Babettes Praxis-Blog
Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.
Clickertraining in der Pferdeausbildung
Das Clickertraining ist eine Ausbildungsmethode, die ursprünglich zur Ausbildung von Delphinen entwickelt wurde. Die Delphine wurden auf einen Pfiff konditioniert, d.h. wenn der Trainer mit der Pfeife pfiff, gab es unmittelbar nach dem Pfiff einen leckeren Fisch für den Delphin. So entstand für das Tier die Verknüpfung: Pfiff = Futter = positive Gefühle.
Sobald der Delphin den Zusammenhang “Pfeifton = es gibt Futter” verstanden hatte, konnte der Trainer mit seinen Tieren mit Hilfe der Pfeife kommunizieren und belohnen. Der Trainer pfiff nun immer, wenn der Delphin genau das Verhalten zeigte, was der Trainer wollte. Er sagte dem Tier mit dem Pfiff: „DAS, was du JETZT IN DIESEM MOMENT gemacht hast, WAR RICHTIG, komm jetzt zu mir, um dir deine Belohnung abzuholen.“
Mittlerweile wird das Clickertraining in vielen Bereichen der Ausbildung von Tieren eingesetzt z. B. beim Training von Rettungshunden, Behindertenbegleithunden und in der Hundeerziehung allgemein, aber auch für das Training von Tieren für Filmarbeiten, im Zoo u.v.m. Häufig wird hier aber keine Pfeife verwendet, sondern ein Knackfrosch, wie er in Spielwarenläden zu kaufen ist. Und von diesem “Clicker” hat das Clickertraining auch seinen Namen.
Futter ist in der Ausbildung von Tieren ein so genannter primärer Verstärker, d.h. es ist eine Form der Belohnung, die das Tier von sich aus möchte (siehe Artikel: Futter aus der Hand). Das Clickertraining beruht also auf dem Prinzip der positiven Verstärkung.
Das konsequente Umsetzen einer Erziehung nach den Regeln der positiven Verstärkung führt dazu, dass das Tier gerne arbeitet und es liebt, die Wünsche seines Trainers zu erfüllen. Falsche oder nicht abverlangte Tätigkeiten des Tieres werden hier nicht korrigiert bzw. bestraft, sondern schlicht und einfach ignoriert. Unerwünschtes Verhalten bringt somit keinen Erfolg und wird aus diesem Grunde vom Tier letztendlich nicht mehr gezeigt.
Auch in der Pferdeausbildung kann mit dem Clickertraining erfolgreich gearbeitet werden. Ich arbeite hier aber mit einer abgewandelten Version: Und zwar verwende ich statt des Knackfrosches ein Lobwort. Es ist wichtig, sich dabei für ein ganz bestimmtes Wort zu entscheiden und dieses auch möglichst immer gleich klingen zu lassen. So kommt es dem eindeutigen Geräusch des Clickers am nächsten.
Ich verwende dazu das Wort „Keks“. Dieses Wort habe ich aus dem Grunde gewählt, weil ich es im normalen Hausgebrauch nicht verwende (im Gegensatz zu z.B. dem Wort „gut“, was ich ja auch zu meinen Schülern sage wenn sie etwas gut machen; ein Pferd, das auf das Wort „gut“ konditioniert ist, würde immer dann, wenn ich den Reitschüler lobe, begeistert seine Hufe in den Boden rammen und seine versprochene Belohnung erwarten
) Außerdem sagt mir das Wort “Keks” praktischerweise auch gleich noch, was ich jetzt auf keinen Fall vergessen darf…
Solange mein Pferd auf den richtigen Weg zur Ausführung einer Lektion ist, gebe ich ihm positives Feedback mittels Stimmführung: „ja“, „gut“ oder „brav“. In dem Moment, wo mein Pferd genau das von mir gewünschte Verhalten zeigt, sage ich mein Lobwort, die Übung ist in diesem Augenblick beendet und es gibt den versprochenen Keks.
Diese Variante ist für das Pferd zwar etwas schwieriger als die Arbeit mit einem immer gleich bleibenden Geräusch wie dem Clicker, aber für mich ist dieses Vorgehen in der Arbeit mit Pferden dennoch praktikabler. Denn, egal ob meine Hände Zügel, eine Beinlonge oder eine Gerte halten, es fehlt mir immer die dritte Hand für den Knackfrosch
Haben Sie schon einmal mit dem Clicker oder mit der Einführung eines Lobwortes gearbeitet? Was waren dabei Ihre Erfahrungen?
6. Mai 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining • 9 Kommentare »
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Von Carola Schlanhof
• 10. Mai 2008
Hi Babette,
beim Reiten und tw. auch so verwende ich – wie die anderen Clickerreiter, die ich kenne, Zungenclick, eine Art Schnalzen. Funktioniert super.
Nur auf Distanz und speziell bei Wind (leider bei uns häufig) ist mir der mechanische Clicker lieber.
Unterschied macht´s m. E. v. a., wenn man in den Bereich des Microshapings kommt, also wirklich punktgenau Miniminiminischritte bzw, -aktionen bestärken will. Da ist ein Lobwort dann einfach zu lange.
Anwenden läßt sich CT nicht nur, damit Pferde aktiv etwas tun. Auch ruhig stehen, auch bei Problemsituationen kann super geclickt werden.
Klein-Kala ist ziemlich unbedarft in der Gruppe auf der Weide aufgewachsen und ist daher naturgemäß entweder erstarrt oder – falls möglich – zurückgewichen, wenn Mensch kam. Ich hatte sie erst einige Tage, und sie war gerade gut auf den Clicker konditioniert, als ich kurzes Berühren übte und clickte, bevor sie wegspringen konnte. Sie atmete tief aus und entspannte sich. Diese Form von passivem Antischeutraining finde ich wesentlich streßfreier als die übliche Methode, Pferd eben solange dauerhaft zu traktieren, bis es merkt, daß es einerseits nicht aus kann, andererseits auch nichts passiert.
Ach ja, aktives Scheutraining ist bei mir, daß >gefährliche< Gegenstände auf Kommando berührt werden, also die Grundübung z. B. Frisbee berühren dann auf fremde Gegenstände übertragen wird. Wobei bei sehr unsicheren Pferden zuerst mal die Nase Richtung Gefahr bestärkt wird und dann langsam weiter in kleinen Schritten vorgearbeitet wird.
Toll ist beim CT eben auch, daß jede Übung in solche Mikroschritte zerlegt werden kann, daß jedes Pferd sie erlernen kann. Ist m. E. eines der Hauptprobleme, wenn Leute beim Training scheitern: zu große Schritte.
Außerdem: man kriegt, was man clickt. Wenn man Mist clickt, kriegt man auch Mist (oder rempelige Pferde, wenn Rempeln bestärkt wird).
Außerdem lassen sich sogar Stimmungen mit dem Click modifizieren, ähnlich wie bei Menschen, die schlechte Laune haben und sich zwingen, zu lächeln. Die schlechte Laune hält dabei nicht lange.
Beim Pferd sind das z. B. Kopf senken (ist anfangs meistens einen Art JoJo und dauert häufig, bis der Kopf solange unten bleibt, daß Pferd entspannt) oder auch Ohren vor.
Eine weitere Möglichkeit, mit unerwünschtem Verhalten umzugehen, ist auch, damit unvereinbares Verhalten zu trainieren bzw. bei Bedarf abzufragen. Deshalb macht es soviel Sinn, zu jeder Übung gewissermaßen eine Gegenübung zu haben.
So, ich hoffe, ich konnte noch einige zusätzliche Ideen für die Anwendung des Clickers geben (es gibt noch unzählige Beispiele mehr).
Viele Grüße
Carola
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Hallo liebe Carola,
danke für Deinen tollen und lehrreichen Kommentar.
Die Pferde in ihrem Sebstbewusstsein zu stärken und sie dazu zu bringen, zu angsteinflössenden Dingen hin zu wollen statt sie ertragen zu lernen, DAS ist für mich der deutlich schönere Weg mit Pferden umzugehen. Das hast Du super ausgedrückt!
Einen Artikel, wie wir unseren Pferden die gesenkte Kopfhaltung nahe bringen und was sie für psychische und physische Auswirkungen hat, erscheint demnächst auf dieser Seite 
Auch eine ganz wichtige Aussage von Dir ist die, dass der Mensch die Schritte innerhalb einer Übung klein halten sollte und jeden kleinsten Schritt positiv verstärken muss. In meinen Unterricht sehe ich oft, wie die besten Ideen und Ansätze des Pferdes nicht bemerkt und somit auch nicht positiv verstärkt werden und das Pferd so nicht zum richtigen Lösungsweg für die Aufgabe findet.
Das sich die Laune des Pferdes verbessern lässt, erreiche ich durch den Einsatz sog. “Lieblingspiele”. Z.B.: Mein Pferd liebt das gemeinsame “Tanzen”. Merke ich, dass mein Pferd mit mir streiten möchte, gehe ich in diese Übung und die dicke Luft ist schnell verzogen 
Ein ganz großes Danke schön und viel Erfolg weiterhin mit Deiner Arbeit wünscht Dir Babette, die schon Muskelkater in der Zunge hat vom vielen Üben des Zungenclicks
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Von Babettes Praxis-Blog » Blog Archiv » So erklären Sie Ihrem Pferd das Gebiss
• 13. Januar 2009
[...] arbeite ich wieder mit dem Clickertraining. Ich stelle mich also vor bzw. neben mein Pferd und gebe ganz sanft die Hilfe. Nun heißt es mal [...]
Von Nina
• 14. August 2009
Eure Seite ist wirklich eine Goldgrube an interessanten Artikeln!
Ich habe grad im Forum den langen Klicker-Tread durchgelesen und war neugierig auf mehr. Mich freut, dass offenbar die Code-Wort-Variante auch gut funktioniert – ich stellte mir das mit diesem Klicker nämlich immer etwas umständlich und gekünstelt vor, vor allem beim Reiten. Auf die Idee, ein Wort zu verwenden, das ich sonst nicht brauche, wäre ich jetzt gar nicht gekommen. Die Überlegung dahinter finde ich gut nachvollziehbar.
Grüsse und schönes Wochenende
Nina / Firli
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Liebe Nina,
das freut mich!
Die Verwendung eines Clickers ist sicherlich eigentlich die “bessere” Variante des Clickertraining, aber ich arbeite auch lieber mit dem Lobwort,
liebe Grüße und Dir auch ein schönes Wochenende,
Babette
Von Claudia
• 21. Juni 2010
Mit meinem Pflegepferd clickere ich zwar nicht, wir kommen auch so gut zurecht.
Aber ich hab angefangen den Hamster meines Bruders zu clickern weil der so verzogen war. War wahnsinn, wie schnell der aufgehört hat zu beißen und sich vorsichtig streicheln ließ
Als Belohnung gibts Sonnenblumenkerne und der Clicker ist ein Kugelschreiber xD
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Wow, einen geclickerten Hamster hab ich auch noch nicht erlebt… Genial!!!
Liebe Grüße,
Babette
Von Nicole
• 14. Juli 2010
Hallo Babette,
das Lobwort “Keks” ist echt eine super Idee. Ich hab vor einiger Zeit auch mal mit dem “klassischen” Clicktraining angefangen, hab aber aus den Gründen wieder damit aufgehört die du oben beschreibst, entweder es fehlt die dritte Hand, oder ich hatte ihn im täglichen Umgang auch oft nicht dabei, wenn ich nur kurz beim Pferd war. War mir einfach zu umständlich, aber auf ein Lobwort statt Clicker bin ich nicht gekommen… aber ich werd es künftig wieder anfangen, denn eigentlich fand ich das Clickertraining klasse…
Liebe Grüße
Nicole
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Dann viel Spaß beim Neuanfang mit “Keks”
,
liebe Grüße,
Babette
Von Charlotte
• 31. Dezember 2010
Hey Babette,
ich finde Clickern einfach super und wenn ich ein eigenes Pferd hätte, würde ich auf alle Fälle mit dieser Methode arbeiten. Eine Sache habe ich aber noch nicht ganz verstanden: Das Signal/das Clickern bedeutet für das Pferd: Jetzt darf ich mir eine Belohnung abholen, dann das, was ich eben gemacht habe, war richtig. Wie verhindert man denn in längeren Übungen, dass das Pferd diese sofort abbricht, um sich eine Belohnung zu holen?
Kann man dann einfach noch Beenden der Übung Clickern?
LG;
Charlotte
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Liebe Charlotte,
dazu nutzt Du das sog. Verlaufslob. Das ist ein Stimmlob, z.B. sagst Du “Brav”. Auf ein Verlaufslob folgt kein Lob in Form einer Leckerligabe oder einer Pause. Das Pferd soll verstehen: Verlaufslob heisst, ich mache es gut, soll aber weiter arbeiten. Erst auf DAS Lobwort bzw. Klick mit dem Clicker darf das Pferd die Übung beenden. Du lobst also während der Übung mit dem Verlaufslob und in dem Moment wo es richtig gut ist und Du das clickern möchtest, clickerst Du und das Pferd darf die Übung beenden.
Liebe Grüße,
Babette
Von britta
• 25. Januar 2011
Liebe Babette,
ich habe ein anderes Problem beim Üben, denn meinem Pferd darf ich mit der Gerte nicht nahekommen. Er muß früher Schlimmes damit erlebt haben. Beim reiten kein Problem, nur wenn ich etwas üben möchte, z.B. das Tanzen wie kann ich das machen. Oder wie kann ich oder sollte ich überhaupt versuchen meinem Pferd die Gerte wieder als Positives Etwas nahezubringen. Ich möchte sie nicht als Strafe einsetzen, aber zum Aufmerksammachen manchmal nützlich.Ich denke Schritt für Schritt wäre das vielleicht machbar.
Liebe Grüße
Britta
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Liebe Britta,
in unserem Anti-Angst-Kurs habe ich ausführlich geschrieben, wie ich Pferden die Angst vor der Gerte nehme. Kurz gefasst gehe ich das so an, dass ich die Gerte zu einem Target umfunktioniere.
Liebe Grüße,
Babette
Von Anne
• 27. Dezember 2011
Ich habe mit Hilfe eines Clickers meiner Stute schon viel beigebracht. Zirkuslektionen, Bodenarbeitslektionen… Sie hatte den Clicker schnell verstanden und die Arbeit funktioniert gut. Liebe Grüße.
Von Anna
• 9. Januar 2012
Hallo, ich war ein paar Tage bei Nathalie Penquitt und habe die Einführung in das Clickertraining gelernt. Funktioniert auch alles gut mit dem Pferd, er hebt Hütchen und so weiter. Jetzt möchte ich das ganze etwas vertiefen bzw. selbst noch kreativer werden. Könnt Ihr/Du mir gute Lernlektüre dazu empfehlen? Nathalie selbst hat leider noch kein Buch darüber geschrieben
Das Problem was ich momentan habe…ich habe zuviel alltägliche einfache Übungen zur Motivation geklickt. Jetzt weiss ich nicht ob ich ´´sitzende´´ Übungen einfach so aufhören kann zu clickern. Denn ein einfaches rückwärts richten sollte ja nicht mehr geklickert werden sollen?! Wenn ich aber jetzt nicht mehr clicker , könnte er (Pferd) denken, er hätte etwas falsch gemacht…was mach ich nun? bin unsicher.. Danke im voraus
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