Drei Erfolgsfaktoren

In der Arbeit mit meinen Pferden kristallisieren sich für mich immer mehr drei Erfolgsfaktoren heraus und das sind:

  • Zeit,
  • Geduld
  • und die Bereitschaft, an sich selbst zu arbeiten.

Ich glaube, es geht vielen sehr ähnlich wie mir: Wir nehmen uns etwas vor und wollen es dann möglichst sofort (vor allem dann, wenn es schon mal ging, also z.B. Lektionen, die das Pferd schon einmal ausgeführt hat). Wenn es nicht klappt, probieren wir mehr vom Gleichen, machen Druck und sind irgendwann frustriert. Dann zweifeln wir an unseren Fähigkeiten und denken, das packen wir nie. Manchmal werden wir auch wütend, was dann unser Pferd zu spüren bekommt.

Dabei übersehen wir aber, dass Lernen ein Prozess in Wellen ist. Es geht nur ganz selten in einer geraden Linie nach oben. Stattdessen gibt es nach Fortschritten oft eine Phase der Stagnation oder sogar massive Rückschritte.

Das Schwierige ist dabei, das richtige Maß zwischen Zielorientierung und Lockerheit zu finden, also nicht aus den Augen zu verlieren, was wir erreichen wollen, aber auch bereit zu sein, das für eine gewisse Zeit komplett loszulassen.

Wenn wir uns Zeit lassen, nimmt das viel Druck aus allem, was wir tun. Wir werden dann nicht ungeduldig, wenn es mal wieder überhaupt nicht voranzugehen scheint, sondern wir können uns und unserem Pferd eine Pause gönnen. Und diese Zeit können wir dann nutzen, einmal über uns selbst nachzudenken:

  • Mit welcher Einstellung gehen wir z.B. zu unserem Pferd?
  • Wie wollen wir etwas „durchsetzen“?
  • Welche Grundstimmung herrscht bei der Arbeit mit unserem Pferd?
  • Versteht das Pferd, was wir wollen?
  • Kann es das, was wir verlangen, wirklich ausführen?
  • Wie reagieren wir ganz konkret, wenn etwas nicht klappt – was tun wir dann, was denken wir dann und was fühlen wir?
  • Worauf legen wir unser Hauptaugenmerk – vielleicht mehr darauf, was nicht klappt als auf das, was klappt?
  • Welche anderen Möglichkeiten haben wir zu reagieren als unsere gewohnten?

Das sind nur einige Fragen, die es sich zu stellen lohnt – es gibt noch viele mehr.

Ich stelle immer wieder aufs Neue fest, dass ich bei Schwierigkeiten mit meinen Pferden immer bei mir selbst anfangen muss. Und auch da muss ich mit Zeit und Geduld herangehen, denn auch meine eigenen Lernprozesse sind nicht linear.

Ich bin weit davon entfernt, dass mir all das ständig gelingt, aber ich sehe Veränderungen und Fortschritte. So versuche ich nun z.B., jede Einheit neu mit einem Lächeln zu beginnen und zu staunen, was heute möglich ist und, was vielleicht noch wichtiger ist, ich versuche, jede Einheit mit einem Lächeln zu beenden und das unabhängig davon, wie sie gelaufen ist. Das ist vielleicht nur ein kleiner Schritt, aber für mich ist es einer, der viel bewirkt. Denn jedes Lächeln leitet einen kleinen Neuanfang ein und wenn ich immer wieder neu beginne, fällt es mir leichter, mich nicht immer wieder festzubeißen.

In der Summe gelten die Erfolgsfaktoren nicht nur für den Umgang mit meinen Pferden – sondern vor allem auch für mich selbst 🙂

11. Juni 2008 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse 4 Kommentare »

 

4 Reaktionen zu “Drei Erfolgsfaktoren”

 

Von Nele • 12. Juni 2008

Amen!

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Hi,hi – nicht bei jedem hätte ich gewusst, wie ich diesen Kommentar einordnen soll – bei Dir schon! 🙂

Danke,
Tania von „Wege zum Pferd“

 

Von Iris • 13. Juni 2008

Liebe Tania,

es gehört schon eine gewisse Größe dazu, Fehler oder Verständigungsschwierigkeiten im Miteinander (egal, ob mit Mensch oder Tier) nicht auf andere zu schieben, sondern bei sich selbst zu suchen. Leider haben die meisten Reiter (oder die meisten Menschen überhaupt) große Probleme damit, denn es ist nun mal viel einfacher zu sagen: „DU bist schuld“, statt: „Was kann ICH anders machen?“

Mich hat vor einiger Zeit ein Satz von Michael Geitner sehr beeinflusst, der ungefähr lautet: Das Pferd macht aus seiner Sicht alles richtig, und zwar immer! Seit ich mir dies vor Augen halte, wenn etwas – aus meiner Sicht! – nicht klappt, fällt es mir leicht, geduldig mit meiner Stute zu sein und ihr das, was ich wollte, nochmal und vielleicht anders zu erklären.

Liebe Grüße, Iris

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Hallo Iris,

wow, der Satz von Herrn Geitner ist wirklich gut. Wenn man sich das einmal richtig klar macht, dürfte das Einiges im Miteinander verändern. Danke für diesen tollen Denkanstoß!

Tania von „Wege zum Pferd“

 

Von Claudia • 23. April 2010

Seit einiger Zeit versuche ich mit Tieren (zurzeit Katze und Pferd) immer nach dem Motto „Sei erwartungslos“ zu arbeiten. Klingt komisch, ich weiß, aber irgendwie bin ich so viel geduldiger, freue mich total über jeden achso kleinen Schritt und lobe deswegen auch viel mehr, die Tiere machen besser mit. Wenn ich stattdessen Erwartungen habe (z.B. dass ein spezieller Trick jetzt klappt) bin ich da viel verbissener und komischerweise machen meine Tierischen Partner da oft nicht mit.
Ich versuche mich an dieses Motto zu halten und auch wenn es mir oft nicht gelingt werde ich weiter daran arbeiten 🙂

lg, Claudia

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Ach schön, das ist genau das, was ich auch immer wieder erfahre: erwarte wenig und Du bekommst ganz viel!
Tania

 

Von Anke • 24. Januar 2012

Mir sitzt immer die Sorge im Nacken, wenn ich das heute nicht hinkriege, wird es immer schwerer werden. Deshalb fällt es mir schwer,Fehler, Widersetzlichkeiten, unerklärlich Sturheit einfach zu zulassen, ohne mit Druck zu reagieren und mich hinterher darüber zu ärgern. Ich suche nach Wegen, Erklärungen und lande manchmal doch ratlos bei dem althergebrachtem: setz dich durch! Es ist nicht einfach, ich lese und lerne hier auf Eurer Seite viel und manchmal weiß ich doch nicht weiter….

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Hallo Anke,

das geht uns allen immer wieder so! Wir lernen doch alle. Solange wir bereit sind, unser Verhalten immer wieder zu hinterfragen, ist schon viel gewonnen.

Herzlich,
Tania

 

 

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