Nicht schneller, sondern weiter – die Sache mit der Trabverstärkung

Manche Sachen sind einem ja vom Kopf her vollkommen klar, weil man sie schon oft gelesen oder gesagt bekommen hat. Aber erst, wenn man sie wirklich fühlt, wenn man sie wirklich bewusst erlebt, weiß man, was die ganze Zeit gemeint war.

So ist es bei mir mit dem Vorwärtsschicken im Trab, also der Trabverstärkung. Mein Großer tat sich immer etwas schwer damit, vorwärts zu gehen, ohne dabei auf der Vorhand davonzurennen. Er schoss also häufig einfach los, sowie die Zügel nachließen. Flott war‘s, aber leider weder sinnvoll noch gesund.

Gemeinsam mit Babette haben wir das nun in den letzten Monaten neu erarbeitet. Aramis lernte zunächst durch ein Anheben der inneren Schulter die Gewichtsverlagerung in Richtung Hinterhand. Darauf aufbauend konnte ich ihn dann immer mal wieder einige Schritte vorwärtsschicken, musste aber immer aufpassen, dass er nicht einfach losflitzt. Immer öfter gelang es ihm so, über den Rücken zu laufen und von der Hinterhand her zu schieben. Inzwischen gelingt uns immer öfter ein freier, schwingender und kraftvoller Trab, bei dem die Schulter frei ist und die Hinterhand aktiv.

ar_laeuft.jpg

Und so ist mir klar geworden, dass ich erst jetzt weiß, was damit gemeint ist, wenn es heißt, dass die Schritte nicht eiliger werden sollen, sondern dass der Takt erhalten bleiben soll. Dass es bei der Trabverstärkung um Raumgriff geht, um größere Schritte. Denn das kann ich jetzt spüren! Und ich kann nun auch spüren, wenn es droht, wieder verloren zu gehen.

Genau das sind die Aha-Effekte, in denen man wirklich lernt: wenn theoretisches Wissen auf praktische Umsetzung trifft. Kennt Ihr das auch?

22. August 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Reiten 5 Kommentare »

 

5 Reaktionen zu “Nicht schneller, sondern weiter – die Sache mit der Trabverstärkung”

 

Von CelineD. • 23. August 2008

Ja, solche tollen Erlebnisse kenne ich auch! Allerdings nicht im Trab: Da rennt mir „mein“ Pferd immer nach den ersten Schritten gern davon -egal ob im Gelände oder auf dem Platz… Besonders im Gedächtnis habe ich noch, noch als zum ersten Mal die richtig wirkende und korrekte Gewichtshilfe gespürt habe!

 

Von CelineD. • 23. August 2008

huch! verzeih mir die Fehler im letzten Satz! Da hab ich wohl nicht aufgepasst!

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Hi Celine,

kein Problem – passiert mir auch öfters (ich versuche immer so schnell zu schreiben, wie ich denke 🙂 ).

Ja, genau dieses „So ist es richtig“-Gefühl meine ich! Diese Klarheit, die dann plötzlich da ist.

Herzlich,
Tania von „Wege zum Pferd“

 

Von Almut • 25. August 2008

Hallo Tania,
bei mir kamen viele Aha-Erlebnisse beim Reiten mit meinem Pony. Obwohl ich auch schon vorher junge oder wenig ausgebildete Pferde geritten hatte, war das mein erstes eigenes „Selbstgemachtes“ 🙂 Mein „altes“ Pferd war ein recht weit ausgebildetes Dressurpferd, da hatte das reiten mehr was mit Knöpfchen drücken zu tun und – im Nachhinein – weniger was mit echter Rittigkeit oder Durchlässigkeit. Obwohl ich von ihm auch eine ganze Menge gelernt habe (danke, Fritz!). Bei meinem Pony wurden mir viele Sachen klar, weil ich sie ihr selbst begreiflich machen musste. Nur ein Beispiel – die Galopphilfe: Fritz galoppierte auf antippen mit dem äußeren Schenkel an, den Rest der Hilfen konnte man fast vernachlässigen. Bei meinem Pony habe ich gelernt, wie man den ersten Galoppsprung über das innere Hinterbein und den inneren Schenkel (und das richtige Timing) herauslockt und warum das Zusammenspiel der Hilfen dabei wichtig ist. Man könnte fast sagen, bei meinem Pony habe ich erst den Sinn vieler Hilfen – im Sinne von dem Pferd helfen, das Gewünschte zu tun – begriffen.
Herzliche Montagsgrüße, Almut

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Jep, genau so etwas meine ich: dieses praktische Begreifen, dieses tatsächliche Erfahren.

Schön!
Tania

 

Von Catja • 28. August 2008

Hallo Tania,
Du schreibst „Aramis lernte zunächst durch ein Anheben der inneren Schulter die Gewichtsverlagerung in Richtung Hinterhand“… da frag ich mich, wie macht man das? Wie hast Du ihm das beigebracht?

Ciao 🙂
Catja

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Hi Catja,

das haben wir vor allem über Babettes spezielle Art des Longierens erarbeitet.

Das Grundprinzip ist: Du fängst auf einem sehr kleinen Kreis an, denn ein kleiner Kreis macht es dem Pferd deutlich leichter zu verstehen, was wir von ihm wollen. Gut ist, wenn Du eine äußere Begrenzung hast, ich bau mir z.B. in unserer Halle ein kleines Quadrat mit Flatterband, um darin zu arbeiten. Nun beginnst Du untertourig zu arbeiten, also ganz, ganz langsam. Jedes „flott voran“ beantwortet ein Pferd, dass sich noch nicht ausbalancieren kann damit, auf die innere Schulter / Vorhand zu fallen und genau das wollen wir ja nicht. Deshalb erst einmal das Tempo komplett rausnehmen. Durch vibrierendes Zupfen (freundlich locken) am Kappzaum und ggf. einem Impuls mit der Peitsche Richtung Schulter kannst Du dem Pferd vermitteln, das Du möchtest, dass er sich biegt.

Von der Zielrichtung her geht es zunächst, so falsch sich das erst einmal anhören mag, um eine Gewichtsverlagerung nach außen. Viele fürchten das „über die äußere Schulter wegdriften“, aber das ist erstens deutlich leichter zu korrigieren und zweitens zeigt das Pferd damit, dass es versteht, worum es geht. Wenn das Pferd im langsamen Tempo zu verstehen beginnt, was wir wollen, kann man ganz behutsam mal für einige Schritte das Tempo steigern – aber aufpassen und es zurücknehmen, bevor es wieder auf die innere Schulter driftet.

Babette kann das aber viel besser erklären – und genau an einem ausführlichen Text zum Longieren arbeitet sie auch im Moment. Aber vielleicht gibt Dir ja meine kleine Beschreibung auch schon eine Vorstellung? Wenn das so von Boden aus vermittelt wird, kann man dann auch vom Reiten das Pferd daran erinnern, weg von der Schulter zu kommen.

Herzlich,
Tania von „Wege zum Pferd“

 

Von Sonja • 28. Februar 2012

…jaja, das Gefühl, wenn es unter einem rund bleibt, zu schweben anfängt, der Hintern beim Aufstehen nicht mehr hochgeschleudert wird, sondern – trotz höherer Geschwindigkeit – genauso sanft einsitzen kann und man sogar durch die Ecken wie auf einer Eisenbahn fährt und nicht in Schräglage „knieschleift“…
Ach, ich bin so froh, dass es euch gibt!!

herzlichste Grüsse (bestimmt auch von meinem immer motivierten Freiberger, der seienen 2 Beiner soo viel lustiger findet, seit dieser euch entdeckt hat!) Sonja

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Was für ein schöner Kommentar, ganz herzlichen Dank an Dich!
Tania

 

 

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