leider auch nur Nachahmer und nicht Erfinder, aber Hauptsache, es funktioniert, oder 😉 ?
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Eseltier • 21. September 2009

Der Trick funktioniert wirklich sehr gut. Auf diese Weise hab ich meiner beigebracht im Hänger stehen zu bleiben, und nicht sofort wieder auszusteigen. Ich habe allerdings raufgezählt, ist egal ich glaube es ist eher der Rhytmus des Zählens, solange ich zähle wartet sie.
Bei der Bodenarbeit habe ich ihn bisher nicht verwendet, das werde ich ausprobieren, geht sicher genauso.
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🙂
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Akino • 23. Juli 2012

Haha, ich hab mal was über „Ground Tying“ gelesen (eine Westernsitte, bei der es darum geht, dass man den Strick auf den Boden legt und dem Pferd beibringt still zu stehen und es quasi am Boden „festbindet“). Ich dachte das sei praktisch und wollte es meinem Pony beibringen. Ich wollte an dem Tag aber noch andere Themen via Bodenarbeit behandeln und als ich mit dem Pferd schon fertig in der Halle stand, ist mir eingefallen, ich könnte doch ein paar Hütchen aufbauen.

Beim Ground Tying geht es darum, dass man das Pferd erst ein paar Sekunden warten lässt, sich vielleicht ein zwei Schritte entfernt und dann zurück kommt und lobt. (Die schnellen Erfolgserlebnisse und so)

Ich hab ohne weiter drüber nachzudenken mein Pferd in der Halle geparkt und bestimmt 5-10 Minuten lang Hütchen aufgestellt, während der Herr Pony mir interessiert zugeschaut hat, sich aber nicht vom Fleck bewegt hat.

Danach hab ich ihn eingesammelt und festgestellt, das Ground Tying offensichtlich kein Thema ist, mit dem wir uns groß beschäftigen müssen 😀

Mit besonderen Haltungen haben wir das allerdings noch nicht geübt 🙂

 

 

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