Babettes Praxis-Blog

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Der Kappzaum – Teil 3: Die Gewöhnung an den Kappzaum

Ich habe im ersten Teil der Serie Ihnen die Art von Kappzaum vorgestellt, die ich für das Longieren nutze (siehe auch Longenkurs). Für mich bietet diese Art des Kappzaums das, was ich für meine Arbeit will: eine zuverlässige und präzise, dabei aber schmerzfreie Einwirkung, mit der ich eine Genickstellung erreichen kann.

Für viele Pferde ist der schwere, fest angezogene Kappzaum zunächst ungewohnt. Deswegen ist es wichtig, sich ausreichend Zeit zu nehmen, das Pferd langsam an den Kappzaum zu gewöhnen.

Fangen Sie bitte nicht gleich damit an, den Kappzaum festzuzurren und sofort damit zu arbeiten. Verschnallen Sie ihn zuerst sanft und führen Sie Ihr Pferd ein bisschen oder gehen Sie etwas grasen. Erklären Sie dann ganz in Ruhe die stellenden Hilfen, ohne Krafteinsatz, sondern mit viel Geduld und Lob.

Achten Sie bitte auch auf Ihre eigene Einstellung zum Kappzaum – wenn Sie selbst darin ein „Marterinstrument“ sehen, wird Ihr Pferd die Abneigung unter Umständen spüren und sich fragen, ob da etwas nicht ok ist.

Futterlob mit dem Kappzaum

Wenn der Kappzaum ganz fest angezogen ist, kann das Pferd größere Futterbrocken (z.B. ein Stück Möhre) unter Umständen nicht mehr gut kauen. Wenn Sie also ein größeren Futterbrocken geben möchten, machen Sie den Kappzaum wieder etwas weiter auf.

Ansonsten gebe ich, wenn ich meine Pferde mit Futter belohnen möchte ein paar Haferkörner. Die kann das Pferd auch mit fest angezogenem Kappzaum lutschen.

Kauen und Lecken während der Arbeit

Und bitte keine Sorge: Ein Pferd kann auch mit angezogenen Nasenriemen währen der Arbeit kauen und lecken!

Sicherlich sind die Möglichkeiten des Kiefers eingeschränkt, aber genügend Spielraum ist dank der weichen, nachgiebigen Innenpolsterung trotzdem noch vorhanden. Meine Pferde zeigen beim Longieren häufig auch einen feinen Schaumlippenstift – das Maul ist also aktiv.

Wenn sich das Pferd gegen den Kappzaum wehrt

Im Normalfall gewöhnen sich die Pferde sehr schnell an den Kappzaum, wenn man sich die Zeit nimmt, ihnen diesen Ausrüstungsgegenstand zu erklären. Ich erlebe nur ganz selten, dass sich ein Pferd gegen den Kappzaum wehrt (zumindest bei dieser Kappzaumvariante). Wenn aber ein Pferd deutliche Abneigung gegen den Kappzaum zeigt (sich den Kappzaum nicht aufziehen lassen will, den Kopf schüttelt, oder sich mit Kappzaum deutlich widersetzlich zeigt), sollten Sie unbedingt folgende Punkte abklären:

- Sind die Zähne in Ordnung?
- Hat das Pferd ein Problem mit den Nebenhöhlen?
- Zeigt das Pferd Schmerzen dort, wo die Gesichtsnerven austreten?

In den meisten Fällen findet sich eine Ursache für die Abneigung gegen den Kappzaum. Stellen Sie diese Ursache ab und geben Sie dem Pferd die Zeit, die es braucht zu erfahren, dass der Kappzaum nicht weh tut oder „böse“ ist. Es lohnt sich, denn mit einem solchen Kappzaum haben Sie ein exzellentes Werkzeug für eine korrekte Longenarbeit.

1. Juni 2010 von Babette Teschen • Kategorie: Longieren 7 Kommentare »

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7 Reaktionen zu “Der Kappzaum – Teil 3: Die Gewöhnung an den Kappzaum”

 

Von Falko • 1. Juni 2010

Hallo Babette. Bin erstaunt…..denn genau so lief es bei meinem ab: erst einmal habe ich den Kappzaum leicht verschnallt und ihn damit geführt. Dann, nachdem er sich dran gewöhnt hat, wurde er fest verschnallt. Die Trainerin wollte ihm einen getrockneten Brotkanten geben……welchen er aber nur raspelte. Also Kappzaum runter….und schon konnte er ihn fressen :-) Meiner machte zum Glück keinerlei Anstalten, dass er den Kappzaum nicht mag oder ähnliches und er macht auch super mit. Danke für Deine tollen und präziesen Blogs. LG Andrea
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Sehr gerne :-)
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Christine • 3. Juni 2010

Guten Tag Babette

Ich bin erst seit neuem auf deine Homepage geraten, weil eine Bekannte mir dazu riet. Ich bin begeistert! Habe einige Übungen bereits versucht, jedoch vorrerst mit halfter und möchte nun auch auf den Kappzaum umsteigen. Nun möchte ich mit meiner jungen Stute weiterarbeiten als nur die einfachen Übungen welche sie inzwischen aus dem Effeff kennt (BA wie weichen, rückwärtsrichten, sich überall anfassen lassen, Putzen und Hufeauskratzen -> leichte Longenarbeit mit dem Halfter kennt sie auch bereits).

Jedoch ist es bei ihr so, dass sie vor einem halben Jahr in einen Pfosten rannte und sich genau das Jochbein einschlug und dort opertiert werden musste und dort kein Knochen mehr drunter hat. Kann oder darf ich trotzdem den Kappzaum ausprobieren? Soll ich es einfach mit der eingewöhung wie oben beschrieben ausprobieren wie sie reagiert? Sie arbeitet total gerne.

Danke übrigens für Deine Zeit, welche du in diese Blogs investierst. Die sind soo spannend und wirklich so einfach genial zu verstehen. Meine Pferde haben plötzlich spass an den Übungen vom Boden aus!

Würde mich sehr über einen Tipp oder Meinung von dir freuen.

Grüessli Christine
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Liebe Christine,
hui, das ist schwierig für mich zu beantworten… Bitte frag´ das bei Deinem Tierarzt nach, ok?
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Irmgard Zeuner • 7. Juni 2010

Hallo, eine Frage!Der Kappzaum soll fest verschnallt sein. Der untere Riemen, Nasenriemen, hat festen Kontakt
auf der Mitte und auf der Unterseite. Seitlich ist Luft.
Ich denke, daß das richtig ist. Bitte Ihre Meinung.
Liebe Grüße
Irmgard
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Hallo Irmgard,
der Nasenriemen soll möglichst gleichmässig um die Nase anliegen, so dass es eben keine “Luftlöcher” auf der Nase, oder neben der Nase gibt. Du kannst mir gerne Fotos schicken und ich schaue mir dann an, wie Dein Kappzaum bei Deinem Pferd sitzt.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Silke Tarrach • 10. Juni 2010

Hallo Babette,
ich lese mit Begeisterung deine Praxis-Blogs, wie auch jetzt den über den Kappzaum. Ich habe bereits den Longenkurs bei dir bestellt. Besitze auch bereits einen Kappzaum, allerdings aus Nylon, der leider nicht fest sitzt und beim Longieren etwas verrutscht. Möchte mir jetzt gerne einen festen Kappzaum zulegen, allerdings bin ich im Moment damit ein bisschen überfordert und weiß überhaupt nicht, wo ich den am besten her bekomme, worauf ich besonders achten muss. Material Leder: klar; gepolsteter Nasenriemen auch, sollte er vom Leder eher weich sein, oder ist das nicht ausschlaggebend… Es gibt so viele verschiedene, die u.a. im Internet angeboten werden, wie auch bei Reitsportgeschäften, vorallem auch preislich. Zudem hat meine Stute einen ziemlich großen/langen Kopf. Kann ich zur Auswahl irgendwas messen? Kannst du mir hier vielleicht einen Tip geben, wie ich am besten an die Sache ran gehen kann? Oder vielleicht auch, wo man gut sitzende Kappzäume bekommt?
Ich freue mich schon auf deinen nächsten Praxis-Blog !!!
Liebe Grüße
Silke
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Hallo Silke,
ich würde mir Kappzäume bei einem Anbietern bestellen, bei denen man die Ware umtauschen kann und ausprobieren. Vom Preis-Leistungsverhältnis sehr gut finde ich die Modelle “Classic” und “Profi” von Loesdau. Probiere die mal. Wenn gar nichts von der Stange geht, kann man den Kopf seines Pferdes ausmessen und sich einen Kappzaum nach Maß anfertigen lassen. Das macht zum Beispiel Natascha Gauert. Du findest sie, wenn Du googelst.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Heidelinde Gold • 23. Juni 2010

Hallo Babette,

danke für Deine newsletter, die sind wirklich sehr interessant und hilfreich.
Ich habe jetzt einen Kappzaum vom Lösdau (classiv) geborgt bekommen und könnte diesen kaufen.
Die Metallringe sind sehr schwer beweglich, die stecken etwas, ist das ein Problem für die Longenarbeit?
Ich glaube sonst passt der Kappzaum. Das Metall ist auch sehr wuchtig, das sieht im Internet gar nicht so aus.

Ganz liebe Grüße aus Österreich

Heidi Gold
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Liebe Heidi,
mich stören die schwergängigen Metallringe nicht so sehr. Manchmal kann ein Tropfen Öl Abhilfe schaffen :-) ,
liebe Grüße,
Babette

 

Von Manuela Hijnzmann-Bäcker • 4. August 2010

Hallo Babette, ich bin beim Googeln auf diese interessante und ansprechende Seite gestoßen, ich habe in der letzten Zeit sehr viel Interessantes über die Arbeit mit dem Kappzaum gelesen. Ich finde, dass die Arbeit mit dem Pferd und das Lernen mit dem Pferd niemals aufhört. Früher habe ich immer mit Trensen und Ausbindern longiert, nöchte es aber mit auch gerne einmal mit dem Kappzaum probieren. Welche Erfahrungnen mit dem Kappzaum gibt es bei älteren Pferden? Die Gewöhnung kann ich mir gut so vorstellen, wie ihr es beschrieben habt. Die Pferde werden regelmäßig leicht gearbeitet, ich bemühe mich aber immer auch gemessen an unseren körperlichen Möglichkeiten Neues als Anregung auch für die Pferde zu erarbeitn. Meine Stute ist 18, mein Wallach ist 25 , auch er wird jeden Tag geritten, cirka alle 10 Tage traditionell, aber vorsichtig longiert. Für ihn könnte ich mir den Kappzaum gut für Bodenarbeit und Arbeit am langen Zügel vorstellen. Mit liebem Gruß Manuela
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Liebe Manuela,
um auf die Arbeit mit Kappzaum umzustellen, ist ein Pferd nie zu alt ;-) . Erfahrungen mit alten Pferden gibt es reichlich und sind sehr positiv, also probiere es ruhig aus :-) , liebe Grüße,
Babette

 

Von Manuela Hinzmann-Bäcker • 5. August 2010

Liebe Babette, auf dieser Seite und in dem Bericht aus der Zeitschrift “Cavallo” bekomme ich ja schon viele Tipps und Anregungen. Demnächst kann ich ja dann von meinen Erfahrungen berichten. Liebe Grüße Manuela
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:-) :-) :-)
Liebe Grüße,
Babette

 

 

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Babette Teschen

  • Veröffentlichung Der Longenkurs
  • Ausgebildete Tierheilpraktikerin
  • Seminare nach Linda Tellington-Jones
  • Von 1998 bis 2000 Reitlehrerin in der Schule Marienau
  • Seit 1996 selbständig mit dem Pferdehof Teschen -
    Zentrum für ganzheitliche Betreuung

  • Seit 1998 Spezialisierung auf Alternative Reitweise nach Sally Swift und M. Feldenkrais
  • Schülerin von Horst Becker, Lehrer der klassischen Dressur
  • Seit Anfang 2003 Angebot eigener Seminare