Das Lot für die Aufrichtung am Boden und im Sattel

Von Carla Bauchmüller

Heute habe ich eine Übung für Sie, die Sie sowohl beim Führen und der Handarbeit als auch beim Reiten nutzen können: 

Hinweis: Beginnen Sie mit der Übung bitte immer zuerst am Boden und nicht gleich im Sattel, auch wenn Sie sie vor allem zum Reiten einsetzen möchten, es hilft sehr dabei, sich die inneren Bilder wirkungsvoll erarbeiten.

Stellen Sie sich also zunächst ohne Pferd aufrecht hin, Ihre Füße stehen stabil auf dem Boden, die Knie sind entspannt. Stellen Sie sich nun eine vertikale Linie vor, also ein Lot, das über Ihrem Kopf beginnt und bis zu dem Bereich zwischen Ihren Füßen fällt. Nehmen Sie sich einen Moment Zeit, dieses Lot zu erspüren.
 Haben Sie es? Dann stellen Sie sich bitte ein ebensolches Lot etwa einen Meter vor sich vor.

Wenn Sie nun losgehen, bringen Sie gedanklich das Lot in Ihnen und das Lot vor Ihnen in Deckung. Der Clou dabei: Das Lot vor Ihnen bewegt sich von Ihnen weg, wenn Sie auf es zugehen! Es bleibt also immer etwa einen Meter vor Ihnen. Sie bleiben mit Ihrer Aufmerksamkeit bei dem Lot in Ihnen und bringen dieses Lot immer wieder mit dem Lot vor Ihnen in Deckung. Gehen Sie auf diese Weise verschiedene Wendungen und gerade Linien immer mit der Vorstellung des Lotes. Atmen Sie gleichmäßig weiter.

Sie werden feststellen, dass Ihnen das Lot Stabilität vermittelt. Es erzeugt eine gute Spannkraft ohne Verspannung. Arme und Beine können frei schwingen. Wenn Sie das Bild vom Lot verinnerlicht haben, können Sie es auch zusammen mit dem Pferd nutzen, also z.B. bei der Hand- oder Longenarbeit und damit erreichen, dass Sie gut in Ihrer eigenen Spur laufen und nicht „in Ihr Pferd fallen“. 

Im Sattel geht diese Übung ganz ähnlich: Auf Pferd sitzend stellen Sie sich ebenso das Lot vor, das durch Sie durch und weiter durch Ihr Pferd bis zum Boden geht. Das andere Lot ist wieder ungefähr einen Meter vor Ihnen.

Wenn Sie jetzt losreiten, bringen Sie wieder gedanklich das Lot in Ihnen mit dem vor Ihnen in Deckung, während aber das Lot vor Ihnen immer im Abstand von einem Meter entfernt bleibt.

Diese Übung dient dazu, senkrecht zu bleiben und auch in Wendungen nicht in der Hüfte einzuknicken. Sie finden durch die kleine Visualisierung eine gute Stabilität, Ihre Schultern und Arme bleiben entspannt. Dadurch, dass Sie dem Lot folgen, schauen Sie automatisch geradeaus und folgen einer klaren Absicht, die das Pferd wahrnimmt und sehr zu schätzen weiß.

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28. Juni 2016 von Gastautor • Kategorie: Allgemein, Arbeit an der Hand, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Reiten, Übungen 0 Kommentare »

Was zählt, ist JETZT!

In meinen Coachings stoße ich immer wieder auf ein Phänomen, das für große Probleme zwischen Mensch und Pferd sorgt: Während das Pferd im Hier und Jetzt lebt, zieht der Mensch fast ständig Bezüge zu dem, was mal war. Und das hat Folgen. 

Mein Pferd ist so und so… 

Hier einige typische Äußerungen, die ich oft höre: 

  • Mein Pferd will immer Boss sein und ist dabei oft respektlos. Erst letzte Woche hat er …
  • Die Stute ist normalerweise sehr nervös, die können schon die kleinsten Sachen kirre machen. Neulich am Anbinder … 
  • Mein Pony ist vollkommen verfressen, da kann ich nicht mit Futterlob arbeiten. Erst gestern hing er mir wieder in der Tasche … 
  • Mein Wallach ist vollkommen cool, den bringt gar nichts aus der Ruhe …

Und hier die Situationen dazu, in denen die Besitzer/innen das jeweils sagten: 

  • Das Pferd wartete respektvoll in einem guten Abstand. 
  • Die Stute stand seelenruhig und fast gelangweilt am Anbinder. 
  • Das Pony schaute keck, aber machte keinerlei Anstalten näher zu kommen, obwohl ich meine Hand in meiner Jackentasche hatte. 
  • Der Wallach stand wie eine Statue, fast jeder Muskel war angespannt. 

Wir interpretieren die Welt aus dem heraus, was wir erleben

Ich will noch deutlicher machen, worum es mir geht: Für die meisten von uns ist es ganz normal, Erlebtes zu erinnern und solche Erinnerungen sind für uns oft lange Zeit noch sehr präsent. Wir reden mit anderen über das, was uns passiert ist, erzählen subjektiv interpretierte Geschichten und wir ordnen aus unseren Erlebnissen heraus anderen Lebewesen (ob Menschen oder Tieren) Eigenschaften zu – und, und das ist das Entscheidende, gehen davon aus, dass unsere Schlüsse richtig sind. Denn natürlich kann jeder Besitzer aufgrund der vielen Erlebnisse sein eigenes Pferd doch am besten einschätzen, oder etwa nicht?

Tja, genau um dieses Fragezeichen geht es mir hier. 

Wenn ich zum Coaching komme, habe ich in der Regel kaum Vorwissen. Ich kenne Pferd und Mensch meist nicht und habe deshalb keine Vorgeschichte mit ihnen. So kann ich mich vollkommen unbelastet auf das einlassen, was gerade ist. Und interessanterweise weicht das IST, das ich wahrnehme, häufig von dem ab, was mir als IST erzählt wird. Denn die Besitzer/innen berichten von Erlebnissen, die sie mit ihrem Pferd hatten und, und auch das ist entscheidend: sie erzählen von denen, an die sie sich erinnern! 

Unsere Erinnerung ist selektiv

Tatsächlich nämlich erinnern wir ja nie alles, sondern nur einen Teil. Denn so arbeitet das menschliche Gehirn: es registriert vor allem das, was besonders ist, nicht das Gewohnte. Für den Umgang mit Pferden ist das leider nur bedingt nützlich, weil wir uns vor allem an die Sachen erinnern, die unschön waren.

Mal ganz ehrlich: Wir erinnern meist nicht die 95 Prozent, in denen unser Pferd brav alle vier Hufe gegeben hat, sondern wir erinnern die wenigen Momente, in denen es ein Bein weggezogen hat. Wir erinnern nicht die unzähligen Male, in denen unser Pferd in der Halle brav angetrabt ist, sondern wir erinnern die seltenen Momente, in denen es scheinbar aus dem Nichts losschoss. Und wir erinnern uns nicht an all die ungezählten Male, in denen sich unser Pferd auf der Weide problemlos aufhalftern ließ, sondern denken immer wieder an den einen Tag, an dem es weglief und sich nicht einfangen ließ.

Und weil das so ist, sind wir oft ziemlich nachtragend… 

Pferde ticken etwas anders

Pferde leben hingegen im Hier und Jetzt. Sie können sich zwar durchaus auch an Vergangenes erinnern, aber in der Regel zählt für sie der Moment, in dem wir zu ihnen kommen. Sie sind in der Lage, immer wieder gleichsam „neu zu starten“. Manchmal spüren wir das, wenn das Pferd plötzlich nichts mehr von dem zu wissen scheint, was es gestern noch prima konnte oder, wenn wir dachten, bei einer Sache endlich einen Durchbruch erreicht zu haben, am nächsten Tag aber doch wieder alles ist wie zuvor. Und wir erleben es immer wieder dann, wenn ein Pferd uns unsere Ungeduld  oder Ungerechtigkeiten vom Vortag komplett verziehen hat, denn Pferde können wie kaum ein anderes Lebewesen immer und immer wieder verzeihen. 

Hinweis: Natürlich gibt es auch Einzelfälle, in denen die Erlebnisse für das Pferd so schlimm waren, dass es z.B. menschenscheu geworden ist oder aggressiv usw., aber ich gehe hier jetzt mal von einem ganz normalen Pferd aus, nicht von den Extremfällen.

Die Fähigkeit zum Neustart

Diese in Pferden eingebaute Bereitschaft zum Neustart ist eine Herausforderung für uns Menschen und gleichzeitig eine ganz wundervolle Chance, viel zu lernen. Sie stellt uns vor die Aufgabe zu akzeptieren, dass wir, die wir doch so gerne alles sicher im Griff haben, uns auf nicht allzu viel verlassen können, weil sich unser Pferd jeden Tag ein bisschen oder manchmal auch vollkommen anders präsentieren kann. Wer z.B. die Idee hat, einem Pferd nur einmal zeigen zu müssen „wer der Boss“ ist und dann wird es ihm für immer folgen, hat einen ganz wichtigen Aspekt des Pferd-Seins nicht verstanden: neues Spiel, neues Glück. 

Pferde werden nie müde, Dinge zu hinterfragen. Für sie gibt es keine in Stein gemeißelten Regeln, sondern alles ist beweglich – so wie auch in einer Herde alles beweglich ist. Auch Leitstute und Leithengst werden in ihrer Position immer mal wieder in Frage gestellt und in der gesamten Rangfolge gibt es untereinander ständig kleinere und größere Verschiebungen. Genauso wie ein Zaun zwar grundsätzlich akzeptiert wird, was aber noch lange nicht bedeutet, dass nicht hin und wieder getestet wird, ob das Tor nicht vielleicht doch offen ist oder ob wirklich Strom drauf ist. 

Im Umgang heißt das, dass wir zwar natürlich die Persönlichkeit unseres Pferdes erkennen und einschätzen können, dass aber eben manchmal alles ganz anders sein kann – momenteweise, aber vielleicht auch grundsätzlich, dann nämlich, wenn wir zu sehr aus selektiven Erinnerungen heraus das Verhalten unseres Pferdes interpretieren und deshalb zu Fehleinschätzungen kommen. 

Ein offener Blick

Wenn ich zu einem Coaching komme, schaue ich mit offenen Blick hin und fühle mich in das ein, was ist. Deshalb gelingt es mir oft, das Pferd zumindest in diesem Moment etwas klarer zu erkennen als es sein Besitzer vermag, ganz einfach deshalb, weil ich nicht durch den Filter der vergangenen Erlebnisse schaue.  

Nun ist es sicher eine Illusion, sich als Mensch im Umgang mit Pferden vollkommen von vergangenen Erlebnissen lösen zu können, denn so funktioniert unser Gehirn einfach nicht. Aber wir können uns bemühen, es ein Stück weit zu üben. Eine Leitfrage, die ich deshalb jedem Pferdemenschen schenken möchte ist diese: 

Was ist jetzt gerade in diesem Moment?

Es ist eine menschliche Schwäche, uns gegenseitig Sachen vorzuhalten und Vergangenes immer wieder hervorzuholen. Von anderen Menschen erwarten wir Entschuldigungen und Verhaltensveränderungen aufgrund von Einsicht. Und genau das übertragen wir dann leider oft auch auf unsere Pferde. Wir nehmen ihnen (manchmal ganz unbewusst) übel, was sie falsch gemacht haben, und setzen deshalb oft an diesen Erfahrungen an, obwohl sie mit der augenblicklichen Situation gar nichts mehr zu tun haben!

Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich klar zu machen, dass wir ein Pferd nicht rückwirkend erziehen können. Ein Pferd wird nicht „einsehen“, dass es doof war, dass es sich gestern losgerissen hat oder dass es nicht hätte scheuen dürfen. Wir können einem Pferd nur immer wieder aufs Neue einen Rahmen bieten, in dem es sich wohl und sicher bei uns fühlt – das ist Aufgabe und Chance zugleich!

Es geht darum, ein Pferd als lebendiges und vielschichtiges Wesen mit seinen Eigenarten anzunehmen. Es geht darum, sich auf das einzulassen, was gerade ist, und nicht z.B. aus der Wut vom vergangenen Tag heraus zu handeln oder mit dem Stolz von gestern heute noch mehr zu erwarten. Pferdegerecht zu handeln heißt, jeden Tag aufs Neue zu schauen, worum es gerade in diesem Moment geht, um dann darauf angemessen zu reagieren.

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21. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 4 Kommentare »

Das Thema „Sorgen“ mitten aus dem Leben…

In meinem letzten Beitrag schrieb ich darüber, wie destruktiv Sorgen um unsere Pferde manchmal sein können. Die Resonanz darauf war riesig: sowohl als Kommentar auf den Beitrag als auch in Mails schrieben uns viele, denen es ganz ähnlich geht. Eigentlich wollte ich nun einen hilfreichen Text mit verschiedenen Tipps und Strategien zum Umgang mit Sorgen schreiben, aber da für mich das Thema selbst gerade wieder mehr als aktuell ist, habe ich gerade nicht genug Distanz für einen solchen „Ratgebertext“. Also tue ich, was ich in diesen Fällen am besten kann und schreibe einen weiteren Erfahrungsbericht. Und manchmal helfen einem solche Texte ja viel mehr als alle noch so praktischen Tipps zusammen… 

Nicht verzweifelt jeden um Rat fragen!

Ich habe leider konkret einen ordentlichen Anlass für Sorgen, mal wieder ist es mein Anthony. Ich schreibe aber ganz bewusst nicht, was er hat und mache damit etwas anders als sonst.

Normalerweise neige ich dazu, jeden greifbaren Menschen um Rat zu fragen, wenn eines meiner Pferde krank ist. In der Folge davon bekam ich immer unzählige gute Ratschläge und Tipps und Ideen, von denen ich aber natürlich nie alle umsetzen konnte und von denen auch fast nie einer für uns so gut war, wie behauptet. Die Crux mit den guten Ratschlägen ist nämlich die: sie setzen uns enorm unter Druck, da wir jedes Mal denken, dass wir nur genau DAS tun müssten oder DAS oder dass DAS helfen würde oder DAS… – und so nie zur Ruhe kommen, denn es gibt immer mindestens noch 20 Sachen, die wir noch nicht ausprobiert haben (die aber meist genauso wenig helfen würden…).

Ich habe mich mal gefragt, was eigentlich hinter meiner Suche nach Rat steht und habe erkannt, dass ich mich eigentlich danach sehne, einmal zu hören, dass ich GENUG mache, dass gut ist, was ich tue und dass es ausreicht…, aber das habe ich tatsächlich noch nie gehört, denn jeder, der um Rat gefragt wird, will natürlich auch etwas Hilfreiches dazu geben…

Die Antwort aus diesem Dilemma ist, dass ich BEI MIR selbst bleiben muss und mir zutraue, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich habe mir gut überlegt, wen ich in meine Entscheidungen einbinde und ich möchte es genau dabei belassen, um nicht wieder wie ein panisches Huhn 100 verschiedene Dinge gleichzeitig auszuprobieren. Mir selbst in meinen Entscheidungen zu vertrauen, ist ein Schritt, der mich zur Zeit enorm entlastet, weil ich mir nicht vorwerfen muss, nicht alles auszuprobieren, was möglich ist. 

Nicht andere fragen, sondern mein Pferd

Ein weiterer Punkt ist, dass ich im Moment möglichst darauf verzichte, andere um eine Einschätzung dazu zu bitten, wie es meinem Pferd geht. Der Wunsch dahinter ist natürlich die Bestätigung zu bekommen, dass es ihm doch gar nicht so schlecht geht und vor allem, dass alles wieder gut wird. Aber das kann mir keiner geben! Und mehr noch: andere reagieren oft in einer Weise, die mir selbst und auch meinem Pferd gar nicht gut tut. Hier lerne ich langsam zu unterscheiden, mit wem ich darüber reden möchte und mit wem besser nicht. 

Statt dessen frage ich jetzt direkt mein Pferd, wie es ihm geht, und versuche dabei, nicht nur das Symptom, sondern sehr gezielt ihn als Ganzes wahrzunehmen. Anthony ist jeder Zeit ansprechbar und munter, er frisst, hat kein Fieber und reagiert auf die nötigen Behandlungsmaßnahmen ruhig und gelassen. Obwohl er „krank“ ist, geht es ihm also den Umständen entsprechend gut und genau darauf lege ich meinen Fokus. Damit lasse ich IHN mitentscheiden und nicht andere, die ihn weniger gut kennen und ich glaube, das tut uns beiden gut.  

Die Grenzen meiner Möglichkeiten akzeptieren

Im Moment gelingt es mir ganz gut, zu erkennen, dass es schlicht und einfach nicht möglich ist, mein Pferd vor allem zu bewahren. Pferde werden krank, anfällige Pferde werden häufiger krank und Anthony ist ein anfälliges Pferd. Das ist einfach so und Punkt.

Es liegt nicht in meiner Macht, Anthony vor seinem eigenen Leben zu bewahren. Ich tue, was ich kann, aber ich kann eben nicht alles – damit muss ich mich aussöhnen und letztlich auch LOSLASSEN, um weitermachen zu können. Die Portion Erleichterung, die mir dieser Gedanke schenkt, wird auch von Anthony wohlwollend quittiert, denn er reagiert zur Zeit sehr offen und zugewandt auf mich. 

Ich gehe im Moment sogar noch einen Schritt weiter und denke, dass ich letztlich nicht wissen kann, ob die ganze Sache nicht auch etwas Gutes haben kann. Vielleicht gehört das jetzt einfach zu seiner ganz eigenen Krank- und Gesundheitsgeschichte und hat seinen Sinn.

Und das Wichtigste: Ich nehme es an!

Und das bringt mich zum vielleicht Allerwichtigsten, das im Moment den Unterschied zu vielen anderen Situationen macht: ich sage Ja zu Anthony MIT dem, was er gerade hat.

In der Vergangenheit habe ich bei Erkrankungen ganz oft einfach nur weghaben wollen, was ist. Ich wollte ein gesundes Pferd, kein krankes und habe damit ohne es zu merken „Nein“ zu ihm gesagt, weil ich gegen die Wirklichkeit kämpfte. Im Moment ist es mir möglich Ja zu ihm zu sagen MIT dem, was er hat. Und ich glaube, genau das kommt auch bei ihm an und ermöglicht ihm seinerseits anzunehmen, was ist.

So setze ich mir ein klares gedankliches Stopp-Schild, wann immer ich merke, dass ich ins Hadern komme und mir selbst mal wieder furchtbar leid tue (und versuche das freundlich, aber bestimmt auch bei anderen zu stoppen, die uns mitleidig angucken).  Statt dessen mache ich ganz bewusst schöne und lockere Sachen mit Anthony, also z.B. unsere geliebte Freiarbeit, bei der ich ihn dann anfeuern und bewundern kann, oder wie hier auf dem Foto zu sehen, ein Spiel mit dem Wasserstrahl. 

Anthony

Noch weiß ich natürlich nicht, wie lange ich diesen neuen Umgang mit meinen Sorgen um Anthony durchhalten werde, aber ich bin fest entschlossen, auch hier alte Muster zu durchbrechen, da sie in der Vergangenheit für viel Leid sorgten und es für niemanden besser machten. Ich denke, ich bin nun auf einem besseren Weg. Wir bekommen das hin, mein Kleiner!

 

15. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Gesundheit, Umgang 32 Kommentare »

Buch-Tipp: „Stress lass nach!“ von Marlitt Wendt

„Stress lass nach!“ von Marlitt Wendt
Burgwedel: evipo, 2015. – 64 S.
ISBN:9783945417065
ca. 11,– EUR (broschiert, durchgehend farbige Fotos)

 

Bei „Stress lass nach!“ handelt es sich zwar nur um ein kleinformatiges Büchlein mit knapp über 60 Seiten, diese aber haben es in sich. Verfasst hat es die bekannte Verhaltensbiologin Marlitt Wendt, von der wir bereits zwei Bücher rezensiert haben (hier und hier) und deren Blog wir sehr schätzen.

Die vielleicht wichtigste Botschaft dieses Buches lautet: Stress wird unterschätzt! Folgerichtig führt Marlitt Wendt zunächst die negativen Folgen von Stress auf, bevor sie dann aufzeigt, in welchen Bereichen des Pferdes Stress durch welche Faktoren ausgelöst werden kann. Dabei geht sie sowohl auf die Haltung als auch den Umgang und das Training ein.

Zu allen Kapiteln gibt es nicht nur aufklärende Infos, sondern durchgehend auch praktische Anregungen und Tipps, wodurch das Buch einen großen Praxisnutzen hat. Sehr schön dabei ist, dass die Autorin nichts Unmögliches von ihren Lesern verlangt, sondern betont, dass wir bereits mit vielen kleinen Verbesserungen und der Bereitschaft, immer wieder dazuzulernen, sehr viel dafür tun können, dass unser Pferd ein möglichst stressfreies Leben führen kann.  

Selbst bei dem geringen Umfang des Buches gelingt es der Autorin das Thema differenziert zu behandeln und deutlich zu machen, dass jedes Pferd anders auf bestimmte Situationen und Umstände reagieren kann und dass es unsere Aufgabe ist, Stress nicht nur zu erkennen, sondern ihm möglichst auch vorzubeugen. 

Aus unserer Sicht wäre es mehr als wünschenswert, dass jeder, der sich ein Pferd anschafft oder eine Reitbeteiligung übernimmt, dieses Büchlein automatisch mit dazu bekommt, denn das Wissen, das Marlitt Wendt hier so kompakt aufbereitet hat, verhilft zu sehr viel mehr Verständnis für das Mitgeschöpf Pferd, das leider noch immer viel zu oft vor allem als Sportgerät angesehen und als solches leider auch missbraucht wird. 

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14. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Buchtipps, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Raus aus der Sorgenfalle

In der letzten Woche bin ich mal wieder in ein für mich sehr typisches Muster gefallen: Ich neige dazu, mir Sorgen zu machen, und zwar leider viel zu dolle Sorgen. Phasenweise bringt mich meine Angst um meine Pferde in echte Not. Dann kreisen meine Gedanken nur noch um das, was passieren könnte und ich martere mich selbst damit, alles zu tun, um es zu verhindern (wohl wissend, dass das gar nicht in meiner Macht steht…).  

Um aktiv daran zu arbeiten, mich von meinen Sorgen nicht immer wieder in dieser Weise beherrschen zu lassen, habe ich mir einige Gedanken gemacht, die vielleicht nicht nur mir, sondern auch den einen oder der anderen von Euch dabei helfen können, in Sachen Sorgen etwas gegenzusteuern.

Es gibt konstruktive Sorgen und es gibt destruktive Sorgen

Ich unterscheide bei mir inzwischen zwischen konstruktiven und destruktiven Sorgen. 

  • Konstruktive Sorgen sind solche, die mich wach und aufmerksam halten. Sie sorgen dafür, dass ich mich umfassend informiere und konkret tue, was nötig ist, um meinen Pferden zu helfen oder sie zu schützen. 
  • Destruktive Sorgen gehen über das Maß der konstruktiven Sorgen hinaus, führen aber zu keiner Verbesserung der Situation, ganz im Gegenteil: sie verschlechtern das Ganze. Destruktive Sorgen bringen mich in Gedankenschleifen, die zu nichts führen, sie quälen mich mit Fragen, auf die es keine Antworten gibt und sie machen, dass ich das Gefühl habe, nie genug zu tun und, egal wie ich mich entscheide, eh alles falsch zu machen. Destruktive Sorgen lähmen mich und führen dazu, dass ich mich immer schlechter fühle. 

Destruktive Sorgen belasten das Pferd

Wichtig dabei ist zu verstehen: Destruktive Sorgen belasten nicht nur einen selbst, sondern vor allem auch das Pferd, um das es geht. Denn wenn wir uns Sorgen machen, ändert sich sehr viel: 

  • Wir kommen mit einer entsprechenden Stimmung zu unserem Pferd,
  • wir schauen es auf eine bestimmte Weise an,
  • wir reden auf eine bestimmte Weise mit dem Pferd oder mit anderen über das Pferd,
  • unsere Körperhaltung ist anders,
  • unsere Bewegungen sind anders
  • unser Tonfall ist anders,
  • wir strahlen etwas anderes aus (eben leider keinen Optimismus, keine Zuversicht, sondern Angst und Sorgen), 
  • wir verlieren Lebensfreude und Energie
  • und vor allem auch unseren Humor.

Wenn wir unseren Sorgen einen zu großen Raum geben, passiert etwas, das wir eigentlich gar nicht wollen: das Pferd selbst wird zum Problem, denn das Pferd ist die Quelle unserer Sorgen und wir können es kaum verhindern, dass es das spürt. 

Aber, davon bin ich überzeugt, kein Pferd, auch kein krankes Pferd, möchte nur noch ein Problem sein. 

Wie unsere Sorgen unser Miteinander beeinflussen

Sorgen und Ängste haben also einen umfassenden Einfluss darauf, wie wir auf unser Pferd wirken und sehr wahrscheinlich wird es kaum wirklich verstehen, WARUM wir so sind.

  • Es kann nicht verstehen, warum wir z.B. viel ungehaltener sind oder schneller gereizt oder ganz still oder traurig usw.
  • Es wird nicht immer einsehen, warum wir als erstes seine Beine abtasten, sorgenvoll zum Bauch schauen, Fieber messen o.ä., statt das gewohnte Begrüßungsritual zu vollziehen oder uns Zeit zum Schmusen zu nehmen. 
  • Es kann nicht einordnen, warum wir nicht wie sonst lachen, wenn es herumkaspert, sondern viel ernster und vielleicht sogar strenger reagieren als gewohnt. 
  • Es wird sich vielleicht fragen, warum sich alles so schwer anfühlt und nicht so leicht wie sonst. 
  • Und anderes mehr.

In der Folge verändert sich dann unter Umständen das ganze Miteinander negativ. 

Ich arbeite im Moment sehr an mir, um meine destruktive Sorgen zu erkennen und möglichst schnell zu beenden. Das gelingt mir leider noch nicht so gut, wie ich es mir wünsche, aber ich bin dran. Und das Spannende ist, dass meine Pferde sehr unmittelbar darauf reagieren: nämlich distanziert oder auch unwirsch, wenn ich im Sorgensumpf sitze, und offen und unbeschwert, wenn ich wieder herausgekrabbelt bin. 

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Mich würde nun sehr interessieren, wie es Euch mit diesem Thema geht! Macht die Unterscheidung zwischen konstruktiven und destruktiven Sorgen für Euch Sinn? Kennt Ihr das auch von Euch selbst? Und wie geht Ihr damit um, wenn Ihr Euch zu große Sorgen macht?

7. Juni 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Gesundheit, Umgang 27 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 3: Das Kleben an der äußeren Bande

Heute habe ich ein weiteres Fallbeispiel aus der praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs für Sie (weitere Beispiele finden Sie hier und hier). 

Das Kleben an der äußeren Bande

Eine neunjährige Islandstute läuft auf dem Longierzirkel brav und lässt sich recht manierlich stellen und biegen. Sobald sie aber im Viereck longiert wird und keine äußere Begrenzung mehr hat, zieht sie heftig nach außen weg.

So gehe ich vor:

Viele Pferde neigen dazu, sich an Zäune oder Banden „anzulehnen“ und regelrecht daran zu kleben. Versucht man ein solches Pferd ohne äußere Begrenzung, also z.B. in der Mitte der Reitbahn zu longieren, zieht es sie entsprechend stark zur Wand. Das hat nichts mit Widersetzlichkeit oder Bockigkeit zu tun, sondern es handelt sich dabei schlicht und einfach um ein Balanceproblem, das sich durch gezieltes Training beheben lässt. 

Die Stute aus dem Beispiel würde ich zunächst für einige Einheiten in der Quadratvolte mit Dualgassen arbeiten. Diese geben dem Pferd zwar noch eine äußere Orientierung, sind aber schon eine deutliche Stufe weniger als die Bande. Wenn das Pferd diese Aufgabe gemeistert hat, versuche ich es für kurze Sequenzen ohne die Quadratvolte, kehre aber gleich wieder dorthin zurück, wenn das Pferd wieder nach außen driftet. Hier muss man genau die Zeit und Geduld investieren, die das Pferd braucht, um seine Schulterbalance von sich aus zu finden, bei dem einen geht es schneller, bei dem anderen dauert es länger.

Parallel dazu übe ich mit einem solchen Pferd intensiv, ruhig an der Hand anzutraben. Dazu führe ich das Pferd mit meiner Hand direkt am Kappzaum vom Schritt in einen langsamen Trab und dann in diesem langsamen Trab auf Volten und größere Kreise. Das mache ich so lange, bis ich merke, dass das Pferd nicht mehr nach außen zieht und ganz leicht an der Hand ist. Sobald ich das spüre, lasse ich langsam die Longe Stück für Stück länger werden und entferne mich vorsichtig vom Pferd. Bleibt das Pferd in guter Balance, kann ich mich auf Longendistanz entfernen und normal weiter longieren. Bleibt das Pferd leicht und im guten Gleichgewicht, versuche ich dann, das Pferd vorsichtig zum aktiven, schwungvollerem Laufen zu animieren.

Merke ich aber, dass wieder Zug auf die Longe kommt, gehe ich sofort dichter an das Pferd heran und nehme das Tempo wieder heraus. Wenn nötig gehe ich wieder so dicht an das Pferd heran, bis ich es erneut direkt am Kappzaum führen kann.

Mit solchen Pferden arbeite ich gerne auf sehr großen Plätzen, so dass ich immer viel Abstand zur Bande halten kann. So lernen die Pferde schneller ohne Wand zum Anlehnen zu laufen.

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Tipps: Wichtig ist auch zu wissen, dass viele Pferde dann nach außen ziehen, wenn der Mensch

  • zu früh viel Tempo fordert und damit das Pferd aus dem Gleichgewicht bringt oder
  • sich körpersprachlich falsch zum Pferd ausrichtet.

Viele drehen ihren Körper beim Longieren zum Pferd hin. Dadurch „drückt“ der Mensch das Pferd gleichsam nach außen. Gerade bei Pferden, die sowieso schon dazu neigen nach außen zu ziehen, müssen wir sehr darauf achten, unseren Körper in die Bewegungsrichtung auszurichten, also nach vorn und nicht zum Pferd hin. Die Schulter des Menschen sollte immer so gestellt sein, wie die Schulter des Pferdes (genau wie beim Reiten auch).

31. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Longieren 5 Kommentare »

Das Abspulen erkennen, verstehen und auflösen

Mein letzter Beitrag über das Abspulen bei der Freiarbeit brachte viele Reaktionen und warf die Frage auf, wie man damit umgehen kann, wenn man ein solches Abspulen bei seinem Pferd bemerkt. Deshalb kommt hier nun ein weiterer Artikel, in dem ich das Thema vertiefen möchte. 

Das Abspulen erkennen

Zunächst müssen wir ein Abspulen überhaupt erst einmal erkennen. Für mich spult ein Pferd ab, wenn das Training kein Miteinander mehr ist, sondern eine mehr oder weniger einseitige Angelegenheit. Das Pferd tut Sachen, von denen es annimmt, dass es diese tun soll, ob der Mensch das nun angeregt hat oder nicht. Das kann sich in kleinen Dingen zeigen oder auch zu einem maschinenartigen Funktionieren führen, es kann momenteweise auftreten oder auch ganze Einheiten bestimmen.

Mein Aramis hatte schon immer eine Tendenz zum Abspulen: Er zeigt oft Sachen, von denen er glaubt, dass ich diese gerade möchte. Das können Seitengänge sein oder ein Angaloppieren oder ein spanischer Gruß und anderes mehr. Zu Beginn fand ich das natürlich oft toll, dass er plötzlich Travers geht, scheinbar „ganz leicht“ – … nur hatte ich gar keine Hilfe dazu gegeben. Oder er galoppierte an der Longe an, obwohl ich eigentlich nur den Trab verstärken wollte – hübsch, aber nicht das, worauf es mir in diesem Moment ankam und es war auch kein übermütiges Angaloppieren aus Freude, das ich gerne angenommen hätte, sondern es fühlte sich anders an. Und auch beim Clickern zeigte er dieses Verhalten und bot mir oft alles Mögliche an, ohne überhaupt noch auf mich zu achten. 

Seine Motivation dabei war unterschiedlich: Als ein Pferd, das möglichst alles richtig machen will (vor allem mir gegenüber), tat er vieles aus Nervosität und Stress heraus. Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich das eigentlich immer selbst mit meinen hohen Erwartungen an ihn ausgelöst habe. Manchmal aber spulte er auch Sachen ab, weil das eigentlich Gewünschte zu anstrengend oder schwierig war. Auch das musste ich erst lernen zu erkennen und zu akzeptieren (mir selbst erschien ja vieles gar nicht als sooo schwierig, aber genau darauf kommt es eben nicht an…) und dabei wieder an meinen Erwartungen und Ansprüchen arbeiten.

Sehr dabei geholfen hat mir die Freiarbeit, denn da wurde deutlich, dass ich jeden echten Kontakt zu Aramis verlor, wenn er abzuspulen begann. Zu Beginn lief er oft einfach um mich herum, und lief und lief und lief. Er ließ sich nicht verkleinern, nicht anhalten, reagierte auf nichts – ich konnte machen, was ich wollte. Sein Laufen hatte dabei wenig Freudvolles und ich fühlte mich hilflos und wurde traurig. Es tat mir leid, ihn so zu erleben, aber es machte mir klar, dass er auch in anderen Bereichen manchmal genauso reagierte, ohne dass ich verstanden hatte, was da geschah. Erst seitdem ich sein Spulen als Ausdruck von Überforderung erkenne (durch Ansprüche, die Stimmung oder auch konkrete Aufgaben), kann ich es auf eine gute Art für uns auflösen. 

Verstehen, warum ein Pferd abspult

Pferde sind Gewohnheitstiere, insofern kann das Abspulen schlicht und einfach übernommenes Verhalten sein, denn auch wir Menschen sind oft Gewohnheitstiere und machen unbewusst manches immer sehr gleich. Die meisten von uns dürften das kennen, dass das Pferd z.B. immer am selben Punkt angaloppiert, nach dem Anhalten an der langen Seite gleich rückwärts geht oder genau weiß, dass nach den anstrengenden Traversalen Schluss mit der Einheit ist. So zeigen sich schnell die Trainingspunkte, die wir besonders oft gemacht haben, und das lässt sich durch etwas mehr bewusster Abwechslung meist leicht auflösen. 

Das Abspulen ist aber eben häufig auch eine Vermeidungsstrategie des Pferdes, von der es sich erhofft, weniger Ärger zu bekommen. Und das kann, wie ich anhand von Aramis weiter oben aufgezeigt habe, ganz unterschiedliche Ursachen haben: Manche Pferde tun das aus Angst und Unsicherheit. Sie wollen auf keinen Fall Fehler machen, weil sie Strafen fürchten. Manche Pferde machen das auch aus Bequemlichkeit, weil es ihnen leichter erscheint, das anzubieten, was sie schon können, als etwas Neues zu erlernen. Und manche spulen das ab, was sie schon kennen, weil sie nicht verstehen, was der Mensch möchte. Es ist wichtig, die Motivation des Pferdes zum Abspulen zu erkennen, um auf eine hilfreiche Weise reagieren zu können. 

Achtung: Ein Abspulen hat eine ganz andere Energie als wenn das Pferd von sich aus eigene Vorschläge macht oder Ideen einbringt – das gilt es, gut zu unterscheiden!

Und so können wir auf das Abspulen reagieren

Das Allerwichtigste beim Abspulen ist  zu verstehen, dass es sich dabei nicht um eine Widersetzlichkeit handelt. Das Pferd ist nicht stur und nicht bockig. Sein Ziel ist eigentlich, es uns recht zu machen, nur wählt es dafür eben manchmal einen Weg, der wie das genaue Gegenteil wirkt.

Ein Pferd, das an der Longe nicht mehr zu traben aufhört, gilt bei vielen als „unerzogen“, „wild“ oder „widersetzlich“, dabei kann es schlicht und einfach unsicher sein und Angst haben, dass es Ärger gibt, wenn es langsamer wird. Gleiches gilt für Pferde, die z.B. nur noch Travers laufen oder bei der Bodenarbeit ständig spanischen Schritt anbieten. Sie sind so sehr davon überzeugt, das Richtige zu tun, dass sie gar nicht mehr zuhören. Zuhören ist aber wichtig, damit das Training wieder eine gemeinsame Angelegenheit werden kann. 

Schritt 1 lautet also: erkennen und vor allem würdigen, dass das Pferd mit seinem Abspulen etwas „Gutes“ tun will. Ich sage in solchen Momenten zu meinem Pferd: „Das ist lieb, dass Du das jetzt machst, dankeschön, aber eigentlich möchte ich was anderes.“

Damit wir das Pferd aus seinem inneren Film heraushohlen können, damit es wieder auf uns achtet und uns zuhört, ist es unerlässlich, die Situation zu entstressen. Selbst Pferde, die vollkommen cool wirken, können innerlich stark gestresst sein und deshalb ins Abspulen kommen. Das sind z.B. Pferde, die einem im Schritt durchgehen. Sie laufen einfach weiter und lassen sich nicht mehr anhalten. Die meisten dieser Pferde sind meiner Erfahrung nach nicht „stur“, sondern vor allem verunsichert und versuchen, etwas Richtiges zu tun.

Schritt 2  besteht deshalb darin, für Ruhe und Entspannung zu sorgen. Dafür gilt es, die eigenen Erwartungen und Ansprüche loszulassen und erst einmal nur dafür zu sorgen, dem Pferd zu vermitteln, dass alles ok ist. Hier lautet meine Botschaft an mein Pferd: „Wenn Du mir gerade nicht zuhören kannst, dann lass uns eine Pause machen.“

Achtung: Bei sehr nervösen und unsicheren Pferden ist allein das schon eine schwierige Aufgabe! Doch ohne ein Grundmaß an innerer Ruhe ist jedes Training Stress. Wer clickert, kann hier gezielt Ruhe und Entspannung clickern.

Habe ich das Abspulen auf diese Weise ruhig und liebevoll stoppen können, überlege ich, wie ich sinnvoll weitermachen kann:

  • Vielleicht ist es nötig, das Training ganz anders aufzubauen?
  • Brauchen wir mehr Freude und Spaßmomente?
  • Mehr Pausen?
  • Vielleicht überfordere ich mein Pferd mit dem, was ich will?
  • Arbeite ich mit zu viel Druck und zu wenig Lob?
  • Reagiere ich unbewusst unwirsch und streng auf Fehler?
  • Vielleicht habe ich ihm noch nicht verständlich machen können, worum es mir eigentlich geht?
  • Vielleicht kann es mir einfach auch nicht geben, was ich möchte und bietet mir deshalb etwas anderes an? 

Mit all diesen Fragen setze ich bei mir an, denn das Abspulen sehe ich als menschengemachtes Problem, das auch nur von der Menschenseite her gelöst werden kann. 

Schritt 3 beginnt mit Überlegungen, wie ich es meinem Pferd ganz praktisch leichter machen kann und wie ich es schaffe, das Training so zu gestalten, dass es nicht mehr in sein Abspulmuster fallen muss. Dazu gehören für mich diese Punkte: 

  • Fehler zu machen ist erlaubt! Sie werden nicht bestraft und nur wenn nötig, sanft korrigiert. 
  • Pausen sind mindestens so wichtig wie die Arbeit selbst, ich belohne also auch das gemeinsame Nichtstun. 
  • Ich freue mich über jede eigene Idee vom Pferd und sei sie noch so zaghaft. 
  • Ich versuche nichts zu erwarten und nichts vorauszusetzen, sondern schaue jeden Tag neu, wie die Stimmung ist.
  • Mein Ziel ist eine liebe- und freudevolle, humorvolle Grundstimmung, in der auch gelacht werden darf und das Pferd Faxen machen kann. 

Ich bin fest davon überzeugt: kein Pferd spult freiwillig ab. Das Abspulen ist für mich im besten Fall eine Verlegenheitslösung, in den meisten Fällen aber ein Ausdruck von innerer Unsicherheit und oft sogar Not. Und sehe es so, dass es in meiner Verantwortung liegt, dafür zu sorgen, kein Pferd überhaupt erst in eine Situation zu bringen, in der es glaubt, abspulen zu müssen.

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24. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Clickertraining, Freiarbeit, Longieren, Reiten, Umgang, Verhalten 2 Kommentare »

Das Abspulen – ein typisches Problem bei der Freiarbeit

Ich bin immer sehr dankbar, wenn ich auch mal mit einem anderen als meinen eigenen Pferden arbeiten darf, denn dadurch lerne ich sehr viel. Neulich hatte ich eine kleine Freiarbeit-Einheit mit Babettes Ronni machen dürfen, die mich gleich zu einem neuen Blogbeitrag inspiriert hat. 

Ronni gerät sehr schnell in Stress. Er möchte alles richtig machen und reagiert unter Druck schnell panisch. Als ich ihn zur Freiarbeit einlud, zirkelte er sofort um mich herum, trabte in Stellung, galoppierte an und zeigte sein ganzes Repertoire. Das war sehr hübsch anzuschauen und auch rührend, wie er da als kleiner Oberstreber um mich herumschwebte und es wäre verlockend gewesen, das anzunehmen. Statt dessen brach ich die Einheit aber sehr schnell ab und führte ihn noch einige Runden am Strick herum, lobte ihn dafür und brachte ihn wieder hinaus. 

Der Grund, warum ich nicht weiterarbeitete, war der, dass mir Ronni nicht zuhörte. Er tat das, was ich „Abspulen“ nenne und tatsächlich ist das ein häufiges Phänomen in der Freiarbeit: Besonders unsichere Pferde bieten das, was ihnen „sicher“ erscheint, ohne dabei aber auf den Menschen und seine Signale zu achten. Ronni kannte durch Babette schon die Freiarbeit und kann sehr viel. Das alles bot er mir an, aber in dieser Situation nicht aus Freude, sondern vor allem aus Unsicherheit. Es ist wichtig, das zu erkennen. (Eine andere, häufigere Version des Abspulens ist die, dass das Pferd einfach nur auf dem Hufschlag Runde um Runde herumläuft und sich nicht zum Verkleinern einladen lässt, manchmal sogar schwer anzuhalten ist. Es läuft und läuft und läuft – nicht weil es stur ist, sondern weil es unsicher ist und das das einzige ist, was ihm in diesem Moment einfällt.)

Miteinander heißt aufeinander zu reagieren

Mein Ziel bei der Freiarbeit ist ein Miteinander. Ich möchte in Kommunikation mit dem Pferd treten, möchte, dass es auf mich reagiert und wünsche mir, eine Art Dialog zu führen. Mit einem Pferd, das nur abspult, kann ich nicht kommunizieren, schlicht und einfach, weil es nicht bereit zum Zuhören ist. 

Wenn ein Pferd Runde um Runde einfach nur läuft, ohne auf meine Signale zu hören, ist das Abspulen relativ leicht zu erkennen. Aber bei einem Pferd wie Ronni, das ganz vieles anbietet, ist es schwieriger. In der Freiarbeit begrüßen wir ja auch eigene Ideen und Vorschläge vom Pferd, wie erkenne ich also, ob ein Pferd aus Eigeninitiative einen Galopp vorschlägt oder weil es glaubt, das jetzt tun zu sollen? Indem ich sehr genau auf das Pferd achte. 

Ich frage mich immer: 

  • Kann ich das Pferd fühlen? Sind wir in Kontakt?
  • Fühlt es sich nach einem echten Miteinander an oder eher so, als würde jeder „sein Ding“ machen?
  • Hat das Pferd eine freudige, kraftvolle Energie oder zeigt sein Blick Sorge oder Stress oder wirkt es in sich gekehrt?
  • Wirkt das Pferd konzentriert und engagiert oder eher gelangweilt und lustlos oder gar gestresst und besorgt?
  • Reagiert das Pferd auf meine Signale oder ignoriert es mich?

Wenn ich mit einem Pferd wie Ronni arbeite, ist das im ersten Moment beglückend, weil alles  gleichsam wie von selbst klappt. Aber genau das ist für mich nicht Sinn der Freiarbeit. Ich will keine Maschine, ich möchte Kontakt – gerade in der Freiarbeit! Ich möchte spüren, was das Pferd mag, was ihm schwer fällt, wo es sich anstrengen muss und was es ganz locker kann. Ich möchte mich einstellen können auf die Hilfengebung und möchte das Gefühl von Zweisamkeit haben. Ich ziele darauf, mit dem Pferd gemeinsam zu tanzen und nicht, dass es vortanzt. 

Mein Anthony hat mich gut in Sachen Verbindung geschult: Er fordert bei der Freiarbeit voll und ganz meine Präsenz. Wenn ich nur halb anwesend bin, macht er schnell sein eigenes Ding. Bin ich nachlässig, stellt Anthony sich dann beispielsweise nach außen oder läuft ganze Bahn, wechselt die Richtung usw. Wenn ich hingegen wirklich da und mit ihm in Kontakt bin, lässt er sich mit minimalem Einsatz wundervoll in Stellung und Biegung arbeiten, vom Tempo und der Gangart regulieren und wir können ganz butterweich Volten vergrößern und verkleinern oder Handwechsel machen. 

Hier ist schön zu sehen, wie er mit einem Ohr ganz bei mir ist – eine solche Aufmerksamkeit ist für mich die Basis einer gelungenen Freiarbeit (beim Pferd, aber auch beim Menschen!).

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Berichtet doch mal, ob Ihr das, worüber ich hier schreibe, auch selbst kennt. Mein Eindruck ist, dass das Abspulen nicht nur ein Phänomen der Freiarbeit ist, aber da zeigt es sich für mich ganz besonders deutlich. Denn was oft so „magisch“ aussieht und vielfach bewundert und bestaunt wird, nämlich ein Pferd das scheinbar mit Gedanken gelenkt wird und perfekt funktioniert, macht zu Showzwecken sicher was her, aber genau das hat für mich eben nur wenig bis gar nichts mit FREIarbeit zu tun.

17. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Freiarbeit, Verhalten 9 Kommentare »

Eine Coaching-Woche mit Steffi und Nele

Sehr spannende und schöne Tage liegt hinter mir, denn ich hatte Steffi mit ihrer Nele für eine Woche zum Coaching bei mir. Da ich denke, dass es für Euch ganz interessant sein kann, so eine Woche einmal aus beiden Perspektiven erzählt zu bekommen, habe ich hier zunächst Steffis Bericht für Euch und weiter unten gibt es dann noch eine kleine Reflexion von mir. 

Steffis Bericht

sun5Letztes Jahr habe ich mich entschieden, zu Tania zu fahren, um eine Woche intensiv für meine Nele und mich zu haben. Mein Ziel ist es, mit meiner Nele ein ganz besonderes Team zu werden und da fehlte mir noch das eine oder andere und ich wusste einfach nicht was ich ändern muss. Und jetzt war es endlich soweit, und ich hab mich auf den Weg zu Tania gemacht.

Am Sonntag, den 01.05.2016, bin ich von Tania ganz herzlich in Empfang genommen worden, als ich mit Nele auf Klinges Landwiesenhof ankam.

Ich war super aufgeregt, denn zum einen bin ich ganz alleine gefahren und zum anderen weiß man ja vorher nicht, wie man miteinander klarkommt. Passen Schüler und Trainer zusammen? Wie werden die Trainingseinheiten? Macht meine Nele überhaupt mit in der fremden Umgebung?

Am Montagmorgen haben wir uns dann zur ersten Trainingseinheit getroffen. Ich war sehr aufgeregt, dadurch Nele natürlich auch. Beim Trensen ist Nele losgelaufen, was ich so von ihr nicht kannte. Tania beobachtete mich ganz genau, was ich deutlich gemerkt habe, und dadurch noch aufgeregter wurde. Dann hat Tania sich erstmal angeschaut, wie ich im Sattel sitze. Anschließend sind wir in die Halle gegangen, wo ich Nele den Kappzaum angelegt habe und zeigte, wie ich sie longiere. Nach der ersten Trainingseinheit hat Tania gleich klare Worte gesprochen, was ich sehr gut fand, aber mich gleichzeitig auch zum Weinen brachte. Tania hat sofort erkannt, wo mein größtes Problem war, was mich sehr berührt hat, was aber auch gleichzeitig richtig war. Da ich vorher schon auf Tanias Internetseite war, war mir auch bewusst, dass das auf mich zukommen wird: „klare Worte“ – aber genau das wollte ich auch so. Ich habe mich Tania gegenüber komplett geöffnet, weil ich mich in ihrer Nähe sehr wohl fühlte, und somit war ich auch bereit, alles anzunehmen und es auch umzusetzen.

Ich habe in unserer Woche so viel gelernt, so viel aufgenommen und ganz viel mitgenommen. Wir konnten bei jeder Trainingseinheit sehen, dass sich jedes Mal wieder etwas positiv veränderte, weil ich auch bereit war und bin, einiges zu ändern. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn man seinem Pferd wieder ein kleines Stück näher kommt.

Was super spannend war, dass Nele mir ganz klar gemacht hat, wenn ich ihr nicht den richtigen Weg zeigte: Dann stellte sie sich einfach dumm und ging z.B. einfach gradeaus, obwohl sie natürlich genau wusste, dass sie eigentlich abwenden sollte :-) Tania und ich konnten uns darüber wirklich amüsieren, denn eines ist Nele: sie ist sehr klar in dem, was sie fordert.

Es waren auch einige Trainingseinheiten sehr emotional. Durch die vielen kleinen, tollen Fortschritte habe ganz stark gemerkt, was meine Nele braucht: LOBEN, LOBEN, LOBEN. Ich werde Nele jetzt mit ganz viel positiver Verstärkung ermutigen, denn dadurch wird sie sehr motiviert – wir beide haben dann richtig viel Spaß dabei.

Ich muss aber auch sagen, dass Tania alles ganz toll vermitteln und erklären kann, und ich das immer gut umsetzen konnte. Was mich an meisten fasziniert hat, ist diese innere Ruhe, die Tania mitbringt, da fühlte man sich rund herum pudelwohl. 

sun2Für mich ist eins sehr wichtig geworden in dieser Woche: Ich muss mich mehr auf meine Nele einlassen und dazu bin ich auch bereit. Es geht darum, Nele das Gefühl zu geben, ja komm, es ist richtig, Pferd sein zu dürfen, zeig mir was du möchtest und daraus machen wir was. Für mich steht fest, dass ich in zwei Jahren dieses Erlebnis mit Nele wiederholen möchte, das ist was ganz Besonderes. Ich bin Tania so dankbar, dass sie mir/uns so wichtige Dinge mitgeben konnte, es war und ist wunderbar. 

Einige Dinge haben sich schon gut verankert wie z.B. „nicht die Hand über den Mähnenkamm“, „Hände wieder runternehmen“, “ Schulter locker lassen“, „Gewicht verlagern“ und nie vergessen: „Bestärke deine Nele, zeig ihr, dass sie es richtig gut macht!“ 

Liebe Tania, danke für die wunderschöne Zeit mit Dir,
Steffi & Nele

 

Und nun noch ein paar Worte von mir

Steffis Zeilen haben mich sehr berührt – danke, Steffi, für diesen wundervollen Bericht!

In diesen Tagen mit den beiden ist mir wieder einmal bewusst geworden, wie viel Vertrauen jemand mitbringt, der ein Coaching bei mir bucht. Die meisten kennen mich zwar über die Texte, die ich schreibe und über eMails, aber nicht allzu viele haben mich auch schon persönlich kennen gelernt. Wer nun sein Pferd einpackt, um sich eine Woche lang von mir begleiten zu lassen, geht stark in Vorleistung was das Vertrauen angeht – und das ist ein ganz, ganz kostbares Geschenk. 

Ich bin mir bei meiner Arbeit meiner Verantwortung und auch meiner Position sehr bewusst. Mensch und Pferd haben immer eine gemeinsame Geschichte. Sie haben viel erlebt und viel erreicht. Von außen erkennt man zwar vieles leichter und es ist auch nicht allzu schwer, dann eine Reihe kluger Ratschläge zu geben. Mein Job ist es aber nicht, Mensch und Pferd auf meinen eigenen Weg zu bringen, sondern ich sehe meine Aufgabe darin, sie dabei zu unterstützen, ihren gemeinsamen Weg zu finden. Mein Ziel bei jedem Coaching ist es, Türen und Türklinken zu finden und zu öffnen, um Pferd und Mensch neue Möglichkeiten aufzuzeigen. 

Im Coaching schaue ich mir als erstes das Miteinander an und lasse mich ganz ein auf das, was ich dabei fühle. Mir war gleich bei Steffis Ankunft klar, dass ich es hier nicht mit einer unsicheren Anfängerin zu tun habe, sondern mit einer tollen Pferdefrau und einem tollen Pferd. Hier stand kein konkretes Problem an, das es zu lösen gab, denn die beiden kamen bereits als eingespieltes Team bei mir an. Steffi führte ihre Nele vollkommen cool und souverän vom Hänger herunter und zum Auslauf – ich war wirklich beeindruckt, wie ruhig und gelassen beide wirkten und wie selbstverständlich alles ablief. 

Je mehr ich mich dann auf meine Coachees einlasse, desto klarer werden mir auch die Knackpunkte. Bei Steffi war das im Wesentlichen nur einer: sie war sehr gut darin, Nele klar und freundlich zu korrigieren und ihr selbstsicher einen Rahmen zu bieten, aber es fehlte die positive, freudige Rückmeldung, wenn Nele richtig reagierte oder einfach nur brav tat, was sich Steffi von ihr wünschte. Ein scheinbar kleines Element, aber ein ganz bedeutungsvolles, wenn es darum geht, wonach Steffi sich sehnte: nämlich nach einer noch intensiveren Beziehung zu ihrem Pferd. 

In meiner Arbeit habe ich den Blick nie nur auf dem Menschen oder nur auf dem Pferd, sondern es geht mir vor allem um die Beziehung. Ich spüre sozusagen immer in den Zwischenraum und was ihn füllt. Manchmal fühle ich da kaum etwas, weil noch gar keine Beziehung besteht, manchmal ist da Traurigkeit, manchmal Frust, manchmal auch Wut oder noch ganz etwas anderes. Schön ist es, wenn dort Freude ist, Leichtigkeit, Vertrauen und ähnliches. Was immer ich dort finde, das spreche ich aus. Und das kann manchmal auch sehr emotional werden, aber es stecken so viele Chancen und Möglichkeiten für alle darin, die bereit sind, sich wirklich auf die Beziehungsebene mit ihrem Pferd einzulassen.

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In der Woche mit Steffi und Nele ging es auch viel um Technik, also z.B. um die Hilfengebung beim Reiten und um das korrekte Stellen und Biegen an der Longe. Den größten Teil haben wir dabei an Feinheiten gearbeitet, denn auch hier brachte Steffi schon ganz viel Wissen und Können mit und Nele als sehr gut ausgebildetes Pferd auch.

Aber – und das ist wirklich das Entscheidende! – bei all dem bildet die Beziehungsebene immer die Basis. Ich möchte keinen Unterricht mehr geben, ohne das Wir zu reflektieren, denn ein Pferd ist kein Sportgerät und keine Maschine, sondern ein Wesen mit einer Persönlichkeit. Es will gesehen und gefühlt werden, es will sich mitteilen und ausdrücken können und es möchte verstanden werden und vor allem möchte es geben können, was es zu geben hat.

Es war schön zu erleben, wie beherzt Steffi die aufgezeigten Türklinken ergriff und die Türen und Tore weit aufstieß, um gemeinsam mit Nele ein paar neue Wege zu beschreiten. Und für die wünsche ich Euch beiden alles, alles Liebe und Gute, ich bin mir ganz sicher, Eure gemeinsame Zeit wird nun noch schöner werden!

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10. Mai 2016 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Aus dem Reitunterricht und Coaching, Sonstiges 3 Kommentare »

Die Arbeit an der Longe – Fallbeispiel 2: Zäh, mühsam und steif

Nach dem ersten Fallbeispiel zur praktischen Arbeit nach meinem Longenkurs, möchte ich hier nun wieder exemplarisch auf ein ganz typisches Problem beim Longieren eingehen:

Zäh, mühsam und steif

Ein 17-jähriger Welsh-Cob ist eher gemütlich veranlagt. Er schlurft über den Platz und lässt sich auch mit viel Mühe kaum motivieren. Im Hals bleibt er sehr starr und lässt sich kaum stellen. 

Wenn ein Pferd sehr schwer zu motivieren ist und steif und unbeweglich ist, mache ich mich immer zuerst auf die Suche nach möglichen Ursachen. Gibt es vielleicht körperliche Probleme, die seine Motivation bremsen und den starren Hals verursachen? Ein Pferd mit Schmerzen oder Beschwerden wird zwangsläufig zäh und unmotiviert sein. Liegt vielleicht ein Mineralstoffmangel vor? Ein Pferd wie diesen Wallach würde ich also zunächst immer erst einmal von einem guten Pferdphysiotherapeuten/Osteopathen und/oder einen Tierarzt untersuchen und wenn nötig behandeln lassen.

Sind körperliche Ursachen ausgeschlossen, schaue ich mir auch die Lebensumstände des Tieres kritisch an: Wird das Pferd artgerecht gehalten? Hat es Kontakt mit anderen Pferden, kann es sich frei bewegen, hat es Freude- und Spaßmomente in seinem Alltag? Und wie sieht es mit dem Futter aus, bekommt es genug zu fressen, um Energie zu haben?  Auch hier sollten wenn nötige Änderungen erfolgen, damit das Pferd wieder mehr Lebensfreude und Energie hat. 

Um die Motivation im Training selbst zu verbessern eignet sich aus meiner Sicht am besten das Clickertraining. Wichtig ist, die Pferde zu begeistern und herauszufinden, woran sie Spaß haben. Ewig eintöniges im Kreis laufen und ein Mensch, der in der Mitte steht und ständig treibt, nehmen vielen Pferden schnell jeden Spaß an der Sache! Ganz entscheidend ist auch, solche Pferde nicht müde zu arbeiten, denn so lernen sie nur, ihre Reserven noch mehr zu schonen.

Mit eher unmotivierten Pferden mache ich kurze, witzige Einheiten mit vielen Spielchen: Slalom longieren, Achten longieren, mit dem Pferd die lange Seite um die Wette laufen usw. Jedes Mehr an Vorwärts und jede positive Reaktion auf treibende Hilfen lobe ich begeistert. Ich habe immer wieder festgestellt, welchen großen Einfluss meine eigene Stimmung und Energie auf die Pferde hat, ich muss also gleichsam mit positiver Kraft in Vorleistung gehen und hoffe damit, auch das Pferd begeistern zu können. 

Bei der praktischen Arbeit wechsele ich dann häufig zwischen verschiedenen Arbeitsphasen: Auf der einen Seite nutze ich ruhige Schrittphasen mit gezielter Biegearbeit (Seitengänge) und einer Lockerung des Halses mittels Massagen und Dehnübungen. Hier lasse ich übrigens das Pferd zunächst das Tempo bestimmen. Ständiges Treiben führt bei eher phlegmatischen Pferden in der Regel zu immer mehr Abstumpfung.

Dann würde ich wieder eine peppige Phase einlegen, in der ich mit viel Energie und Freude versuchen würde, das Pferd zum frischen Laufen zu animieren. Hier würde ich zunächst den Schwerpunkt noch nicht auf die Laufhaltung legen, also nicht schon versuchen zu sehr an Biegung und Aufrichtung des Pferdes zu arbeiten. Hauptsache es kommt überhaupt erstmal ein Vorwärts, dass ich dann auch prompt begeistert lobe. Erst wenn das Pferd von sich aus gut vorwärts läuft und wieder Motivation und Freude an der Longe zeigt, würde ich den Schwerpunkt auf die Verbesserung der Laufmanier legen. 

Wichtig ist, immer sowohl den Körper des Pferdes zu berücksichtigen, aber eben auch seine Stimmung. Beides beeinflusst sich wechselseitig: ein motiviertes Pferd läuft freier und lockerer und ein Körper, der sich gut anfühlt, weil er locker ist und nicht verspannt ist, führt zu mehr Motivation.  

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3. Mai 2016 von Babette Teschen • Kategorie: Allgemein, Jungpferdausbildung, Longieren 5 Kommentare »

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