Babettes Praxis-Blog

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Die große Zeitfrage

Oftmals werden mir ganz typische Fragen gestellt wie diese hier:

  • “Ich möchte mein Pferd in die Grundausbildung geben. Wie lange wird es wohl dauern bis mein Pferd soweit ist, dass ich mit ihm in allen Gangarten entspannt ins Gelände gehen kann?”
  • “Ich trainiere jetzt mein Pferd nach Ihrem Longenkurs. Wann wird es voraussichtlich ausreichend Muskulatur aufgebaut haben, dass ich es auf einem Wanderritt mitnehmen kann?”
  • “Mein Pferd steigt nicht in einen Pferdeanhänger ein. Ich werde es nun mit Hilfe des Clickertraining versuchen. Wie lange muss ich rechnen bis sich mein Pferd zuverlässig verladen lässt?”

Ich könnte Ihnen noch etliche Beispiele bringen, aber ich denke Sie verstehen, worauf diese Fragen an mich abzielen. Und auch wenn ich mir Mühe gebe, meine Antworten auf Fragen wie diese individuell zu gestalten und so gut wie möglich zu beantworten, so lautet sie auf den Punkt gebracht letztlich immer nur: Ich  weiß es nicht!

Ja klar, es gibt Erfahrungswerte. Da ich schon einige Pferde in der Grundausbildung hatte könnte ich die erste Frage z.B. so beantworten: Wenn das Pferd keine größeren physischen und psychischen Probleme hat sollte man im Normalfall nach ca. vier bis sechs Monaten Ausbildung mit diesem Ergebnis rechnen können.

Nur: Jedes Pferd ist anders!

Und nicht nur jedes Pferd, nein, auch jeder Mensch der mit dem Pferd umgeht bzw. reitet, ist anders! Jeder Mensch hat eine andere Ausstrahlung, einen anderen Umgang, einen anderen Sitz, eine andere Hilfengebung und somit gänzlich andere Möglichkeiten dem Pferd die Sicherheit und Gelassenheit zu vermitteln, die es für das Projekt “Ausreiten im Gelände” braucht. Und wenn ein Pferd dann beispielsweise nach vier bis sechs Monaten Ausbildung mit Bereiter XY auf dem Rücken entspannt ins Gelände geht, bedeutet das noch lange nicht, dass es das auch zu Hause mit dem/r Besitzer/in tun wird…

Hat das Pferd ein von Natur eher unsicheres und ängstliches Wesen, können aus den vier bis sechs Monaten auch vier bis sechs Jahre werden. Ich kenne Pferde, die trotz gutem Reiter, gutem Umgang und guter Haltung noch mit 20 Jahren im Gelände reine Nervenbündel sind … (ok, das ist zum Glück aber selten :-) ).

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23. August 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis 10 Kommentare »

Es geht auch anders!
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Variabel verstärken – ein Mittel zur Motivation

Wenn Sie nach dem Prinzip der positiven Verstärkung arbeiten, belohnen Sie Ihr Pferd für ein erwünschtes Verhalten, je nachdem womit Sie belohnen, mit der Gabe eines Leckerlis, mit Streicheln oder dem Hinzufügen von anderen Annehmlichkeiten, welche Ihr Pferd als Lob empfindet.

Beginnen wir damit, dem Pferd eine neue Lektion beizubringen, belohnen wir in der Regel zunächst jedes richtige Verhalten mit dem Hinzufügen des Lobes. Ist das Pferd in der Lektion weiter fortgeschritten, ist der nächste Schritt, die Belohnungsrate zu senken und noch später das Belohnen mehr und mehr ausschleichen. Wir verstärken dann also nicht mehr ständig, sondern wir verstärken variabel.

Ein Beispiel

Sie möchten Ihrem Pferd das Geben der Hufe beibringen. Dann werden Sie zunächst jedes kurze Anheben eines jeden Beines positiv verstärken. Später gibt es nur noch einen Keks, wenn Ihr Pferd den Huf besonders ruhig und lange hingehalten hat und noch später erst, nachdem es Ihnen alle vier Hufe gut gegeben hat. So schleicht man die Belohnung nach und nach immer mehr aus.

Um aber die Motivation des Pferdes für das gute Ausführen der Aufgabe trotz weniger Belohnung hoch zu halten, sollten Sie aber nie ganz auf das Belohnen verzichten, sondern in unregelmäßigen Abständen immer wieder eine Belohnung für eine besonders gute Ausführung der Aufgabe springen lassen.

Die Hoffnung auf den Gewinn wirkt stark motivierend

Die variable Verstärkung (auch sog. Zufallsbelohnung) wirkt in der Regel stark Motivation fördernd. Das Tier weiß nie genau, wann es eine Belohnung bekommt und strengt sich deshalb besonders an, um die Belohnung sicherzustellen.

Dahinter steckt dasselbe Prinzip, welches auch hinter Glücksspielautomaten steckt. Dadurch, dass der spielende Mensch nicht weiß, wann es die Belohnung gibt (der Jackpot geknackt wird), steckt er immer wieder eine Münze in den Automaten, in der Hoffnung, bei der nächsten Münze den Gewinn zu erhalten. Und ebenso bieten uns die Pferde ein Verhalten, von dem sie sich einen Gewinn versprechen (Keks ;-) ), gerne immer wieder motiviert an.

So habe ich z.B. die schönsten Ausführungen von einem spanischen Schritt erhalten, als ich zu der variablen Verstärkung übergegangen bin.

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15. August 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining 4 Kommentare »

Mit dieser Übung bleibt beim Reiten der Absatz tief

Kämpfen Sie beim Reiten auch immer wieder mit hochgezogenen Absätzen? Wenn ja, kann es dafür unterschiedliche Gründe geben:

  • Sie haben Ihre Steigbügel zu lang eingestellt.
  • Sie klammern mit den Beinen.
  • Sie leiden unter einer verkürzten Wadenmuskulatur.
  • Sie tragen in Ihrem Leben außerhalb des Pferdestalles zu oft High Heels.

Je nach Ursache, ist die Lösung für Ihr Problem unterschiedlich:

  • Verkürzen Sie Ihre Steigbügel.
  • Lassen Sie die Beine locker und lang unter Ihnen hängen.
  • Dehnen Sie Ihre Wadenmuskulatur.
  • Wählen Sie öfter die Gesundheitstreter ohne Absatz ;-)

Und falls in Ihrem Fall die verkürzte Wadenmuskulatur der Auslöser für Ihre hochgezogenen Absätze beim Reiten sind, habe ich im Folgenden noch eine gute Übung für Sie.
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12. Juli 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 10 Kommentare »

Der Kampf zum nächsten Grashalm – so vermeiden Sie ihn auf elegante Weise

Sie kennen sicherlich auch diese armen, bemitleidenswerten Geschöpfe (auch Pferd/Pony genannt ;-) ) , die kurz vor dem Hungertod stehen und deswegen der Meinung sind, dass der Mensch am Ende des Strickes nur ein lästiges Anhängsel ist, welches ohne Rücksicht auf Verluste mitgeschleift werden darf, hin zu einem grünen Stück Naturboden? Ja, ich rede von den Exemplaren der Gattung Equus, die es in Perfektion gelernt haben, sich beim Führen vom Menschen loszureißen, um die Nase in den nächsten saftigen Grasbüschel zu versenken. Wer glaubt, dass passiert nur schwächlichen Mädchen, täuscht sich sehr. Ich habe schon gestandene Mannsbilder wie ein Fähnchen im Winde hinter ihren Pferden herwehen sehen…

Der “normale” Weg mit diesem Problem umzugehen, ist fast immer ein Weg des Kampfes

Vielfach beginnt dann auf der Seite des Menschen das große Aufrüsten: Es werden Führketten über Pferdenasen geschnallt, an Trensen oder sogar auf Kandare gezäumt geführt, Steigergebisse verwendet und ähnliches Zubehör mehr verwendet, um mit dem Problem mehr schlecht als recht fertig zu werden. Dabei sieht man oftmals unschöne Szenen, bei denen scharf an Halftern/Trensen geruckt, hektisch mit Gerten vor Pferdenasen gewedelt oder diese auch massiv gegen das Pferd eingesetzt werden, alles mit dem häufigen Ergebnis: Der Mensch hat ein paar Brandwunden mehr an den Händen und sein Pferd steht ein paar Meter weiter mit der Nase im Gras …

Das darf nicht sein!

Keine Frage: Ein Pferd, welches sich losreißt, gefährdet sowohl sich als auch seine Umwelt immens! Und ja, hier gilt es Abhilfe zu schaffen und das Losreißen des Pferdes zuverlässig zu unterbinden. Ich habe in diesem Blogbeitrag schon mal ausführlich geschrieben, wie mein Weg aussehen würde, so ein  “Losreißprofipferd” umzuerziehen und Tania hat hier bereits ihre Tipps zum Thema “Gras fressen” aufgeschrieben.

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5. Juli 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

“Time out” versus “Pause”- Strafe oder Lob?

Wer hier schon länger mitliest, weiß, dass ich gerne nach dem Clickertraining arbeite. Das Grundprinzip des Clickertrainings besteht darin, konsequent mittels positiver Verstärkung erwünschtes Verhalten zu bestätigen. Unerwünschtes Verhalten wird nicht bestraft, sondern ignoriert.

Aber auch das Clickertraining kennt eine Form von Strafe und zwar das so genannte “Time out“. Diese Strafe sieht so aus, dass das Pferd eine Zwangspause bekommt, der Trainer also die Clickereinheit abrupt unterbricht. Man fügt dem Pferd also nicht aktiv etwas Negatives zu (wie z.B. Schmerz), sondern es wird etwas Positives weggenommen, nämlich die Zusammenarbeit mit dem Menschen und seine Zuwendung. Das, was gerade “gearbeitet” wird, wird abgebrochen und der Mensch geht (z.B. hinter einen Zaun, aus der Reitbahn raus) und entzieht dem Pferd Aufmerksamkeit, Belohnung, Spaß…

Eingesetzt wird das Time Out z.B.

  • wenn das Pferd während der Arbeit anfängt zu bettelig zu werden,
  • wenn es zu aufdringlich wird,
  • wenn es anfängt zu rempeln,
  • wenn es beißt
  • oder wenn es ähnlich unerwünschtes Verhalten zeigt.

Im Prinzip machen die Clickertrainer in diesem Moment nichts anderes, als dem Pferd eine “Auszeit” zu verpassen.

Auch diese Form der Strafe bitte sehr achtsam einsetzen!

Es ist sehr wichtig dabei Folgendes zu beachten: Jedes Wesen auf der Welt wünscht sich sehnlichst Aufmerksamkeit und diese vom Umfeld entzogen zu bekommen, ist tatsächlich eine Strafe. Nur deshalb kann das “Time out” psychologisch überhaupt wirken. Aber genau deshalb ist es auch so wichtig es, wie jede Form der Strafe, nur dosiert und überlegt eingesetzt werden sollte.

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28. Juni 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining 5 Kommentare »

Über Sinn und Unsinn so mancher Umgangsregel, die wir unseren Pferden aufstellen

Wir alle haben im Umgang mit unseren Pferden Regeln und Gesetze, auf dessen Einhaltung der eine Pferdebesitzer mehr, der andere weniger ;-) konsequent achtet. Und das ist auch gut und richtig so. Ohne Regeln wäre das Leben sowohl für uns als auch für unsere geliebten Vierbeiner deutlich anstrengender, verwirrender und oftmals auch viel zu gefährlich. So will ich an dieser Stelle auch nichts gegen (sinnvolle ;-) ) Regeln schreiben und ja, wer Regeln aufstellt sollte, um für sein Pferd berechenbar zu sein, immer konsequent auf die Einhaltung der aufgestellten Regeln achten.

Aber ich will an dieser Stelle dazu anregen, mal genau zu reflektieren:

  • Welche konkreten Regeln und Gesetze will ich im Umgang mit meinem Pferd aufstellen?
  • Sind das sinnvolle und pferdegerechte Regeln?

Welche Regeln möchten Sie aufstellen?

Überlegen Sie sich einmal in Ruhe, was Ihnen im Umgang mit Ihrem Pferd wirklich wichtig ist und welche Regeln Sie aufstellen möchten. Machen Sie sich am besten eine Liste, die z.B. so aussehen könnte:

Mein Pferd

  • soll beim Führen auf mich achten.
  • soll ruhig stehen bleiben, wenn ich aufsteige.
  • soll nicht in meiner Jackentasche nach Leckerlis suchen.
  • soll ruhig am Putzplatz stehen.

Machen Sie bitte keine Endlosliste, sondern überlegen Sie sich gut, was Ihnen wirklich wichtig ist. Je mehr Regeln Sie aufstellen, desto komplizierter wird es für Sie und Ihr Pferd! Machen Sie sich bitte bewusst, dass Sie Ihrem Pferd Ihre Regeln ja auch erklären müssen, d.h., dass Sie Ihr Pferd dahin ausbilden und erziehen müssen, damit Ihr Pferd irgendwann Ihre Regeln kennt und einhalten kann. Und was für uns einleuchtend erscheinen mag, ist für das Pferd noch lange nicht so. Ihr Pferd weiß nichts von Ihren Regeln und wahrscheinlich wird es auch den Sinn dahinter nicht so sehen wie Sie. ;-)

Sind Ihre Regeln sinnvoll?

Wenn Sie Ihre Liste geschrieben haben, überprüfen Sie Ihre Regeln bitte darauf, ob Ihre Regeln tatsächlich sinnvoll und auch pferdegerecht sind. Es gibt z.B. noch viele altmodische Regeln im Umgang mit Pferden, die nachgewiesenermaßen sinnlos, teilweise sogar schädlich für ein Pferd sind so wie z.B. die Regel, das man immer nur von links auf ein Pferd aufsteigen soll und ein Pferd immer nur von links geführt werden soll…

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21. Juni 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 20 Kommentare »

Wenn Gras Stress hat, wird es brenzlig für anfällige Pferde

In meinem Blogbeitrag von letzter Wochen habe ich über die hohe Gefährdung geschrieben, die für verfettete Pferde besteht, an Stoffwechselkrankheiten wie EMS oder das Cushing Syndrom zu erkranken. U.a. habe ich dabei den Rat gegeben, besonders dann sehr vorsichtig mit Weidegang für gefährdete Pferde zu sein, wenn der Fruktangehalt im Gras hoch ist und das Gras gestresst ist.

Nur: Wann ist der Fruktangehalt im Gras hoch? Und was macht dem Gras Stress? Diese Fragen möchte ich in diesem Beitrag zu beantworten versuchen, doch dazu müssen wir erstmal klären, was Fruktan eigentlich ist.

Was ist Fruktan?

Fruktan ist ein spezieller Zucker, der im Gras (Heu) zu finden ist. Das Gras speichert Energie, welche es zum Wachsen benötigt, als Fruktan im Stängel. Wie hoch der Fruktangehalt im Gras ist, hängt von äußeren Faktoren ab, wie Sonnenscheindauer, Temperatur, Feuchtigkeit usw. Wenn das Gras wächst, verbraucht es Fruktan.

Unterschiedliche Grassorten haben einen unterschiedlichen Gehalt an Fruktan. Das auf unseren Pferdeweiden weit verbreitete Weidelgras hat z.B. einen hohen Gehalt an Fruktan.

Fruktan gilt als Auslöser von futterbedingter Hufrehe

Früher wurde angenommen, dass fütterungsbedingte Hufrehe durch zu viel Eiweiß ausgelöst wird. Heute weiß man, dass Fruktan der Übeltäter ist. Grundsätzlich ist jedes Pferd gefährdet, an einer durch Fruktan ausgelösten Hufrehe zu erkranken, aber besonders gefährdet sind solche Pferderassen, die von ihrer Ursprungsheimat auf karge Vegetation ausgelegt sind, wie z.B. Isländer, Shetlandponys oder auch z.B. Peruanische Pasos und natürlich Pferde, die bereits unter einer Stoffwechselerkrankung leiden.

Der Fruktangehalt des Grases ist immer dann besonders hoch, wenn das Gras “Stress” hat. Stress hat Gras dann, wenn es die Energie nicht verbrauchen (also in Wachstum umwandeln) kann, also z.B. bei Niederschlagsmangel (wie es gerade in den letzten Wochen bei uns ja sehr ausgeprägt der Fall war).

Wie hoch der Fruktangehalt im Gras ist, ist von verschiedenen Faktoren abhängig:

  • Jahreszeit
  • Tageszeit
  • Witterung
  • Beweidung
  • Düngung

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14. Juni 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Gesundheit 9 Kommentare »

Wenn alle Alarmglocken schrillen sollten: Hartes Fettdepot am Pferdehals

Leider eine Tatsache: viele unserer Wohlstandspferde sind “gut im Futter”, etwas moppelig oder gar schlichtweg viel zu fett! Und an dieser Stelle muss ich mir selber einen riesengroßen Misthaufen zuteilen, denn einige meiner Pferde sind es auch :-(

Mein Fütterungsmanagement

Ich habe einen Pensionsbetrieb und habe zur Zeit an die 30 Pferde bei mir stehen, die ich in zwei Herden aufgeteilt habe:

  • Die “leichtfuttrigen” Pferde, zu denen die meisten Ponys zählen und
  • die “Viel-Fressen-Dürfer”, in der Regel unsere Großpferde und schwerfuttrige Pferde.

Die “Diätherde” (also die leichtfuttrigen Pferde/Ponys) bekommt nur stundenweise rationiert Heu im Winter bzw. Gras im Sommer. Kraftfutter gibt es so gut wie nicht. Die “Viel-Fresser-Herde” kann die ganze Nacht durch ans Gras bzw. ans Heu und tagsüber noch 3 Stunden. Auch hier bekommen die wenigsten Pferde Kraftfutter zugefüttert, nur die, die es auch wirklich brauchen. Wirklich individuell kann ich mit diesem Management nicht auf jedes einzelne Pferd eingehen, doch ich bemühe mich sehr, die Fütterung so zu gestalten, dass es allen Pferden gut geht.

Meiner Erfahrung nach ist der Anteil der wirklich schwerfuttrigen Pferde klein und der weitaus größere Teil (auch der Großpferde) ist eher leichtfuttrig. Und so habe ich eben leider auch einige Pferde bei mir, die eindeutig zu viel auf die Waage bringen. Die meisten Pferde, die zu viel auf den Knochen haben, stehen in der Großpferd-Herde, also in der Herde, die die längere Zeit am Futter steht. Am liebsten hätte ich schon länger einige der Großpferde mit in die Pony-Herde getan, doch die ist platzmäßig einfach am Limit. Und ja, so steckte ich leider zu lange den Kopf vor dem Problem in den Sand, dass das eine oder andere Pferd zu dick ist…

Die Rechnung trägt nun das Pferd meiner Tochter

Tja, was bei vielen Pferden gut geht, ist nun leider bei Soeno, dem Peruanischen Paso meiner Tochter Lena, nicht gut gegangen. :-( Soeno ist jetzt 9 Jahre alt. Er wurde bei uns geboren und stand Zeit seines Lebens in der Großpferd-Herde. Hier war er glücklich, hing sehr an seiner Mutter (ja, er war abgesetzt ;-) aber die Bindung war stark wie am ersten Tag) und an seinen langjährigen Freunden, die beständig mit ihm zusammen lebten.

Als Jungpferd war er rank und schlank, doch das änderte sich langsam aber stetig. Er entwickelte Fettpolster am Mähnenkamm, an der Kruppe und an den Schultern. Und irgendwann kamen die ersten kritischen Stimmen: “Du Babette, Soeno ist aber ganz schön dick….”

Ich überlegte, ob ich Soeno in die Diät-Herde stellen soll, aber ich machte mir Sorgen, wie er die Trennung von seiner Mutter und seinen Kumpels verkraften würde, dachte an seine sensible Psyche, sah die eh zu volle Pony-Herde, hatte Angst vor der Eingliederung in die neue Herde und, und, und… Ich entschied mich also, Soeno in seiner Herde zu lassen. Immerhin war ja gerade erst die Pferdewaage da und das Urteil des Fachmannes lautete: Ok, etwas zu viel, aber noch ok (er bekam als Wert eine 5, d.h. Futterzustand genau richtig).

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7. Juni 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Gesundheit 24 Kommentare »

Gedanken zum Thema “Vertrauen”

“Woran erkennen Sie, dass Ihr Pferd Ihnen zu 100% vertraut?” – Diese Frage stellte mir während eines Telefoninterviews eine Redakteurin der Pferdezeitschrift ReitZeit. Meine erste Reaktion darauf war zu sagen, dass es in meinen Augen kein 100%iges Vertrauen zwischen Pferd und Mensch gibt, auch wenn ich Pferd-Mensch-Beziehungen kenne, die sehr harmonisch sind und in denen die Pferde sich ihrem Menschen gerne und sehr stark anvertrauen.

Wenn ich z.B. Tania sehe, wie sie mit ihrem Aramis “nackig”, also ohne Kopfstück durchs Gelände reitet, ist das in meinen Augen schon nah dran am absoluten Vertrauen. Aber 100 %? Und woran würde ich diese 100 % festmachen? Über diese Frage habe ich nach dem Telefonat noch viel nachgedacht.

Hinlegen? Gemeinsam durchs Feuer gehen?

Was sind das für Situationen wo ein außenstehender Mensch sagt:” Boah, das Pferd hat aber viel Vertrauen.”? Meistens sind es Vorführungen auf Messen oder Shows, auf denen ein Pferd “frei” durchs Feuer springt oder sich trotz Tumult ruhig neben seinen Menschen ablegt. Das sind Szenen, in denen wir Zuschauer staunen über diesen großen Vertrauensbeweis.

Aber geht es hier wirklich um Vertrauen?

Um das beurteilen zu können, müsste ich wissen, ob das Pferd sich tatsächlich freiwillig auf das Kommando hin ablegt oder ob es das aus der Motivation heraus tut, dass es gelernt hat, dass es negative Konsequenzen gibt, wenn es sich nicht ablegt. Und das könnte ich nur wissen, wenn ich bei dem vorführenden Menschen heimlich beim Training Mäuschen gespielt hätte. Am Endergebnis kann ich selten erkennen, wie das Pferd eine Lektion gelernt hat und aus welcher Motivation heraus es etwas zeigt.

Darf das Pferd auch nicht vertrauen?

Eine ganz entscheidende Frage ist für mich: Hat das Pferd das Recht darauf, eben auch mal nicht zu vertrauen, sprich: sich eben nicht hinzulegen oder nicht durch das Feuer zu springen? Vertrauen ist in meinen Augen niemals erzwingbar, es kann nur ein Geschenk sein. Und wenn ein Pferd so lange Druck erhalten hat, bis es in jeder Situation immer zu 100 % korrekt reagiert, ist das Pferd in meinen Augen nur 100%ig abgerichtet und perfekt dressiert, aber mit Vertrauen hat es dann für mich nichts zu tun.

Wie oft wird ein Pferd, wenn es nicht das macht, was der Mensch will, entweder mit negativem Druck gearbeitet (Pferd wird gescheucht, es folgt ein disziplinierendes “Weichen lassen” usw.) oder sogar gestraft, bis es dann endlich macht, was der Mensch will.

Wenn es dann solche Lektionen später zeigt, ist das Freiwilligkeit?

Ist die Motivation dann tatsächlich Vertrauen?

In meinen Augen nein.

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31. Mai 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 18 Kommentare »

Was macht eigentlich Ronaldo?

“Was macht eigentlich Ronaldo?” - das ist eine Frage, die mir häufiger gestellt wird. Dieses Pferd hat scheinbar nicht nur mein Herz berührt, sondern er hat, wie es aussieht, einen kleinen Fanclub ;-) unter Euch. Deswegen habe ich hier für alle, die wissen wollen, wie sich mein “Kleiner” bei mir fühlt und entwickelt, ein aktuellen Film.

Erst mein Berittpferd – dann mein Herzpferd :-)

Für diejenigen, die Ronaldo noch nicht kennen sollten: Ronaldo kam vor genau zwei Jahren als Berittpferd “getarnt” in mein Leben. Er war recht schwierig im Umgang, sehr schreckhaft, also ein so genanntes “Problempferd”. Wer seine Geschichte nachlesen möchte und die ersten zwei Filme seiner Zeit bei mir anschauen mag, der klickt bitte hier und hier.

Und das Neueste gibt es also nun hier zu sehen! Viel Freude beim Anschauen! :-)

24. Mai 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Sonstiges 10 Kommentare »

Babette Teschen