Irrtümer über die Freiarbeit, Teil 2

Vor einiger Zeit schrieb ich darüber, welche Irrtümer es aus meiner Sicht über die Freiarbeit gibt. In diesem Beitrag ging es um das Herumscheuchen und das unüberlegte Tobenlassen von Pferden. Heute möchte ich noch einige andere Aspekte ansprechen, die mir immer wieder auffallen, wenn von Freiarbeit gesprochen wird: 

  • Wenn ein Pferd die Gedanken seines Menschen regelrecht zu lesen scheint und sämtliche Lektionen scheinbar von allein ausführt, ist das für mich noch lange keine Freiarbeit, auch wenn es dabei kein Halfter trägt.
  • Wenn ein Pferd dem Menschen auf dem Fuße folgt und keinen Schritt von ihm weicht, handelt es sich für mich nicht um Freiarbeit, auch wenn das Pferd kein Halfter trägt. 
  • Wenn ein Pferd mit gesenktem Kopf nur auf die nächsten Signale wartet, ständig bereit zu tun, was verlangt wird, solange die Einheit geht, ist das für mich überhaupt keine Freiarbeit mehr, auch wenn es dabei kein Halfter trägt.

Ich höre jetzt schon den Aufschrei, der durch die Freiarbeits-Szene geht, denn mir ist klar, dass ich mich hier ein bisschen aus dem Fenster lehne. Aber ich habe das große Bedürfnis, einmal den Begriff „Freiheit“ herauszuarbeiten. 

Was ist Freiheit?

Laut Wikipedia definiert sich Freiheit so: Freiheit wird in der Regel als die Möglichkeit verstanden, ohne Zwang zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.

Nun ist es natürlich grundsätzlich mit den freien Entscheidungen unserer Pferde eine schwierige Sache, denn wir müssen ja zwangsläufig den Platz begrenzen, auf dem sie sich bewegen können, und wir müssen sie auch daran hindern, sich zum Beispiel einfach loszureißen, um ihrer Wege zu gehen. Also ganz klar: wir schränken alle, die wir Pferde haben, ihre Freiheit ein großes Stück weit ein. 

Worin es aber sehr viele Variationen gibt, sind die Freiheiten eines Pferdes im Umgang und Training. Noch immer ist die Annahme weit verbreitet, dass man Pferde in jedem Moment „im Griff“ und „unter Kontrolle“ haben muss. Und auch wenn die Methoden, das zu erreichen, unterschiedlich sind, läuft es letztlich fast immer darauf hinaus, dass Pferde „funktionieren“ sollen und das am besten anstandslos und punktgenau. 

Wie passt das mit FREIarbeit zusammen?

Ich vertraue inzwischen immer weniger meinen Augen, wenn ich Vorführungen sehe, sondern vor allem meinem Bauchgefühl. Denn manches sieht zugegebenermaßen fantastisch aus, beeindruckend und atemberaubend: Pferde, die auf minimalste Zeichen die tollsten Sachen zeigen und dabei nichts und niemanden wahrzunehmen scheinen als nur den Menschen, der mit ihnen arbeitet – klar ist das eine Show! Doch wenn ich hinfühle, ist kaum noch etwas daran toll. Dann nehme ich ein Wesen wahr, das zu einer Maschine mutiert ist. Das nichts von dem tut, weil es das selbst will, sondern weil es weiß, dass es das tun soll. Ein Wesen dass nichts von sich aus vorschlägt, keine Witze macht und dass seine natürlich-stolze Ausstrahlung leider oft vollkommen verloren hat. 

Viele werden meinen, ich übertreibe, aber wer wirklich bereit ist, hinter den schönen Schein zu schauen und vor allem zu fühlen, wird sehr wahrscheinlich Ähnliches wahrnehmen. 

Wichtige Fragen zur Freiarbeit

Ich denke, wer für sich beansprucht, Freiarbeit zu machen, sollte sich diesen Fragen stellen: 

  • Was macht Freiheit wirklich aus – für mich und für mein Pferd?
  • Geht es bei der Freiarbeit um meine Freiheit, z.B. um die Freiheit meinen Willen durchsetzen und meine Ziele erreichen zu können?
  • Oder geht es um die Freiheit meines Pferdes in seinem Sein und seiner Persönlichkeit?
  • Wie viel Freiheit gestehe ich meinen Pferd bei der Arbeit zu? 
  • Kann ich ein „Nein“ meines Pferdes zulassen? 
  • Wie gehe ich mit eigenen Ideen meines Pferdes um?
  • Steckt in meiner Freiarbeit wirklich Freiheit? 

freiarbeit

23. August 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Freiarbeit, Umgang 6 Kommentare »

Buch-Tipp: „Ehrlich motiviert“ von Sylvia Czarnecki

„Ehrlich motiviert“ von Sylvia Czarnecki
Schwarzenbek: Cadmos, 2016. – 144 S.
ISBN: 9783840410659
ca. 20,– EUR (broschiert, durchgehend farbige Fotos)

Gleich zu Beginn des Buches ist ein, wie ich finde, sehr berührender Satz zu lesen: „Würde man das Pferd fragen: „Warum reagierst du so?“, würde man bei konventionellen Ausbildungsmethoden über Druck wohl meist: „Weil mir nichts anderes übrig bleibt.“ als Antwort erhalten. Und damit wird deutlich, dass die Autorin Sylvia Czarnecki mit diesem Buch das Ziel verfolgt, Alternativen aufzuzeigen. 

In „Ehrlich motiviert“ geht es um das Clickertraining, aber genau dieser Begriff taucht erstmal gar nicht auf. Das hat den Vorteil, dass vielleicht manch einer, der sich von der „ganzen Clickerei“ eher abgeschreckt fühlt, unbefangen die wichtigen Ausführungen über das Lernverhalten von Pferden zu lesen beginnt. Die Autorin hat hier komplexe Themen sehr verständlich aufbereitet und das Wissen, das sie im ersten Teil ihres Buches bietet, sollte Pflichtlektüre für alle sein, die mit Pferden arbeiten wollen.

Der zweite und größere Teil des Buches zeigt dann das positive Pferdetraining in der Praxis mit konkreten Übungen. Das Buch ist durchgehend mit sehr ansprechenden Fotos illustriert, die zeigen, worum es geht: um Partnerschaft, Respekt und einem stressfreien Miteinander. 

Es gibt von mir eine volle Leseempfehlung für dieses wundervolle Buch. Besonders hat mir gefallen, dass es in „Ehrlich motiviert!“ durchgehend darum geht, was ein Pferd braucht, um lernen zu können. Immer wieder wollte ich beim Lesen Sätze anstreichen und mir herausschreiben, weil sie so treffend, so wichtig und wahr sind. Und deshalb lasse ich diese Rezension auch mit einem Zitat von Sylvia Czarnecki enden:

„… Horsemanship bedeutet nicht, eine bestimmte Technik oder Methode anzuwenden, sondern das Lernverhalten des Pferdes zu verstehen und anzuerkennen und das Training gemäß seiner natürlichen Bedürfnisse zu gestalten; frei nach meinem Motto: „Ehrlich motiviert!“

ehrlichmotiviert

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16. August 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Clickertraining 0 Kommentare »

Bitte nicht das Beste wollen…

Die meisten von uns wollen natürlich immer das Beste für unser Pferd, nicht wahr? Unser Ziel ist, das Pferd optimal zu ernähren und zu pflegen, wir wollen es optimal trainieren und arbeiten, um es optimal gesund zu erhalten.

So verständlich und löblich das ist, so geht das leider an vielen Stellen in die falsche Richtung.

Ein hoher (Perfektions-)Anspruch führt nämlich fast immer unweigerlich zu einigen, ziemlich negativen Begleiterscheinungen:

  • Wir sind zu fixiert auf einzelne Ziele oder Details und sehen nicht mehr das Gesamtbild – z.B. achten wir nur noch darauf, ob die Muskeln, die wir fördern wollen, stärker werden, aber merken gar nicht, wie unglücklich unser Pferd durch das plötzlich verschärfte Training geworden ist.
  • Wir werden zu streng und zu verbissen, weil wir eine ganz genaue Vorstellung davon haben, wie sich das Pferd z.B. bewegen muss und wenn es das nicht tut, versuchen wir es um jeden Preis zu  erreichen, notfalls mit Hilfsmitteln, die mehr schaden als nützen („… weil es sein muss…“).
  • Wir versuchen alles über unseren Verstand zu lösen (über das, was wir wissen, was wir gelernt haben und was uns jemand geraten hat) und hören nicht mehr auf unser Bauchgefühl.
  • Wir geraten in die Angst und suchen überall nach Anzeichen für Fehlentwicklungen, Krankheiten usw.
  • Wir haben ein ständiges schlechtes Gewissen, weil wir eigentlich genau wissen, dass wir keine Chance haben, alles richtig zu machen oder erkennen, dass vieles ungut läuft, aber nicht wissen, wie wir es ändern können.
  • Wir sind zu hart zu uns selbst, weil wir unsere Fehler genau merken, sie aber nicht abstellen können und leben diese Härte unbewusst auch dem Pferd gegenüber aus.
  • Und anderes mehr… 

Die andere Seite der Medaille sind Menschen, die das Ganze etwas zu lax angehen, sich zu wenig informieren, zu wenig an sich arbeiten und sich zu wenig Gedanken machen – natürlich wollen wir nicht dorthin zielen.

Aber, und das weiß ich aus eigener Erfahrung: jeder Perfektionsanspruch führt schnell zu viel Druck und manchmal auch Leid bei einem selbst und auch beim Pferd.

Deshalb gilt für mich heute: Lieber nicht das Beste wollen, Gutes reicht vollkommen aus 😉 

dasgute

9. August 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 7 Kommentare »

Buchtipp: „Selbstreflexion und Entspannung mit Pferden“ von Daniela Friedl

„Selbstreflexion & Entspannung mit Pferden“ von Daniela Friedl
Books on Demand; Auflage: 1 (6. Mai 2016) – 2oo S. 
ISBN:3844810374
ca. 24,99,– EUR (broschiert, durchgehend farbige und schwarz-weiße Fotos)

 

„Selbstreflexion und Entspannung mit Pferden“ ist ein sehr ansprechendes Buch für Menschen, die Pferde als Partner sehen. Die Autorin Daniela Friedl ist ausgebildete Wildnispädagogin, Entspannungstrainerin, Yogatrainerin und anderes mehr. Im ersten Teil des Buches beschreibt sie ihre Einstellung zum Umgang mit Pferden, zum Reiten, zum Thema Freiwilligkeit und ihren eigenen Weg mit ihren Pferden. Ich habe diesen Teil mit großer Freude gelesen und mich sehr in Daniela Friedls Zeilen wiedergefunden.

Der zweite Teil ist der praktische Teil. Hier findet der Leser eine Vielzahl an Übungen, Meditationen und Phantasiereisen, die zum Teil mit Pferd, aber viele auch ohne Pferd durchgeführt werden.

Abgerundet wird das Buch durch sehr schöne Bilder, Zitate und Praxisbeispiele.

Für mich ist „Selbstreflexion & Entspannung mit Pferden“ ein wunderschönes und tiefgründiges Buch für alle Pferdemenschen, die Sinn für Yoga und Spiritualität haben und die einen Weg zu sich und ihren Pferden suchen, weg von Dominanz und Alltagsstress. 

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1. August 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Buchtipps, Erkenntnisse, Umgang 0 Kommentare »

Das Lot für die Aufrichtung am Boden und im Sattel

Von Carla Bauchmüller

Heute habe ich eine Übung für Sie, die Sie sowohl beim Führen und der Handarbeit als auch beim Reiten nutzen können: 

Hinweis: Beginnen Sie mit der Übung bitte immer zuerst am Boden und nicht gleich im Sattel, auch wenn Sie sie vor allem zum Reiten einsetzen möchten, es hilft sehr dabei, sich die inneren Bilder wirkungsvoll erarbeiten.

Stellen Sie sich also zunächst ohne Pferd aufrecht hin, Ihre Füße stehen stabil auf dem Boden, die Knie sind entspannt. Stellen Sie sich nun eine vertikale Linie vor, also ein Lot, das über Ihrem Kopf beginnt und bis zu dem Bereich zwischen Ihren Füßen fällt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, dieses Lot zu erspüren.
 Haben Sie es? Dann stellen Sie sich bitte ein ebensolches Lot etwa einen Meter vor sich vor.

Wenn Sie nun losgehen, bringen Sie gedanklich das Lot in Ihnen und das Lot vor Ihnen in Deckung. Der Clou dabei: Das Lot vor Ihnen bewegt sich von Ihnen weg, wenn Sie auf es zugehen! Es bleibt also immer etwa einen Meter vor Ihnen. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Lot in Ihnen und bringen dieses Lot immer wieder mit dem Lot vor Ihnen in Deckung. Gehen Sie auf diese Weise verschiedene Wendungen und gerade Linien immer mit der Vorstellung des Lotes. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Sie werden feststellen, dass Ihnen das Lot Stabilität vermittelt. Es erzeugt eine gute Spannkraft ohne Verspannung. Arme und Beine können frei schwingen. Wenn Sie das Bild vom Lot verinnerlicht haben, können Sie es auch zusammen mit dem Pferd nutzen, also z.B. bei der Hand- oder Longenarbeit und damit erreichen, dass Sie gut in Ihrer eigenen Spur laufen und nicht „in Ihr Pferd fallen“. 

Im Sattel geht diese Übung ganz ähnlich: Auf Pferd sitzend stellen Sie sich ebenso das Lot vor, das durch Sie durch und weiter durch Ihr Pferd bis zum Boden geht. Das andere Lot ist wieder ungefähr einen Meter vor Ihnen.

Wenn Sie jetzt losreiten, bringen Sie wieder gedanklich das Lot in Ihnen mit dem vor Ihnen in Deckung, während aber das Lot vor Ihnen immer im Abstand von einem Meter entfernt bleibt.

Diese Übung dient dazu, senkrecht zu bleiben und auch in Wendungen nicht in der Hüfte einzuknicken. Sie finden durch die kleine Visualisierung eine gute Stabilität, Ihre Schultern und Arme bleiben entspannt. Dadurch, dass Sie dem Lot folgen, schauen Sie automatisch geradeaus und folgen einer klaren Absicht, die das Pferd wahrnimmt und sehr zu schätzen weiß.

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28. Juni 2016 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 0 Kommentare »

Was zählt, ist JETZT!

In meinen Coachings stoße ich immer wieder auf ein Phänomen, das für große Probleme zwischen Mensch und Pferd sorgt: Während das Pferd im Hier und Jetzt lebt, zieht der Mensch fast ständig Bezüge zu dem, was mal war. Und das hat Folgen. 

Mein Pferd ist so und so… 

Hier einige typische Äußerungen, die ich oft höre: 

  • Mein Pferd will immer Boss sein und ist dabei oft respektlos. Erst letzte Woche hat er …
  • Die Stute ist normalerweise sehr nervös, die können schon die kleinsten Sachen kirre machen. Neulich am Anbinder … 
  • Mein Pony ist vollkommen verfressen, da kann ich nicht mit Futterlob arbeiten. Erst gestern hing er mir wieder in der Tasche … 
  • Mein Wallach ist vollkommen cool, den bringt gar nichts aus der Ruhe …

Und hier die Situationen dazu, in denen die Besitzer/innen das jeweils sagten: 

  • Das Pferd wartete respektvoll in einem guten Abstand. 
  • Die Stute stand seelenruhig und fast gelangweilt am Anbinder. 
  • Das Pony schaute keck, aber machte keinerlei Anstalten näher zu kommen, obwohl ich meine Hand in meiner Jackentasche hatte. 
  • Der Wallach stand wie eine Statue, fast jeder Muskel war angespannt. 

Wir interpretieren die Welt aus dem heraus, was wir erleben

Ich will noch deutlicher machen, worum es mir geht: Für die meisten von uns ist es ganz normal, Erlebtes zu erinnern und solche Erinnerungen sind für uns oft lange Zeit noch sehr präsent. Wir reden mit anderen über das, was uns passiert ist, erzählen subjektiv interpretierte Geschichten und wir ordnen aus unseren Erlebnissen heraus anderen Lebewesen (ob Menschen oder Tieren) Eigenschaften zu – und, und das ist das Entscheidende, gehen davon aus, dass unsere Schlüsse richtig sind. Denn natürlich kann jeder Besitzer aufgrund der vielen Erlebnisse sein eigenes Pferd doch am besten einschätzen, oder etwa nicht?

Tja, genau um dieses Fragezeichen geht es mir hier. 

Wenn ich zum Coaching komme, habe ich in der Regel kaum Vorwissen. Ich kenne Pferd und Mensch meist nicht und habe deshalb keine Vorgeschichte mit ihnen. So kann ich mich vollkommen unbelastet auf das einlassen, was gerade ist. Und interessanterweise weicht das IST, das ich wahrnehme, häufig von dem ab, was mir als IST erzählt wird. Denn die Besitzer/innen berichten von Erlebnissen, die sie mit ihrem Pferd hatten und, und auch das ist entscheidend: sie erzählen von denen, an die sie sich erinnern! 

Unsere Erinnerung ist selektiv

Tatsächlich nämlich erinnern wir ja nie alles, sondern nur einen Teil. Denn so arbeitet das menschliche Gehirn: es registriert vor allem das, was besonders ist, nicht das Gewohnte. Für den Umgang mit Pferden ist das leider nur bedingt nützlich, weil wir uns vor allem an die Sachen erinnern, die unschön waren.

Mal ganz ehrlich: Wir erinnern meist nicht die 95 Prozent, in denen unser Pferd brav alle vier Hufe gegeben hat, sondern wir erinnern die wenigen Momente, in denen es ein Bein weggezogen hat. Wir erinnern nicht die unzähligen Male, in denen unser Pferd in der Halle brav angetrabt ist, sondern wir erinnern die seltenen Momente, in denen es scheinbar aus dem Nichts losschoss. Und wir erinnern uns nicht an all die ungezählten Male, in denen sich unser Pferd auf der Weide problemlos aufhalftern ließ, sondern denken immer wieder an den einen Tag, an dem es weglief und sich nicht einfangen ließ.

Und weil das so ist, sind wir oft ziemlich nachtragend… 

Pferde ticken etwas anders

Pferde leben hingegen im Hier und Jetzt. Sie können sich zwar durchaus auch an Vergangenes erinnern, aber in der Regel zählt für sie der Moment, in dem wir zu ihnen kommen. Sie sind in der Lage, immer wieder gleichsam „neu zu starten“. Manchmal spüren wir das, wenn das Pferd plötzlich nichts mehr von dem zu wissen scheint, was es gestern noch prima konnte oder, wenn wir dachten, bei einer Sache endlich einen Durchbruch erreicht zu haben, am nächsten Tag aber doch wieder alles ist wie zuvor. Und wir erleben es immer wieder dann, wenn ein Pferd uns unsere Ungeduld  oder Ungerechtigkeiten vom Vortag komplett verziehen hat, denn Pferde können wie kaum ein anderes Lebewesen immer und immer wieder verzeihen. 

Hinweis: Natürlich gibt es auch Einzelfälle, in denen die Erlebnisse für das Pferd so schlimm waren, dass es z.B. menschenscheu geworden ist oder aggressiv usw., aber ich gehe hier jetzt mal von einem ganz normalen Pferd aus, nicht von den Extremfällen.

Die Fähigkeit zum Neustart

Diese in Pferden eingebaute Bereitschaft zum Neustart ist eine Herausforderung für uns Menschen und gleichzeitig eine ganz wundervolle Chance, viel zu lernen. Sie stellt uns vor die Aufgabe zu akzeptieren, dass wir, die wir doch so gerne alles sicher im Griff haben, uns auf nicht allzu viel verlassen können, weil sich unser Pferd jeden Tag ein bisschen oder manchmal auch vollkommen anders präsentieren kann. Wer z.B. die Idee hat, einem Pferd nur einmal zeigen zu müssen „wer der Boss“ ist und dann wird es ihm für immer folgen, hat einen ganz wichtigen Aspekt des Pferd-Seins nicht verstanden: neues Spiel, neues Glück. 

Pferde werden nie müde, Dinge zu hinterfragen. Für sie gibt es keine in Stein gemeißelten Regeln, sondern alles ist beweglich – so wie auch in einer Herde alles beweglich ist. Auch Leitstute und Leithengst werden in ihrer Position immer mal wieder in Frage gestellt und in der gesamten Rangfolge gibt es untereinander ständig kleinere und größere Verschiebungen. Genauso wie ein Zaun zwar grundsätzlich akzeptiert wird, was aber noch lange nicht bedeutet, dass nicht hin und wieder getestet wird, ob das Tor nicht vielleicht doch offen ist oder ob wirklich Strom drauf ist. 

Im Umgang heißt das, dass wir zwar natürlich die Persönlichkeit unseres Pferdes erkennen und einschätzen können, dass aber eben manchmal alles ganz anders sein kann – momenteweise, aber vielleicht auch grundsätzlich, dann nämlich, wenn wir zu sehr aus selektiven Erinnerungen heraus das Verhalten unseres Pferdes interpretieren und deshalb zu Fehleinschätzungen kommen. 

Ein offener Blick

Wenn ich zu einem Coaching komme, schaue ich mit offenen Blick hin und fühle mich in das ein, was ist. Deshalb gelingt es mir oft, das Pferd zumindest in diesem Moment etwas klarer zu erkennen als es sein Besitzer vermag, ganz einfach deshalb, weil ich nicht durch den Filter der vergangenen Erlebnisse schaue.  

Nun ist es sicher eine Illusion, sich als Mensch im Umgang mit Pferden vollkommen von vergangenen Erlebnissen lösen zu können, denn so funktioniert unser Gehirn einfach nicht. Aber wir können uns bemühen, es ein Stück weit zu üben. Eine Leitfrage, die ich deshalb jedem Pferdemenschen schenken möchte ist diese: 

Was ist jetzt gerade in diesem Moment?

Es ist eine menschliche Schwäche, uns gegenseitig Sachen vorzuhalten und Vergangenes immer wieder hervorzuholen. Von anderen Menschen erwarten wir Entschuldigungen und Verhaltensveränderungen aufgrund von Einsicht. Und genau das übertragen wir dann leider oft auch auf unsere Pferde. Wir nehmen ihnen (manchmal ganz unbewusst) übel, was sie falsch gemacht haben, und setzen deshalb oft an diesen Erfahrungen an, obwohl sie mit der augenblicklichen Situation gar nichts mehr zu tun haben!

Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, dass wir ein Pferd nicht rückwirkend erziehen können. Ein Pferd wird nicht „einsehen“, dass es doof war, dass es sich gestern losgerissen hat oder dass es nicht hätte scheuen dürfen. Wir können einem Pferd nur immer wieder aufs Neue einen Rahmen bieten, in dem es sich wohl und sicher bei uns fühlt – das ist Aufgabe und Chance zugleich!

Es geht darum, ein Pferd als lebendiges und vielschichtiges Wesen mit seinen Eigenarten anzunehmen. Es geht darum, sich auf das einzulassen, was gerade ist, und nicht z.B. aus der Wut vom vergangenen Tag heraus zu handeln oder mit dem Stolz von gestern heute noch mehr zu erwarten. Pferdegerecht zu handeln heißt, jeden Tag aufs Neue zu schauen, worum es gerade in diesem Moment geht, um dann darauf angemessen zu reagieren.

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21. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 4 Kommentare »

Das Thema „Sorgen“ mitten aus dem Leben…

In meinem letzten Beitrag schrieb ich darüber, wie destruktiv Sorgen um unsere Pferde manchmal sein können. Die Resonanz darauf war riesig: sowohl als Kommentar auf den Beitrag als auch in Mails schrieben uns viele, denen es ganz ähnlich geht. Eigentlich wollte ich nun einen hilfreichen Text mit verschiedenen Tipps und Strategien zum Umgang mit Sorgen schreiben, aber da für mich das Thema selbst gerade wieder mehr als aktuell ist, habe ich gerade nicht genug Distanz für einen solchen „Ratgebertext“. Also tue ich, was ich in diesen Fällen am besten kann und schreibe einen weiteren Erfahrungsbericht. Und manchmal helfen einem solche Texte ja viel mehr als alle noch so praktischen Tipps zusammen… 

Nicht verzweifelt jeden um Rat fragen!

Ich habe leider konkret einen ordentlichen Anlass für Sorgen, mal wieder ist es mein Anthony. Ich schreibe aber ganz bewusst nicht, was er hat und mache damit etwas anders als sonst.

Normalerweise neige ich dazu, jeden greifbaren Menschen um Rat zu fragen, wenn eines meiner Pferde krank ist. In der Folge davon bekam ich immer unzählige gute Ratschläge und Tipps und Ideen, von denen ich aber natürlich nie alle umsetzen konnte und von denen auch fast nie einer für uns so gut war, wie behauptet. Die Crux mit den guten Ratschlägen ist nämlich die: sie setzen uns enorm unter Druck, da wir jedes Mal denken, dass wir nur genau DAS tun müssten oder DAS oder dass DAS helfen würde oder DAS… – und so nie zur Ruhe kommen, denn es gibt immer mindestens noch 20 Sachen, die wir noch nicht ausprobiert haben (die aber meist genauso wenig helfen würden…).

Ich habe mich mal gefragt, was eigentlich hinter meiner Suche nach Rat steht und habe erkannt, dass ich mich eigentlich danach sehne, einmal zu hören, dass ich GENUG mache, dass gut ist, was ich tue und dass es ausreicht…, aber das habe ich tatsächlich noch nie gehört, denn jeder, der um Rat gefragt wird, will natürlich auch etwas Hilfreiches dazu geben…

Die Antwort aus diesem Dilemma ist, dass ich BEI MIR selbst bleiben muss und mir zutraue, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich habe mir gut überlegt, wen ich in meine Entscheidungen einbinde und ich möchte es genau dabei belassen, um nicht wieder wie ein panisches Huhn 100 verschiedene Dinge gleichzeitig auszuprobieren. Mir selbst in meinen Entscheidungen zu vertrauen, ist ein Schritt, der mich zur Zeit enorm entlastet, weil ich mir nicht vorwerfen muss, nicht alles auszuprobieren, was möglich ist. 

Nicht andere fragen, sondern mein Pferd

Ein weiterer Punkt ist, dass ich im Moment möglichst darauf verzichte, andere um eine Einschätzung dazu zu bitten, wie es meinem Pferd geht. Der Wunsch dahinter ist natürlich die Bestätigung zu bekommen, dass es ihm doch gar nicht so schlecht geht und vor allem, dass alles wieder gut wird. Aber das kann mir keiner geben! Und mehr noch: andere reagieren oft in einer Weise, die mir selbst und auch meinem Pferd gar nicht gut tut. Hier lerne ich langsam zu unterscheiden, mit wem ich darüber reden möchte und mit wem besser nicht. 

Statt dessen frage ich jetzt direkt mein Pferd, wie es ihm geht, und versuche dabei, nicht nur das Symptom, sondern sehr gezielt ihn als Ganzes wahrzunehmen. Anthony ist jeder Zeit ansprechbar und munter, er frisst, hat kein Fieber und reagiert auf die nötigen Behandlungsmaßnahmen ruhig und gelassen. Obwohl er „krank“ ist, geht es ihm also den Umständen entsprechend gut und genau darauf lege ich meinen Fokus. Damit lasse ich IHN mitentscheiden und nicht andere, die ihn weniger gut kennen und ich glaube, das tut uns beiden gut.  

Die Grenzen meiner Möglichkeiten akzeptieren

Im Moment gelingt es mir ganz gut, zu erkennen, dass es schlicht und einfach nicht möglich ist, mein Pferd vor allem zu bewahren. Pferde werden krank, anfällige Pferde werden häufiger krank und Anthony ist ein anfälliges Pferd. Das ist einfach so und Punkt.

Es liegt nicht in meiner Macht, Anthony vor seinem eigenen Leben zu bewahren. Ich tue, was ich kann, aber ich kann eben nicht alles – damit muss ich mich aussöhnen und letztlich auch LOSLASSEN, um weitermachen zu können. Die Portion Erleichterung, die mir dieser Gedanke schenkt, wird auch von Anthony wohlwollend quittiert, denn er reagiert zur Zeit sehr offen und zugewandt auf mich. 

Ich gehe im Moment sogar noch einen Schritt weiter und denke, dass ich letztlich nicht wissen kann, ob die ganze Sache nicht auch etwas Gutes haben kann. Vielleicht gehört das jetzt einfach zu seiner ganz eigenen Krank- und Gesundheitsgeschichte und hat seinen Sinn.

Und das Wichtigste: Ich nehme es an!

Und das bringt mich zum vielleicht Allerwichtigsten, das im Moment den Unterschied zu vielen anderen Situationen macht: ich sage Ja zu Anthony MIT dem, was er gerade hat.

In der Vergangenheit habe ich bei Erkrankungen ganz oft einfach nur weghaben wollen, was ist. Ich wollte ein gesundes Pferd, kein krankes und habe damit ohne es zu merken „Nein“ zu ihm gesagt, weil ich gegen die Wirklichkeit kämpfte. Im Moment ist es mir möglich Ja zu ihm zu sagen MIT dem, was er hat. Und ich glaube, genau das kommt auch bei ihm an und ermöglicht ihm seinerseits anzunehmen, was ist.

So setze ich mir ein klares gedankliches Stopp-Schild, wann immer ich merke, dass ich ins Hadern komme und mir selbst mal wieder furchtbar leid tue (und versuche das freundlich, aber bestimmt auch bei anderen zu stoppen, die uns mitleidig angucken).  Statt dessen mache ich ganz bewusst schöne und lockere Sachen mit Anthony, also z.B. unsere geliebte Freiarbeit, bei der ich ihn dann anfeuern und bewundern kann, oder wie hier auf dem Foto zu sehen, ein Spiel mit dem Wasserstrahl. 

Anthony

Noch weiß ich natürlich nicht, wie lange ich diesen neuen Umgang mit meinen Sorgen um Anthony durchhalten werde, aber ich bin fest entschlossen, auch hier alte Muster zu durchbrechen, da sie in der Vergangenheit für viel Leid sorgten und es für niemanden besser machten. Ich denke, ich bin nun auf einem besseren Weg. Wir bekommen das hin, mein Kleiner!

 

15. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Gesundheit, Umgang 32 Kommentare »

Buch-Tipp: „Stress lass nach!“ von Marlitt Wendt

„Stress lass nach!“ von Marlitt Wendt
Burgwedel: evipo, 2015. – 64 S.
ISBN:9783945417065
ca. 11,– EUR (broschiert, durchgehend farbige Fotos)

 

Bei „Stress lass nach!“ handelt es sich zwar nur um ein kleinformatiges Büchlein mit knapp über 60 Seiten, diese aber haben es in sich. Verfasst hat es die bekannte Verhaltensbiologin Marlitt Wendt, von der wir bereits zwei Bücher rezensiert haben (hier und hier) und deren Blog wir sehr schätzen.

Die vielleicht wichtigste Botschaft dieses Buches lautet: Stress wird unterschätzt! Folgerichtig führt Marlitt Wendt zunächst die negativen Folgen von Stress auf, bevor sie dann aufzeigt, in welchen Bereichen des Pferdes Stress durch welche Faktoren ausgelöst werden kann. Dabei geht sie sowohl auf die Haltung als auch den Umgang und das Training ein.

Zu allen Kapiteln gibt es nicht nur aufklärende Infos, sondern durchgehend auch praktische Anregungen und Tipps, wodurch das Buch einen großen Praxisnutzen hat. Sehr schön dabei ist, dass die Autorin nichts Unmögliches von ihren Lesern verlangt, sondern betont, dass wir bereits mit vielen kleinen Verbesserungen und der Bereitschaft, immer wieder dazuzulernen, sehr viel dafür tun können, dass unser Pferd ein möglichst stressfreies Leben führen kann.  

Selbst bei dem geringen Umfang des Buches gelingt es der Autorin das Thema differenziert zu behandeln und deutlich zu machen, dass jedes Pferd anders auf bestimmte Situationen und Umstände reagieren kann und dass es unsere Aufgabe ist, Stress nicht nur zu erkennen, sondern ihm möglichst auch vorzubeugen. 

Aus unserer Sicht wäre es mehr als wünschenswert, dass jeder, der sich ein Pferd anschafft oder eine Reitbeteiligung übernimmt, dieses Büchlein automatisch mit dazu bekommt, denn das Wissen, das Marlitt Wendt hier so kompakt aufbereitet hat, verhilft zu sehr viel mehr Verständnis für das Mitgeschöpf Pferd, das leider noch immer viel zu oft vor allem als Sportgerät angesehen und als solches leider auch missbraucht wird. 

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14. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Raus aus der Sorgenfalle

In der letzten Woche bin ich mal wieder in ein für mich sehr typisches Muster gefallen: Ich neige dazu, mir Sorgen zu machen, und zwar leider viel zu dolle Sorgen. Phasenweise bringt mich meine Angst um meine Pferde in echte Not. Dann kreisen meine Gedanken nur noch um das, was passieren könnte und ich martere mich selbst damit, alles zu tun, um es zu verhindern (wohl wissend, dass das gar nicht in meiner Macht steht…).  

Um aktiv daran zu arbeiten, mich von meinen Sorgen nicht immer wieder in dieser Weise beherrschen zu lassen, habe ich mir einige Gedanken gemacht, die vielleicht nicht nur mir, sondern auch den einen oder der anderen von Euch dabei helfen können, in Sachen Sorgen etwas gegenzusteuern.

Es gibt konstruktive Sorgen und es gibt destruktive Sorgen

Ich unterscheide bei mir inzwischen zwischen konstruktiven und destruktiven Sorgen. 

  • Konstruktive Sorgen sind solche, die mich wach und aufmerksam halten. Sie sorgen dafür, dass ich mich umfassend informiere und konkret tue, was nötig ist, um meinen Pferden zu helfen oder sie zu schützen. 
  • Destruktive Sorgen gehen über das Maß der konstruktiven Sorgen hinaus, führen aber zu keiner Verbesserung der Situation, ganz im Gegenteil: sie verschlechtern das Ganze. Destruktive Sorgen bringen mich in Gedankenschleifen, die zu nichts führen, sie quälen mich mit Fragen, auf die es keine Antworten gibt und sie machen, dass ich das Gefühl habe, nie genug zu tun und, egal wie ich mich entscheide, eh alles falsch zu machen. Destruktive Sorgen lähmen mich und führen dazu, dass ich mich immer schlechter fühle. 

Destruktive Sorgen belasten das Pferd

Wichtig dabei ist zu verstehen: Destruktive Sorgen belasten nicht nur einen selbst, sondern vor allem auch das Pferd, um das es geht. Denn wenn wir uns Sorgen machen, ändert sich sehr viel: 

  • Wir kommen mit einer entsprechenden Stimmung zu unserem Pferd,
  • wir schauen es auf eine bestimmte Weise an,
  • wir reden auf eine bestimmte Weise mit dem Pferd oder mit anderen über das Pferd,
  • unsere Körperhaltung ist anders,
  • unsere Bewegungen sind anders
  • unser Tonfall ist anders,
  • wir strahlen etwas anderes aus (eben leider keinen Optimismus, keine Zuversicht, sondern Angst und Sorgen), 
  • wir verlieren Lebensfreude und Energie
  • und vor allem auch unseren Humor.

Wenn wir unseren Sorgen einen zu großen Raum geben, passiert etwas, das wir eigentlich gar nicht wollen: das Pferd selbst wird zum Problem, denn das Pferd ist die Quelle unserer Sorgen und wir können es kaum verhindern, dass es das spürt. 

Aber, davon bin ich überzeugt, kein Pferd, auch kein krankes Pferd, möchte nur noch ein Problem sein. 

Wie unsere Sorgen unser Miteinander beeinflussen

Sorgen und Ängste haben also einen umfassenden Einfluss darauf, wie wir auf unser Pferd wirken und sehr wahrscheinlich wird es kaum wirklich verstehen, WARUM wir so sind.

  • Es kann nicht verstehen, warum wir z.B. viel ungehaltener sind oder schneller gereizt oder ganz still oder traurig usw.
  • Es wird nicht immer einsehen, warum wir als erstes seine Beine abtasten, sorgenvoll zum Bauch schauen, Fieber messen o.ä., statt das gewohnte Begrüßungsritual zu vollziehen oder uns Zeit zum Schmusen zu nehmen. 
  • Es kann nicht einordnen, warum wir nicht wie sonst lachen, wenn es herumkaspert, sondern viel ernster und vielleicht sogar strenger reagieren als gewohnt. 
  • Es wird sich vielleicht fragen, warum sich alles so schwer anfühlt und nicht so leicht wie sonst. 
  • Und anderes mehr.

In der Folge verändert sich dann unter Umständen das ganze Miteinander negativ. 

Ich arbeite im Moment sehr an mir, um meine destruktive Sorgen zu erkennen und möglichst schnell zu beenden. Das gelingt mir leider noch nicht so gut, wie ich es mir wünsche, aber ich bin dran. Und das Spannende ist, dass meine Pferde sehr unmittelbar darauf reagieren: nämlich distanziert oder auch unwirsch, wenn ich im Sorgensumpf sitze, und offen und unbeschwert, wenn ich wieder herausgekrabbelt bin. 

diebeiden

Mich würde nun sehr interessieren, wie es Euch mit diesem Thema geht! Macht die Unterscheidung zwischen konstruktiven und destruktiven Sorgen für Euch Sinn? Kennt Ihr das auch von Euch selbst? Und wie geht Ihr damit um, wenn Ihr Euch zu große Sorgen macht?

7. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Gesundheit, Umgang 27 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 3: Das Kleben an der äußeren Bande

Heute habe ich ein weiteres Fallbeispiel aus der praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs für Sie (weitere Beispiele finden Sie hier und hier). 

Das Kleben an der äußeren Bande

Eine neunjährige Islandstute läuft auf dem Longierzirkel brav und lässt sich recht manierlich stellen und biegen. Sobald sie aber im Viereck longiert wird und keine äußere Begrenzung mehr hat, zieht sie heftig nach außen weg.

So gehe ich vor:

Viele Pferde neigen dazu, sich an Zäune oder Banden „anzulehnen“ und regelrecht daran zu kleben. Versucht man ein solches Pferd ohne äußere Begrenzung, also z.B. in der Mitte der Reitbahn zu longieren, zieht es sie entsprechend stark zur Wand. Das hat nichts mit Widersetzlichkeit oder Bockigkeit zu tun, sondern es handelt sich dabei schlicht und einfach um ein Balanceproblem, das sich durch gezieltes Training beheben lässt. 

Die Stute aus dem Beispiel würde ich zunächst für einige Einheiten in der Quadratvolte mit Dualgassen arbeiten. Diese geben dem Pferd zwar noch eine äußere Orientierung, sind aber schon eine deutliche Stufe weniger als die Bande. Wenn das Pferd diese Aufgabe gemeistert hat, versuche ich es für kurze Sequenzen ohne die Quadratvolte, kehre aber gleich wieder dorthin zurück, wenn das Pferd wieder nach außen driftet. Hier muss man genau die Zeit und Geduld investieren, die das Pferd braucht, um seine Schulterbalance von sich aus zu finden, bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es länger.

Parallel dazu übe ich mit einem solchen Pferd intensiv, ruhig an der Hand anzutraben. Dazu führe ich das Pferd mit meiner Hand direkt am Kappzaum vom Schritt in einen langsamen Trab und dann in diesem langsamen Trab auf Volten und größere Kreise. Das mache ich so lange, bis ich merke, dass das Pferd nicht mehr nach außen zieht und ganz leicht an der Hand ist. Sobald ich das spüre, lasse ich langsam die Longe Stück für Stück länger werden und entferne mich vorsichtig vom Pferd. Bleibt das Pferd in guter Balance, kann ich mich auf Longendistanz entfernen und normal weiter longieren. Bleibt das Pferd leicht und im guten Gleichgewicht, versuche ich dann, das Pferd vorsichtig zum aktiven, schwungvollerem Laufen zu animieren.

Merke ich aber, dass wieder Zug auf die Longe kommt, gehe ich sofort dichter an das Pferd heran und nehme das Tempo wieder heraus. Wenn nötig gehe ich wieder so dicht an das Pferd heran, bis ich es erneut direkt am Kappzaum führen kann.

Mit solchen Pferden arbeite ich gerne auf sehr großen Plätzen, so dass ich immer viel Abstand zur Bande halten kann. So lernen die Pferde schneller ohne Wand zum Anlehnen zu laufen.

fallbeispiel3

Tipps: Wichtig ist auch zu wissen, dass viele Pferde dann nach außen ziehen, wenn der Mensch

  • zu früh viel Tempo fordert und damit das Pferd aus dem Gleichgewicht bringt oder
  • sich körpersprachlich falsch zum Pferd ausrichtet.

Viele drehen ihren Körper beim Longieren zum Pferd hin. Dadurch „drückt“ der Mensch das Pferd gleichsam nach außen. Gerade bei Pferden, die sowieso schon dazu neigen nach außen zu ziehen, müssen wir sehr darauf achten, unseren Körper in die Bewegungsrichtung auszurichten, also nach vorn und nicht zum Pferd hin. Die Schulter des Menschen sollte immer so gestellt sein, wie die Schulter des Pferdes (genau wie beim Reiten auch).

31. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Longieren 5 Kommentare »

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