Ein Weg, einem Pferd die Angst vor Hundegebell oder anderen Geräuschen zu nehmen

Letztens rief mich ein Mann an und fragte mich um Rat. Sein Problem: Er hat vier Pferde in Offenstallhaltung. Eines der Pferde, eine Haflingerstute, reagiert jedes Mal wenn der Hund des Mannes bellt panisch. Sie rennt aus dem Stall, frisst nicht mehr und ist völlig aus dem Häuschen. Die anderen Pferde hingegen bleiben gelassen und lassen sich von dem Bellen des Hundes nicht stören.

Mein Vorschlag

Ich gab dem Mann folgenden Tipp: Er solle das Bellen seines Hundes auf Band aufnehmen. Diese Aufnahme soll er mit in den Stall nehmen. Immer wenn er die Pferde füttert, soll er das Band abspielen, aber die ersten Male ganz leise! Und zwar so leise, dass die Stute keine Anzeichen von Angst und Unsicherheit zeigt und mit den anderen Pferden frisst. Wenn die Stute diese Stufe gut toleriert, soll er das Band nach und nach immer etwas lauter stellen.

Immer wieder einen Schritt zurück, wenn das Pferd es mit der Angst bekommt

Ganz wichtig dabei: Reagiert die Stute nach einer Erhöhung der Lautstärke mit Angstzeichen, soll er die Lautstärke wieder runter regulieren.

Über kurz oder lang sollte es möglich sein, dass Hundegebell in normaler Lautstärke abzuspielen, ohne dass das Pferd noch ängstlich reagiert. Wenn alles gut gelaufen ist, sollte nun auch das echte Gebell von draußen keine größere Angst mehr beim Pferd auslösen.

Wenn doch, würde ich noch mehr Zwischenschritte einbauen, also z.B. das Band vor dem Stall laufen lassen und vor allem: Immer wieder die Lautstärke so leise machen, dass man unter der echten Angstgrenze des Pferdes bleibt.

Ebenso kann man auch mit anderen Geräuschen verfahren vor denen das Pferd Angst hat, z.B. Silvesterkracher, Hupen, Motorengeräusche usw.

15. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 11 Kommentare »

 

11 Reaktionen zu “Ein Weg, einem Pferd die Angst vor Hundegebell oder anderen Geräuschen zu nehmen”

 

Von Tanja • 15. Februar 2011

Die selbe Idee habe ich meiner Stallnachbarin mitgegeben. Ihre Stute reagiert panisch bei Traktorgeräuschen, vor allem wenn diese scheppernd und schnell unterwegs sind. Sie kann deshalb auch nicht ins Gelände mit ihr. Ich riet ihr, das Traktorgeräusch aufzunehmen und der Stute immer mal wieder vorzuspielen. Ob sie es macht, weiß ich nicht, da ich zur Zeit nicht am Stall bin. Meines Erachtens ist dieses jedoch die einzige ohne größere Probleme durchführbare Möglichkeit ein Panik verursachendes Geräusch nahezubringen.

 

Von Maike • 15. Februar 2011

Ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher, ob es wirklich die Geräusche sind die die Panik auslösen. Ein Hund wuselt ja auch rum oder schnappt nach den Beinen und ein Traktor beeindruckt mehr durch die Größe und die Vibrationen.

Einen Versuch ist aber sicher wert.

 

Von Tanja • 15. Februar 2011

Liebe Maike, es war tatsächlich das Geräusch, dass zur Panik geführt hat. Sie hat den Traktor nicht gesehen und ist wie von Sinnen hin und her galoppiert.

 

Von Kadda • 16. Februar 2011

Die Idee ist gut.Bei treker Hund kann das gut funktionieren. Ich hab dabei aber folgendes problem. Gehn wir spazieren und en unterhalten sich Leute oderlachen Kicher hinter einer Hausecke /Hecke etc, also so das sie nicht sieht wo das geräusch herkommmt bleibt sie beim reiten einfach stehn, beim Spazierengeh flüchtet sie bis zum ende des Strickes. Gestern abend hatte ich diese Situation wieder, Zwei mädels die sich kichernd unterhalten haben und mein Pferd völlig aus dem häuschen. Mit Kopf tief und Keksen könnt sich sie davon überzegen sich zu beruigen,und als die beide zu sehen waren war sie wieder die ruhe selbst. Solange sie sieht woher das geräusch kommt kein Thema. Tecker die sie nicht sieht auch ok, Hunde genauso kein Thema. Zu hause auf dem Hof auch nicht. Hühner im Stall die Gackern genauso ok. Solange sie die geräusche zuordnen kann schaut sie zwar aber bleibt ruihg. Ganz shclimmt sind kanckende BüscheHecken oder wen sich da hinter etwas bewegt was sie nicht sehen kann z.B Schafe. Schafe ohne Busch Juckt sie nicht egal wie viele. Da hab ich echt ein Problem wie ich das kontinuirlich üben könnte.

 

Von Wilmalotta • 16. Februar 2011

Oja, gerade zu dem Beitrag von Kadda würde ich mir Lösungsvorschläge wünschen. Genau so ein Modell habe ich nämlich auch zuhause. Luftballons kaputt treten macht Spaß und wenn die Kinderknarre rattert und es dafür Leckerchen gibt = TOLL, aber wehe es kommen Geräusche (Egal wie laut und in welcher Tonlage oder von wo), bei denen sie den Auslöser nicht sieht wird sie total panisch bis zum losreißen/durchgehen. Kopf tief funktioniert sonst auf Wortkomando, aber dann nicht mehr…..!

 

Von Mine • 20. Februar 2011

Ich hab das gleiche Problem mit LKW´s und Krähen. Das Problem ist, dass der Stall direkt neben einer Speditionsfirma ist und ich sowohl um zum Platz als auch für ins Gelände daran vorbei muss. Eigentlich hört er das Geräusch den ganzen Tag, aber wehe er sieht sie. Leider fahren sie auch an unserem Reitplatz vorbei und man kann drauf wetten, immer wenn er sich gerade am entspannen ist und wunderschön läuft kommt ein LKW. Da er aber die Geräusche eigentlich den ganzen Tag hört, wird es wohl nichts bringen, wenn ich sie zusätzlich noch aufnehmen. Hast du vielleicht einen Tipp für dieses Problem? Manchmal sind die Situationen nämlich ziemlich erschreckend, gerade dann wenns Pferdchen mitten auf der Straße durchgeht, weil gerade mal wieder 4 LKWs auf einmal kommen, aber keiner von den Fahrern auf die Idee kommt anzuhalten oder den Motor auszuschalten.
Aber mit den Krähen werde ich es auf jeden Fall mal ausprobieren. Mich würde ja echt mal interessieren, was die ihm „zurufen“. Er wird von dem gekrächtze jedesmal ganz hibbelig und will losrennen.

 

Von Jochen • 20. Februar 2011

Liebe Babette,

wieder ein wunderbarer Artikel! Ich selbst bin aus der Zeit der tragbaren kleinen Kassettenrecorder, die es leider nicht mehr gibt, aber möglicherweise sind ja die heute ziemlich verbreiteten Laptops mit Mikrophonen ausgestattet…

@ Kadda, Wilmalotta, Mine: Habt ihr es mal mit Batterie-Radio probiert? (Steigerung: Klassische Musik, Gerede, Rock, Streitgespräche, Techno…) Zunächst leise, dann lauter. (Richtig laut hilft das Gedudel bei mir sehr gut gegen Jäger, denn die wollen ja mit ihrem Krach andere ärgern, und nicht dabei selber den Krach der anderen mithören müssen.)
Klappt es zu Hause (Radio erst sichtbar aufgestellt, dann offen näher-entfernter-näher herumgetragen, dann mal hier, mal da versteckt, dann hinter Sichthindernissen näher-entfernter-näher herumgetragen, evtl. von einem Helfer), so könnt ihr das Radio ja unterwegs mitnehmen – leiser stellen, falls es stören könnte.

@ Kadda: Daß dein Pferd beim Reiten stehenbleibt anstatt durchzugehen, das ist doch eigentlich wunderbar (außer wenn es mitten auf einer Kreuzung passiert: absteigen und führen). Es beweist m. E. Verantwortungsbewußtsein gegenüber dem Reiter und Lernbereitschaft. Laß ihm einfach die Zeit, die es braucht, um die Situation einzuschätzen; danach wird es wohl kauen, und ihr könnt weitergehen. Bei Büschen und Hecken ist es vielleicht möglich, längere Graspausen mit Durchblinzeln einzulegen, evtl. auch mit Drumherumgehen.

@ Mine: Ich glaube in der Tat, dein Pferd bekommt eher zu viel LKW-Sound als zu wenig, noch mehr dürfte kaum helfen. Möglicherweise aber zuvor abgesprochene Besuche in der Spedition, vielleicht erstmal sonntags, um das schwere Gerät in Ruhe zu besichtigen und zu beriechen. Später dann mit Motorgeräusch und Bewegung. Und nicht mit Gras oder Heu geizen (notfalls Leckerlis)!
Obendrein haben LKWs oft auch einen verwirbelten Fahrtwind, an den das Pferd sich erinnert und den es bereits im Vorhinein erwartet. Letztens sah meine Backfisch-Thalie (fast 4) unterm Reiter auf enger Strecke einem LKW erst geduckt entgegen, dann reichlich verdattert nach, der keinen Wirbel hinter sich her zog (der Fahrer war deutlich unter den dort erlaubten 50 Km/h geblieben.) Zu diesem Punkt weiß ich nur: Geduld, an langsamen Streckenabschnitten üben, öfters ein verläßliches älteres Pferd dabeihaben.

Viele Grüße aus der Provence, Jochen

 

Von Wilmalotta • 21. Februar 2011

Lieber Jochen, Du hast mich mit Deinem Beitrag auf eine wunderbare Idee gebracht. Ich werde einfach eine Kassette mit lauten,leisen und plötzlichen Geräuschen bespielen und mit PAUSEN dazwischen. Die kann ich dann morgens bei uns in der Halle abspielen. So kann ich auch das Problem beheben, dass morgens keiner zum Radio herumtragen da ist. Abends sind dann zwar genug da, aber dann hält sich die Begeisterung meiner Mitreiter bei dieser Aktion „etwas“ in Grenzen ;-)!
Herzliche Grüße in die Provence

 

Von Jochen • 21. Februar 2011

Liebe Wilmalotta,
die Idee scheint mir prima. Und natürlich, wie immer, progressive vorgehen: Die Pausen würde ich durch zunächst langsames leiser-lauter-Drehen, dann schnelleres, erst mit kleinen von-Hand-Pausen, dann mit längeren, dem Pferd nahebringen. Später dann nach und nach mehr davon, bis „wild drauflos“…
Herzliche Grüße zurück, Jochen

 

Von Claudia • 27. Juni 2013

Liebe Babette!

Hast Du vielleicht für mich einen Tipp, wie ich einem Vollblutaraber die Angst vor Kälbern,Rindern und Kühen nehmen kann, die auf uns zu (dazwischen ist ein Zaun der die Rindviecher ausbremst) nehmen kann? Ich bin leider gezwungen daran vorbei zu reiten.Stehen die Kühe ruhig auf der Wiese, ist das kein Problem.Ist ja auch für ein Pferd eine blöde Situation, wenn ein Rind auf es zusteuert – auch wenn ein ausbremsender Zaun dazwischen ist. Die flatternden und raschelnden Silageballenplanen haben wir mittlerweile gut gemeistert. Aber ich kann mir leider keine Kühe für Übungen auf dem Reitplatz ausleihen.:) Vielleicht erinnerst Du Dich noch an mich; ich habe MS und bin etwas gehbehindert.Mein Versuch wäre noch im Schulterherein mit der Kruppe den Kühen zugewandt dort vorbei zu reiten.

Vielen Dank, liebe Grüße, Claudia!
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Liebe Claudia,
Dein Pferd über das Reiten von Seitengänge von den Monstern abzulenken ist sicherlich ein gangbarer Weg, packt aber das Übel nicht an der Wurzel. Ich würde Dein Pferd viel Zeit zum Gewöhnen und gucken geben, in einem Abstand zu den Rindviechern, denn Dein Pferd noch gut ertragen kann. Jedes mehr an „hintrauen“ würde ich sofort positiv verstärken (ich würde hier auch mal wieder clickern 😉 ). So haben wir auch Nico letztens an die Schafe herangeführt. Wir haben über 20 Minuten einfach dagestanden und ihn gucken lassen. Nach ca. 10 Minuten hat sich die größte Angst gelegt und die Neugierde kam durch. Das haben wir die Tage darauf wiederholt, bis die Schafe dann kein Thema mehr waren.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von henry • 21. November 2013

wie kann man ein Pferd die angst vor lauter Musik nehmen

 

 

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