Das ganze Pferd in einem Ohr – Die Ohrmassage nach Linda Tellington-Jones

Vielleicht ist Ihnen folgende Tatsache schon durch die Ohrakupunktur beim Menschen bekannt: Der gesamte Körper und die inneren Organe werden in unserem Ohr widergespiegelt. Durch das Setzen von Nadeln in einem bestimmten Punkt am Ohr wirkt der Reiz reflektorisch auf das Organ bzw. den Bereich des Körpers, der diesem Punkt zugehörig ist. Die Ohrakupunktur spielt beim Menschen eine große Rolle bei der Behandlung von Süchten, Krankheiten, bei der Auflösung von Blockaden und auch zur Behandlung psychischer Probleme.

Auch beim Tier hat die Behandlung der Ohren tiefgehende Wirkungen und dazu muss man nicht einmal eine Nadel nutzen.

Letzte Woche habe ich Ihnen den Tellington Touch Wolken-Leopard gezeigt. Die Körperarbeit nach Linda Tellington-Jones beinhaltet auch eine Ohrmassage, die ich Ihnen heute vorstellen möchte.

Wann die Ohrmassage angezeigt ist

Es muss nicht zwingend einen Grund geben, um das Ohr Ihres Pferdes zu massieren. Es schadet in keinem Fall und kann wunderbar in ein Verwöhnprogramm für Ihr Pferd integriert werden. Eine wirkliche Indikation wo Sie auf jeden Fall die Ohrmassage einsetzen sollten ist, wenn Ihr Pferd eine Kolik oder einen Schock hat.

Wichtig!

Natürlich ersetzt die Ohrmassage niemals die sofortige Behandlung durch einen Tierarzt, den Sie in beiden Fällen sofort rufen müssen. Aber die Zeit bis zum Eintreffen des Arztes können Sie sinnvoll nutzen und die Ohren massieren.

Viele Pferde lassen sich nicht gerne an den Ohren anfassen. Gerade für diese Pferde ist diese Arbeit sehr wertvoll. Wenn Sie vorsichtig vorgehen, wird Ihr Pferd mit großer Wahrscheinlichkeit bald diese Berührungen genießen.

Und so geht es

Nähern Sie sich mittels Anwendung des Wolken-Leoparden der Ohrbasis.

ohr1.jpg

Touchen Sie um die Ohrbasis herum. Behandeln Sie die Ohrmuschel erst von außen, und dann, wenn Ihr Pferd es sich gefallen lässt, auch von innen.

ohr2.jpg

Zwingen Sie Ihrem Pferd die Berührungen nicht auf. Wenn es ausweicht oder Sie abschüttelt, gehen Sie wieder etwas weg vom Ohr und nähern sich langsam wieder an. Wenn Ihr Pferd die Berührungen am Ohr zulässt, beginnen Sie das Ohr von der Basis zur Spitze hin auszustreichen.

ohr3.jpg

Dazu nehmen Sie das Ohr zwischen Daumen und Zeigefinger. Lassen Sie keinen Teil dabei aus. Ein besonders wichtiger Punkt liegt an der Spitze des Ohres. Hier ist der Punkt, der bei einem Schock stimuliert werden soll.

ohr41.jpg

Nehmen Sie das Ohr sanft in die Hand und kreisen Sie das Ohr.

ohr5.jpg

In diesem Film sehen Sie noch einmal genau, wie eine Ohrmassage aussieht. Probieren Sie es doch mal aus!

20. Oktober 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Übungen 9 Kommentare »

 

9 Reaktionen zu “Das ganze Pferd in einem Ohr – Die Ohrmassage nach Linda Tellington-Jones”

 

Von Beate • 20. Oktober 2009

Die Rosi hatte ja wirklich Wellness pur.
Kein Wunder, dass sie nicht wegwollte;-)

Danke für die Erinnerung, Babette. Ich werd das morgen auch mal wieder in aller Ruhe machen.Vielleicht hilft das auch gegen überschiessende Hormone!? ;-)
So langsam kommen bei uns nur mit turnen, touchen , schmusen , putzen und spielen schon 2 Stunden zusammen.
Muss mal wieder Urlaub machen!! :-) )
___________________________________________________________________
Und im nächsten Leben werde ich Pferd bei Dir :-D !!!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Sonja • 20. Oktober 2009

Hach, super, dass ihr davon Videos gedreht habt!

Das ist echt sehr hilfreich, wenn man die Touches auch mal in Bewegung sieht.

Lieben Dank dafür! Ab morgen wird getoucht… :-)
___________________________________________________________
Sehr gerne :-D !
Liebe Grüße und viel Spaß beim touchen!
Babette

 

Von Nina • 21. Oktober 2009

Habe das “Ohrenkraulen” gestern gleich mal ausprobiert – Grüsse von meinem Pony, die das eine super Idee fand :)

Grüsse, Nina
________________________________________________________
Schööön :-D !
Das freut mich!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Jochen • 21. Oktober 2009

Am Pferdeohr, glaube ich, kann man gut das Vertrauen zum Menschen sehen, und ich finde diesen Artikel sehr wichtig für alle, die eine solide Basis schaffen wollen. Ein damals etwa 80-jähriger Nachbar meinte vor Jahren mal zu mir: “Ah, quand ils se laissent toucher les oreilles…” (Ah, wenn sie sich an den Ohren anfassen lassen…)

Meine Variante dürfte kaum grundsätzlich anders wirken als Deine, liebe Babette:

Wenn hier in der Provence das herrscht, was sie in der Camargue “la mangeance” nennen (unübersetzbar, in etwa: “die Stechzeit”, das Jahresdrittel der Plagegeister), ist es mir wichtig, im Abschlußritual der täglichen Pferdepflege die ganzen zerdrückten Insekten samt ihrer lebendigen Artgenossen aus den Hotta-Ohren zu puhlen – Menschen können das besser als Pferde. Und wenn so etwas erst mal zur Gewohnheit geworden ist… – ich sehe auch im Winter nach.

Bei Hautreizungen gibt es dann auch gleich noch Zinkoxydsalbe auf die wunden Stellen (auf Fettbasis, für Babypo – Insekten mögen die nicht so, weil sie klebt), und nach der Innenmassage kommen wir zum “Windmühlen-Ohr” und zu “Mister Spock”: Ich führe das jeweilige Ohr zwischen zwei Fingern mit der flachen Hand am Kopf, an der Basis, langsam im Kreis herum (nur ganz selten mal, weil unkonzentriert, an der Ohrenspitze), und zwar viermal in einer Richtung, dann viermal in der anderen (aber man kann es bestimmt auch drei- oder fünfmal machen…), und massiere anschließend mit beiden Händen gleichzeitig die Ränder der Ohrmuschel in einer Aufwärtsbewegung zwischen Daumen und Zeigefinger – auch viermal. Ich opfere also die “Ruhehand”, die ich sonst fast immer irgendwo am Pferd liegen habe, komme dafür aber zu einer symmetrischen Massage der Ohrmuscheln.

Manolo und ich haben ziemlich lange gebraucht, bis wir soweit waren, denn ich hatte es als letzte Baustelle vor mir hergeschoben, weil mir die anderen wichtiger schienen – wobei ich rückblickend die eigentlichen Prioritäten allerdings eher andersherum sehe… Nur ist es natürlich unmöglich, Vergangenes zum Vergleich etwas modifiziert zu wiederholen.
(Und ich habe keine Beweise, aber die panische Angst um seine Ohren – Hände mit Zaumzeug waren kein Problem – bei einem arg “reparaturbedürftigen” aber sehr lieben Pferd läßt mich doch stark vermuten, daß er eine berüchtigte spanische Erziehungsmethode “genossen” hat: Ohren gewaltsam langziehen und dabei kräftig verdrehen.)
Jedenfalls hält er mir seither nun meistens zutraulich sein zweites Ohr hin, wenn das erste nach dem vierten “Mister Spock” fertig ist (es sei denn, er träumt…) – und Farouche und Thalie genießen diese Behandlung ebenfalls sehr, beide ohne die geringsten Anlaufschwierigkeiten.

Hätte ich heute so ein Trauma anzugehen, würde ich wahrscheinlich neben vorbereitenden Kopfmassagen und Schmuse-Einheiten auch versuchen, das Pferd beim ersten zunächst “zufälligen”, dann “absichtlichen aber flüchtigen” Ohrenkontakt durch Massieren des oberen Gaumens im Mund zu beruhigen (die Stelle, wo wir Menschen zwischen Gaumen und Oberlippe ein Band haben – und zwar mit einem sauberen Finger und immer hinreichend Speichel!). Aber das sind Details.

Die Ohrenmassage ist ein privilegierter Zugang zum Pferd, und wer ihn einmal etabliert hat, wird ihn wohl so schnell nicht mehr missen mögen – oder eben, wie besagter Nachbar es kurz und knapp formulierte: “Ah, quand ils se laissent toucher les oreilles…”

Liebe Grüße aus der Provence, Jochen
_________________________________________________________________ :-) :-) :-)
Danke Jochen!
Liebe Grüße aus dem kalten Deutschland,
Babette

 

Von cicero • 23. Oktober 2009

Gestern gab es u. a. auch Ohren-Massage. Das war so schön, dass ich darüber komplett die Zeit vergessen habe und für ein “bisschen Bodenarbeit” ewig gebraucht habe…
Danke für die immer wieder neuen Ideen!
_______________________________________________
Sehr gerne :-D !!!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Susanne • 26. Oktober 2009

Hallo Babette !

Ich finde die Videos auch immer genial – manchmal fällt der Groschen dann erst! Echt super eure Beiträge – meine Stute liebt den Wochenanfang – bringt er doch fast jede Woche eine neue Idee zum Wohlfühlen !
Habe ich richtig gesehen, dass Du den Touch hier nicht im Uhrzeigersinn sondern andersrum anwendest – und ist das überhaupt wichtig?
Viele Grüße und macht weiter so !
Danke für all die wertvollen und vertrauensfördernden Tipps! Ich warte jeden Montag gespannt auf euren Newsletter!!!
Susanne
________________________________________________________________
Liebe Susanne,
ich mache den Touch so, wie es mir in die Finger rutscht, rein intuitiv. Mal rechts, mal links herum :-) ,
liebe Grüße,
Babette

 

Von Lizzy • 27. Oktober 2009

Hallo Babette,
ich kann die Ohrenmassage bei Kolik wirklich nur empfehlen! Probiert es aus!
Meine alte Stute (29) hatte vor einigen Monaten eine Kolik. Das kam alles sehr plötzlich und war sehr schmerzhaft. Sie wollte sich von einem auf den anderen Moment zu Boden werfen. War natürlich Samstag nachts, dh der Haustierarzt nicht zu erreichen. Weil sie in der letzten ZEit sehr feste Haufen hatte, schmierte ich mir den Arm beherzt mit Melkfett ein und räumte sie aus.
Danach habe ich sie dick in Decken eingepackt, weil sie ganz kalt geworden war (Kreislauf) und massierte ihr die Ohren nach der Druckpunktmethode, die du beschrieben hast (Ohr absstreichen und mehr Druck auf die Ohrenspitze geben).
So konnte ich die Kolik komplett beheben!
Aber ACHTUNG! NATÜRLICH sollte amn immer den Tierarzt hinzuholen. In meinem Fall ist es so, dass ich das Pferd ca 20 Jahre kenne, sie seit 11 Jahren mir gehört, ich sehr intensiv und viel Zeit mit ihr verbringe UND ich sehen konnte, dass sehr sehr schnell eine ganz deutliche Besserung ihres Zustandes eintrat. Da ich allein war wollte ich erst die Notversorgung machen udn dann den Tierarzt rufen, was dann aber schon ganz offensichtlich nciht mehr nötig war. Aber lieber einmal zu viel geholt, als zu spät!
Dennoch, das hat mir schon sehr anschaulich gezeigt, wie wirksam und hilfreich, eine solche Massage sein kann. Auch darum sollte man das mal in den “guten Zeiten” geübt haben, damit es dann im Notfall einfach von der Hand geht.
Viele Grüße, Lizzy.
____________________________________________________________________
Liebe Lizzy,
was für ein Glück, dass Dein Pferd die Kolik gut überstanden hat!
Hier aber noch mal die eindringliche Bitte an alle, die hier lesen: Bitte holt immer auf jeden Fall einen Tierarzt wenn ihr den Verdacht habt, dass ein Pferd eine Kolik hat!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Christine • 3. Juni 2010

Hab die Ohrenmassage schon ausprobiert. Meine kleine hat danach fast geschlafen und der grosse war bereits vorher am schlafen und genoss es noch mehr.

Die Videos sind echt spitze. Da kann man sehen, wie es richtig funktioniert und wie es falsch wäre (zum beispiel, longiervideos) :-) .

Grüessli Christine
________________________________________________ :-)
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Sophie • 26. April 2014

Ich finde diese Massage unglaublich gut.
Ich hatte die Situation, dass mein Trainingspferd zur Herde zurückgelaufen ist und sich von einen anderen Pferd streicheln lassen hat. Nachdem ich ihr dann mit der Ohrmassage gezeigt hatte wie viel besser Menschen durch Intelligenz massieren können, wollte sie nie wieder weg von mir.

Danke für die Idee mit dem Ohrwurzelknubbeln!

lg Sophie

 

 

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