Eine Mental-Übung gegen die Angst

Viele von uns haben in verschiedenen Situationen mit unseren Pferden Angst.

Angst zu haben, ist etwas Natürliches und auch Wichtiges. Aber wenn Ängste zu groß werden, lähmen sie uns und führen leider oft zu unguten Entscheidungen. Um handlungsfähig zu bleiben, ist es ratsam, hier gegenzusteuern und dafür habe ich einen, wie ich finde, hilfreichen Tipp für Euch.

Ängste sind oft mit konkreten Bildern verbunden. So sieht man z.B. vor dem inneren Auge das Pferd losstürmen und buckeln oder man sieht, wie es sich losreißt und auf die Straße rennt etc. Genau da kann man sehr gut ansetzen, um der Angst die Spitze zu nehmen, z.B. mit der folgenden Übung.

Und so geht’s

Setzt Euch in Ruhe hin und sorgt dafür, für ein Weilchen ungestört zu sein. Schließt die Augen und atmet einige Male ruhig durch.

Nun stellt Euch eine der Szenen vor, die Euch besonders viel Angst macht. Wählt ruhig eine wirklich heftige, die richtig unangenehm ist und lasst sie vor Eurem inneren Auge erscheinen. Das ist zwar nicht schön, aber wenn Ihr sie dann so richtig vor Euch seht, könnt Ihr damit beginnen, das Bild zu bearbeiten.

Nehmt z.B. in Eurer Vorstellung einen dicken Pinsel und malt das Bild mit schwarzer Farbe über – immer wieder, solange, bis nichts mehr davon zu sehen ist. Oder lasst das Bild in Eurer Vorstellung immer heller und heller werden, bis Ihr nichts mehr erkennen könnt. Vielleicht passt es für Euch auch besser, das Bild an einer Ecke mit einem Feuerzeug anzuzünden und zuzuschauen, wie es verbrennt. Ihr könnt das Bild auch verkleinern oder verwischen o.ä.

Spielt solange mit dem inneren Bild herum, bis Ihr etwas gefunden habt, mit dem sich das Bild wirklich vernichten lässt. Macht bitte auf jeden Fall weiter, solange Ihr noch etwas davon „seht“, also wiederholt entweder eine der Möglichkeiten immer wieder oder vernichtet es auf verschiedene Weise.

Das mag vielleicht etwas seltsam klingen, aber wenn man das gründlich macht, kann man damit sehr gut Gruselbilder und vor allem auch die damit verbundenen Gefühle mindern oder gar löschen. Und das ist einmal wichtig, um einen ruhigeren Kopf zu bewahren und zum anderen können wir mit unseren inneren Bildern auch einiges dazu tun, solche Situationen anzuziehen. Wir programmieren uns dann regelrecht auf die angstvolle Situation. Hinzu kommt, das Pferde Angst instinktiv wahrnehmen können (etwas, das ihnen in freier Wildbahn das Überleben gesichert hat) und wir sie dann durch unsere eigene Angst verunsichern und damit gefährliche Situationen schaffen können.

Probiert es mal aus und berichtet, wie Ihr damit klarkommt.

Und als Extra-Tipp noch der Hinweis auf unseren Anti-Angst-Kurs, in dem Ihr viele Tipps und Übungen zum Überwinden von Ängsten bei Pferd und Reiter findet 🙂

28. Januar 2009 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein 5 Kommentare »

 

5 Reaktionen zu “Eine Mental-Übung gegen die Angst”

 

Von Almut • 28. Januar 2009

Mmmmh, Tania, ich habe bisher immer versucht, mir die gruselige Situation vor meinem inneren Auge umzuprogrammieren auf Idealfall, also z.B. Pferd geht vollkommen gelassen am pferdefressenden Monster vorbei und ich habe ein entspanntes Lächeln auf dem Gesicht. Allerdings bin ich nicht der große Experte bei solchen Sachen… vielleicht klappt der Trick ja besser?
LG, Almut

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Probier’s einfach mal aus. Tatsächlich ist es oft sehr viel effektiver, wenn man das „schreckliche“ Bild erst einmal löscht. Also quasi für ein neues Blatt sorgen, auf dem man dann auch neue Situationen malen kann 😀

Lieber Gruß,
Tania

 

Von Bianca • 29. Januar 2009

Das werd ich auch mal probieren 🙂

Danke Tania!

Lg Bianca

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Berichte dann mal über Deine Erfahrungen damit, ja?

Herzlich,
Tania

 

Von Maria Huber • 25. Juni 2012

Nun ja, so was kann aber doch nur gegen Ängste helfen, die nicht wirklich begründet sind ,oder?
Hab kein eigenes Pferd. Wenn ich auf einem fremden, recht großen Pferd sitze, und das wird Scheu, Krieg ich natürlich Angst. Und dann kann ich nicht mit solchen Bildern anfangen.
Das Thema absteigen hatten wir schon mal. Erstens bin ich etwas Alter und komme nicht wieder rauf, und auch fühle ich mich neben dem Pferd dann manchmal noch unsicherer, weil ich weniger Überblick habe und zusätzlich die Chance, dass mir das liebe Tier aus Versehen auf den Fuß springt.
Mit bewußt langsam atmen hab ich es schon probiert. Gibt es mehr tips in die Richtung?

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Hallo Maria,

nein, diese Übung ist nicht nur auf unbegründete Ängste anzuwenden, sondern sie hilft gerade auch gut bei Ängsten, die durch konkrete Erlebnisse entstanden sind. Aber es stimmt natürlich, in der Situation selbst, sind solche Übungen nicht hilfreich. Atmen ist gut, singen hilft manchen oder auch gezielt zu gähnen. Grundsätzlich aber ist es natürlich immer schwieriger, zu fremden Pferden ein Vertrauen aufzubauen, weil man keine echte Beziehung entwickeln kann. Vielleicht mal über eine Reitbeteiligung nachdenken, mit der man sich das aufbauen kann?

Herzlich,
Tania

 

Von Sabine • 26. Juni 2012

Angst habe ich auch manchmal beim Reiten, gerade wenn mein Hafi bereits Traben „vorschlägt“, ich aber noch etwas Schritt brauche. Was mir dabei hilft, ist all die guten Erfahrungen des Reitens der letzten Zeit wieder ins Gedächtnis zu rufen: Ich konnte doch neulich auch…Ich habe schon…

Und ein weiterer Tip aus dem Buch „Positiv denken – Erfolgreich reiten.“ von Jane Savoie: Nicht nur das Negative löschen, sondern das Bild „bearbeiten“, indem ich mir eine schreckliche Szene mit positivem Ausgang bastle. Also bspw. taucht der Traktor neben uns auf, aber alles ist entspannt, Pferd frißt gemütlich auf dem Feldweg, oder wir reiten freundlich grüßend am Bauern vorbei…
Oder: Beim Reiten zwischen den kleinen bunten Hütchen nicht denken, „hoffentlich tritt er dieses Mal nicht drauf“ – sondern besser den genauen Weg zwischen den Pylonen hindurch sehen und damit zunehmend besser umsetzen. Beide müssen das üben, der Reiter und das Pferd. Pferde, heißt es, können unsere Gedankenbilder sehen und dann als Aufforderung umsetzen. Da sollte man lieber nur Gutes denken ;o)

 

Von Susann • 1. September 2014

Hallo, nach einigen Reitunfällen kenne ich das Problem Angst sehr gut. Meistens bieten einem Trainer nur Lösungen für die Ängste der Pferde an, aber die Angst des Reiters ist oft entscheidender. Eine Freundin und Ich haben gerade erst Mentaltraining bei einer Trainerin ausprobiert und wir sind begeistert in unserem Blog berichten wir von unseren Eindrücken ( http://www.just-horse.com/details/wenn-die-angst-mitreitet.html). Ich kann Dir nur zustimmen mir hat es geholfen.
LG Susann

 

 

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