Wie viel und was soll man mit Fohlen machen?

Auf meinen Blogbeitrag “Gedanken zum Thema: Einsatz von “scharfen” Ausbildungsgegenständen” bekam ich viele Reaktionen, für die ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte. In einem von diesen Kommentaren fragte Susanne Folgendes:

Was mache ich z.B., wenn mein drei Monate altes Fohlen, das gerade lernen soll, auch mal von Mama weg aus dem Paddock geführt zu werden (dabei aber noch in ihrer Sichtweite) ohne erkennbare Anzeichen von Angst oder Unsicherheit, sondern dem Anschein nach eher ungehalten und ärgerlich, einfach nach ein paar Minuten anfängt an der Hand zu steigen? Wie soll ich dem entgegen wirken? Meine Stallbesitzerin – seit vielen Jahren Züchterin – rät mir dazu, sie bei Gelegenheit umzuschmeißen – wie wirke ich dieser womöglich beginnenden Unart entgegen ohne Zwang auszuüben?

Wichtige grundsätzliche Fragen

Diese Frage wirft für mich verschiedene Aspekte auf, über die ich mir als Besitzer eines Fohlens Gedanken machen muss:

  • Ist es sinnvoll und richtig, ein drei Monate altes Fohlen von der Mutter wegführen zu wollen?
  • Wie viel sollte man generell mit Fohlen tun?
  • Was sollen/müssen Fohlen in ihren ersten Lebensmonaten lernen?
  • Welche Maßnahmen sind dafür geeignet?

An dieser Stelle eine Anleitung über den Umgang mit Fohlen zu schreiben, würde den Rahmen sprengen, aber einige Gedanken und eigene Erfahrungen möchte ich in diesem und in folgenden Blogbeiträgen niederschreiben und auch Susanne eine Antwort auf ihre Frage geben.

Meine kleine Friesenzucht

Ich hatte zu Beginn meiner Zeit auf meinem Hof in kleinem Rahmen Friesen gezüchtet. Ich habe also selbst einige Fohlen gezogen und sie die erste Zeit ihres Lebens begleitet. So musste ich mich zwangsläufig mit den obigen Fragen auseinandersetzen.

Mein Idealbild eines Fohlenlebens

Mein Idealbild einer Pferdekindheit sieht so aus, dass ein Fohlen bis mindestens zum dritten Lebensjahr auf endlos großen Weiden inmitten einer ausgewogenen Herde in Gesellschaft mit anderen Fohlen seine Kindheit genießen darf, ohne dass der Mensch in diese Idylle eingreift und ohne dass das Fohlen negative Erfahrungen mit uns Zweibeiner machen muss. Soweit zum Idealbild …

Die Realität sieht aber, zumindest hierzulande, anders aus. In der Realität gibt es Fohlenschauen, Termine beim Tierarzt und Hufschmied und viele andere Gelegenheiten und Gründe, bei denen das Fohlen auf uns Menschen trifft, und es sich nicht vermeiden lässt, dass das Fohlen von Menschen angefasst wird und seine Erfahrungen mit uns macht.

Auch ich habe meine Fohlen auf Zuchtschauen vorgestellt und sie regelmäßig vom Tierarzt und Hufschmied behandeln lassen. So war es mir wichtig, dass ich meinen Babys schon ein paar Dinge beibrachte, u.a. sich am Halfter führen zu lassen, die Hufe zu geben und dass sie mit dem Menschen soweit vertraut sind, dass ich keine Zwangsmaßnahmen anwenden musste, wenn z.B. der Tierarzt für eine Impfung kam.

Ich vertrete die Meinung, dass wenn sich der Kontakt zu uns Menschen schon nicht vermeiden lässt und wir das Fohlen für bestimmte Dinge händeln müssen, dann sollen diese Erfahrungen zumindest nicht traumatisch, am besten sogar so positiv wie möglich sein.

Eine Gratwanderung

Ich habe schon beide Extreme erlebt: Die einen bereiten ein Jungpferd auf nichts vor, lassen es komplett in Ruhe und wenn dann ein Termin wie z.B. der Besuch beim Hufschmied oder das Brennen ansteht, ist das Fohlen extrem gestresst, überfordert und die Termine werden für das Pferd zum negativen Erlebnis. Meistens muss dann zu Zwangsmaßnahmen gegriffen werden und wenn man ein sensibles Seelchen erwischt hat, kann das Trauma nach so einem Termin tief verankert sein. Die anderen machen viel zu viel mit ihrem Jungtier, verhätscheln es und verderben dem Pferd die Jugendzeit, indem sie mit ihrem Jährling schon Natural Horsemanship Training machen, es longieren, freispringen lassen oder ein Fohlen von sechs Monaten schon ohne die Mutter alleine auf Spaziergänge mitnehmen.

Für  mich gilt es hier den goldenen Mittelweg zu finden.

So wenig wie möglich – so viel wie nötig

Ich habe es mit meinen Fohlen so gehandhabt, dass ich sie schon in den ersten Lebenstagen an meine Gegenwart und auch an Berührungen von mir gewöhnt habe. Ich habe mich in den Auslauf zu Mutter und Kind gesetzt und da Fohlen von Natur aus neugierige Wesen sind, haben sie recht bald meine Nähe akzeptiert und sich von mir anfassen und streicheln lassen. So habe ich ein paar Tage immer mal wieder etwas Zeit mit ihnen verbracht, nur damit sie mich kennen lernen. Die Kleinen hatten sehr bald ihre Scheu verloren und akzeptierten mich als Popo- und Halskratzer. Ich habe sie ebenso relativ früh an ein Halfter gewöhnt und mit ihnen das Führen an der Seite ihrer Mutter geübt. Auch gewöhnte ich sie an das Abstreichen der Beine und das Anheben der Hufe.

Meine Übungszeiten waren immer nur kurz, also wirklich nur wenige Minuten. Ich verzichtete dabei, so weit es möglich war, auf Anwendung von Druck, Zwang und Strafe, achtete aber gleichzeitig sehr darauf, dass die Fohlen von Anfang an verstanden, dass ich kein Spielkumpel bin, den man ansteigen und anfressen darf.  Wurden die kleinen Racker zu wild, gab es ein streng gesprochenes “Nein” und ein “Time out”.

Das Fohlen ABC

Mein persönliches Fohlen ABC bestand aus diesen Punkten:

  • Gewöhnung an ein Halfter
  • Führen neben der Mutter
  • sich überall anfassen zu lassen
  • Hufe zu geben

Mehr ist in meinen Augen, zumindest im ersten Jahr, nicht nötig. Allerdings finde ich es nicht verkehrt, wenn die Kleinen freilaufend neben der Mutter schon einiges anschauen und erleben können. Sei es das Aufbrennen eines Hufeisens, das Rein und Raus aus einem Pferdeanhänger oder auch kurze Ausflüge ins Gelände.

Vermeidung von Überforderung

Meine Kleinen lernten das oben stehende Programm allesamt recht schnell und stressfrei. Ich achtete bei allem, was ich geübt habe, darauf nichts zu verlangen, was die Fohlen in Abwehr und Stress und damit in Widersetzlichkeit bringen würde. So wurde alles immer im engen Kontakt zur Mutter geübt. Wenn ich also Führtraining gemacht habe, dann hinter der Mutter oder neben ihr her, aber nicht von dieser weg.

Wenn das Fohlen steigt

Ja, auch meine Fohlen hatten ab und an die Idee, eigene Wege gehen zu wollen und versuchten, sich schon mal mittels Steigen zu befreien. Ich habe dann darauf geachtet, dass ich seitlich am Fohlen blieb und nicht getreten wurde. Dabei blieb ich freundlich und wartete, dass mein Fohlen sich wieder beruhigt, was auch immer schnell der Fall war. Darauf wurden sie sehr gelobt und gekrault. Bei keinem meiner Fohlen hat sich ein Problem daraus entwickelt. Keines lernte dabei, dass Steigen eine lohnende Angelegenheit sei und schnell war das Thema Steigen gegessen.

Ein absolutes No Go!

Niemals wäre ich auf die Idee gekommen, ein steigendes Fohlen umzuschmeißen könnte eine gute Idee sein! Diesen Ratschlag finde ich wirklich sehr schlimm! Bitte, machen Sie das auf gar keinen Fall! Dieser “Ratschlag” ist in meinen Augen an Verantwortungslosigkeit und Grobheit kaum zu übertreffen. Soll so die Basis für eine vertrauensvolle gemeinsame Zukunft in der Parnerschaft Mensch und Tier gelegt werden?

Ich finde das einfach nur traurig und bin entsetzt darüber, das solche Ratschläge von Pferdemenschen gegeben werden.

Glauben Sie mir: Es geht auch anders!

Aus meiner eigenen Erfahrung heraus würde meine Antwort auf Susannes Frage lauten:

Übe das Führen die nächste Zeit noch nicht von der Mutter weg. Warte damit noch einige Wochen und gehe dann so kleinschrittig vor, dass Dein Fohlen nicht so großen Stress bekommt, dass es widersetzlich wird. Gehe erst mal nur drei Schritte und drehe dann gleich wieder um, so dass Dein Fohlen die Erfahrung macht, dass es gleich wieder zurück zu Mutti geht. Wenn Dein Fohlen steigt, pass gut auf, dass Du nicht unter die Hufe gerätst. Ansonsten ignoriere das Verhalten. Bleibe ruhig und lobe jeden richtigen Ansatz des Fohlens, bei dem es lieb bei Dir bleibt. Mache nur kurze Übungseinheiten. Achte darauf, Deine Anforderungen nicht zu hoch zu setzen und das Fohlen nicht zu überfordern. Dein Fohlen wird sich daran gewöhnen und sich mit der Zeit immer mehr trauen, von der Mutter weg zu gehen. Wie lange es dazu braucht, entscheidet ganz alleine das Fohlen. Höre bitte nicht auf Ratschläge, die auf Unterwerfung und Gewalt abzielen, wenn Du Dein Ziel ist, eine Vertrauensbasis mit Deinem Fohlen aufzubauen.

Im nächsten Blog werde ich Ihnen zeigen, wie ich mit meinen Fohlen das Führen geübt habe.

11. Oktober 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 15 Kommentare »

 

15 Reaktionen zu “Wie viel und was soll man mit Fohlen machen?”

 

Von Sarah • 11. Oktober 2011

Liebe Babette,
wieder mal ein Beitrag, in dem du mir aus der Seele schreibst ;-) Ich habe ja wieder ein Jungpferd, Ghali, 1,5 Jahre alt. Ghali war von seiner Züchterin nichts gewohnt, er ließ sich nur mit Hafer einfangen, anfassen ging gar nicht, Hufe geben war eine Zumutung. Die Ankaufsuntersuchung war für alle Beteiligten purer Streß (dabei ist die ja bei Jährlingen echt harmlos, ohne Beugen etc pp), vom ersten Hufschmiedtermin muss ich gar nicht reden…ich kann ihn mittlerweile überall anfassen, die Impfungen vom Tierarzt gingen jetzt auch, aber Hinterhufe machen oder Wurmkur geben ist immer noch nicht wirklich möglich. Das alles hätte viel streßfreier ablaufen können, wäre er gut vorbereitet gewesen. Es ist meiner Ansicht nach nur fair, ein Fohlen auf das vorzubereiten, was das Leben so mit sich bringt – ohne zu viel zu verlangen. Mehr braucht ein eineinhalb jähriger Hengst nicht können.

Liebe Grüße,
sarah

 

Von Beate • 11. Oktober 2011

Ohh, danke Babette, ein guter Artikel auch grade für mich zu richtiger Zeit.

Bisher hab ich ja das Glück, dass meine Kleine ganz komplikationslos ist. Das Beine heben hat sie bereits bei den Züchtern gelernt, ich mache alle zwei Tage die Hufe sauber und schrubbel das Fell einmal mit nem Noppenstriegel durch.
Das ganze frei auf der Wiese bei den anderen. Das geschrubbel mag sie sehr gern. Ich denke, dass ist Spiel und Zuwendung und sie versteht das auch so. Sie geht mit Röschen zusammen am Strick zur Wiese und zurück und darf ( muss nicht, manchmal guckt sie auch schon nur übern Zaun zu.) dabeisein, wenn Röschen auf dem RP am Boden arbeitet.
Ich denke, das wird bald wegfallen, wenn sie sich dran gewöhnt hat, dass ihre neue Freundion auch immer wiederkommt, wenn sie mal die Wiese verlässt.

Ich versuche alles so zu gestalten, dass notwendige Dinge stresfrei gelernt werden. dazu gehören nun mal TA, Schmied, Wurmkur, führen von A nach B je nach Stallerforderniss.

Anbinden gehört für mich z.B. jetzt noch nicht zu dazu.

Ich wusste gar nicht, dass du auch als Züchterin Erfahrung hast.Da kann ich ja dann auch fragen kommen, wenn ich unsicher bin….. ?!

 

Von Nicole • 12. Oktober 2011

Vielen Dank für diesen Artikel, dem ich nur vollstens zustimmen kann.
Genauso wie du es beschreibst machen es z.B. auch meine Stallbetreiber mit ihren Lewitzerfohlen, solange sie von der Mutter gesäugt werden und auch noch etliche Zeit danach. Bisher waren noch alle Fohlen mit 2 Jahren problemlos halfterführig, konnten dem Tierarzt und dem Schmied vorgestellt werden, ließen sich überall anfassen und gingen ohne Schwierigkeiten auf den Hänger.
Da war gar kein großes Üben notwendig, dass haben sie alle so ‘en passant’ gelernt.

 

Von Kadda • 13. Oktober 2011

Dem kann ich nur zustimmen ein 3 Monate altes Fohlen sollte nicht von der Mutter weggeführt werden.
Meine Kleine ist jetzt 6 Monate alt Halfter anziehn gar kein Thema mit der Mama an der seite lernt sie alles wichtige kenne und das Hufe heben üben wir zwischendruch mal und das reicht vollkommen. Sie darf einfach auf großen Weiden aufwachsen mit und mehr braucht sie in den nächten 3-4 Jahren nicht lernen.
Sie geht mir mir zusammen auf dem Hof ein paar schritt von der Mutter weg nach der Hufbeareitug jedoch ohne jede aufregung sie ist und war noch nie ein Mamakind. Ich würde jedoch nie auf die Idee kommen mit ihr allein spaieren zu gehen es geht dabei nur um ca 10m bis 20 m wobei die Mutter immer in Sicht ist.

 

Von Kristin • 13. Oktober 2011

Also.Ich habe mein Fohli (jetz 1,5 Jahre alt) vom Schlachter geholt, als es gute 7 Monate war.
Er wurde schon früh von seiner mutter getrennt.
Ich habe ihn dann erstmal mit zu mir auf den Hof genommen und eine Vertrauensbasis Geschaffen. Er sieht mich sozusagen als “Mutti” an.
Momentan sind wir grade dabei, Bodenarbeit im Sinne von ein paar Spielen zu machen.
Die Restzeit steht er mit Artgenossen auf der Weide.
Ich hole ihn, putzen und anbinden kennt er gut, auch Hufe geben ist kein Problem.Dann ein bissel im Paddock spielen, loben und wieder auf zu seinen Artgenossen.
Ich werde aber langsam anfangen, ihn jetzt etwas stärkeres(nicht in dem Sinne!!!), also ein Labyrinth legen, welches ein paar kleine Wendungen enthält, zu machen.Am ende wird er natürlich gelobt und es gibt ein Leckerlie :)

Er ist aber schon ziemlich weit entwickelt für sein Alter, sagte der Tierarzt.
LG

 

Von Justme • 17. Oktober 2011

Ich kenne auch einige solcher Bsp. und was mich am meisten stört ist der Satz: “Das Pferd MUSS jetzt dies und das und jenes können…” Immer diese Zwänge und die hohen Erwartungen…

 

Von Angela • 17. Oktober 2011

Hallo,
ich stimme dem obigen Beitrag vollumfänglich zu. Auch aus meinem frechen Fohlen ist ein grundanständiges Pferd geworden das nicht steigt oder andere schlimme Dinge tut.

Ich gebe allerdings zu, ich habe etwas zu lange mit dem ersten Halfter anlegen gewartet und der klein Stinkerle war bei meinen ersten Versuchen bereits 2 Wochen alt. Während 2 Wochen üben habe ich es nicht geschafft dem wilden, aber ansonsten zutraulichen Kerl das Halfter anzuziehen, denn ich wollte ihm ja nicht Zwang antun.

Eines Tages aber (ich war schon recht verzweifelt) sah ich ihn auf der Koppel liegen. Ich schlich mich so unverdächtig wie möglich an (Halfter versteckt) und begann ihn am Boden liegend zu kraulen, dann zückte ich unerwartet das Halfter, und schwupps, eeeendlich. Von dem Moment an was das Halfter kein Thema mehr. Das war zwar nicht die feine englische Art, aber immerhin Gewaltfrei.

Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht (auch früher als ich noch auf dem Gestüt arbeitete), dass es oft viel einfacher ist die Mutter vom Fohlen wegzuführen als andersherum. Das Fohlen bleibt dann in seiner vertrauten Umgebung mit seinen Herdenkollegen und gewöhnt sich viel entspannter an die Trennung als solche. Wenn es damit einigermassen klarkommt, kann man es schrittweise auch mal andersherum üben.

Ein Fohlen das steigt umzuschmeissen ist ja wohl das unprofessionellste und unfairste was man machen kann.

LG

 

Von Jenny • 17. Oktober 2011

Ich habe leider auch schon von Metoden gehört bei steigenden Pferden?????
Ein Pony was beim reiten immer gestiegen sit,sollte vom reiten dabei so aus dem Gelichgewicht gebrachtw erden das es umfällt.
Und einer erzählte, das man eine Flasche mit Blut füllen soll,wenn das Pferd beim Reiten steigt soll man die Flasche auf dem Kopf des Pferde zerschlagen.
Das Pferd würde dann denken es wäre sein Blut und würde nicht mehr steigen.
Das schlimme,Leute haben das gemacht .
gut finde ich es das schon viele Pferdeleute ihre Meinung geändert haben.

 

Von Nicole • 24. Oktober 2011

Danke für diesen tollen Beitrag! Ich habe aber dazu eine Frage: Du schreibst davon, dass man ruhig mit Mutter und Fohlen spazieren gehen kann, damit das Fohlen freilaufend andere Dinge kennen lernen kann. Nur läuft unser Fohlen (Shetty, 6 Monate alt) zwar eine Zeit lang der Mutter nach, entschließt sich aber dann nach einigen 100 Metern wieder zurück zum Stall zu laufen…. Was kann ich machen?
Freue mich auf eine Antwort!
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Hallo Nicole,
mit 6 Monaten kannst Du es am Halfter mitlaufen lassen. Ich würde aber nur so kleine Runden gehen, dass Dein Fohlen auch freiwillig bei Euch bleiben würde.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Sara • 20. Dezember 2011

Ich hätte auch noch eine Frage zu diesem Thema: Wie ist das eigentlich mit dem Imprint-Training? Man hört so viel positives wie auch negatives, wenn es meiner persönlichen meinung auch eher in die letztere kategorie fällt. aber ich könnte keine klare aussage dagegen machen. ist es einfach ein extremer stress für das fohlen?
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Hallo Sara,
ich halte da gar nichts von! Die Zeit nach der Geburt gehören in meinen Augen nur der Mutter dem und Fohlen und der Prägung aufeinander. Da muss ich dem frisch geborenen Baby nicht den Finger in den Po stecken :-(
Ich habe auch eine Untersuchung gelesen, wo die Behauptungen der Imprint-Befürworter widerlegt wurden. Leider weiß ich die Quelle nicht mehr.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Sabine • 11. Januar 2012

Ich habe meinem Fohlen nichts gelernt, sondern im ersten Jahr, wo er bei mir stand, einfach spielerisch mal ein Bein abgestrichen und gehoben usw. Das habe ich “so zwischendurch” gemacht, beim Füttern oder Abmisten, ich war einfach “da”. “Geübt” habe ich eigentlich überhaupt nicht. Ich habe mein Fohlen so viel “in Ruhe gelassen” wie möglich.
Trotzdem war der erste Hufpfleger-Besuch überhaupt kein Problem. Und obwohl ich nie mit dem Kleinen ausserhalb von Auslauf oder Koppel war oder “Führen” geübt habe, konnte ich ihn mit einem Jahr, als er zur Fohlenaufzuch gekommen ist, problemlos in den Hänger und dort auf die Weide führen, er ist mir einfach nachgelaufen.
Jetzt steht er im Sommer mit anderen Ponys und 30 Junghengsten auf einer großen Wiese. Bis auf tägliche Kontrollbesuche vom Personal hat er kaum Menschenkontakt, auch ich gehe nicht auf die Weide und schaue nur von außen, wenn ich ihn besuche.
Die Junghengste sind alle prima zu händeln und können problemlos auf der Weide ausgeschnitten werden. Im Herbst sind sie verladen und zum Offenstall am Hof gefahren worden (mit einem großen Transporter), auch das war kein Problem, obwohl mit ihnen noch nie jemand “geübt” hat. Sie haben einfach noch keine schlechten Erfahrungen gemacht und haben Vertrauen.
Viele haben zu mir gesagt: Du hast doch Platz und sogar einen Wallach, der mit deinem Kleinen spielt! Du brauchst ihn doch nicht wegzugeben! Aber ich denke, ein Jungpferd gehört in eine (große) Herde mit anderen Jungpferden und viel Platz und soll dort ohne viel “betüddeln” aufwachsen.
Leider kenne ich überwiegend Fohlen und Jungpferde, die nur mit einem oder zwei anderen Pferde zusammen in einem kleinen Auslauf stehen und mit denen meiner Meinung nach schon viel zu viel gemacht wird.

 

Von Conny • 21. Juni 2013

Hallo,

ich lese gerade etwas verzweifelt diese Beiträge, die nun ja doch schon nicht mehr ganz aktuell sind. Dennoch würde ich mich über eine Antwort freuen.

Wir haben vor Kurzem einen etwa halbjährigen Tinkerhengst übernommen. Ein belgischer Händler hatte seine Mutter mit Fohlen bei Fuss irgendwo aufgetan und die Stute bei nächster Gelegenheit weiterverkauft. Das Fohlen war etwa vier Monate jung, als es abgesetzt wurde – und das mal eben skrupellos in einem Pferdehänger. Der weitere Weg sollte direkt zum Schlachter führen. Der Händler wusste aber noch eine Adresse, wo er das Fohlen für weit mehr als einen Schlachtpreis loswerden konnte. Leider hatte das Fohlen bis dahin bereits eine Menge schlechter Erfahrungen mit dem Menschen gemacht, die seine Meinung bis heute extrem geprägt haben. Er ist sehr defensiv und kalkuliert sehr genau, wann und wo man ihn wie lange berühren darf. Meistens versucht er den Kontakt zu umgehen. Beim Füttern lässt er sich widerwillig streicheln, heute Morgen hat er allerdings gezielt nach mir getreten. Wir suchen mit Hochdruck einen gleichalterigen Weidegefährten um ihn besser sozialisieren zu können. Unser Tierarzt rät dringend davon ab, einen Jährling zu nehmen, da der Kleine großen Nachholbedarf hat. Erschwerend hinzu kommt, dass die Anzahl der Fohlen aus Winter 2012 dieses Jahr extrem gering ausfällt und es mit viel Glück verbunden ist, fündig zu werden. Aber ich habe es dem Kleinen Mann versprochen und er wird innerhalb der nächsten zwei Wochen seinen Partner bekommen!

Nun noch einmal zurück zum Umgang: wie muss ich mich nun verhalten, damit der Kleine offener wird, aber nicht zu unverschämt? Er hat bisher nicht gelernt zu spielen und herumzualbern wie seine gleichalterigen Kollegen. Er hat nur gelernt, sich den Menschen so weit wie möglich vom Hals zu halten und sich im Notfall zu verteidigen. Leider musste er auch bei uns mit Tierarzt (Husten) und Veterinäramt (Registrierung) innerhalb seines kurzen Aufenthaltes bereits schon seine Erfahrungen machen. Ich hoffe, dass wir die Probleme rechtzeitig in den Griff bekommen können.

Ich wäre über jeden guten Tipp sehr dankbar.

Viele Grüße
Conny
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Hallo Conny,
ich würde auch bei Deinem Youngster den Weg des Clickertrainings empfehlen. Zunächst solltest Du hinter einer Absperrung die Höflichkeit formen und das Kommando “Ab” etablieren. Die Anleitung dazu findest Du in unserem Blog beschrieben. Auf der Basis der Futtererziehung, der Höflichkeit und des respektvollen Abstandes zueinander kannst Du dann kleinschrittig an die Fohlenerziehung gehen (Führen, Hufe geben, überall anfassen lassen usw.),
liebe Grüße,
Babette

 

Von Melanie • 8. Dezember 2013

Liebe Babette,
danke für den tollen Beitrag.
Ich bin etwas traurig,weil bei uns alle drängeln das die kleine doch jetzt schon mal alleine bleiben müsste.
Wir haben eine Stute gekauft ohne zu wissen das Sie tragend ist.Ich behalte das Fohlen (Sui jetzt 14 Wochen alt) und meine Freundin behält die Mama.Leider will Sie die beiden auf keine Fohlenweide stellen,weil Sie ja dann nicht mehr mit Ihr arbeiten kann.wir sind also in einem großstall.Tags über sind die beiden auf dem Paddock.Nachts im Stall.Sie ist Halfterführig,läuft am strick und gibt auch die Hufe.OK nicht immer gleich,aber ich bin geduldig.Ich hätte gerne einen tipp von dir,wie kann ich sie von Ihrem Vorhaben abbringen,mit der kleinen zu üben allein im Paddock zu bleiben.
ich bin für jeden Tipp dankbar.
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Liebe Melanie,
am Besten schenkst Du ihr die Bücher von Marlitt Wendt! Frau Wendt beschreibt in ihren Büchern sehr gut warum es grundfalsch ist, Fohlen zu früh zu trennen.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Josefine • 20. Januar 2014

Hallo,
ich erwarte nun völlig überraschend und doch erhofft ein Fohlen von meiner Stute.
Dazu sind mir ein paar Fragen eingefallen und ich hoffe mir wird weitergeholfen :)
Ich bin Freizeitreiterin und gehe gern sehr oft ins Gelände. Kann ich mein Fohlen schon nach 1 Woche mit auf kleine Ausritte nehmen? Und das ohne das es schon halfterführig ist (also freilaufend) oder ist Halfterführigkeit Voraussetzung ? Eine andere Stute bekommt im gleichem Zeitraum ein Fohlen und würde uns auch mit auf kleine Ausritte begleiten.

Ich bin gerne auch mal in einer kleinen Gruppe mit fremden Pferden unterwegs. Ab welchem Alter könnte ich das Fohlen schon mal mit fremden Pferden und natürlich der Mutter auf solche Ritte mitnehmen? Dabei handelt es sich nicht um Wanderritte, sondern jediglich um 2 Stunden. Ich habe auch eine Freundin, die ein “fremdes” Pferd hat und mit mir die Reaktionen von Mutter und Fohlen testen würde, wobei die Mutter das Pferd schon kennt, allerdings ist ja immer eine gewisse Schutzverteidigung zu erwarten. Zu diesem Zeitpunkt müsste das Fohlen aber schon vernünftig am Strick neben der Mutter herlaufen können.

Ich wäre über jeden guten Tipp sehr dankbar, Josefine.
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Liebe Josefine,
sicherlich ist es in der Natur so, dass die Herde gleich wandert und das Fohlen mitläuft. Somit wäre es nicht “unnatürlich”, wenn Du so früh nach der Geburt Ausflüge machst. Aber für mich fühlt sich das trotzdem nicht richtig an. Ich würde erst mal Mutter und Fohlen in Ruhe ihre Beziehung aufbauen lassen und nicht gleich schwierige Situationen provozieren. Auch würde ich kein Pferd einer Woche nach der Geburt reiten. Ich habe selber eine Geburt hinter mir. Alle Bänder sind noch “labrig”, man fühlt sich wie zerschlagen. Evtl. hat Deine Stute innere Verletzungen, die man von aussen gar nicht mitbekommt. Gib ihr doch bitte eine Mutterschutzzeit. Mit fremden Pferden wäre ich vorsichtig! Sie können aggressiv auf Fohlen reagieren und Deine Stute wird enormen Stress haben, wenn ihr Fohlen in die Nähe von fremden Pferden geht. Also insgesamt rate ich zu Vorsicht und Rücksicht auf alle Beteiligten. Lass es langsam angehen!
Liebe Grüße
Babette

 

Von Florian • 22. Januar 2014

Hallo habe seit 3 monaten einen Haflinger Hengst er wird am 2 Februar 1 Jahr alt habe ihn von einem Züchter gekauft er konnte garnichts meine Frage: Immer wenn ich mit ihm ein Stück gehn möchte fängt er an zu Steigen und auszuschalagen was kann ich machen zudem hat er das erst seit einpaar wochen davor ging das super.Er ist zusammen mit einem anderen Fohlen.
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Hallo Florian,
2 Jahre alt, Hengst … Da ist sein Verhalten weder unnatürlich noch unüblich ;-) . Geh konsequent, aber ohne Gewalt anzuwenden!, in die Erziehung. Bring ihm Übungen wie das “Kopf tief” bei, Abstand zu halten, Rückwärts zu gehen, Seitwärts zu weichen usw. Achte darauf, ihn nicht zu überfordern. Halte die Übungseinheiten kurz. Wenn an einem Tag mal nichts geht, bring ihn wieder zurück zu seinen Kumpels. Achte auf ausreichend freie Auslaufmöglichkeiten in der Herde mit einer möglichst gemischtaltrigen Herde, also wo auch ältere Wallache/Hengste mitlaufen, die den kleinen Rocker miterziehen.
Liebe Grüße,
Babette

 

 

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