Babettes Praxis-Blog : Kategorie ‘Umgang‘

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Immer nur meckern?

Kennen Sie das auch, was ich eine “Meckerbeziehung” nenne? Bei Menschen sind das Paare, bei denen z.B. er ständig an ihr herumkritisiert oder sie ihn permanent annörgelt. Die Betroffenen merken es oft gar nicht, aber von außen fällt es einem sofort unangenehm auf.

Solche Meckerbeziehungen gibt es auch in der Pferdewelt – und da leider sogar sehr häufig. Achten Sie einmal bewusst darauf, wie oft Sie im Stall so etwas hören (oder vielleicht sogar selbst sagen?), wie: “Nun, steh doch mal still!”, “Lass das!”, “Hör auf damit!”, “Kannst du nicht einfach mal nur ruhig bleiben?” oder auch die ständig ermahnende Nennung des Pferdenamens. Wie viel seltener hört man ein freundliches Wort, ein Lob oder etwas Liebevolles, nein, viel öfter wird gemeckert und genörgelt und das oft ohne dass der Mensch sich darüber wirklich bewusst ist.

Aber was ist das Ergebnis einer solchen Meckerbeziehung? Ein unzufriedener Mensch, ein genervtes oder verunsichertes Pferd, keine schöne Atmosphäre und kein positiver Umgang.

Natürlich hat jede/r von uns mal einen schlechten Tag, an dem man eben nicht so gut drauf ist und entsprechend ungeduldig. Oft aber besteht die Grundenergie einer Pferd-Mensch-Beziehung aus einem ständigen Meckern auf Menschenseite und das ist schlecht für beide. Denn: Meckern bringt nichts. Es macht selbst nur immer noch unzufriedener und lässt das Pferd abstumpfen. So wie auch wir Menschen bei Dauer-Nörgel-Beschuss abschalten, tun es auch Pferde. Das führt dann meist dazu, dass der Mensch noch mehr meckert, “um durchzukommen”.

Wenn Sie sich mit Ihrem Pferd in so einer Meckerbeziehung befinden und das ändern möchten, finden Sie hier dafür ein paar Tipps.

Selbstreflexion

Beobachten Sie sich im Umgang mit Ihrem Pferd zunächst für einige Tage einmal ganz bewusst. Nehmen Sie wahr, in welchen Situationen Sie normalerweise mit Ihrem Pferd meckern. Registrieren Sie Ihr Nörgeln, Ihre Kritik an Ihrem Pferd. Versuchen Sie, innezuhalten und Ihre automatischen (Mecker-)Reaktionen zu unterbrechen. Schimpfen Sie also nicht, sondern atmen Sie einmal tief durch und machen Sie sich eine Liste der Punkte, die Sie noch üben müssen. Wenn Sie z.B. merken, dass Ihr Pferd beim Aufsteigen am liebsten 10x anranzen würden, weil es nicht stehen bleibt, notieren Sie: Still stehen beim Aufsteigen üben.

Überprüfen Sie auch selbstkritisch, wie oft Sie vielleicht viel zu überzogen auf die Fehler Ihres Pferdes reagieren. Würde vielleicht auch ein leises, freundliches “Hooo” reichen, wo Sie schon grob am Strick rucken?

Und seien Sie sich darüber bewusst, dass die Pferde uns spiegeln. Wenn Ihr Pferd besonders nervig zu sein scheint, kann es gut sein, dass Sie mit einer besonderen Anspannung in den Stall gekommen sind. Lösen Sie also, wenn Sie merken Sie befinden sich mal wieder auf der Meckerschiene, zunächst Ihre Stimmung auf. Atmen Sie ruhig und tief, werden Sie weicher, milder und freundlicher. Fragen Sie sich, wie Sie eine andere Ausstrahlung bekommen können, auf die Ihr Pferd positiv reagieren kann.

Überprüfen Sie auch, worüber Sie eigentlich meckern und ob das Verhalten wirklich “meckerwürdig” ist. Ist es wirklich schlimm wenn Ihr Pferd beim Putzen mal einen Schritt zur Seite macht und nach einem Heuhalm angelt? Darf es sich wirklich nicht die Nase am Anbinder schubbern wenn es doch so juckt?

Und freuen Sie sich über jedes Mal, in dem Sie ein automatisches Meckern durch eine solche Selbstreflexion unterbrechen konnten – das ist der Anfang dafür, die Beziehung zu Ihrem Pferd zu ändern.

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31. Januar 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 8 Kommentare »

Aus der Fohlenschule: So bringen Sie einem Fohlen bei sich Führen zu lassen

In meinem Blogbeitrag von letzter Woche habe ich über meine Sichtweise zum Umgang mit Fohlen geschrieben und darüber, was sinnvoll ist, einem Fohlen schon früh zu lehren und was nicht. Was ich meinen Fohlen schon sehr früh beigebracht habe, ist das Sich-Führenlassen am Halfter. Und wie ich das mit meinen Fohlen geübt habe, erkläre ich Ihnen heute.

Die Stricktechnik nach Linda Tellington-Jones

Ich habe meinen Fohlen das Geführtwerden so beigebracht, wie ich es in dem Video “Fohlen erziehen- sanft und konsequent” von Linda Tellington-Jones gesehen habe.

Für die ersten Trainingseinheiten braucht Ihr Fohlen noch kein Halfter tragen. Sie brauchen nur einen ausreichend langen Strick. Zeigen Sie dem Fohlen den Strick und berühren es vorsichtig damit. Lässt es sich das gut gefallen, streichen Sie es am ganzen Körper mit dem Strick ab. Loben Sie viel!

Nun legen Sie diesen Strick wie eine Acht um den Körper des Fohlens. Die eine Schlaufe der Acht wird vorne um die Brust gelegt, die andere Schlaufe um die Hinterhand des Fohlens. Dort wo beide Schlaufen zusammentreffen, kurz hinter dem Widerrist des Fohlens, halten Sie den Strick. Wie das aussieht, sehen Sie hier:

(Bitte nutzen Sie Ihre Vorstellungskraft. Da ich gerade nicht mit einem Fohlen dienen kann, übernimmt heute unser Starschauspieler Buddy die Rolle :-) )

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18. Oktober 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 1 Kommentar »

Wie viel und was soll man mit Fohlen machen?

Auf meinen Blogbeitrag “Gedanken zum Thema: Einsatz von “scharfen” Ausbildungsgegenständen” bekam ich viele Reaktionen, für die ich mich an dieser Stelle ganz herzlich bedanken möchte. In einem von diesen Kommentaren fragte Susanne Folgendes:

Was mache ich z.B., wenn mein drei Monate altes Fohlen, das gerade lernen soll, auch mal von Mama weg aus dem Paddock geführt zu werden (dabei aber noch in ihrer Sichtweite) ohne erkennbare Anzeichen von Angst oder Unsicherheit, sondern dem Anschein nach eher ungehalten und ärgerlich, einfach nach ein paar Minuten anfängt an der Hand zu steigen? Wie soll ich dem entgegen wirken? Meine Stallbesitzerin – seit vielen Jahren Züchterin – rät mir dazu, sie bei Gelegenheit umzuschmeißen – wie wirke ich dieser womöglich beginnenden Unart entgegen ohne Zwang auszuüben?

Wichtige grundsätzliche Fragen

Diese Frage wirft für mich verschiedene Aspekte auf, über die ich mir als Besitzer eines Fohlens Gedanken machen muss:

  • Ist es sinnvoll und richtig, ein drei Monate altes Fohlen von der Mutter wegführen zu wollen?
  • Wie viel sollte man generell mit Fohlen tun?
  • Was sollen/müssen Fohlen in ihren ersten Lebensmonaten lernen?
  • Welche Maßnahmen sind dafür geeignet?

An dieser Stelle eine Anleitung über den Umgang mit Fohlen zu schreiben, würde den Rahmen sprengen, aber einige Gedanken und eigene Erfahrungen möchte ich in diesem und in folgenden Blogbeiträgen niederschreiben und auch Susanne eine Antwort auf ihre Frage geben.

Meine kleine Friesenzucht

Ich hatte zu Beginn meiner Zeit auf meinem Hof in kleinem Rahmen Friesen gezüchtet. Ich habe also selbst einige Fohlen gezogen und sie die erste Zeit ihres Lebens begleitet. So musste ich mich zwangsläufig mit den obigen Fragen auseinandersetzen.

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11. Oktober 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 11 Kommentare »

Sprechen Sie einen Dialekt?

Auf meinen Kursbesuchen in allen möglichen Teilen Deutschlands fühle ich mich oftmals so als befände ich mich im Ausland. Denn zum Teil verstehe ich die dort “Einheimischen” kaum und das, obwohl sie dieselbe Muttersprache sprechen wie ich. Die Dialekte sind aber tatsächlich teilweise so unverständlich für mich wie eine Fremdsprache.

Wie schwer muss es erst für unserer Pferde sein?

Diese Tatsache hat mich zum Nachdenken gebracht: Wenn es mir schon  so unendlich schwerfällt, meine eigenen “Artgenossen”, die dieselbe Muttersprache sprechen wie ich, zu verstehen – wie mag es dann erst unseren Pferden ergehen?

Nicht nur, dass sie eine ganz andere Spreche sprechen und verstehen als wir, nein, sie müssen es auch noch schaffen in dieser Fremdsprache die ganzen verschiedenen Dialekte dieser Sprache zu verstehen. Denn ich bin überzeugt davon, dass jeder Mensch ein Kommando für ein und dieselbe Übung, z.B. für das Rückwärtsrichten, etwas unterschiedlich gibt, also quasi mit seinem eigenen Dialekt innerhalb einer Fremdsprache mit dem Pferd spricht.

Und da wundern wir uns wirklich, dass Pferde so oft nicht richtig auf unsere “Hilfen” reagieren und Schwierigkeiten haben, uns verstehen?

Ich mich nicht mehr! :-)

13. September 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Der Kampf zum nächsten Grashalm – so vermeiden Sie ihn auf elegante Weise

Sie kennen sicherlich auch diese armen, bemitleidenswerten Geschöpfe (auch Pferd/Pony genannt ;-) ) , die kurz vor dem Hungertod stehen und deswegen der Meinung sind, dass der Mensch am Ende des Strickes nur ein lästiges Anhängsel ist, welches ohne Rücksicht auf Verluste mitgeschleift werden darf, hin zu einem grünen Stück Naturboden? Ja, ich rede von den Exemplaren der Gattung Equus, die es in Perfektion gelernt haben, sich beim Führen vom Menschen loszureißen, um die Nase in den nächsten saftigen Grasbüschel zu versenken. Wer glaubt, dass passiert nur schwächlichen Mädchen, täuscht sich sehr. Ich habe schon gestandene Mannsbilder wie ein Fähnchen im Winde hinter ihren Pferden herwehen sehen…

Der “normale” Weg mit diesem Problem umzugehen, ist fast immer ein Weg des Kampfes

Vielfach beginnt dann auf der Seite des Menschen das große Aufrüsten: Es werden Führketten über Pferdenasen geschnallt, an Trensen oder sogar auf Kandare gezäumt geführt, Steigergebisse verwendet und ähnliches Zubehör mehr verwendet, um mit dem Problem mehr schlecht als recht fertig zu werden. Dabei sieht man oftmals unschöne Szenen, bei denen scharf an Halftern/Trensen geruckt, hektisch mit Gerten vor Pferdenasen gewedelt oder diese auch massiv gegen das Pferd eingesetzt werden, alles mit dem häufigen Ergebnis: Der Mensch hat ein paar Brandwunden mehr an den Händen und sein Pferd steht ein paar Meter weiter mit der Nase im Gras …

Das darf nicht sein!

Keine Frage: Ein Pferd, welches sich losreißt, gefährdet sowohl sich als auch seine Umwelt immens! Und ja, hier gilt es Abhilfe zu schaffen und das Losreißen des Pferdes zuverlässig zu unterbinden. Ich habe in diesem Blogbeitrag schon mal ausführlich geschrieben, wie mein Weg aussehen würde, so ein  “Losreißprofipferd” umzuerziehen und Tania hat hier bereits ihre Tipps zum Thema “Gras fressen” aufgeschrieben.

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5. Juli 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Über Sinn und Unsinn so mancher Umgangsregel, die wir unseren Pferden aufstellen

Wir alle haben im Umgang mit unseren Pferden Regeln und Gesetze, auf dessen Einhaltung der eine Pferdebesitzer mehr, der andere weniger ;-) konsequent achtet. Und das ist auch gut und richtig so. Ohne Regeln wäre das Leben sowohl für uns als auch für unsere geliebten Vierbeiner deutlich anstrengender, verwirrender und oftmals auch viel zu gefährlich. So will ich an dieser Stelle auch nichts gegen (sinnvolle ;-) ) Regeln schreiben und ja, wer Regeln aufstellt sollte, um für sein Pferd berechenbar zu sein, immer konsequent auf die Einhaltung der aufgestellten Regeln achten.

Aber ich will an dieser Stelle dazu anregen, mal genau zu reflektieren:

  • Welche konkreten Regeln und Gesetze will ich im Umgang mit meinem Pferd aufstellen?
  • Sind das sinnvolle und pferdegerechte Regeln?

Welche Regeln möchten Sie aufstellen?

Überlegen Sie sich einmal in Ruhe, was Ihnen im Umgang mit Ihrem Pferd wirklich wichtig ist und welche Regeln Sie aufstellen möchten. Machen Sie sich am besten eine Liste, die z.B. so aussehen könnte:

Mein Pferd

  • soll beim Führen auf mich achten.
  • soll ruhig stehen bleiben, wenn ich aufsteige.
  • soll nicht in meiner Jackentasche nach Leckerlis suchen.
  • soll ruhig am Putzplatz stehen.

Machen Sie bitte keine Endlosliste, sondern überlegen Sie sich gut, was Ihnen wirklich wichtig ist. Je mehr Regeln Sie aufstellen, desto komplizierter wird es für Sie und Ihr Pferd! Machen Sie sich bitte bewusst, dass Sie Ihrem Pferd Ihre Regeln ja auch erklären müssen, d.h., dass Sie Ihr Pferd dahin ausbilden und erziehen müssen, damit Ihr Pferd irgendwann Ihre Regeln kennt und einhalten kann. Und was für uns einleuchtend erscheinen mag, ist für das Pferd noch lange nicht so. Ihr Pferd weiß nichts von Ihren Regeln und wahrscheinlich wird es auch den Sinn dahinter nicht so sehen wie Sie. ;-)

Sind Ihre Regeln sinnvoll?

Wenn Sie Ihre Liste geschrieben haben, überprüfen Sie Ihre Regeln bitte darauf, ob Ihre Regeln tatsächlich sinnvoll und auch pferdegerecht sind. Es gibt z.B. noch viele altmodische Regeln im Umgang mit Pferden, die nachgewiesenermaßen sinnlos, teilweise sogar schädlich für ein Pferd sind so wie z.B. die Regel, das man immer nur von links auf ein Pferd aufsteigen soll und ein Pferd immer nur von links geführt werden soll…

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21. Juni 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

Gedanken zum Thema “Vertrauen”

“Woran erkennen Sie, dass Ihr Pferd Ihnen zu 100% vertraut?” – Diese Frage stellte mir während eines Telefoninterviews eine Redakteurin der Pferdezeitschrift ReitZeit. Meine erste Reaktion darauf war zu sagen, dass es in meinen Augen kein 100%iges Vertrauen zwischen Pferd und Mensch gibt, auch wenn ich Pferd-Mensch-Beziehungen kenne, die sehr harmonisch sind und in denen die Pferde sich ihrem Menschen gerne und sehr stark anvertrauen.

Wenn ich z.B. Tania sehe, wie sie mit ihrem Aramis “nackig”, also ohne Kopfstück durchs Gelände reitet, ist das in meinen Augen schon nah dran am absoluten Vertrauen. Aber 100 %? Und woran würde ich diese 100 % festmachen? Über diese Frage habe ich nach dem Telefonat noch viel nachgedacht.

Hinlegen? Gemeinsam durchs Feuer gehen?

Was sind das für Situationen wo ein außenstehender Mensch sagt:” Boah, das Pferd hat aber viel Vertrauen.”? Meistens sind es Vorführungen auf Messen oder Shows, auf denen ein Pferd “frei” durchs Feuer springt oder sich trotz Tumult ruhig neben seinen Menschen ablegt. Das sind Szenen, in denen wir Zuschauer staunen über diesen großen Vertrauensbeweis.

Aber geht es hier wirklich um Vertrauen?

Um das beurteilen zu können, müsste ich wissen, ob das Pferd sich tatsächlich freiwillig auf das Kommando hin ablegt oder ob es das aus der Motivation heraus tut, dass es gelernt hat, dass es negative Konsequenzen gibt, wenn es sich nicht ablegt. Und das könnte ich nur wissen, wenn ich bei dem vorführenden Menschen heimlich beim Training Mäuschen gespielt hätte. Am Endergebnis kann ich selten erkennen, wie das Pferd eine Lektion gelernt hat und aus welcher Motivation heraus es etwas zeigt.

Darf das Pferd auch nicht vertrauen?

Eine ganz entscheidende Frage ist für mich: Hat das Pferd das Recht darauf, eben auch mal nicht zu vertrauen, sprich: sich eben nicht hinzulegen oder nicht durch das Feuer zu springen? Vertrauen ist in meinen Augen niemals erzwingbar, es kann nur ein Geschenk sein. Und wenn ein Pferd so lange Druck erhalten hat, bis es in jeder Situation immer zu 100 % korrekt reagiert, ist das Pferd in meinen Augen nur 100%ig abgerichtet und perfekt dressiert, aber mit Vertrauen hat es dann für mich nichts zu tun.

Wie oft wird ein Pferd, wenn es nicht das macht, was der Mensch will, entweder mit negativem Druck gearbeitet (Pferd wird gescheucht, es folgt ein disziplinierendes “Weichen lassen” usw.) oder sogar gestraft, bis es dann endlich macht, was der Mensch will.

Wenn es dann solche Lektionen später zeigt, ist das Freiwilligkeit?

Ist die Motivation dann tatsächlich Vertrauen?

In meinen Augen nein.

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31. Mai 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 18 Kommentare »

Stichwort “Freiwilligkeit” – wie weit kann man seinem Pferd ein Mitspracherecht einräumen?

Vor kurzem fragte mich eine Leserin unserer Seite per E-Mail, wie viel Mitspracherecht ich meinen Pferden einräume. Sie schrieb, dass ihr im Großen und Ganzen unsere Einstellung zu Pferden sehr gut gefallen würde und dass sie sich oftmals wünschte, sich ihrem Pferd gegenüber nicht immer “durchsetzen” zu müssen. Doch sie hätte Angst davor, dass ihr Pferd dann bald gänzlich die Zusammenarbeit mit ihr einstellt, wenn sie ein Nein ihres Pferdes durchgehen lassen würde.

Ich konnte ihr diese Frage nicht klar beantworten, denn ich räume meinen Pferden je nach Situation ein unterschiedliches Maß an Mitspracherecht und ein Recht auf “Veto” ein. Grundsätzlich setze ich auf Freiwilligkeit und wenn meine Pferde zu einer Arbeit Nein sagen, hinterfrage ich zunächst, warum sie das tun.

  • Ich überlege, ob mein Pferd mich vielleicht nicht versteht oder aus einem Grund nicht in der Lage ist, meiner Bitte nachzukommen.
  • Ich überprüfe mich selbst, ob ich motivierend genug für mein Pferd bin.
  • Unterfordere oder langweile ich es, so dass es den Spaß verliert?
  • Überfordere ich es, so dass es Stress bei der Arbeit mit mir hat?
  • Geht es meinem Pferd nicht gut – körperlich oder psychisch?

In meinen Augen eine unbegründete Sorge

Die Sorge der Schreiberin, dass ihr Pferd es ausnutzen wird, wenn sie ihrem Pferd ein Nein “durchgehen” lassen würde, teilen wohl viele Pferdebesitzer.

Aber ich erlebe Pferde anders. In meinen Augen sind es keine “faulen Drückeberger”, die sich, wo sie können, versuchen der Arbeit zu entziehen. Wenn, ja wenn die Arbeit dem Pferd nicht unangenehm ist und wenn sie dem Pferd Spaß macht, freuen sich Pferde über Abwechslung, Beschäftigung und sogar: über richtige Arbeit ;-)

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17. Mai 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 16 Kommentare »

Das Verlaufslob

Ich bin jemand, der seinem Pferd sehr gerne mit Stimmlob während der Arbeit Feedback gibt, wenn es etwas gut macht und es auf dem richtigen Weg ist. Ich sage dann mit warmer, leiser Stimme „gut so“, „prima“ oder „weiter so“. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade nervöse, unsichere Pferde sehr gut darauf reagieren und sich besser entspannen.

„Sanftes Reden“ wirkt nicht nur auf Pferde beruhigend und entspannend

Auch für uns Menschen hat dieses „sanfte Reden“ den positiven Effekt, dass wir besser atmen und selber unverkrampfter sind. So lautet dann auch eine häufige Anweisung in meinen Unterrichten an meine Schüler, gerade wenn ich spüre das der Mensch seinen Atem festhält und sehr angespannt ist: „Rede mit deinem Pferd, nutze das Stimmlob, bestätige dein Pferd.”

Eine häufige Reaktion darauf vom Pferd: Es bleibt erwartungsvoll stehen

Sagt der Mensch dann etwas, reagieren viele Pferde damit, dass sie stehenbleiben. Der Besitzer sagt mir dann häufig: „Ja, das passiert immer wenn ich mit Stimme loben will. Mein Pferd bleibt dann stehen und erwartet ein Leckerchen.”

Wenn das passiert, hat der Mensch versäumt, seinem Pferd den Unterschied zu lehren, was ein Verlaufslob und was ein Kekslobwort/-Geräusch ist – wann es also wirklich ein Leckerchen erwarten kann und wann nicht.

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22. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 11 Kommentare »

Ein Weg, einem Pferd die Angst vor Hundegebell oder anderen Geräuschen zu nehmen

Letztens rief mich ein Mann an und fragte mich um Rat. Sein Problem: Er hat vier Pferde in Offenstallhaltung. Eines der Pferde, eine Haflingerstute, reagiert jedes Mal wenn der Hund des Mannes bellt panisch. Sie rennt aus dem Stall, frisst nicht mehr und ist völlig aus dem Häuschen. Die anderen Pferde hingegen bleiben gelassen und lassen sich von dem Bellen des Hundes nicht stören.

Mein Vorschlag

Ich gab dem Mann folgenden Tipp: Er solle das Bellen seines Hundes auf Band aufnehmen. Diese Aufnahme soll er mit in den Stall nehmen. Immer wenn er die Pferde füttert, soll er das Band abspielen, aber die ersten Male ganz leise! Und zwar so leise, dass die Stute keine Anzeichen von Angst und Unsicherheit zeigt und mit den anderen Pferden frisst. Wenn die Stute diese Stufe gut toleriert, soll er das Band nach und nach immer etwas lauter stellen.

Immer wieder einen Schritt zurück, wenn das Pferd es mit der Angst bekommt

Ganz wichtig dabei: Reagiert die Stute nach einer Erhöhung der Lautstärke mit Angstzeichen, soll er die Lautstärke wieder runter regulieren.

Über kurz oder lang sollte es möglich sein, dass Hundegebell in normaler Lautstärke abzuspielen, ohne dass das Pferd noch ängstlich reagiert. Wenn alles gut gelaufen ist, sollte nun auch das echte Gebell von draußen keine größere Angst mehr beim Pferd auslösen.

Wenn doch, würde ich noch mehr Zwischenschritte einbauen, also z.B. das Band vor dem Stall laufen lassen und vor allem: Immer wieder die Lautstärke so leise machen, dass man unter der echten Angstgrenze des Pferdes bleibt.

Ebenso kann man auch mit anderen Geräuschen verfahren vor denen das Pferd Angst hat, z.B. Silvesterkracher, Hupen, Motorengeräusche usw.

15. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »