Wie sieht uns wohl unser Pferd?

In der letzten Woche schrieb ich darüber, wie wir unsere Pferde anderen Menschen gegenüber beschreiben (hier nachzulesen). Am Ende des Artikels dachte ich dann, dass es doch sehr interessant wäre, einmal zu erfahren, wie ein Pferd uns als seinen Menschen sieht.

Auf den ersten Blick vielleicht ein witziger Gedanke, sich das einmal zu fragen, aber hui, ich merke für mich, dass darin eine ganze Menge Potential zur Selbstreflexion steckt, zumindest, wenn ich mich wirklich darauf einlasse. Nun können unsere Pferde uns das ja leider nicht direkt sagen, aber fühlt doch mal in diese Fragen hinein:

  • Wie würde mein Pferd mich wohl seinen Kumpels vorstellen?
  • Was würde es über mich erzählen?
  • Wie würde mein Pferd mich wohl beschreiben?
  • Was wären Eigenschaften oder Verhaltensweisen von mir, die mein Pferd als Erstes nennen würde? 
  • Und, wenn ich mehr als ein Pferd habe, wie unterschiedlich sehen diese mich wohl und wie würden die jeweiligen Beschreibungen jedes einzelnen Pferdes aussehen?

 Und ich frage mich weiter: 

  • Gefallen mir meine Gedanken zu den oberen Fragen oder machen sie mir eher ein ungutes Gefühl? Was genau fühlt sich gut an und was nicht?
  • Wie möchte ich am liebsten von meinem Pferd gesehen werden?
  • Was möchte ich für mein Pferd sein? 
  • Was soll es vor allem von mir wahrnehmen und mit mir verbinden? 
  • Was kann ich verändern, damit ich mehr so von ihm erlebt werde? 

Viel Denk- und Fühlstoff, findet Ihr nicht auch?

Selbstreflexion

20. Juni 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang 1 Kommentar »

Guten Tag, mein Pferd ist ein Problem

Zugegeben, die Überschrift „Guten Tag, mein Pferd ist ein Problem“ klingt vielleicht etwas seltsam. Tatsächlich aber bringt sie genau auf den Punkt, worum es hier gehen soll. 

Wenn jemand zu unserem Pferd kommt oder wenn wir anderen von unserem Pferd erzählen, passiert oft etwas Bemerkenswertes, das aber den wenigsten von uns bewusst ist: Das komplexe Wesen und Sein unseres Pferdes wird schlagartig reduziert auf ein oder zwei – fast immer negative – Aussagen.

Am deutlichsten wird das bei Pferden, die eine chronische Krankheit haben, wie z.B. Sommerekzem oder Husten. Da wird oft noch vor dem Namen die Krankheit genannt: „Ja, und das ist meine Stute, Ekzemerin.“ oder „Ich habe einen  Huster.“ Aber auch bei Problemfällen erfolgen oft solche Vorstellungen oder Beschreibungen: „Da steht er, leider ein Beißer.“ oder „Meine Stute kann ich nicht im Gelände reiten, sie ist ein Durchgänger.“ 

Was an den Sätzen falsch sei? An den Sätzen selbst nichts, aber ein Stück weit am Fokus. In ihm drückt sich aus, wie wir auf unser Pferd schauen und was an ihm wir vor allem wahrnehmen. Es ist natürlich verständlich, dass jemand, der immer wieder Sorgen oder Schwierigkeiten mit seinem Pferd hat, auch darüber redet, aber ich denke, dass es sich wirklich lohnt, einmal darauf zu achten, wie wir unser Pferd vor anderen Menschen darstellen und was das mit uns und vor allem mit unserem Pferd macht. Denn es geht hier nicht nur um Worte, sondern um viel mehr… 

Ich selbst habe meinen Anthony oft mit „Ein Neinsager“ oder „Kein leichtes Pferd.“ vorgestellt oder bezogen auf seine vielen gesundheitlichen Probleme: „Mein Montagspferdchen“. Das möchte ich ändern, denn Anthony ist so viel mehr und diese Reduzierung wird ihm einfach nicht gerecht. Auch wenn er mich manchmal wirklich fordert, so klappen unzählig viele Sachen wunderbar. Er schenkt mir sehr viel, er ist in ganz vielen Bereichen super erzogen und brav. Und er ist auch mehr als sein Husten oder seine Hufgeschwüre. 

Der entscheidende Punkt an dieser Art über unsere Pferde zu reden ist der: Kein Pferd ist nur seine Krankheit und kein Pferd ist nur ein Problem. Oft aber reden wir über unsere Pferde als seien ihre Krankheiten oder Auffälligkeiten so etwas wie ihr Name: … ist Kolikerin … ist ein Steiger … ist Freikopper … ist schwierig … ist stur … usw. Damit bestätigen und manifestieren wir in gewisser Hinsicht genau das, was wir eigentlich nicht wollen, denn wir schenken der Sache sehr viel Aufmerksamkeit und Energie. 

Es heißt ja, dass wir die Wirklichkeit durch unsere Gedanken und unsere Aufmerksamkeit gestalten. Ob das so stimmt, weiß ich nicht, aber ich weiß, dass die Beziehung zu meinem Pferd in einem großen Maße von meinem eigenen Fokus abhängt. Sehe ich vor allem das Problem, dann wird es größer und bekommt mehr Macht und Einfluss. Richte ich meine Aufmerksamkeit hingegen auf das, was toll ist, verschwindet es natürlich nicht, aber es bekommt eine andere Gewichtung im Gesamtbild. Und das Wichtigste ist für mich: Unsere Pferde spüren sehr genau, wo unser Fokus liegt und reagieren darauf. 

Achtet doch einmal selbst darauf, wie Ihr Eure Pferde anderen vorstellt, womit Ihr sie beschreibt und was Ihr selbst bei ihnen in der Hauptsache wahrnehmt. Vielleicht reduziert Ihr ja unbewusst Eure Pferde auch in einer Weise, die nicht gerade förderlich und vielleicht auch nicht fair ist? Dann denkt daran: selbst kleine Fokusverschiebungen können Türen öffnen und damit sehr viel in Bewegung bringen.

Mein Pferd ist ein Problem

13. Juni 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Allgemein, Erkenntnisse, Umgang 16 Kommentare »

Rückenprobleme – Reiten, ja oder nein?

Eigentlich sollte es diesen Blogbeitrag gar nicht geben müssen und es macht mich traurig, dass ich ihn dennoch schreiben muss… Auf meinen Kursen stellen sich bei vielen Pferden Rückenprobleme heraus und in diesem Zusammenhang kommt meist sofort die Frage nach der Reitbarkeit. Auch per Mail werden mir oft deutliche Symptome von Rückenbeschwerden beschrieben, oft verbunden mit der Frage, welcher Hilfszügel am besten hilft, damit das Pferd beim Reiten den Kopf nicht so hochreißt oder was man dagegen machen kann, wenn das Pferd unter dem Sattel buckelt. Deshalb hier also meine ganz klare Antwort auf die folgende Frage:

Kann ich ein Pferd mit Rückenproblemen reiten?

Nein! Ein Pferd mit Rückenschmerzen, oder auch nur mit dem Verdacht auf solche, darf meiner Ansicht nach genauso wenig geritten werden, wie ein Pferd, das lahmt.

Bei Rückenschmerzen tut Gerittenwerden weh

Eigentlich ist es so offensichtlich, dass man es nicht zu erklären braucht, aber da Pferde selbst mit heftigen Rückenproblemen tatsächlich geritten werden, ist es wohl doch nötig: Als Reiter sitzen wir mit unserem gesamten Gewicht (das oft nicht gerade wenig ist) GENAU auf der schmerzenden Stelle, nämlich dem Rücken. Da sollte es doch auf der Hand liegen, wie viel Leid das Reitergewicht für ein Pferd bedeutet, das Rückenschmerzen hat. 

Pferde mit Rückenproblemen haben, wenn sie geritten werden, Schmerzen, manchmal leichte, oft aber starke. Würden Pferde winseln, wimmern oder auch schreien können, könnten sie uns vielleicht deutlicher machen, was ihnen eine Qual ist. Die einzige Lautäußerung bei Schmerzen ist meist ein Stöhnen. Und wie reagieren viele Reiter/innen darauf, wenn ihr Pferd tatsächlich beim Reiten stöhnt? Sie lachen darüber und machen Witze alá „Ach, du Armer, du hast es aber auch schwer!“

Pferde haben keinen Schmerzlaut, sie äußern Schmerzen anders: Manche versuchen sich durch eine bestimmte Haltung Linderung zu verschaffen: nehmen also vielleicht den Kopf hoch und drücken den schmerzenden Rücken weg oder sie verkriechen sich hinter dem Zügel. Andere verweigern die Mitarbeit, indem sie immer langsamer werden oder auch stehen bleiben. Wieder andere zeigen das, was man so gerne als „Widersetzlichkeiten“ bezeichnet: Buckeln, Losstürmen oder auch Steigen. 

All diesen Reaktionen ist fast immer eines gemein: Sie sind Ausdruck von Not.

ruecken_weg

Da Pferde still leiden, müssen wir die (leisen) Zeichen für Schmerzen erkennen lernen und diese genauso ernst nehmen wie eine Lautäußerung, wie z.B. ein Winseln. Wir dürfen nicht einfach über sie hinweggehen und weiter machen, wie bisher bzw. nach Hilfsmitteln suchen, damit wir weiter machen können.  Reißt ein Pferd den Kopf beim Reiten hoch, kann die Antwort nicht sein, den Kopf mit Hilfszügeln in die „richtige“ Position zu bringen, sondern es muss nach der Ursache gesucht werden. Dasselbe gilt für das Buckeln, Steigen, eine deutliche Trägheit und andere Anzeichen für Rückenschmerzen. 

Was tun bei Rückenschmerzen? 

Für mich sieht der pferdegerechte Weg bei Rückenproblemen so aus:

  • Beim Verdacht auf Rückenprobleme (s. diese Checkliste) sollte das Pferd als erstes gründlich von einem guten Tierarzt untersucht und eine sichere Diagnose gestellt werden (z.B. müssen Erkrankungen wie z.B. Kissing Spines ausgeschlossen werden). Zusätzlich rate ich zu Behandlungen von guten Physiotherapeuten/Osteopathen. 
  • Gibt es keine tierärztlichen Bedenken gegen das Training, sollte das Pferd durch gute, gymnastizierende Bodenarbeit (s. Longenkurs und Aufbaukurs) behutsam trainiert werden und das solange, bis das Pferd eine gute Laufmanier gelernt und eine gute, lockere Muskulatur entwickelt hat.
    ruecken_longe
  • Erst dann sollte sich nach einer ausreichend langen Lösephase an der Hand der Reiter für eine kurze Zeitspanne wieder auf das Pferd setzen (zu Beginn nicht länger als 10 Minuten!).
  • Wenn alles gut läuft, sieht das Ergebnis dann so aus, dass das Pferd unter dem Reiter am langen Zügel den Hals entspannt fallen lässt und locker losmarschiert. Erst von dieser Basis aus können dann langsam die Zügel aufgenommen und damit begonnen werden, dem Pferd auch unter dem Sattel eine gute Laufmanier zu vermitteln, die weiteren Rückenproblemen vorbeugt.

Leider wird das fast überall noch „anders“ gemacht. Mir ist bewusst, dass viele Menschen sich ein Pferd zum Reiten anschaffen und dass sich der Weg, den ich hier vorschlage, lang anhört. Für mich aber ist selbstverständlich, dass jeder, dem das Wohl seines Pferdes am Herzen liegt, bereit sein muss, bei Schmerzen auf das Reiten zu verzichten – und das gilt nicht nur, wenn das Pferd z.B. lahmt, sondern eben auch bei Schmerzen, die es nicht so klar zuordbar zeigen kann.

6. Juni 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Gesundheit, Longieren, Reiten 6 Kommentare »

Dominanz ist nicht pferdegerecht

Was wir hier schon lange immer wieder aufs Neue schreiben, ist nun endlich auch wissenschaftlich bestätigt: Die Dominanztheorie ist menschliches Denken und NICHT pferdegerecht. 

Wissenschaftliche Studien widerlegen die Dominanztheorie

In diesem mehr als wichtigen Artikel wird ein Positionspapier der Internationalen Gesellschaft für Pferdewissenschaften ISES (International Society for Equitation Science) zusammengefasst – den Originaltext gibt es hier

In diesem Papier wird

  • einerseits darauf hingewiesen, dass zahlreiche Studien des Sozialverhaltens von wild lebenden Pferden sowie von Hauspferden gezeigt haben, dass es in den Herden keine Dominanz-Hierarchien oder Alpha-Positionen gibt
  • und andererseits wird deutlich betont, dass Ausbildungskonzepte und Beziehungen, die auf der Dominanz-Theorie aufbauen, gegen das Pferdewohl gehen können. 

Mehr noch: Das immer wieder als „natürliches Pferdeverhalten“ erklärte Dominanz-Gebahren ist Pferden fremd. Pferde sind auf ein soziales Miteinander angewiesen. Kommt es zu einem Streit um Ressourcen, findet dieser punktuell statt, aber es konnte nicht beobachtet werden, dass es Pferden darum geht, ein anderes Pferd grundsätzlich zu beherrschen. 

… und beschreiben den oft daraus resultierenden Missbrauch

Weiterhin wird ganz klar benannt, dass die Dominanz-Theorie häufig dazu dient, nicht pferdegerechtes Verhalten zu rechtfertigen, z.B.:

  • Bestrafung,
  • aggressives Verhalten dem Pferd gegenüber,
  • Einschüchterung,
  • Missbrauch,
  • Gewalt.

Aggressivität löst bei Pferden Angst aus und natürlicherweise versuchen Pferde einem aggressiven Gegenüber auszuweichen und Begegnungen mit ihm zu vermeiden. Das heißt, dass nicht nur die Pferde unter der falschen Behandlung leiden, sondern auch die Beziehung von Mensch und Pferd.  

Wie Mensch-Pferd-Beziehungen aussehen sollen

Die Dominanztheorie ist als Basis für eine harmonische Beziehung von Mensch und Pferd nach Ansicht der Forscher ungeeignet. Mensch-Pferd-Beziehungen sollten immer auf einem Verständnis der natürlichen Verhaltensweisen von Pferden basieren und nicht auf menschlichen Interpretationen aus der eigenen Erfahrenswelt. 

Wichtig für ein harmonisches Verhältnis sind also echtes Verständnis für Pferde und ein ruhiger, klarer und beständiger Umgang. 

dominanz_ist_nicht_pferdegerecht

 

30. Mai 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 12 Kommentare »

Zurück auf Los… – und doch auch nicht

Wie oft hatte ich in all meinen Jahren mit meinem Anthony schon das Gefühl, wieder von vorne anfangen zu müssen: „Bitte begeben Sie sich direkt auf Los…“ Dieser Eindruck aber ist, wie mir langsam immer klarer wird, nicht ganz richtig, denn es sind nur gefühlte Rückschläge, nicht aber reale. 

Anthony ist ein Pferd bei dem vieles, was man herkömmlicherweise so mit Pferden macht, nicht funktioniert. Er will ganz vieles nicht und selbst wenn er für eine Weile zu einer Sache Ja sagt, kann das auch wieder in ein Nein umschwenken und dann ist das, was man eigentlich dachte zusammen tun zu können, erstmal vom Tisch. 

Es ist für mich inzwischen sehr spannend mich selbst zu erleben, wenn mein Pferd mal wieder mit einem deutlichen „Ich bin dagegen“-Schild vor mir steht, denn, obwohl ich es inzwischen gewohnt bin und eigentlich weiß, dass es keinen Sinn macht, reagiere ich immer noch oft zunächst mit alten Mustern. Ich probiere dann auf unterschiedliche Weisen doch das zu machen, was ich vorhatte: Ich versuche sein Nein zu ignorieren, ihn zu bezirzen, vielleicht doch ja zu sagen, ich frage ein paar Tage später noch mal nach, ich versuche es mit mehr Nachdruck… – immer mit demselben Ergebnis, dass ich über kurz oder lang akzeptieren muss, dass dieser Weg für unbestimmte Zeit dicht ist. 

Dann bin ich meist erstmal etwas frustriert; lange nicht mehr so wie früher, aber eben doch ein bisschen. Bei einem Pferd, bei dem man befürchtet, dass es irgendwann ganz dicht macht, sind Sachen, zu denen es Ja sagt, so kostbar, dass man sie auf keinen Fall verlieren will. Tja, aber der entscheidende Punkt an einem „Ja“ ist, dass es nur freiwillig gegeben werden kann. Ein Ja ist ein Geschenk und man kann bzw. darf es nicht erwarten. Wird einem die Sache nicht mehr geschenkt, hat man letztlich kein Recht, sie einzufordern. 

Wenn ich mir das klar mache, stehe ich meist erstmal etwas ratlos da. Und diese Ratlosigkeit ist, wie ich langsam begreife, etwas Gutes, denn sie öffnet einen Begegnungsraum. Nicht einfach mit den Sachen oder auf die Weise weitermachen zu können, die bis jetzt gingen, lässt mich innehalten. Ich wende mich meinem Pferd zu. Ich frage:

  • Was wünschst Du Dir von mir?
  • Was kann ich für Dich tun?
  • Was brauchst Du? 

„Zurück auf Los“ bedeutet für mich inzwischen viel mehr „Zurück zu Deinem Pferd“, also die Bereitschaft, mich wieder neu auf mein Pferd einzulassen und es wahrzunehmen. Eigentlich ist es auch kein Zurück, sondern viel mehr ein Hin, denn es geht darum, mich darauf einzulassen, wieder einmal einen neuen Weg im Miteinander einzuschlagen und das auf einer Basis von ganz viel Gewachsenem. Denn das ist das Wundervolle an der Sache: Ich verliere gar nicht wirklich, sondern im Gegenteil: ich gewinne. Ich lerne immer mehr, bereit und auch flexibel genug zu sein, mich auf Neues, auf Veränderungen, auf Entwicklungen und damit auf den Fluss des Lebens einzulassen. Und das ist ganz klar der Verdienst von Anthony. Er coacht mich mit seinem Sein genau dort hin.

„Zurück auf Los“ heißt also eigentlich „Öffne Dich für etwas Neues“ – eine Fähigkeit, die sehr kostbar nicht nur im Umgang mit Pferden ist. 

los

23. Mai 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 4 Kommentare »

Aktion: Mein Weg zum Pferd

Anlässlich der 400. Ausgabe unseres Newsletters (Himmel, wie die Zeit vergeht!) hatten wir unsere Leserinnen und Leser aufgerufen, diesen Satzanfang zu vervollständigen: 

„Mein Weg zum Pferd…“

Wir wollten mehr über all die ganz persönlichen Wege zum Pferd erfahren, die oft so unterschiedlich sind und gleichzeitig vieles gemein haben. Und wir haben wundervolle Einsendungen erhalten – manche kurz und knackig, andere lang und tief berührend. Uns wurden Geschichten geschickt und Fotos und wir haben ganz viel richtig schönes Feedback erhalten. Oft hatten wir beim Lesen eine Gänsehaut und vieles hat uns sehr nachdenklich gemacht.

Stellvertretend für alle tollen Einsendungen haben wir diesen zauberhaften Text von Jasmin für diesen Beitrag ausgesucht: 

Mein Weg zum Pferd wird in all seinen Eigenheiten vom Pferd selbst definiert und geebnet. Mein Weg führt in den persönlichsten Bereich des Pferdes und ich gehe keinen Schritt ohne um Einlass zu bitten und auf eine positive Antwort zu warten. Meistens ist der Weg keine Gerade. Häufig ist er verschlungen, geprägt von Bergen und Tälern, Durststrecken und wundervollen Wiesen. An einem gewissen Punkt hoffe ich das Pferd auf Augenhöhe zu treffen. Und von diesem Punkt an gehen wir diesen niemals endenden Weg gemeinsam.

Jasmin

Und wie immer bei unseren Aktionen haben wir aus einigen Einsendungen ein kleines Video erstellt: 

aktion_meinwegzumpferd

Viele weitere Beiträge werden wir immer mal wieder im Newsletter veröffentlichen. Ein herzliches Dankeschön an alle fürs Mitmachen und überhaupt an alle, dafür dass Ihr uns lest! 

15. Mai 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Erkenntnisse, Sonstiges 1 Kommentar »

Ein gelungenes Pferde-Event von „Pfernetzt“

Am vergangenen Wochenende fand in der Nähe von Fulda ein besonderes Pferde-Event statt: Pfernetzt hatte verschiedene Trainer eingeladen, ihre jeweiligen Methoden vorzustellen. Ich durfte dabei sein, um den Longenkurs zu präsentieren, worüber ich mich sehr gefreut habe! 🙂

Am Samstag war ich gleich als Erste dran und hatte 60 Minuten Zeit für eine Praxisvorführung zum Thema „Anatomisch korrektes und pferdefreundliches Longieren“.

Ich muss gestehen, ich war ganz schön nervös vor so vielen Menschen, … aber zum Glück stand mir ein wunderbarer vierbeiniger Partner zur Seite. Ganz herzlichen Dank an Hero Merkel, dass sie mir ihr Pferd Omen für die Vorführung anvertraut hat. 

pfernetzt_omen

pfernetzt

Einige kurze Ausschnitte meiner Vorführung habe ich Euch in einem Video zusammengestellt – das könnt Ihr Euch hier anschauen: 

pfernetzt_youtube

Den Rest des Tages hatte ich dann frei und habe die Zeit genutzt und mir noch einige der anderen interessanten Vorträge angeschaut. Mein persönliches Highlight war zum Abschluss des Tages ein Kinoabend mit dem Tierfilmer Marc Lubetzki, der uns mit in eine Wildpferdeherde genommen hat.  

Es war eine rundum gelungene Veranstaltung – ein großes Lob und meinen Dank an das Team von „Pfernetzt“!

8. Mai 2017 von Babette Teschen • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Longieren, Sonstiges 0 Kommentare »

Zweige – eine tolle Sache für Pferde!

Immer wieder ist zu lesen, dass es eine gute Sache ist, Pferden Zweige zum Knabbern anzubieten – als Nahrungsergänzung, zur Beschäftigung und um Abwechslung auf den Paddock zu bringen – und doch wird das leider nur selten gemacht. Warum eigentlich nicht? Klar, es ist ein bisschen Aufwand, aber der lohnt sich allemal!

Für unsere Pferde wurden frische Birkenzweige vom Baumschnitt vor den Osterfeuern besorgt und es war toll zu sehen, wie gerne diese angenommen wurden. 

zweige

Die Zweige liegen einfach im Auslauf und die Pferde beschäftigen sich nach Lust und Laune damit wunderbar und hingebungsvoll selbst.

zweige0

Nicht nur leichtfuttrige Pferde können auf diese (kalorienarme) Art und Weise ihr Kau- und Knabberbedürfnis ausleben. 

Und wenn man ihnen die frischen Zweige etwas höher hinhält, dienen sie auch als tolles Spielzeug (und sorgen für prima Fotomotive) 🙂

zweige1

zweige4

zweige3

zweige2

Zweige sind also nicht nur für einen Kaspar wie Anthony eine tolle Sache!

zweige5

Manch einer ist vielleicht unsicher darüber, welche Zweige gefüttert werden können. Zu den Baumarten, deren Zweige ohne Bedenken angeboten können, gehören

  • Birke,
  • Weide,
  • Haselnuss,
  • Schlehe,
  • Pappel,
  • Linde
  • und ungespritzte Obstbaum-Arten.

Bei Zweifeln empfehlen wir die Rücksprache mit einem Tierarzt und bei Unsicherheiten in Bezug auf die Baumarten, einen Pflanzenkundler zu Rate zu ziehen – dann steht dem Knabberspaß nichts mehr im Wege! 

zweige6

1. Mai 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Gesundheit, Haltung, Ideen 10 Kommentare »

Was erwarten wir eigentlich?

Wir haben viele Erwartungen an unsere Pferde. Im Gegensatz zu anderen Haustieren, wie z.B. Hamster oder Katzen reicht es uns nicht, dass wir sie einfach nur haben und wir uns an ihrer Gegenwart erfreuen, sondern wir stellen oft sehr klare Anforderungen an sie:

Wir wollen sie reiten und dabei sollen sie vielfältige Lektionen zeigen, egal wie gut oder schlecht wir reiten. Sie sollen springen, möglichst spektakulär hoch und weit. Sie sollen Kutschen in allen Formen ziehen. Wir wollen mit ihnen besser als andere sein und Schleifen gewinnen oder Pokale. Sie sollen uns so lange wir wollen sicher durch jedes Gelände tragen, sollen vor nichts Angst haben, dabei aber eben auch nicht langweilig, sondern, dann wenn wir wollen, auch spritzig und flott sein. Sie sollen Zirkuslektionen können, unter und auf Planen herumlaufen, Bälle kicken, Dinge apportieren, sich Hula-Hoop-Reifen über den Kopf werfen und vieles, vieles mehr. Auch frei sollen sie genau das tun, was wir wollen, am besten auf kleinsten Fingerzeig hin.

Bei all dem sollen sie natürlich immer freundlich und gut gelaunt sein. Sie sollen jederzeit sicher im Umgang sein und verlässliche Nutztiere für uns und unsere Kinder. Sie sollen für uns da sein, wann immer wir sie von ihren Artgenossen oder vom Futter wegholen. Sie sollen ihre natürlichen Instinkte unterdrücken und sollen sich anbinden lassen, die Hufe geben und beim Putzen stillstehen, auch wenn wir sie vielleicht kitzeln oder ihnen die Berührungen unangenehm sind oder wir sie warten lassen, weil wir noch telefonieren müssen. Sie sollen mit der Haltung zufrieden sein, die wir ihnen zur Verfügung stellen, egal wie wenig artgerecht sie auch immer ist. Sie sollen auch mit unpassendem Zubehör und mit Schmerzen alles tun, was wir wollen und sie sollen ein Leben lang gesund, fit und einsatzfähig sein.

Darüber hinaus sollen sie unsere Launen wegstecken, uns Spaß machen und sie sollen unser Freund sein und uns zuhören, uns 100%ig vertrauen und mit uns durch dick und dünn gehen und… und… und…

Tja, am besten sollen Pferde schlicht und einfach perfekt funktionieren

Vielleicht wollen wir einfach ein bisschen zu viel?!

Möglicherweise erscheint manch einem diese Darstellung als etwas überspitzt, aber wer die Pferdewelt (und sich selbst) auch nur mit ein klein wenig Abstand betrachtet und vor allem einmal etwas genauer auf all die „Probleme“ hört, die wir Menschen mit unseren Pferden haben, könnte zu einem ähnlichen Bild kommen. Endlos viele Probleme haben damit zu tun, dass ein Pferd nicht die – zum Teil eben tatsächlich sehr, sehr hohen, wenn nicht gar unerreichbaren – Erwartungen seines Menschen erfüllt.

Wenn man das Ganze mal auf den Punkt bringt, dann sind Pferde nicht unsere Haustiere (so wie z.B. Katzen oder Meerschweinchen) sondern Arbeitstiere, also Tiere mit einem Job – und das gilt nicht nur für Berufsreiter, sondern auch für Pferde von Freizeitreitern. Wir investieren schließlich viel Geld in unsere Pferde und sind davon überzeugt, einen Anspruch auf all die erwarteten Leistungen zu haben. 

Aber, und diese Frage ist ganz entscheidend: Haben wir den wirklich? 

  • Haben wir tatsächlich das Recht, all das von unseren Pferden einzufordern, was wir wollen?
  • Was genau gibt uns das Recht, in dieser Form über ein anderes Lebewesen zu verfügen und unsere Erwartungen ggf. auch mit Gewalt durchzusetzen?
  • Und wie weit geht dieses Recht, das wir zu haben glauben? 
  • Wozu führt unsere Überzeugung, in unseren Forderungen im Recht zu sein? 
  • Und was wäre, wenn wir dieses Recht in dieser Form eigentlich gar nicht haben? 

Das sind provokante Fragen, mit denen ich mich seit Längerem immer intensiver befasse und von denen ich glaube, dass sie sich jeder Pferdemensch immer wieder stellen muss. Ich sehe in ihnen den Schlüssel zu einem pferdegerechteren Umgang, denn nur wenn die Bereitschaft da ist, die eigene Anspruchshaltung wenigstens ein bisschen in Frage zu stellen, können überhaupt erst andere als die oft so gewaltvollen, respektlosen herkömmlichen Wege wahrgenommen werden.

Es geht weder darum, jede Aktivität mit Pferden einzustellen, noch darum alles in Frage zu stellen, aber es geht darum, hin und wieder die eigenen Ansprüche zu überprüfen, vor allem dann, wenn das Pferd mal anders reagiert als gewünscht. Wer sich im Recht glaubt, kämpft gegen alles und jeden, das oder der sein Weltbild ankratzt und verteidigt selbst Fehlgriffe und Irrtümer. Das geht immer zu Lasten der Pferde. Respekt beginnt für mich damit, auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass ich etwas falsch sehen könnte… – nur das hält mich offen dafür, mein Gegenüber wahrnehmen und verstehen zu können und, wenn nötig, mein eigenes Verhalten und meine Erwartungen zu korrigieren. 

erwartungshaltung

25. April 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Engagement und Pferdeschutz, Erkenntnisse, Umgang, Verhalten 14 Kommentare »

Frühjahrsputz – mit einem Tipp

(Hinweis: Auch wenn Aramis nun nicht mehr lebt, so wird er immer ein sehr wichtiger Teil von Tanias Leben bleiben und ein Stück weit wird er deshalb auch weiterhin hier bei „Wege zum Pferd“ dabei sein, in Fotos und Gedanken und allem, was er zu schenken hatte. Er gehört einfach dazu. Diese Bilder entstanden Mitte März.)

***

Das dürfte wohl vielen Pferdemenschen bekannt vorkommen, was? 

Man nehme ein als Wildschwein getarntes Pferd im Fellwechsel und beginne mit dem Putzen:

fruehjahrsputz1

(Und hier auch gleich der Tipp: dieses Putzgerät hat sich wirklich bestens beim Fellwechsel bewährt… und ja, ich habe vieles ausprobiert!).

Man halte durch und bleibe dran, bis man selbst wie ein Wildschwein aussieht und eine gute Portion Haare zusammen hat: 

fruehjahrsputz2

Dann freue man sich an einem halbwegs sauberen Pferd, … bis es sich nach dem Training mit Genuss in ein Sandschwein verwandelt 🙂

fruehjahrsputz3

Was gibt es Schöneres?

fruehjahrsputz4

18. April 2017 von Tania Konnerth • Kategorie: Sonstiges, Verhalten 16 Kommentare »

  • Herzlich Willkommen im Blog von „Wege zum Pferd“

    Hier finden Sie unser Blog und können ganz in Ruhe stöbern. Oder Sie suchen gezielt in einer der Themen-Kategorien hier weiter unten im Seitenbalken. Alternativ können Sie auch in dem Suchfeld ein Stichwort eingeben.

    Alles zum Thema Longieren finden Sie hier und unsere Beiträge zum Clickertraining hier. Eine Übersicht über unsere Kurse, E-Books und Bücher finden Sie hier.

    Und wer sind wir? Wir sind Babette Teschen und Tania Konnerth, Betreiberinnen dieser Seite seit 2008. Wir teilen hier unsere persönlichen Erfahrungen mit Ihnen und freuen uns auf Ihre Kommentare und Rückmeldungen.

    Und hier geht es zu unserem Buch bei Kosmos:

  • Praktische Hilfe gesucht?

    Wir bieten Ihnen auch persönliche Unterstützung für Sie und IhrPferd – Bitte hier klicken.

  • Kategorien

  • Neueste Beiträge

  • Neueste Kommentare

  • Archive

  • Meta