Herbst im Gemüt oder: Auch mal an das Ende denken…

Vielleicht ist es die herbstliche Stimmung, die mich im Moment auf traurige Gedankenwege führt. Aber ich denke, hin und wieder ist es auch mal wichtig, sich damit zu befassen, dass der Tag kommen wird, wo man Abschied nehmen muss von seinem Pferd.

Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich bei solchen Gedanken oder auch, wenn ein Gespräch auf dieses Thema zusteuert, ganz schnell dicht mache. Zu groß ist der Schmerz, zu unvorstellbar das Loch, dass da gerissen werden wird.

Und doch,… manchmal lasse ich den Gedanken eben auch bewusst zu. Erlaube mir, zu überlegen, was ich dann tun werde, gleichsam um ein bisschen zu „üben“. Ich habe keine Ahnung, wie es überstehen soll, wenn einer meiner Jungs nicht mehr sein wird, aber es wird weitergehen, irgendwie. Und in aller Angst vor dem Verlust, spendet mir das dann etwas Trost.

Im Alltag schenkt mir der Gedanke an die Endlichkeit immer wieder die Möglichkeit, das Zusammensein mit meinen Jungs in vollen Zügen zu genießen. Denn ich denke, dass wir Menschen dazu neigen, all das, was „da“ ist, auch schnell als selbstverständlich zu nehmen. Wenn wir dann aber mitbekommen, wie z.B. ein Pferd einer Freundin eingeschläfert werden musste, wird einem plötzlich sehr bewusst, dass kein Augenblick mit unseren Tieren selbstverständlich ist, sondern dass jeder von ihnen ein Geschenk ist.

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Mögen noch viele, viele, viele solcher Geschenke folgen.

5. September 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein 4 Kommentare »

 

4 Reaktionen zu “Herbst im Gemüt oder: Auch mal an das Ende denken…”

 

Von Almut • 5. September 2008

Liebe Tania,
ich musste letzten Sommer Abschied von meiner grauen Eminenz nehmen – mit 32einhalb hatte er zwar ein biblisches Alter, aber es war trotzdem furchtbar schwer. Und mir kommen jetzt noch manchmal die Tränen (gerade eben, wenn ich darüber schreibe). Meine Überzeugung, das Richtige getan zu haben, hat mir sehr geholfen – er war am Ende einfach nicht mehr er selbst und schon sehr sehr müde des Lebens. Und ich durfte ihm immerhin 15 Jahre schenken – was er mir reichlich zurückgegeben hat. Tatsächlich ist es so, dass er in meinem Herzen weiterlebt – ich habe das immer für eine pathetische Phrase gehalten, aber ich habe sein Wiehern noch im Ohr und seinen neckischen Blick und seine kleinen frechen Streiche werde ich nie vergessen.
Ein tränenreicher Gruss von Almut

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Liebe Almut,

ich wünsch mir von Herzen, dass meine Jungs so alt werden. Auch dann wird der Abschied ein riesiges Loch reißen, aber ich denke, es ist schon etwas einfacher, nach einem langen Leben Abschied zu nehmen, als wenn einem ein Tier ganz jung genommen wird.

Deine Zeilen lassen mich sofort ein Bild vor Augen haben, von Deinem Pferd und sofort ist da dieser Kloß im Hals…

Es IST ein hartes Thema.

Lieber Gruß an dich,
Tania

 

Von Conny • 6. September 2008

Liebe Tanja,
ich lese eure Berichte regelmäßig und mit sehr großer Freude und Neugier. Die Bilder und eure sehr persönlichen und offenen Worte bringen mich oft zum nachdenken, schmunzeln oder lachen. Auch meine Einstellung zum Leben und Arbeiten mit meinen Pferden sieht so aus, dass ich Verstand und Herz immer so ausgewogen wie möglich einsetzen möchte. Allerdings ist gerade das bei diesem Thema fast unmöglich. Auch ich setze mich bereits mit dem Gedanken auseinander wie dieser „düstere“ Tag aussehen könnte und welche Entscheidungen zu treffen sein könnten. Ich möchte „vorbereitet“ sein. Aber das Leben hat mir gezeigt, dass es kaum möglich ist sich auf diesen Abschied vorzubereiten. Wir begegnen einander, manchmal nur flüchtig als kurze Begegnung, manchmal bleiben wir eine weile und manchmal sogar ein leben lang. Was zählt ist, dass wir uns begegnen und was wir daraus machen. Denn jeder weiß, wenn uns einmal jemand bis ins Herz berührt hat, bleibt er auch über diese Zeit hinaus ein Teil von uns. In unserem Herzen, unserem Handeln, unseren Gedanken und unseren zukünftigen Entscheidungen. Bei jedem Abschied den ich bisher erlebt habe kam mir die gemeinsame Zeit zu kurz vor. Man hätte noch so viel mehr zusammen erleben wollen, vielleicht so manchen Fehler wieder gut machen, oder so manches Wort mehr sagen wollen. Deswegen habe ich so mein Ritual, wenn ich zu meinem Pferd an die Weide komme streiche ich ihm sanft über die Augen oder die Nüstern und es gibt einem Kuss auf die Stirn, meistens spreche ich dann noch einige Worte der Zuneigung. Mögen die Worte für mein Pferd auch keine Bedeutung haben so glaube ich doch fest daran dass es meine Liebe spürt. Der Tag des Abschieds wird kommen und dann werde ich mir vielleicht sagen, die Weide hätte noch größer sein können, ich hätte noch mehr Reitstunden nehmen, noch mehr Verständnis haben können so manchen Fehler nicht machen müssen. Aber ich habe kaum einen Tag versäumt dir zu sagen das ich dich liebe, versucht deine Botschaften zu verstehen und nehme all das was du mir gegeben hast, Freude, Tränen, gute und schlechte Zeiten jetzt mit auf meine weitere Reise, ich danke dir das du da warst, das du mich begleitet hast und statt nur die Trauer des Verlustes zu leben werde ich anderen begegnen und Ihnen mit meinen Taten von dir erzählen denn du hast mich zu einem besseren Menschen gemacht.

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Was für ein wunderwunderschöner Beitrag, Conny.

Einfach ein ganz herzliches Dankeschön dafür,
Tania von „Wege zum Pferd“

 

Von Anna • 16. August 2010

Oh ja, das IST ein schweres Thema. Ich bin auf den Beitrag gestoßen, weil ich mich gerade mitten in so einem Abschied befinde – und es ist so unendlich schwer, die richtige Entscheidung zu finden. Meine 27jährige Hafistute hat sehr plötzlich vor ca. einem Jahr eine Arthrose im Vorderfußwurzelgelenk bekommen, die so schnell fortschritt, dass sie bald schon nur noch mit Schmerzmitteln laufen konnte. Nun steht sie mit ihrer Freundin auf der Weide und hoppelt so herum, dass man am Liebsten sofort Schluss machen würde; wenn aber die kleine Neue, die seit einigen Tagen bei uns wohnt (wie schlecht kommt man sich vor, wenn man einen Nachfolger für die alte treue Seele sucht…) ihr zu nahe kommt, dann spricht aus ihr die Erfahrung von 27 Jahren Leitstute, und man erkennt das kranke, humpelnde Wesen gar nicht wieder…
Was ist nur in einer solchen Situatio die richtige Entscheidung? Lebenswille und Ehrgeiz gegen Schmerzen – sind sie schon so schlimm, oder WILL sie doch noch???
Auch nach 17 gemeinsamen Jahren, die trotz mancher Diskussion harmonisch waren und ich sagen kann, dass wir beide immer gut zueinander waren… Auch mit dem Gedanken, dass zumindest diese 17 Jahre für die Gute ein tolles, lebenswertes und spannendes Pferdeleben waren… Das ist alles kein Trost, wenn man wirklich den Abschied nehmen muss. Und dann uält auch noch jeden Tag der Gedanke, dass vielleicht der richtige Zeitpunkt für den Abschied schon längst vorbei ist, und das liebe Pferd nur noch leidet… Manchmal denke ich, dass nach der Entscheidung das Ganze doch wieder leichter zu tragen sein wird – wenn ich mit dem Wissen leben muss, dass mein geliebtes Pferd mir nie mehr entgegenwiehern wird, aber dass es ein gutes Leben hatte und es ohne Schmerz und Angst beenden konnte.

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Deine Zeilen berühren mich sehr. Das ist wirklich die schwierigste Entscheidung, die man treffen kann. Ich nehm Dich mal virtuell in den Arm und sende Dir ganz viel Kraft für diese Zeit.
Tania

 

Von Jana • 22. Juni 2017

Liebe Tania,
auch wenn dieser Beitrag schon etwas älter ist, so ist er doch für mich gerade sehr aktuell.
Vor 2 Wochen musste ich meinen erst 8- jährigen Wallach Theo noch auf der Weide von seinem Leid erlösen lassen… Das rechte Vorderbein war gebrochen…
Von einem Moment auf den anderen stand meine Welt still.
Ich fühe mich so verloren seit er nicht mehr da ist und beginne erst langsam den Horror dieses Tages zu verarbeiten.
Ständig kreisen diese schrecklichen Bilder in meinem Kopf. Wie ich tränenüberströmt und panisch auf die Koppel renne, wie er auf 3 Beinen stand, schwankte und sichtbar solche Schmerzen hatte, wie er vergeblich versucht hat an der Schulter des Pferdepflegers halt zu finden… Als ich bei ihm war, hat alles an ihm danach gefleht dass es aufhört. Mein armer Schatz wusste gar nicht, was da mit ihm passiert.
Das schlimmste für mich war, dass der Tierarzt ewig nicht kam, ich nur hilflos zusehen konnte, wie er sicht quält.
Ich weiß, dass es keinen anderen Weg gegeben hätte und dass es ‚richtig‘ war ihn so schnell wie möglich zu erlösen…
Und trotzdem hadere ich so sehr damit, wie das passieren konnte, warum es ihn und mich getroffen hat…
Ich hatte mich erst vor einem halben Jahr auf den ersten Blick in ihn verliebt und obwohl wir uns erst so kurze Zeit kannten, waren wir so vertraut miteinander als wären wir schon ewig ein Team. Er war einfach toll, der absolute Volltreffer!
Nun sitze ich hier, weine schon wieder und fühle mich so schrecklich verloren… Es reißt ein so großes Loch in mein Leben, meinen Alltag, mein Herz…
Wenn ich abgelenkt bin, zum Beispiel in der Arbeit dann geht es einigermaßen aber sobald ich ‚mit mir allein bin… Naja
Ich weiß, dass das alles noch sehr frisch ist und hoffe, dass mit der Zeit der Schmerz erträglicher wird, ich diese Leere etwas füllen und mich irgendwann vielleicht wieder auf ein Pferd einlassen kann.
Momentan ist das aber so unvorstellbar…
Dennoch tut es gut dies mit euch teilen zu können und wenn ich eure Geschichten lese, bekomme ich Gänsehaut und fühle mit euch. In so einer Situation nicht allein zu sein ist sicher wichtig.
Trotz allem bin ich dankbar für diese intensive und schöne Zeit mit ihm, obwohl sie viel zu kurz war. Ich werde ihn immer in meinem Herzen tragen…

„Wenn die Sonne des Lebens unter geht, leuchten die Sterne der Erinnerung“

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Liebe Jana,

mein herzliches Beileid für Deinen Verlust. So ein Unfall ist schrecklich und dann noch so ein junges Pferd. Es tut mir furchtbar leid. In Deiner Dankbarkeit steckt der größte Trost. Und nein, Du bist ganz und gar nicht allein, ich fühle sehr mit Dir – schau mal hier: http://www.wege-zum-pferd.de/2017/04/11/abschied-heisst-ja-sagen/

Alles Liebe und Gute,
Tania

 

 

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