Freundschaften unter Pferden

Vor kurzem habe ich eine Dokumentation zum Thema „Freundschaft unter Tieren“ gesehen und war wieder einmal traurig darüber, dass Wissenschaftler sich so schwer damit tun, Tieren Gefühle wie Zuneigung, Freundschaft u.ä. zuzugestehen.

In dieser Dokumentation gab eine Szene, die so ziemlich das Rührendste war, was ich je in meinem Leben gesehen habe: Es wurden dort Schimpansen zusammengeführt, die zuvor als Labortiere zu Versuchszwecken gehalten worden waren. Nach zum Teil 20 Jahren Einzelhaft trafen sie nun erstmals wieder auf einen Artgenossen. Zwei Schimpansenweibchen rannten regelrecht aufeinander zu und fielen sich in die Arme. Sie liebkosten und hielten sich lange und innig.

Bei solchen Bildern greift der Vorwurf der Vermenschlichung meiner Ansicht nach kein bisschen – was diese Tiere dort zeigten, war einfach nur reine Zuneigung und pure Freude (und die Unmenschlichkeit zeigte sich darin, was man diesen Tieren zuvor angetan hatte…).

Auch unter Pferden können sehr enge Freundschaften geschlossen werden. Ich habe das bei Aramis nun schon dreimal erlebt.

Im ersten Stall war sein bester Kumpel Aikon. Die beiden waren auf dem Auslauf oder auf der Weide oft unzertrennlich. Auch wenn Aramis durchaus mal mit anderen Wallachen spielte oder sich auch mal für eine Stute interessierte, so war Aikon sein Herzenskumpel. Mit ihm wurde auch das Heu geteilt:

freundeaikon.jpg

Ihr könnt Euch vorstellen, wie erleichtert ich war, dass er dann nach unserem Umzug, der ihn von Aikon trennte, unmittelbar vom ersten Tag an eine neue Freundschaft schloss und zwar zu Flori. Dieses Foto zeigt die beiden am ersten Tag von Aramis‘ Ankunft im neuen Stall – das war Freundschaft auf den ersten Blick:

freundeflori.jpg

Die beiden verband eine sehr schöne Beziehung, die dann aber abrupt endete, als Flori verkauft wurde. Aramis, der Zurückbleibende, trauerte sehr um seinen Kumpel. Und da kein Ersatz da war, stand für mich schnell fest: da muss ich ran. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich gar nicht unbedingt ein zweites Pferd haben wollen, aber Aramis allein ohne Kumpel zu lassen, erschien mir grausam. So kam Anthony dazu und Gottseidank scheine ich mit der Auswahl von Anthony für Aramis einen guten Griff getan zu haben, denn sie sind wirklich dicke Kumpels geworden.

freundeanthony.jpg

Für mich steht fest: Tiere schließen Freundschaften und zwar sehr enge und schöne! Habt Ihr ähnliche Erfahrungen?

14. November 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Verhalten 19 Kommentare »

 

19 Reaktionen zu “Freundschaften unter Pferden”

 

Von Iris • 14. November 2008

Liebe Tania,

was für ein schönes Thema!! Ich glaube sogar, dass Pferde nicht nur enge Freundschaften schließen KÖNNEN, sondern es für ihr Wohlbefinden auch MÜSSEN. Leider stehen ihnen dabei manchmal wir Menschen im Weg, die wir uns anmaßen, irgendwelche Gruppen zusammenzustellen und dann erwarten, dass die Pferde sich schon mögen und vertragen werden. Ich hielt Nora lange Zeit für eine ziemliche Einzelgängerin, weil sie sich nie wirklich eng an andere Pferde anschloss. Erst in unserem jetzigen Stall hat sie in der Fjordstute Mille eine „Pferdekumpeline“ gefunden, mit der sie häufig zusammen ist, Fellpflege betreibt und sich begrüßt, wenn sie reittechnisch bedingt getrennt waren. Tja, und seitdem hat sie praktisch kein Kotwasser mehr, was früher für sie alltäglich war. Daher bin ich irgendwann zu der Überzeugung gelangt, dass sie in anderen Ställen ohne Freunde permanentem Stress ausgesetzt war, den man ihr zwar nicht am Verhalten angemerkt hat, der sich aber mindestens teilweise in gesundheitlichen Problemen geäußert hat. Daher würde ich heute bei verhaltensauffälligen Pferden auch immer die Gruppenzusammensetzung unter die Lupe nehmen und gucken, ob die Tiere auch wirklich Freunde haben. Es reicht eben doch nicht, irgendwelche Pferde zusammenzusperren, es müssen schon auch die richtigen dabei sein 😉

Liebe Grüße, Iris

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Liebe Iris,

ich denke, da sprichst Du etwas ganz Wichtiges an, das Grundbedürfnis nach Sozialkontakten. Und jep, die menschengemachte Gruppenzusammensetzung kann tatsächlich zu einem echten Problem werden – nicht nur was Freundschaften angeht, sondern auch was die Führung angeht. Sehr gut finde ich den Hinweis, bei Verhaltensauffälligkeiten immer auch über die Gruppenzusammensetzung nachzudenken.

Lieber Gruß,
Tania

 

Von Sheitana • 14. November 2008

Das habe ich auch schon festgestellt. Meine Georgia ist allerdings eher eine Einzelgängerin, sie schließt nur sehr langsam Freundschaften, ist aber zu jedem Pferd freundlich. Ihre bisher beste Freundin war die Kaltblutstute Gisela, als sie sich nach längerer Zeit wiedersahen begrüßten sie sich sehr süß. Noch heute wiehert Georgia – wenn wir mal da vorbei kommen – immer in Richtung dem alten Stall, wo sie mit Gisela und „ihren“ Tinkern aufgewachsen ist und ich weiß, sie würde gerne dahin zurück.
Jetzt im neuen Stall ist ihr bester Kumpel der Andalusier meiner Schwägerin, auch die Beiden lieben sich heiß und innig. Aber ich glaube es ist nicht die gleiche Freundschaft, die sie zu Gisela hatte.

LG
Sheitana

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Hi Sheitana,

ja, meiner Erfahrung nach tun sich Stuten oft etwas schwerer, Freundschaften zu schließen – ich vermute, sie sind ein bisschen wählerischer als die meisten Wallache, die einfach jemanden zum Spielen und Balgen brauchen 🙂 Und dass es Unterschiede in der Zuneigung gibt, habe ich auch schon oft beobachtet.

Herzlich,
Tania

 

Von Almut • 14. November 2008

Hallo Tania,
für meinen alten Fritz war seine Herde immer das Wichtigste, da mussten möglichst alle beisammen sein, damit er sich wohl fühlte und er hat „seine“ Pferde immer mit einem ganz speziellen Wiehern begrüßt. Aber er hatte auch einmal einen ganz speziellen Freund – ein Shetty, das schließlich bei ihm in der Box wohnte und das er wirklich innig liebte und sogar gegen andere „Große“ verteidigte, obwohl er sich sonst mit keinem anlegte. Und dann kamen die blöden Leute in dem Reitverein (damals gehörte er mir noch nicht) auf die Idee, die beiden zu trennen. Fritz war todtraurig, hat das Fressen verweigert und ist sogar richtig krank geworden (ohne ersichtlichen anderen Grund). Das war echt schlimm mit anzusehen.
Mein Pony ist da ein ganz anderer Typ – sie muss immer die Chefin rauskehren und macht sich damit manchmal regelrecht selber einsam.
Liebe Grüsse, Almut

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Ach Mensch, das von Fritz zu lesen, macht ja richtig traurig. Ich hatte mal beobachtet, wie bei zwei dicken Freunden, einer eine Kolik hatte und der andere sich so aufregte, dass man fürchten musste, dass auch er krank werden würde. Ja, sie trauern richtig, unsere Pferde, wenn sie einen Kumpel verlieren.

Herzlich,
Tania

 

Von CelineD. • 14. November 2008

Oh ja. Bei uns im Stall gibt es zwei Opas, die unzertrennlich sind. Holt man einen der Beiden zuerst in den Stall (sodass der andere noch auf der Weide steht), gibt das immer ein großes Theater, verzweifeltes Gewieher, und was nicht alles. Holt man dagegen beide zusammen rein, ist die Welt in Ordnung.
Ich habe aber auch entdeckt, dass Pferdeliebe nicht unbedingt erwidert wird. So mag einer der beiden Opas meine Reitbeteiligung auch unheimlich gerne (er begrüßt sie immer und kommt ofort auf sie zu, wenn ich sie nach dem Arbeiten wieder auf die Weide bringe), aber die Stute macht sich (zumindest offensichtlich) nichts daraus.
Es ist schon echt schön, Pferdefreundschaften zu sehen!

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Ja, stimmt, unerwiderte Zuneigung gibt es auch. Ich schätze, das ist dann genauso frustrierend, wie bei uns Menschen…

Grüße an die Opas,
Tania

 

Von Sabine R. • 17. November 2008

Hallo!

Ja, wie lange Pferdefreundschaften erhalten bleiben, haben wir ganz deutlich gemerkt…
1990 kaufte ich ein Fohlen „Lazan“, als Onkel kam Welsh Pony „Bronco“ dazu und zwei Jahre später auch noch der inzwischen zum Wallach gewordene Araber „Kiram“, der Vater des Fohlens, dazu. Die drei waren unzertrennlich un der deutlich kleinere Bronco war Chef der Herde.
1996 musste ich Lazan verkaufen. 2004, 9 Jahre später, traf ich durch Zufall auf die damalige Besitzerin von Lazan. Sie erzählte mir, dass sie wegen Studium nicht wüsste, wie es mit ihrem geliebten Lazan weitergehen sollte. Daher bot ich ihr an, ihn zurückzukaufen.
Es kam der Tag, an dem sie Lazan zu uns brachte. Bronco, inzwischen 21 Jahre alt und Kiram standen in ihrem gemeinsamen Offenstall. Ohne zu Zögern, stellten wir Lazan einfach dazu…….und siehe da, die Pferde kannten einander so eindeutig, das sah jeder. Ein kurzes Beriechen, kein Quitschen, keine angelegten Ohren…einfach nur Freude, endlich wieder zusammen zu sein.
Ich habe nur noch geheult……
Die alte Rangordnung ist wie selbstverständlich wieder hergestellt und alle drei wohnen friedlich beisammen.

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Boah, was für eine Gänsehautgeschichte!!! Wunderschön.

Danke, Sabine,
Tania

 

Von Nicole • 21. November 2008

Hallo,

ich glaube auch, dass Tiere richtig dicke Freundschaften schließen können. Aber leider habe ich für meine „Pappnase“ noch nicht den richtigen Partner gefunden. Bedingt durch einen etwas schwierigen Charakter und kaum Fohlengesellschaft während der Aufzucht ist sie gegenüber anderen Pferden sehr biestig. Das ging anfangs so weit, dass ich sie kaum in der Halle reiten konnte, weil sie andere Pferde angegiftet und sogar angestiegen hat! Inzwischen beschränkt es sich zum Glück „nur noch“ auf Ohren anlegen, aber ich muss doch immer schauen, dass uns keiner zu nahe kommt.

Als ich vor 3 Jahren in den aktuellen Stall gewechselt bin, habe ich einige Pferde als Koppelpartner „ausprobiert“: Wallache, Stuten, große, kleine, dicke, dünne, junge, alte – aber keiner hat ihr gepaßt, sie hat alle verprügelt. Und als ich dann nach einiger Zeit einen Versuch mit ihrer langjährigen Boxennachbarin gestartet habe, waren beide Pferde die nächsten Tage „kampfunfähig“ weil sie wie die Furien aufeinander losgegangen sind.

Es gibt zwar schon Pferde, die sie augenscheinlich „mag“, aber nur wenn ein Zaun dazwischen ist und ihr keiner zu nahe kommen kann. Inzwischen sage ich mir, dass sie ja nicht alleine steht, da sie ständig Sichtkontakt mit anderen Pferden hat; und sie kann auch über den Zaun hinweg mit den anderen Kontakt aufnehmen, deshalb versuche ich gar nicht mehr sie in eine Herde zu integrieren. Sie scheint zufrieden zu sein, wenn sie nicht von anderen Pferden bedrängt wird, deshalb zwinge ich sie gar nicht mehr zu übermäßigem Kontakt mit Artgenossen (oder Hunden, die kann sie nämlich auch nicht leiden).

Aber vielleicht läuft ja doch eines Tages ihre „große Liebe“ über den Hof und ich habe endlich ein gesellschaftsfähiges Pferd! 😉

Liebe Grüße,
Nicole und „Pappnase“

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Hallo Nicole,

vielleicht ist Dein Pferd ja eine Kandidatin für eine Freundschaft mit einem anderen Tier. Den Beitrag zeigt aber auch, wie wichtig es doch ist, dass Fohlen mit viel Fohlengesellschaft aufwachsen – was sie an Sozialverhalten als Fohlen nicht lernen, ist später meist nur schwer aufzuholen.

Herzlich,
Tania

 

Von Julia • 1. Dezember 2008

hallo Tania,
auch ich habe schon so manche Freundschaften erleben dürfen. Meine zwei Pferde sind wirklich dicke Freunde, sie spielen undfressen zusammen und stellen sich auch manchmal zusammen in eine Box. Aber wenn es Apollo zu viel wird mit Spielen, dann zeigt er es indem er einfach wegläuft oder wenn das nichts bringt dann schläg er auch schon mal leicht aus, was aber immer nur eine kurze Mahnung ist.
Wirklich ein tolles Thema!!!!
vlg Julia

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Hallo Julia,

meine beiden kabbeln sich auch manchmal – Aramis hilft mir ganz gut dabei, den Kleinen zu erziehen 🙂

Herzlich,
Tania

 

Von Bärbel • 11. August 2009

Auch ich kann nur bestätigen, dass besonders Pferde Freundschaften schließen, die manche Zeit überdauern.
Vor einigen Jahren kaufte ich mir mein erstes eigenes Pferd und brachte es zum Pensionstall. Mein Pferd wurde beim ersten Kontakt mit der Herde auf der Weide von einer Stute regelrecht beschützt, indem diese sich zwischen mein Pferd und die Herde stellte,zu aufdringliche Tiere gar vertrieb. Da beide Stuten ursprünglich aus Frankreich stammen, lästerten wir über die vermeintlich sich auf französisch verständigenden Tiere. Viel später stellte sich bei nachforschungen heraus , dass beide vor etlichen Jahren aus unterschiedlichen Gegenden aus Frankreich an einen deutschen Reitbetrieb verkauft worden waren und eins der Pferde vor über 5 Jahren schon im Pensionstall sein neues Zuhause gefunden hatte.
Die gemeinsame Zeit im Reitbetrieb war also nicht vergessen und nach so langer Zeit hatten sie sich dennoch wiedererkannt. Die Eingewöhnungszeit in der neuen Herde war daher um vieles einfacher für meine Stute mit so einer pferdigen Freundin an der Seite.
Liebe Grüße

Bärbel

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Was für eine schöne Geschichte!
Tania

 

Von Tanja • 21. Oktober 2009

Hy
Habe das alles gelesen und kann bestätigen , dass Freundschaften von Pferden existieren .
Ich und meine Schwester haben mit 6 jahren jeder ein Pferd bekommen Sie einen Haflinger Wallach und ich eine Welsh Stute die zwei waren immer zusammen , knapp 15 Jahre . Dann wurde unser Haflinger krank seine gehen wurde schlechter bis wir ihn in die Tierklinik brachten
1 Woche darauf folgte ihm meine Stute in die Tierklinik
Wo sie sich noch einmal sehen konnten und leider verschlechterte sich der Zustand von dem Hafi so das er nicht mehr sufstehen konnte und wir mussten ihn einschläfern . Der letzte Gang von ihm wurde mit einem Wieher konzert meiner Stute begleitet. Sie wusste genau was passiert . und 2 Tage später mussten wir auch sie einschläfern lassen . Beide wurden ca 25 Jahre alt .
lg Tanja

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Himmel, was für eine Geschichte *tränchenwegwisch*

Danke fürs Teilen,
Tania

 

Von Corinna • 29. Juni 2011

Hi Tania,

Freundschaften bei meinen Pferd hab ich auch entdeckt und finde ich super.
Aber nun überlege ich hin und wieder, wenn Pferde getrennt werden, über einen längeren Zeitraum, vergessen sie sich?
Wieso sollten sie sich vergessen?

Liebe Grüße
Corinna

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Ich denke, es gibt verschiedene Stufen des „Vergessens“. Manche Pferde trauern lange um einen verlorenen Freund, „vergessen“ ihn also so schnell nicht. Andere finden sich damit ab, dass das andere Pferd nicht mehr da ist und wenden sich einem anderen zu. Die meisten Pferdefreunde dürften sich aber definitiv wiedererkennen – also scheinen sie nie ganz zu vergessen.
Tania

 

Von Rabea • 6. Oktober 2011

Hallo Tania,

ich habe beobachtet, dass gerade auch Pferde, die den gleichen Besitzer haben, sich oft zusammen tun. Auch wenn die Herde größer ist, und sie mehrere Pferdefreunde zur Auswahl hätten.
Meine Freundin hat zwei Isistuten, die sie nacheinander gekauft hat, die aber unzertrennlich geworden sind.
Und ich habe letztes Jahr mir auch einen zweiten Isiwallach gekauft. Und meine Beiden haben auch sofort Freundschaft geschlossen, obwohl ich erst befürchtete, dass mein „Alter“ eifersüchtig sein könnte. Die beiden sind aber das doppelte Lottchen, kommen gemeinsam an, auch wenn ich nur einen rufe, und wenn ich nur einen mitnehme, wiehert der andere sofort hinterher und wartet, bis wir wiederkommen. Nur wenn ich mit beiden zusammen etwas unternehme (Handpferdereiten oder gemeinsame Spaziergänge), dann ich ihre Welt so richtig in Ordnung. Ich habe das Gefühl, dass sie spüren, dass sie und ich zusammengehören. Denke ich da zu menschlich?

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Ja, das kenne ich auch. Ich habe immer gedacht, das liegt daran, dass dann die befreundeten Besitzer eben auch öfter was mit den Pferden zusammen machen. Man empfiehlt ja auch zur Gewöhnung von neuen Pferden aneinander, mit diesen zusammen auszureiten usw.

Und wenn Ihr als Dreierteam so gut harmoniert, ist das doch toll – freu Dich dran!
Tania

LG Rabea

 

Von Steffi • 20. Februar 2012

Hallo Tania,
das erinnert mich an die Zeit vor zwei Jahren, als ich mein Pferd kaufte und in die für ihn neue Herde stellte. Vom ersten Tag an schloss er innige Freundschaft mit einem anderen Wallach und das blieb so, bis der Winter kam. Die Pferde kamen nur noch tagsüber raus in Paddocks, aufgeteilt, nachts in die Boxen. Niemand machte sich die Mühe, Pferdefreundschaften zu berücksichtigen. Hinweise meinerseits wurden beiseite gefegt, ich würde die Tiere vermenschlichen.
Mein Pferd schloss sich einem anderen Wallach an, wenn auch nicht so innig wie zuvor. Aber auch sie wurden auf unsensible Weise getrennt. Und eines Tages sind wir dann umgezogen.
In der neuen Herde wird er respektiert, ist ranghoch und ein weiterer Wallach ist sein engstes „Bezugspferd“, aber eine Freundschaft, wie beim ersten Mal hat sich seitdem nicht wiederholt.
Irgendwie stimmt mich das etwas traurig. Er macht keinen einsamen oder unglücklichen Eindruck, kommt gut mit allen aus und schließt sich vor allem mir seitdem enger an, aber ich würde ihm einen echten Kumpel wünschen.

LG
Steffi

_________________________

Ja, das kann ich gut verstehen – es ist, wie auch bei uns Menschen, einfach etwas sehr Kostbares, so eine Freundschaft!
Tania

 

Von Diana • 16. April 2012

Als ich mit meinem Wallach in einen neuen Stall kam schloss er schnell freundschaft mit einer jungen Stute. Er verteidigte sie gegen alle anderen Wallache und die beiden standen immer gemeinsam beim graßen. Als immer mehr Pferde in den Stall kamen wurden Wallache und Stuten getrennt auf die Koppel gebracht. Ich hätte die zwei zusammen gelassen aber der SB wollte partou nicht. Beide haben getrauert. Ein paar Jahre später hat meine Schwester die Stute für ihren Lebesgefährten gekauft und wir sind in einen Offenstall umgezogen. Die zwei waren sofort wieder unzertrennlich und sichtlich entspannter nachdem sie wieder zusammen waren.

Als vor 4 Jahren mein Wallach gestorben ist hat die Stute sehr lange nachgetrauert.

LG Diana

 

Von Inske • 16. April 2012

Meine Stute (Islandfuchsstute) hat eine Schwäche für Schimmel.
Sie stand in Deutschland einen Sommer in einer grossen Herde (ca 20 Pferde, meist Isländer). Dort hat sich ein 30 jähriger schneeweisser Schimmelponymixwallach in sie verliebt. Anders kann man das nicht nennen. Interessant auch, dass der Wallach unmöglich mit Menschen war, total verdorben, er rannte sie um, lief weg, echt unangenehm. Aber Topp Sozialverhalten in der Herde.
Auf jeden Fall wurden er und meine Stute ein Paar. Sie grasten Nase an Nase. Wenn ich ausritt rief er lange am Gatter hinterher. Kamen wir zurück kam er wiehernd über die Koppel galoppiert. Das war schon toll.

Als sie mir nach Norwegen folgte lieh ich mir von einer Freundin einen Norweges als Gesellschaft, der wurde schon als Kumpel akzeptiert. Aber als sie mal für ein paar Wochen zu meiner Freundin stellen musste traf sie dort Jourasjeck, einen Grauschimmel Shagya Araber, da hatte der arme Gaute nichts mehr zu melden. Sie sah nur noch den Schimmel.

Manchmal kommt es wohl doch auf das äussere an ; ), wer weiss….

 

Von Lisa • 17. April 2012

Hallo!

Meine Reitbeteiligung ist letzten Herbst in einen neuen Stall umgezogen, und ich natürlich gleich mit =)
Im alten Stall hatte sie einen Weidekumpel, mit dem sie richtig dicke war. Der Einzige, der nicht permanent von ihr angezickt wurde ;D
Wurde sie zum Reiten von der Koppel geholt, musste man erstmal am gorßen Schwarzen vorbei und natürlich aufpassen dass man nicht aus Versehen beide Pferde im Stall hatte…
Wurde er weggeholt, ging das Gejammer ihrerseits los und man sah sie während der Abwesenheit ihres Freundes einfach nur am Zaun stehen und nervös rumzappeln und Ausschau halten.
Die Trennung war trotz aller Befürchtungen dann relativ problemlos, und im neuen Stall haben wir uns dann auch recht schnell eingelebt.
In diesem Stall gab es eine alte Schimmelstute und ihren Sohn. Die Beiden haben ihre boxen nebeneinander und stehen gemeinsam auf einer Koppel, da beide krankheitsbedingt nicht mehr geritten wurden waren sie den ganzen Tag zusammen und daher auch ziemlich unzertrennlich. Nun musste die Stute im Winter leider eingeschläfert werden, und da meine Reitbeteiligung auch sehr hell ist (Cremello), ist sie seitdem so eine Art Ersatzmama für den Wallach.
Komme ich in den Stall, geht das Theater meist schon los. Der wallach kennt mich mittlerweile, und auch meine Absicht, seine „mama“ einfach mitzunehmen und, herzlos und gemein wie ich bin, auch noch mindestens eine Stunde wegzubleiben! Wie kann ich nur…
Ich höre ihn immer eine ganze Weile wiehern, und wenn wir dann vom Ausritt zurückkommen, steht der Hübsche schon mit hoch erhobenem Kopf auf seinem Paddock oder auf der Koppel und tut mit ohrenbetäubendem Wiehern seine Freude über unsre Heimkehr kund. Wenn ich meine Kleine zur Koppel bringe kommt er zum Zaun gerast und begleitet uns den ganzen Weg bis zu unserer Koppel.
Leider zeigt meine Stute bei weitem nicht dieselben Gefühle, aber der Wallach ist eindeutig völlig verrückt nach ihr =)

Liebe Grüße,
Lisa

 

Von Leah • 20. April 2012

Hallo!

In unserem Stall hat es auch zwei Ponys, die wirklich dicke Freunde sind. Sie sind schon seit ca. 10 Jahren zusammen und wenn einer von ihnen raus zum reiten muss, sind beide ganz unbegeisert.

 

Von Christina • 20. April 2012

Hallo,
beim Lesen wurde mir mal wieder klar, was wir doch den Pferden mit den „Umzügen“ in einen anderen Stall antun. Freunde werden auseinander gerissen, weil wir eine bessere Reithalle oder Ähnliches brauchen.
Das war einer der Gründe mir vor sechs Jahren einen Resthof zu kaufen, der inzwischen von vier Pferden bevölkert wird. Hier geht im Normalfall ein Pferd nur mit den Füßen voraus vom Hof. Das kann ich den Pferden leider nicht ersparen. Im letzten Herbst kam aber unausweichlich diese Situation. Meine alte Stute musste mit Borelliose im Endstadium erlöst werden. Da sie die Leitstute war, waren alle Pferde völlig durcheinander, aber ihre beste Freubdin trauert bis heute. Erstaunlicherweise hat sie der Tod ihrer Freundin total verändert. (Sehr zum Positiven!!! Sie war echt zickig, aggressiv und schwierig.) Sie ist außerdem von Platz zwei der Herde auf Platz vier gerutscht. Alle, die dieses Pferd ein wenig kannten bestätigen diese Veränderung. Eigentlich nicht nachvollziehbar, aber Realität. Das ist ja das Faszinierende an Pferden. Man erlebt immer wieder etwas Neues.

 

Von Coco • 26. Januar 2015

Hallo 🙂
Natürlich gibt es Freundschaften unter Pferden…meine RB hat einen sehr guten Kumpel, aber meine RB muss leider umziehen und er wird wahrscheinlich sehr leiden. Ich weiß nicht, wie man damit umgehen soll. Die Pferde werden jeden Tag auf der Koppel sein. Soll man das Pferd einfach machen lassen, oder kann man auch irgendwie helfen, dass sich das Pferd trotz der Trauer wohlfühlt? Zum Beispiel mit anderen Pferden laufenlassen (meine RB versteht sich mit jedem anderen Pferd gut…)? Soll man sich eher mehr mit dem Pferd Unternehmen, ihm den stall zeigen, mehr bodenarbeit machen und mehr reiten? Oder eher das Pferd ein wenig in Ruhe lassen, sodass es nicht überfordert wird? Die Neue-Stall-Situation ist ja schon schwierig genug… Und wie lang dauert es denn ungefähr, bis sich das Pferd an einen neuen stall gewöhnt? Das ist ja bei jedem Pferd anders aber naja so ungefähr
..ich würde mich über eine Antwort sehr Freuen :))
LG Coco

___________________

Hallo Coco,

wie Du schon schreibst: Das kommt auf das Pferd an. Ich würde einfach schauen, wie sie nach dem Umzug ist und dann tun, was ihr gut tut. Wenn das Pferd selbst umzieht, ist ja meist so viel neu, dass die Trauer über den Verlust meist überlagert wird von den neuen Eindrücken. Geh auf sie ein, sie wird Dir schon zeigen, was sie braucht. Und der Kumpel wird seine Zeit brauchen, bis er nicht mehr traurig ist. Mein Aramis hat mal ein gutes halbes Jahr um seinen Kumpel getrauert.

Alles Gute,
Tania

 

Von Sonja • 5. Dezember 2017

Mein Wallach fand in der Stute meiner Freundin in meinem alten Stall seine große Liebe. Als meine Freundin wegzog wurde er völlig depressiv. Kein anderes Pferd konnte ihn trösten. Ich zog dann ebenfalls in einen anderen Stall und nach einem Jahr ergab sich die Möglichkeit, dass die Stute meiner Freundin zu mir zog. Die beiden flippten schier aus, als sie sich wiedersahen. Seitdem kann man sie nicht mehr trennen. Der Schock der Trennung sitzt so dermaßen tief, dass man keinen von beiden mehr alleine wegführen kann. Selbst wenn der eine noch in Sichtweite ist, reißt der andere den Stall ab. Da die Besitzerin der Stute und ich uns zeitlich nicht synchronisieren können stehen die beiden jetzt nur noch auf der Weide. Nichts mehr zu machen.

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Wow, was für ein Beispiel für Pferdefreundschaft! Danke fürs Teilen und ich freue mich sehr für die beiden Pferde, dass Ihr bereit seid, sie so zu akzeptieren. Das ist nicht selbstverständlich.

Alles Gute,
Tania

 

 

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