Ich reite gebisslos – und das geht gut!

Solange ich Aramis habe, reite ich viel und gerne ohne Gebiss.Zunächst war das ein bisschen aus der Not geboren, denn als ich ihn bekam, war er extrem heikel mit dem Gebiss. Schon allein das Gebiss im Maul zu haben, veranlasste ihn, sich einzurollen – daran, die Zügel aufzunehmen, war erst gar nicht zu denken. Deshalb ritt ich ihn zunächst nur gebisslos. Meine Absicht war, erst einmal Abstand zu seinen offenbar schlechten Erfahrungen zu schaffen, um dann vielleicht noch einmal neu mit einem Gebiss starten zu können.Heute kann ich ihn zwar auch mit Gebiss reiten, aber etwas im Maul bereitet ihm immer noch Stress. Am liebsten reite ich ihn deshalb ohne Gebiss – und entgegen vieler kritischen Ansichten, dass man gebisslos nicht reell reiten könne, möchte ich sagen, dass wir damit sehr gut klar kommen.Vielleicht können diese Bilder hier manch einen Kritiker wenigstens nachdenklich machen?

lg_schulterherein.jpg

lg_trabtraversale.jpg

lg_travers.jpg

Für mich ist das gebisslose Reiten schon lange kein Kompromiss mehr, sondern ich reite meine Pferde gerne und bewusst auch gebisslos. Kein Metall im Maul zu haben, finde ich von der Vorstellung her einfach netter und wenn man ohne Gebiss dasselbe erreichen kann wie mit, spricht doch nichts dagegen, meint Ihr nicht?

26. November 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 17 Kommentare »

 

17 Reaktionen zu “Ich reite gebisslos – und das geht gut!”

 

Von Almut • 26. November 2008

Hallo liebe Tania,
ich habe mit meinem Pony auch schon etwas mit gebisslosen Alternativen herumprobiert, sie ist auch recht empfindlich im Maul und außerdem meine ich, dass es auch „ohne“ funktionieren sollte, wenn man sein Pferd reell ausgebildet hat. Allerdings hatte ich keine „richtige“ gebisslose Zäumung, meine Versuche beschränkten sich auf Halfter bzw. Reithalfter oder Halsriemen. (Zum „nur mal ausprobieren“ waren mir die meisten Sachen zu teuer und außerdem gibt es oft nix passendes für meinen Minikopf.)
Es funktioniert zwar grundsätzlich recht gut, ich kann in allen Gangarten problemlos reiten und auch „bremsen und lenken“. Als schwierig empfand ich aber dabei, eine gewisse (positive) Spannung aufzubauen, mit Halsriemen fehlte mir auch etwas die Anlehnung und korrekte Stellung. Sie geht locker, vorwärts-abwärts, aber ich bekomme sie nicht wirklich „gesetzt“. Kannst Du mir dazu vielleicht etwas Feedback geben?
Danke und liebe Grüsse, Almut

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Hallo Almut,

wow, das klingt doch aber schon richtig schön, dass Du sogar nur mit Halsring reiten kannst – Hut ab!

Zu Deiner Frage: Ich fürchte, mit einem Halsring und auch mit einem Halfter kommst Du da tatsächlich an Grenzen. Hier stimme ich den Kritikern zu, die sagen, dass man halt mit einem Halsring nicht auf das Genick einwirken kann und damit weder eine echte Anlehnung noch so etwas wie eine Stellung erarbeiten kann. Vielleicht kann man ein exzellent ausgebildetes Pferd auch nur mit Halsring in Stellung und eine gewisse Form der Versammlung reiten, aber ich schätze mal, das dürften eher Ausnahmen sein und der Weg dorthin führt sehr wahrscheinlich über eine Zäumung (aber die eben nicht zwingend mit Gebiss). Wenn ich mit Aramis mit Halsring z.B. Travers reite, richtet er sich auch schon sehr schön auf und läuft in Stellung. Aber das sind immer nur kurze Momente.

Ich würde Dir tatsächlich empfehlen, mal verschiedene gebisslose Zäumungen auszuprobieren – vielleicht kannst Du mal ein bisschen rumhorchen und sie Dir bei jemanden ausborgen. Am Freitag stelle ich einige gebisslose Zäumungen vor und welche Erfahrungen ich damit gemacht habe. In der Summe kann ich für uns sagen, dass wir mit dem LG-Zaum am besten klarkommen.

Lieber Gruß,
Tania

 

Von Sarah • 27. November 2008

Hallo Tanja,

da Nandi auch sehr empfindlich ist und zudem ein sehr kleines Maul hat, habe ich ihn damals nach einigen mißlungenen Versuchen auf Gebiß schließlich mit Sidepull eingeritten. Das ging super, allerdings habe ich auch nicht gymnastizierend gearbeitet sondern bin nur durchs Gelände geschrubbt. Später ging Nandi wieder auf Gebiss, macht sich aber extrem fest in Kiefer und Genick, rückblickend betrachtet muss er fürchterliche Angst gehabt haben…
Ich hab jetzt lange Zeit nur auf Knotenhalfter Bodenarbeit gemacht oder am Kappzaum. Und dort ganz bewußt das Nachgeben auf Druck geübt und das „Loslassen“. Gerade an der Doppellonge oder auch beim Langzügel geht er wunderbar auf Kappzaum, kaut leicht ab (schmaler Lippenstiftrand am Maul) und steht schön an den Hilfen. Wenn ich wieder versuche, ihm das Gebiss einzulegen, rollt er sich an der Doppellonge stark auf, ich denke das Gewocht ist einfach zu hoch für sein Maul. Am Langzügel hingegen geht er jetzt sehr gut auf Gebiß. Insgesamt ist er viel gelöster und konzentrierter.
Das Gebiß habe ich wieder hervorgekramt, weil ich ihn ja jetzt auch fahre und das nicht gebißlos tun möchte, weil die Versicherung sich querstellt.

LG,
Sarah

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Hallo Sarah,

das klingt ziemlich ähnlich wie bei Aramis. Er hat auch ein kleines Maul, was man so von außen gar nicht sieht, aber der Zahnarzt sagte mir das, denn er kam nur schlecht rein, um da was zu machen. So etwas muss man auch wissen, mir war es jedenfalls nicht wirklich klar.

Das mit dem Fahren ist natürlich eine Sache. Ohne Versicherungsschutz geht das gar nicht, da muss es dann wohl ein Kompromiss werden.

Lieber Gruß,
Tania

 

Von Sarah • 27. November 2008

Hallo Tanja,

da hatte ich heute noch mal eine interessante Bestätigung meiner „kleines Maul“-Theorie. Wir hatten nämlich erstmals einen richtigen Zahnarzt dran. Und der hat das gleiche gesagt, wie deiner zu Aramis – hinten kam er fast gar nicht mehr ran, wahnsinnig kleines Maul. Höchsten 14mm starkes Gebiß, mehr geht gar nicht. Finde ich sehr interessant, das mein Eindruck dahingehend heute von Profi-Seite bestätigt wurde.

Liebe Grüße,
Sarah

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Sehr spannend! Ich möchte nicht wissen, wie viele „Mauligkeiten“ tatsächlich auf anatomische Gegebenheiten und nicht auf Ungehorsam zurückzuführen sind…

Herzlich,
Tania

 

Von Gabriela • 1. Dezember 2008

Hallo Tania,

entgegen der Unkerei von sämtlichen Stallkollegen in jedem Stall in dem ich bisher war, habe ich alle Jungpferde komplett mit Sidepull eingeritten und mein eigener Araber geht seit Jahren auf Sidepull ebenso wie mein Quarter. Selbstverständlich benutze ich auch Gebisse aber ich finde gerade für Jungpferde ist das anreiten einfach stressfreier wenn sie zusätzlich mit dem Sattel und dem darin befindlichen Gewicht auch noch mit dem Gebiß zu tun haben.
Auch heute noch benutze ich das gebißlose Reiten regelmäßig um die Pferde vom Gebiß zu entlasten, nach Zahnbehandlungen, bei Streßsymptomen die vom Gebiß her kommen oder – bei meinen eigenen Pferden – um einfach entspannt ins Gelände zu gehen. Mein Jungspund reagiert im Gelände sogar besser auf das Sidepull als auf das Gebiß. Mittlerweile haben sich diverse Stallkollegen ebenfalls ein Sidepull zugelegt und sind sehr zufrieden damit.

LG, Gabriela

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Ach, schön, so etwas zu lesen!!!

Danke, für den Mutmach-Bericht,
Tania

 

Von Susanne • 1. Dezember 2008

Hey,
meinen Jungen(5 jährig) hab ich selber eingeritten oder besser, wir lernen noch. Er geht seitwärte, rückwärts, vorderhand- hinterhand verschieben, alles ohne Gebiss. Er hatte nur zum Spaß mal so ein Teil im Maul um dran rumzukauen.
Wir gehen viel ins Gelände und nur ohne Gebiß. Auch mein Großer (11 jährig) geht Ohne. Solange wir nicht „feinarbeit“ machen wird das auch so bleiben.
Und es ist einfach super.

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Schön, Susanne, das hört sich toll an! Ich freu mich immer über solche positiven Beispiele.

Grüße Deine beiden,
Tania

 

Von Manuela • 8. Dezember 2008

Hallo Tanja,

Ich habe gebisslos auch sehr gute Erfahrungen gemacht. Als ich noch im Pensionsstall stand, war ich der absolute Exot, als ich mit meinem Sidepull ankam. „Kannst Du Dein Pferd damit halten? So gehst Du ins Gelände?“ und so weiter und so fort. Mein Pferd hat auch einen sehr zierlichen Kopf und ist sehr sensibel. Besonders im Gelände war das Gebiss in manchen Situationen eher ein Streßverstärker. Mit Sidepull ging das dann entspannter in solchen Momenten. Ich konnte sogar einige Mitreiter zum Probieren überzeugen. Zum Beispiel ein aufgeregter Traber mit Rennbahnvergangenheit, der im Gelände ein Nervenbündel war, lief mit Sidepull viel entspannter und die Besitzerin hat sich das Teil dann öfters geliehen.

Mein Fazit: für mich ist es eine gute Alternative zum Reiten mit Gebiss, alle Pferde bei denen wir es bisher probiert haben sind problemlos und zufrieden gelaufen. Es ist eine schöne Abwechslung und sensibilisiert Reiter und Pferd. Ich reite mit Gebiss oder mit Sidepull im Wechsel.

Viele Grüße
Manuela

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Lieben Dank, Manuela,

für den schönen Erfahrungsbericht, der hoffentlichen vielen Mut macht, es mal auszuprobieren!

Herzlich,
Tania

 

Von Svenja Glaser • 19. Januar 2009

Hallo Tania,

ich habe letztens einen schrecklichen Bericht über Gebisse und was sie im Pferdemaul anrichten gelesen. Das hat mich in meiner Überzeugung mein Pferd gebisslos einzureiten bestärkt. Wenn das klappt werden wir auch bei der gebisslosen Variante bleiben.
Da ich aber leider noch nie das Vergnügen hatte, gebisslose Zäumungen an eingerittenen Pferden auszubrobieren möchte ich dich fragen, was du empfehlen kannst. Ich bin auf meiner Suche nach verschiedenen gebisslosen Zäumungen auf das Bitless Bridle gestoßen. Kennst du dieses und wenn ja, was hälst du davon? Und wie findest du das Glücksrad?
Grüße von meiner freiberger Dame und mir 😉

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Hallo Svenja,

schön, dass Du es mal gebisslos probieren willst! Schau mal hier – da habe ich mal meine Erfahrungen mit verschiedenen gebisslosen Zäumungen notiert. Den LG-Zaum (früher „Glücksrad“) schätze und liebe ich und meine Pferde kommen sehr gut mit ihm klar – die Bilder in diesem Beitrag hier zeigen diesen Zaum. Das Bitless Bridle kenne ich leider nicht.

Viel Spaß beim Ausprobieren!
Tania

 

Von Steffi • 11. Januar 2010

Hallo Tania,

ich reite meine Stute nun seit knapp 2,5 Jahren mit dem LG-Zaum. Sie wurde nach dem Einreiten gleich Schulpferd und hat in diesen 2 Jahren einen Zungenfehler entwickelt. Seit 3 Jahren ist sie nun in meinem Besitz und ich versuche ihr das Vertrauen zum Gebiss wieder zu geben. Dies ist aber natürlich eine schwere und langwierige Aufgabe.
Auf meiner Suche nach Alternativen bin ich auf das LG-Zaum gestoßen. Sie hat es vom ersten Tag an akzeptiert, wenn nicht sogar geliebt. Sie läuft entspannter, konzentrierter und deutlich zufriedener. Auch die Skeptiker konnten wir überzeugen. Sätze wie: „Kannst du sie damit halten?“ oder „Damit kann man doch keine richtige Dressur reiten.“ haben wir schon öfter gehört und belächelt. Halten? Wenn ein Pferd in Panik gerät, hilft auch keine Kandare und Dressur läuft sogar besser, weil sie viel konzentrierter ist.
Mittlerweile haben ich und eine Freundin schon mehr als 20 Pferde, bzw. ihre Reiter, mit dem LG-Zaum geritten und immer war es das gleiche Ergebnis: das Pferd ist zufriedener, konzentriertet und Zufriedener. Wir konnten auch beobachten das Pferde die sonst eher zum rennen neigten, mit LG-Zaum mit dem Rennen aufhörten und viel entspannter liefen.
Der einzige Wermutstropfen bei dem LG-Zaum ist, das man es nicht auf Turnier verwenden darf. Ich gehe auch mal gerne aufs Turnier, aber den Luxus vom Gebisslosen reiten darf ich meinem Pferd da leider nicht gönnen. Auch diverse Nachfragen bei der FN, wann dieser Zustand geändert wird oder warum es nicht Erlaubt ist, blieben unbeantwortet. Ich finde es schade das zwar immer mehr Reiter verstehen das Gebissloses reiten eine echte Alternative ist, die FN das aber anscheinend nicht war haben will. Vielleicht tut sich auch in deren Köpfen bald etwas.

viele Grüße von mir und meiner Stute =)

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Ganz herzlichen Dank für Deinen tollen, mutmachenden Erfahrungsbericht!

Und was die Turniere angeht, würde ich sagen: dranbleiben! Irgendwann wird man sich – hoffentlich – gegen alternative Entwicklungen nicht mehr ganz abschotten können.

Herzlich,
Tania

 

Von Charlotte • 17. Mai 2010

Hallo Tania!
Suupertoll, was du mit Aramis schon erreicht hast! Ich finde ohne Gebiss zu reiten ganz toll, ein Stück Metall gehört eben iwie doch nicht ins Pferdemaul. Ich hbe es erst einmal ausprobiert, aber da war ich erst 11 oder 12^^ (das war ein Sidepull) Kann man das pferd gebisslos richtig an den Zügel bringen, Schenkelweichen lassen und so weiter? Beeindruckend!

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Danke, Charlotte. Ich reite gebisslos auch mit einer leichten Anlehnung, ja. Schenkelweichen reite ich nicht, aber Seitengänge – und die gehen prima 😀

Herzlich,
Tania

 

Von Stephanie • 30. September 2010

Hallo,

mich würde mal deine Meinung zu Reitanfängern und gebisslosem Reiten interessieren. Mein Mann ist Anfänger, ich selbst war lange ohne Reitmöglichkeit und steige wieder ein, habe selbst auch noch enorm viel zu lernen.

Mit unseren Pferden möchten wir vorwiegend ins Gelände gehen und haben auch entsprechend ruhige und gut ausgebildete Pferde, die aber beide nur das Gebiss kennen. Ich habe das Gefühl, dass unseren Pferden eine gebisslose Zäumung gut täte (besonders die Stute meines Mannes hat schlechte Erfahrungen gemacht und ist sehr unentspannt am Gebiss), höre aber immer wieder die Warnungen, dass gebissloses Reiten gefährlich sei und nur für 100% sichere Reiter geeignet sei.

Kannst du das bestätigen oder darf auch ein Anfänger oder Wiedereinsteiger das gebisslose Reiten ausprobieren (Geduld und Vorbereitung am Boden, auf dem Platz etc vorausgesetzt)?

Liebe Grüße
Stephanie

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Aaaaalso, ich (und das ist ausdrücklich eine persönliche Meinung) gehe ja grundsätzlich schon mal nicht davon aus, dass ein Gebiss „sicherer“ ist, weil ich einfach nich glaube (und auch die Erfahrung gemacht habe), dass man ein durchgehendes Pferd mit Gebiss halten kann. Klar, man kann damit mehr wehtun, aber das kann unter Umständen auch die gegenteilige Reaktion auslösen. Deshalb leuchtet mir das Argument „Gebiss=sicher und gebisslos=unsicher“ nicht ein.

Zusätzlich ist ja auch noch die Frage, an was Ihr da an gebissloen Zäumungen denkt – es gibt riesige Unterschiede!

Entscheidend ist für mich viel mehr, das, was Du da in Klammern geschrieben hast: Geduld und Vorbereitung am Boden, auf dem Platz etc.! DAS ist es, was aus meiner Sicherheit schafft: Pferde, denen die Ausrüstung und die Hilfen gründlich vermitteln werden und das schrittweise gemeinsame Erarbeiten von Vertrauen und Kommunikation.

Probiert es also doch einfach erst einmal auf einem eingezäunten Platz aus und schaut, wie Ihr klarkommt. Das Ausreiten damit ist dann der nächste Schritt.

Tania

 

Von Shiri • 4. April 2012

HALLO,

Stefanies Thematik kenne ich nur zu gut. Auch mein Partner ist absoluter Anfänger und ich hatte eine lange Reitpause.

Zum Thema „Gebisslos“ habe ich viel gelesen und diskutiert und habe dann über meine Erfahrungen als Kind bzw Jugendliche nachgedacht:
Trotz regelmäßiger Teilnahme an Jagden und Tuniere, bin ich mit meinen Pferden außerhalb der Trainingseiheiten viel im Gelände unterwegs gewesen. Mein Vater wollte tägliche „Arbeit“. Wie das so als Kind/Jugendliche ist, habe ich den einfachsten, bequemsten und zeitsparendsten Weg genommen: Kein Sattel und keine Trense, keine Reitstiefel oder Reithose, auserhalb der Reitstunden. Also saß ich oft auf meinem Lieblingspferd (im Sommer mit kurzen Hosen) nur mit Halfter und Strick (heute nennt man das Borsal) und nahm ein Handpferd ebenso ausgerüstet mit. Wir hatten damals 4 Pferde. Wenn ich die Pferde von den entfernteren Weiden geholt habe, war ich zu faul zum laufen und saß auf irgeneinem Pferd und hatte nicht mal Halfter ud Strick dabei. Ich habe mir darüber nie Gedanken gemacht, es war „normal“. Unsere Pferde waren unsere Spielkameraden.

Heute 35 Jahre später als Wiedereinsteigerin mit einem Jungpferd und etlichem Wissen mehr (und keinem kindlichen Gemüt mehr), stand für mich eigentlich fest: Kein Gebiss…. warum auch? Natürlich lies auch ich mich beirren und mein Kleiner ist mit Gebiss ausgebildet worden, weil ohne Gebiss zu „gefährlich“, „vernünftiges“ Reiten nicht möglich usw usw. Nachdem ich aber gesehen habe wie mein Pferd schon beim Anblick der Trense reagiert hat, bin ich wieder zu meiner Entscheidung übergegangen = Gebisslos.
Genau wie Tania bin ich der Meinung (und habe selbst die Erfahrung gemacht), dass ein Gebiss keine Bremse für ein durchgehendes in Panik geratenes Pferd ist. Meiner Meinung und Erfahrung nach ist Vertrauen eine Grundvoraussetzung für „gefahrloses“ Reiten und nicht Gebisse, Hilfszügel. Gerte Sporen usw.
Ich beschäftige mich sehr viel auf Augenhöhe mit meinem Pferd und so ist es für ihn auch normal, dass ich mal kurz ohne Sattel auf seinem Rücken sitze oder er nur mit Halfter meinen Partner tragen muss.

Mein Partner fühlt sich übrigens als blutiger Anfänger (bis zum 46. LJ kannte er Pferde nur aus Westernfilmen 😉 ) sicher ohne Gebiss.Er kennt es nicht anders. Wir haben eine tolle Reitlehrerin, mit Pferden die super ohne Gebiss gehen. Mein Partner beschäftigt sich auch so mit den Pferden und reitet nicht nur. Das schafft Vertrauen und Sicherheit auf allen Seiten.

Die Meinung der Fachleute, dass ein Pferd ohne Gebiss nicht vernünftig ausgebildet und Gynastiziert werden kann teile ich auch nicht. Sieht man doch immer wieder sehr gute Beispiele 🙂

Viele Grüße
Shiri

 

Von Lisa • 24. Juli 2012

Hey Tania,
Mein Dicker, 7 Jahre, wurde früher immer mit Gebiss geritten nun will ich aber auf Gebisslos umsteigen. Hab mir ein LG-Zaum geliehen und hab langsam angefangen ihn mit den Hilfen bekannt zu machen, „bremsen und lenken“ klappt, aber wenn ich nun feiner reiten will (Dressur) ignoriert er total meine Paraden und eiert wie ne Giraffe :/ hättest du Tipps wie ich das ändern könnte? Anfangs bin ich auch mit Gebiss und LG zusammen geritten und dh am doppelten Zügel, um ihm die Hilfen zu erklären, aber nur LG nimmt er glaube ich nicht ernst :/
Danke für deine Antwort
LG LIsa

_________________________

Hallo Lisa,

aus der Distanz und ohne Euch zu sehen, ist es immer schwer, praktischen Rat zu geben. Es gibt hin und wieder auch Pferde, die mit dieser Zäumung nicht klarkommen. Häufig aber besteht das Problem darin, dass den Pferden nicht gründlich genug vermittelt wurde, was zu tun ist. Hast Du Deinem Pferd die Zäumung mal im Ruhe vom Boden aus erklärt? Man kann vom Boden aus sehr gut die Hilfen erklären und mit der Arbeit an der Hand das Reiten vorbereiten.

Herzlich,
Tania

 

Von Vivien • 10. September 2012

Hallo Tania,

immer schön zu sehen, dass sich immer mehr 2-Beiner für eine schmerzfreie Variante der Zäumung entscheiden! Da freue ich mich immer, dass zu sehen und zu hören.
Für mich ist es seit Jahren eine Selbstverständlichkeit und ein wunderbares Gefühl so fein und gewaltfrei mit dem Pferd zu kommunizieren und auszubilden.

Unsere Trainerin arbeitet schon seit 30 Jahren mit gebisslosen Zäumungen- selbstgemacht und wirklich wunderschön und robust.

Auf jeden Fall weiter so! Tolle Bilder.
Lieben Gruß, Vivien

 

Von Nicole • 10. September 2012

Hallo,
ich hätte da auch noch ein paar Tips an Lisa und den anderen, denen es genauso geht.

Wenn man sich beim ersten mal „gebisslos reiten“ zu unsicher fühlt, dann die gewohnte Trense mit Gebiss und die gebisslose Variante zusammen aufzäumen. So kann man, falls das Pferd nicht ganz versteht, was man möchte, notfalls die Hilfe mit dem Gebiss nochmal geben.
Das größte Problem bei der Kommunikation ist und bleibt, dass sich der Reiter(naturgemäß) zu stark auf die Hände und damit auf die Hilfen zum Pferdemaul/-kopf konzentriert. Viel wichtiger sind die Gewichts- und Schenkelhilfen und wenn diese besser sitzen ist das Reiten ohne Gebiss nur noch reine Kopfsache des Reiters. Wenn man das Pferd mit seinen Gewichtshilfen am Sitz hat und es gut untertritt kommt der Kopf fast automatisch in die richtige Position.
Desweiteren sollte man bei gebisslosen Kopfstücken beachten, solche zu wählen, die bei Zug an den Zügeln das Pferdemaul zuschnüren und nur auf das Nasenbein wirken. Eigentlich soll ja das Maul sich zum kauen bewegen können, weil dort das lockere Pferd beginnt, aber wenn man ohne Gebiss dann den Kopf in die richtige Position zieht, schnürt man automatisch das Maul fester zu – das Pferd verspannt, und man hat das verspannte Pferd, was man eigentlich vermeiden wollte. Das waren jetzt nur mal Punkte, die man mit bedenken sollte, wenn man umsteigen will auf Gebisslos.

LG Nicole

 

Von Anita Zaugg • 11. September 2012

Hallo Tanja
ich „musste“ vor eineinhalb Jahren auf gebissloses Reiten umstellen. Mein damals 12-jähriger Isländer akzeptierte kein Gebiss mehr (alles mögliche ausprobiert). Die Zunge war nach 5 Minuten über der Trense, auch wenn ich gar nichts mit den Händen gemacht hatte. Damals besass ich Kver 3 Jahre,mein erstes Pferd nach 20-jähriger Reitpause. Ich war leider recht blauäugig und unwissend.
Eigentlich hat mein Pony die Zunge schon von Beginn weg über die Trense gelegt. Nur habe ich das nicht richtig geschnallt und meine ehemaligen Reitlehrer (alle aus der Isländerszene) haben ihm einfach den Mund zugeschnürt (halt so, wie man es an den Meisterschaften traurigerweise häufig sieht). Leider wusste ich es auch nicht besser und habe aus Dummheit gemacht, was man mir sagte.
Bis ich endlich meine jetztige Reitlehrerin gefunden habe. Die hat mir das Maulzuschnüren sofort verboten mit dem Resultat, dass die Zunge wieder über der Trense lag.
Letzes Jahr war dann meine RL an der Equitana und hat mir das Starbridle mitgebracht. Nachdem sie einige Fachleute um Rat gefragt hatte.
Seither reite ich mein Pony mit dem Starbridle. Es geht wunderbar.Ich habe Gott sei dank beim Reiten Fortschritte gemacht, mein Sitz ist viel besser gworden, meine Hände weicher und ich bin viel „zügelunabhängiger“ geworden. Mein Kver reagiert viel feiner auf die Hilfen und ich kann mit ihm gymnastizierende Uebungen reiten. Allen Unkenrufen zum Trotz tölten wir immer noch „meistens“ taktklar (sogar mit Hufschuhen ;-)).
Und die Hauptsache: mein Pferd ist zufrieden.

wir zwei sind gebisslos glücklich

herzliche Grüsse

Anita

 

Von Natalie • 9. Januar 2015

Hallo Tania!
Der thread ist zwar schon sehr alt, aber ich bin in deinem Artikel an dem Satz „irgendetwas stört ihn immernoch beim Gebiss“ hängen geblieben und möchte gern meine Erfahrungen teilen.
Meine junge Araberstute war im Rahmen des Anreitens drei Mal wegen Blockaden (vor allem Genick und ISG) und massiven Verspannungen in Behandlung. Ich hatte vorher sehr viel und abwechslungsreich am Boden mit ihr sowohl auf dem Platz und im Gelände gearbeitet und eine gute Beziehung aufgebaut und sie ist ein liebes, kooperatives, wenn auch eigenwilliges Pferdchen. Als die Probleme nach einer Unterbrechung des Beritts erneut auftauchten und ich binnen kürzester Zeit mein Pferd nicht wiedererkannte (Kopf hochreißen, Gebiss festbeißen, im Gelände durchgehen, buckeln, auf dem Platz ausbrechen, Weigerung rückwärts zu gehen uvm…) äußerte ich meiner Chiropraktikerin gegenüber die Vermutung, dass es am Gebiss liegen könnte. Sie untersuchte den Kiefer sehr genau und entdeckte einen kaum ertastetbaren Huckel, schickte mich zum Röntgen und so fanden wir schließlich heraus, dass meine Stute eine minimale Knochenverwachsung am Kiefer hat, die ihr bei Gebisseinwirkung Schmerzen verursacht.
Ich kaufte einen LG-Zaum und schon beim Auftrensen war die Reaktion meiner Stute eine Andere als sie merkte, dass sie kein Gebiss ins Maul bekommt. Nach ein paar Runden auf dem Platz – sie verstand den neuen Zaum sofort – gingen wir ins Gelände. Alle oben genannten Probleme waren wie weggeblasen, ich ritt ein entspanntes Pferd, das sich am langen Zügel vorwärts-abwärts streckte und prima händeln ließ. Es gibt ein Foto von diesem Ausritt, weil meine Freundin unbedingt den zufriedenen Gesichtsausdruck meiner Stute festhalten wollte, so hatte sie sie beim Reiten noch nie erlebt.
Die Reitprobleme sind nie wieder aufgetaucht, auch die körperlichen Symptome sind zurückgegangen, sie reagiert besser auf den LG-Zaum als auf die Trense – allerdings hat es drei Monate geduldiger Longenkurs-Arbeit gebraucht, bis mein Pferd mir so viel vertraut hat, sich im Genick zu stellen, ohne Schmerzen zu befürchten.
Ich bin so froh, meinen kleinen Araber mit Kämpferherz zu haben, der sich wehrt und nicht stumm erträgt, es tut mir leid, dass sie mich erst anschreien musste, bis ich das Problem herausgefunden habe, ich bin dankbar, dass sie mir verzeiht und mir nun hilft, an mir zu arbeiten: auch ich habe als Kind den klassischen Reitunterricht gehabt, in dem vor allem am Zügel gezogen wurde – mein Pferd bringt mir nun bei, mir leichter Hand zu reiten (was zugegebenermaßen schwer ist, mir anzugewöhnen, aber ich mache Fortschritte).
Ich hoffe, mein Bericht ist hilfreich für andere, es ist nur eine winzige Unebenheit des Kieferknochens, fast nicht zu ertasten und auf dem Röntgenbild kaum zu sehen, aber sie war Auslöser so vieler Probleme …
Viele Grüße,
Natalie

_____________________

Dankeschön für diesen wichtigen Erfahrungsbericht!

Herzlich,
Tania

 

Von Ute • 4. August 2015

Hallo Ihr Lieben
Habe einen Holsteiner 1.84cm, 9 Jahre.Reite seit einem Jahr nur noch Gebisslos mit dem LG-Glücksrad von Lehmenkühler. Kann nur sagen top. Gehe mit ihm ins Gelände, er läuft super Dressur und lässt sich gut Händeln beim Springen. Hört sich an wie einen braves Pferd. Ne,ne der hat ganz schön seinen eigenen Kopf. Kann es nur empfehlen es einmal selber aus zu probieren. Nehmt einfach ein mal einen Löffel in den Mund wie ein Gebiss, dann wisst ihr wie sich ein Pferd fühlen muss. Warum nehmen wir überhaupt ein Gebiss für unsere Pferde. Sie lernen doch von Anfang an bis sie eingeritten werden, auf ein Stallhalfter zu reagieren. Da sollte man schon Anfangen einmal umzudenken.
Liebe Grüße
Ute

 

 

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