Babettes Praxis-Blog

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Grundwissen über Anatomie und Biomechanik – Teil 4: Der Hals des Pferdes

Wir widmen uns nun der Vorhand des Pferdes und hier zunächst der Halsmuskulatur.

Dazu benötigen Sie Grundlagenwissen über

  • über das Nackenband,
  • über die Halsmuskulatur,
  • über die Wichtigkeit der Schulterfreiheit und
  • Sie müssen eine „gute“ Kopf-Halshaltung von einer „schlechten“ unterscheiden können.

Das Nackenband

Das Nackenband ist ein starkes, sehniges Band, das am Schädel des Pferdes beginnt, am Hals die Grundlage des Mähnenkammes bildet und über den Widerrist und über den Rücken bis zum Kreuzbein verläuft. Dieses Sehnenband ist über seine gesamte Länge mit der Wirbelsäule des Pferdes verbunden.

Wenn ein Pferd seinen Hals aus dem Widerrist heraus locker fallen lässt zieht das Nackenband den Rücken des Pferdes hoch.

Aus diesem Grunde ist die gesamte Pferdewelt darauf aus, dass die Pferde die Nase runternehmen. Und genau deshalb gibt es eine riesengroße Vielfalt an Hilfszügeln, Spezialgebissen usw., die alle eines zum Ziel haben: dass das Pferd den Kopf runter nimmt. Allerdings gibt es kleine, aber sehr wesentliche Unterschiede, was eine tiefe Nase angeht und hier sehe ich die größten Wissenslücken und die meisten Fehlerquellen. “Rübe runter” reicht nicht aus, ganz im Gegenteil.

Die Halsmuskulatur

Grob unterscheiden wir die Ober- und die Unterhalsmuskulatur.

Die Oberhalsmuskulatur ist die Kopfhebemuskulatur. Ist sie gut ausgeprägt, sieht man am Pferd einen schönen ausgeprägten, konvex geschwungenen Hals:

halsgut.jpg

Hier auch noch mal beim Reiten zu sehen:

ar_ger6.jpg

Neben und unter der Halswirbelsäule befindet sich die Unterhalsmuskulatur. Sie ist dafür zuständig den Kopf runterzuziehen, ermöglicht es dem Pferd, die Nase an die Brust zu nehmen und ist für die seitliche Halsbiegung zuständig.

Hier kommt der wichtige Kopf-Arm-Muskel ins Spiel. Bei einem gut trainierten Pferd bildet sich dieser Muskel mehr und mehr zurück. Läuft das Pferd schlecht, entwickelt sich diese Muskulatur stärker. Auf diesem Bild können sie den Kopf-Arm-Muskel gut sehen:

unterhals.jpg

Und hier sieht man deutlich, wie durch die Gegenwehr gegen eine zu harte Handeinwirkung beim Reiten die Unterhalsmuskulatur hervortritt:

unterhals4.jpg

Und bei diesem extremen Beispiel fehlen Oberhals- und Rückenmuskulatur völlig:

hals_schlecht.jpg

Der Einfluss der Halsmuskulatur auf die Schulterfreiheit des Pferdes

Der Kopf-Armmuskel setzt am Genick des Pferdes an, geht am Unterhals rechts und links neben der Halswirbelsäule entlang und endet am Oberarm des Pferdes. Wenn das Pferd den Kopf-Armmuskel gedehnt hat weil das Pferd den Kopf nach oben rausträgt,

halsraus.jpg

aber auch wenn das Pferd die Nase Richtung Brust trägt (bzw. tragen muss),

halsbrust.jpg

ist der Oberarm und somit die Schulter des Pferdes in seiner freien Beweglichkeit eingeschränkt.

Wenn das Pferd mit der Nase hinter der Senkrechten läuft, wird der Unterhalsmuskel des Pferdes trainiert (sehr deutlich zu sehen bei Pferden, die viel mit Schlaufzügeln gearbeitet werden)!

hds.jpg

Pferde, die hinter der Senkrechten gehen, können keine Schulterfreiheit entwickeln. Durch die Einschränkung der Bewegung der Schulter ist auch der lange Rückenmuskel in seiner freien Bewegungsmöglichkeit eingeschränkt. Und wenn der Rückenmuskel nicht frei arbeiten kann, ist auch die Hinterhand nicht in der Lage, optimal unterzutreten (s. dazu Teil 2 dieser Seite Die Bedeutung der Hinterhand). Andersrum ist die Entspannung des Rückenmuskels eine Grundvorrausetzung für eine freie Schulterbeweglichkeit.

Über die verschiedenen Halshaltungen berichte ich im nächsten Blogbeitrag.Vergleichen Sie fürs erste doch einfach einmal die Hälse der Pferde in Ihrer Umgebung, sicher fällt Ihnen nach dem Lesen dieses Beitrags schon einiges mehr auf.

14. Oktober 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Anatomie und Körper 4 Kommentare »

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4 Reaktionen zu “Grundwissen über Anatomie und Biomechanik – Teil 4: Der Hals des Pferdes”

 

Von Almut • 14. Oktober 2008

Liebe Babette,
was ich an der Sache mit der Halsmuskulatur irgendwie immer bisschen unfair finde, ist die Tatsache, dass es Pferde gibt, die einfach von Natur aus bessere Grundvoraussetzungen mitbringen als andere. Natürlich kann man das durch gutes oder schlechtes reiten, longieren etc. postitiv oder negativ beeinflussen. Aber z.B. mein Pony – als Fohlen mit deutlichem Unterhals ausgestattet, was wir inzwischen zumindest etwas verbessern (“nach oben verschieben”) konnten – wird wahrscheinlich nie so konvex aussehen wie Aramis :-/
Herzliche Grüsse, Almut

 

Von Tania • 14. Oktober 2008

Hi Almut,

da kann ich Dich ein bissl bruhigen und hoffentlich ermutigen: Aramis hatte, als ich ihn bekam, alles andere als einen solchen Hals. Sein Unterhals war wirklich massiv (ich muss mal schauen, ob ich noch Papierbilder vom Anfang finde, die ich einscannen kann). Gutes Training macht wirklich irre viel aus!

Lieber Gruß,
Tania

 

Von Almut • 14. Oktober 2008

Hallo Tania,
danke für Deinen Kommentar. Ich weiss noch nicht so recht, ob er mich nun ermutigt oder entmutigt – man könnte ja auch sagen, wenn es immer noch kein richtig schöner, konvexer Hals ist, mache ich wohl zuviel falsch… andererseits ist halt bei uns auch ein Problem, dass es lange an einem kontinuierlichen Training fehlte und auch jetzt immer mal wieder Pausen “passieren”, in denen die mühsam aufgebauten Muskeln wieder weniger werden.
schönen Abend :-) Almut
______________________________________________________-
Hallo Almut,
mit Sicherheit spielen verschiedene Faktoren eine Rolle dabei, wie schnell und wie stark ein Pferd aufmuskelt. Gucke Dir mal zwei verscheidene Männer an, die tägl. ins Fitnesscenter rennen und das selbe Trainingsprogramm absolvieren. Der eine sieht nach 12 Wochen aus wie Arnold, während der zweite immer noch ein Hemd ist. Und wenn noch ein dritter Mann mitmacht und der trinkt täglich Eiweißdrinks, hat der im selben Zeitraum noch 3 kg Muskelmasse mehr anzubieten.
Auch spielt Typ und Rasse eine Rolle. Stell Dir einen zierlichen Vollblüter mit Armis Hals vor… der würde ja nach vorne überfallen… ;-)
Also, sieht bitte alles in Relation. Tatsache ist, dass wir durch unser Training das Pferd “schön” und rund modelieren können und wir an der Muskelentwicklung sehen können, ob unser Training in eine gute Richtung geht oder nicht. Viel Erfolg und Spaß beim “Formen” ;-)
liebe Grüße, Babette

 

Von Kerstin • 9. Juni 2009

Das alles klingt logisch und nachvollziehbar. Jetzt habe ich ein altes Pferd. Sie ist 21. Ihre Dornfortsätze drohen damit, Kissing spines zu entwickeln. Ihre Wirbelsäule sieht aus, wie eine in sich verdrehte Telefonschnur und zu allem übel habe ich einen “Wobbler”, allerdings einen dynamischen. Wir lieben uns sehr und ich möchte sie noch ein paar Jahre reiten. Schmerzfrei reiten! Unsere Physiotherapeutin empfahl mir deshalb ihren Kurs – damit würden wohl Pferde in noch schlechterer körperlicher Verfassung wieder richtig gut reitbar.

An der Longe kann ich mit ihr nicht arbeiten: 1. scheint sie keine “Kurvenfunktionen eingebaut” zu haben. und 2. ist sie so laaaaaangsam, so widerwillig zu bewegen – wie kann ich so ein Pferd dazu bekommen, willig mitzumachen?
Die Versuche die Gangarten zu wechseln enden damit, daß ich sie mit der Longierpeitsche verhauen müßte, was ich ablehne. (Es klappt nur, wenn ich von hinten treibe – ich renne also hinter ihr her. Werde ich langsamer, wird sie das auch, bleibe ich stehen, steht sie auch – und grinst frech, glaube ich manchmal.)Habe ich nur das Seil in der Hand, läßt sie mich gleich links liegen.
Ich muß mir ein Basecape aufsetzen, damit die Mimik kontrollfähig bleibt – schaue ich zu “grimmig”, weil die Sonne blendet, macht sie auch nicht mit. Bin ich körpersprachlich auf Arbeit eingestellt, rennt sie weg, droht nach mir.
Allerdings, haben wir die Grinse-Verweigerungsrunde abgebrochen, habe ich ein super folgsames Pferd. Das bereit ist, jedes Kunststückchen mitzumachen, mir ohne Seil überall hin folgt – im typischen Bummel-Gang, aber sie kommt überall hin mit. Solange es nicht auf einer Kreisbahn stattfindet!

Ich möchte mir den Longenkurs gern kaufen, aber befürchte manchmal, wenn ich mit ihr arbeite, daß es nichts bringt. Ich bin ganz schön deprimiert, ehrlich. Wie kriege ich sie dazu, das Programm mit ihr zu üben? lg k.
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Liebe Kerstin,
ich kann Dir natürlich nichts versprechen, aber wir bauen die Longenarbeit Schritt für Schritt auf Bodenarbeit auf. Den meisten Pferden gefällt die Arbeit und sie arbeiten motiviert mit, von daher ist es bestimmt einen Versuch wert!
Im Forum stehen wir Dir für aufkommende Fragen und Probleme immer zur Verfügung.
Und wenn Du merkst, dass Dir und Deinem Pferd die Arbeit nach dem Kurs nicht liegt, kannst Du gerne Deine Bestellung rückgängig machen.
Liebe Grüße,
Babette

 

 

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Babette Teschen

  • Veröffentlichung Der Longenkurs
  • Ausgebildete Tierheilpraktikerin
  • Seminare nach Linda Tellington-Jones
  • Von 1998 bis 2000 Reitlehrerin in der Schule Marienau
  • Seit 1996 selbständig mit dem Pferdehof Teschen -
    Zentrum für ganzheitliche Betreuung

  • Seit 1998 Spezialisierung auf Alternative Reitweise nach Sally Swift und M. Feldenkrais
  • Schülerin von Horst Becker, Lehrer der klassischen Dressur
  • Seit Anfang 2003 Angebot eigener Seminare