Grundwissen über Anatomie und Biomechanik – Teil 4: Der Hals des Pferdes
Wir widmen uns nun der Vorhand des Pferdes und hier zunächst der Halsmuskulatur.
Dazu benötigen Sie Grundlagenwissen über
- über das Nackenband,
- über die Halsmuskulatur,
- über die Wichtigkeit der Schulterfreiheit und
- Sie müssen eine „gute“ Kopf-Halshaltung von einer „schlechten“ unterscheiden können.
Das Nackenband
Das Nackenband ist ein starkes, sehniges Band, das am Schädel des Pferdes beginnt, am Hals die Grundlage des Mähnenkammes bildet und über den Widerrist und über den Rücken bis zum Kreuzbein verläuft. Dieses Sehnenband ist über seine gesamte Länge mit der Wirbelsäule des Pferdes verbunden.
Wenn ein Pferd seinen Hals aus dem Widerrist heraus locker fallen lässt zieht das Nackenband den Rücken des Pferdes hoch.
Aus diesem Grunde ist die gesamte Pferdewelt darauf aus, dass die Pferde die Nase runternehmen. Und genau deshalb gibt es eine riesengroße Vielfalt an Hilfszügeln, Spezialgebissen usw., die alle eines zum Ziel haben: dass das Pferd den Kopf runter nimmt. Allerdings gibt es kleine, aber sehr wesentliche Unterschiede, was eine tiefe Nase angeht und hier sehe ich die größten Wissenslücken und die meisten Fehlerquellen. “Rübe runter” reicht nicht aus, ganz im Gegenteil.
Die Halsmuskulatur
Grob unterscheiden wir die Ober- und die Unterhalsmuskulatur.
Die Oberhalsmuskulatur ist die Kopfhebemuskulatur. Ist sie gut ausgeprägt, sieht man am Pferd einen schönen ausgeprägten, konvex geschwungenen Hals:

Hier auch noch mal beim Reiten zu sehen:

Neben und unter der Halswirbelsäule befindet sich die Unterhalsmuskulatur. Sie ist dafür zuständig den Kopf runterzuziehen, ermöglicht es dem Pferd, die Nase an die Brust zu nehmen und ist für die seitliche Halsbiegung zuständig.
Hier kommt der wichtige Kopf-Arm-Muskel ins Spiel. Bei einem gut trainierten Pferd bildet sich dieser Muskel mehr und mehr zurück. Läuft das Pferd schlecht, entwickelt sich diese Muskulatur stärker. Auf diesem Bild können sie den Kopf-Arm-Muskel gut sehen:

Und hier sieht man deutlich, wie durch die Gegenwehr gegen eine zu harte Handeinwirkung beim Reiten die Unterhalsmuskulatur hervortritt:

Und bei diesem extremen Beispiel fehlen Oberhals- und Rückenmuskulatur völlig:

Der Einfluss der Halsmuskulatur auf die Schulterfreiheit des Pferdes
Der Kopf-Armmuskel setzt am Genick des Pferdes an, geht am Unterhals rechts und links neben der Halswirbelsäule entlang und endet am Oberarm des Pferdes. Wenn das Pferd den Kopf-Armmuskel gedehnt hat weil das Pferd den Kopf nach oben rausträgt,

aber auch wenn das Pferd die Nase Richtung Brust trägt (bzw. tragen muss),

ist der Oberarm und somit die Schulter des Pferdes in seiner freien Beweglichkeit eingeschränkt.
Wenn das Pferd mit der Nase hinter der Senkrechten läuft, wird der Unterhalsmuskel des Pferdes trainiert (sehr deutlich zu sehen bei Pferden, die viel mit Schlaufzügeln gearbeitet werden)!

Pferde, die hinter der Senkrechten gehen, können keine Schulterfreiheit entwickeln. Durch die Einschränkung der Bewegung der Schulter ist auch der lange Rückenmuskel in seiner freien Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt. Und wenn der Rückenmuskel nicht frei arbeiten kann, ist auch die Hinterhand nicht in der Lage, optimal unterzutreten (s. dazu Teil 2 dieser Seite Die Bedeutung der Hinterhand). Andersrum ist die Entspannung des Rückenmuskels eine Grundvorrausetzung für eine freie Schulterbeweglichkeit.
Über die verschiedenen Halshaltungen berichte ich im nächsten Blogbeitrag.Vergleichen Sie fürs erste doch einfach einmal die Hälse der Pferde in Ihrer Umgebung, sicher fällt Ihnen nach dem Lesen dieses Beitrags schon einiges mehr auf.
14. Oktober 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Anatomie und Körper • 4 Kommentare »

