Babettes Praxis-Blog : Kategorie ‘Aus dem Reitunterricht‘

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Ein Experiment: Puzzeln Sie sich die Hilfen mal Schritt für Schritt zusammen

Was tun Sie, wenn Sie mit Ihrem Pferd eine wirklich gute Volte reiten wollen? Sie werden alle Hilfen, die Sie dafür brauchen (Gewicht, Zügel, Beine, Körper) zusammen anwenden, um das Ziel zu erreichen, richtig?

Wenn die Volte nun aber nicht so gut gelingt, wie Sie sich das gewünscht haben, wird es im Nachhinein schwer sein, herauszufinden, wo genau der Fehler lag. Welche Hilfe haben Sie vielleicht nicht gefühlvoll genug gegeben? Oder welche der Hilfen hat das Pferd nicht korrekt angenommen?

Sie können Ihre Hilfen nur dann gezielt korrigieren oder verbessern, wenn Sie auch wissen, wo genau es hakt. Wissen Sie das nicht, korrigieren Sie vielleicht Ihre Zügeleinwirkung, die aber für das Pferd gut verständlich war. Es hatte Ihre Gewichtshilfe falsch verstanden.

Sehen Sie das Problem? Um das zu lösen, können Sie Folgendes unternehmen:

Geben Sie einmal die einzelnen Hilfen gezielt eine nach der anderen. Konzentrieren Sie sich ganz bewusst auf die korrekte Gabe jeweils genau einer Hilfe, um anschließend zu erfühlen, ob Ihr Pferd diese Hilfe ohne Problem annimmt. Nehmen Sie immer erst dann eine weitere Hilfe hinzu, wenn Ihr Pferd auf die vorherige richtig reagiert hat.
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4. September 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 7 Kommentare »

Der Einfluss der zwei Gehirnhälften auf das Reiten und wie guter Reitunterricht darauf reagieren sollte

Ein wirklich guter Reiter ist einer,

  • der sowohl ein hervorragender Techniker ist und
  • der darüber hinaus ein hohes Maß an Gefühl für sich, seinen Körper, sein Pferd und die Situation mitbringt.

Damit wir genau diese beiden Elemente möglichst ausgewogen leben können, ist es hilfreich, einen kleinen Blick in die Gehirnforschung zu wagen.

Unser Gehirn ist in zwei Gehirnhälften aufgeteilt, die so genannten Hemisphären. Diese beiden Gehirnhälften sind über einen dicken Nervenstrang miteinander verbunden. Die rechte Gehirnhälfte steuert unsere linke, die linke unsere rechte Körperhälfte.

Interessant ist nun, dass die beiden Gehirnhälften ihre Aufgaben auf unterschiedliche Art und Weise angehen. Etwas vereinfacht kann man sagen, dass in der linken Gehirnhälfte vor allem solche Gehirnbereiche liegen, die für unseren Verstand, für unsere Logik zuständig sind. Während in der rechten Gehirnhälfte z.B. das räumliche Sehen, unsere Fähigkeit zur inneren Vorstellung (Phantasie) u.ä. liegen. Sie (zusammen mit dem limbischen System) ist auch für unsere Gefühle zuständig.
Die meisten von uns sind gehirnmässig eher linkslastig unterwegs und so kann es passieren, dass wir versuchen, mit der linken Gehirnhälfte Probleme zu lösen, die nur mit der rechten zu lösen wären.
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2. September 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 3 Kommentare »

Das Englischtraben

Wussten Sie schon, dass es neben dem Leichttraben auch noch das so genannte “Englischtraben” gibt?

Beim Leichttraben steht der Reiter entlastend aus dem Sattel auf, während das innere Hinterbein des Pferdes vorschwingt und treibt mit dem inneren Schenkel (siehe Beitrag Das Timing der Schenkelhilfen). Dadurch wird es diesem Bein möglich, weit vorzufußen.

Das Englischtraben ist eine Variante des Leichttrabens, bei der der Reiter auf dem inneren Hinterbein einsitzt.

Wenn der Reiter englisch trabt, führt das zur schnelleren Anspannung der Kruppenmuskulatur. Das ist hilfreich, wenn man ein Pferd im Trab mehr versammeln möchte (Leichttraben im Schulterherein, während einer Piaffe oder Passage). Auch um Taktunregelmäßigkeiten im Trab zu korrigieren, lohnt sich der Versuch, diese Unregelmäßigkeit durch das Wechseln ins Englischtraben positiv zu beeinflussen.

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26. August 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 2 Kommentare »

Das Timing der Schenkelhilfen – die Basis des feinen Treibens

Wer reiten lernt, lernt auch, mit dem Schenkel zu treiben. Die wenigsten Reiter/innen lernen aber leider, im richtigen Moment zu treiben. Dabei ist genau der sehr wichtig, denn damit Ihr Pferd auf Ihre Schenkelhilfe überhaupt korrekt reagieren kann, muss diese Hilfe im richtigen Moment gegeben werden.

Mit der Schenkelhilfe möchten wir einen Reflex auslösen, der den Bauchmuskel zur Kontraktion anregt, er soll sich also zusammenziehen. Durch die Kontraktion der Bauchmuskulatur wird das Hinterbein des Pferdes stärker vorgeführt, d.h., dass Hinterbein wird aktiviert. Dieser Reflex funktioniert nur in dem Moment, in dem das Hinterbein sich nach vorne bewegt. (Daraus ergibt sich übrigens auch, dass gleichseitiges Treiben mit beiden Schenkeln keinen Sinn macht. Treiben Sie also, wenn Sie treiben, wechselseitig.)

Wenn Sie die Schenkelhilfe zu einem Zeitpunkt geben, an dem das Bein auf dem Boden ist, kann das Pferd sie nicht korrekt beantworten, d.h. das Pferd lernt, diese Hilfe zu ignorieren. Die Folge ist ein Pferd, das auf Schenkelhilfen abstumpft. Ganz wichtig ist auch zu beachten, dass Sie die Hilfe nicht ständig geben dürfen, denn jeder Reflex ermüdet, wenn Sie ihn zu oft auslösen. Treiben Sie also nur bei Bedarf!

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14. August 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 12 Kommentare »

Brauchen Geländepferde Dressurarbeit?

Viele Freizeitreiter/innen sind der Überzeugung, ihre Pferde bräuchten keinerlei dressurmässige Arbeit, da sie ihre Pferde rein im Gelände und zu ihrem Vergnügen reiten. Oft lehnen sie die Arbeit in der Bahn sogar regelrecht ab. Wenn man aber mal genauer hinschaut, findet man unter diesen Pferden etliche, die massive gesundheitliche Probleme haben, die manchmal bis zur Unreitbarkeit oder sogar zum frühzeitigen Tod führen.

Woran liegt das?

Jedes Pferd ist von Natur mehr oder weniger stark ausgeprägt schief und läuft mehr oder weniger stark auf der Vorhand. Wenn wir dem Pferd nicht helfen sich gerade zu richten und es uns nicht gelingt die Hinterhand des Pferdes spurig unter den Körper zu bekommen, wird das Pferd den Rücken unter uns nicht aufwölben. Und wenn ein Pferd dauerhaft ein Reitergewicht trägt, ohne über den Rücken zu gehen, sind Rückschmerzen oder sogar -schädigungen vorprogrammiert.

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12. August 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 7 Kommentare »

Was guten Reitunterricht ausmacht – ein Gespräch

Beim Reitunterricht kommen immer mindestens drei verschiedene Individuen zusammen – Reitlehrer/in, Pferdebesitzer/in und das Pferd. Nicht immer gelingt die Kommunikation reibungslos. Wir versuchen hier einmal in einem Gespräch herauszufinden, wo die Knackpunkte im Miteinander sein können und wie nicht nur die Kommunikation verbessert werden kann, sondern vor allem auch das Lernen.

Babette: Ich komme zu unserer ersten Unterrichtsstunde… Welche Erwartungen und Wünsche hast du?

Tania: Das Wichtigste ist für mich, dass ich mit dem gesehen werde, was ich mitbringe, damit ich da abgeholt werden kann, wo ich stehe. Sprich: ich möchte keinen Standard-Unterricht, sondern er soll auf mich und meine Situation zugeschnitten sein. Mir nützen die tollsten Konzepte und Übungen nichts, wenn ich nicht das Gefühl habe, dass sie wirklich etwas mit mir zu tun haben. Ich würde mir also wünschen, dass ich eingeladen werde, ein bisschen was von mir zu erzählen und dass erst einmal geschaut wird, wie ich reite und wo ich stehe. Daraus würde ich dann gerne eine kleine Standortbestimmung aus Sicht der/des Reitlehrers/in haben. Ich möchte wissen, was schon ganz gut läuft, was zu verbessern ist und woran wir als erstes arbeiten wollen. Auf diese Weise kann ich entscheiden, ob der vorgeschlagene Weg Sinn für mich macht.

Wenn ich das so lese, was ich hier schreibe, wird mir wieder einmal klar, dass ich wohl eine ziemlich anspruchsvolle Schülerin bin. Was bedeutet das für deine Arbeit, wenn jemand ziemlich konkrete eigene Vorstellungen mitbringt?
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10. Juli 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 6 Kommentare »

Die Versammlung

Der letzte Punkt der Ausbildungsskala der FN ist die Versammlung – das Ziel vieler Reiterträume.

Ein versammeltes Pferd bewegt sich leichtfüßig, kraftvoll, harmonisch und schonend für Sehnen, Bänder und Gelenke. Die Fähigkeit sich zu versammeln, dient somit der Gesunderhaltung Ihres Pferdes.

Nun werde ich häufig gefragt:

  • Woran erkenne ich Versammlung?
  • Und wie erreiche ich Versammlung?

Definition:

In der Versammlung nehmen die Hinterbeine des Pferdes mehr Last auf. Durch Beugung der Hanken (die großen Gelenke der Hinterhand = Hüftgelenk, Kniegelenk und Sprunggelenk) senkt sich die Kruppe ab und die Vorhand des Pferdes richtet sich auf in dem Maße, in dem sich das Pferd hinten senkt (relative Aufrichtung). Dabei wölbt das Pferd den Rücken auf und es verkürzt seinen Rahmen (wird kürzer). Der Schwerpunkt des Pferdes sollte möglichst tief und weit zurück liegen.

Wenn Sie diese Haltung nachempfinden wollen, können Sie sich mal im Kniebeugegang (in etwa wie bei der Skigymnastik) ein-zwei Runden um die Reitbahn bewegen. Und, anstrengend? Für die Pferde auch :-)
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8. Juli 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 0 Kommentare »

Von der Bedeutung der Daumen oder: Warum Sie immer an die Vögelchen denken sollten

Geht es Ihnen auch so wie mir? Können Sie erst dann eine Anweisung Ihres Reitlehrers wirklich ausführen, wenn Sie den Sinn hinter dieser Anweisung verstanden haben?

So eine für mich früher unwichtige Anweisung war es, auf die Stellung meines Daumens zu achten. Bis sich ein Reitlehrer die Mühe machte und mir den Sinn erklärte:

Der Daumen soll wie ein kleines Dach auf den Zeigefinger ruhen, ohne Druck

hand3.jpg

Nur in dieser Position ist der Muskel, der für die Bewegung des Daumens zuständig ist, vollständig locker. Dieser Muskel verläuft durch den Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn Sie Ihren Daumenmuskel anspannen wird automatisch Ihr Handgelenk fest. Ein festes Handgelenk führt zu einer blockierten Schulter. Weiche, gefühlvolle Paraden und eine mitschwingende Schulter sind nicht mehr optimal möglich.
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10. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 3 Kommentare »

Noch eine gute Runde…

Folgende Szene erlebte ich in meinem Unterricht:

Ich unterrichtete eine Frau auf ihrem Pferd. Das Pferd hatte eine schwierige Vergangenheit und brachte einige Probleme mit. Des Weiteren hatte es einen nicht sehr kräftig bemuskelten Rücken und lief noch relativ stark auf der Vorhand. Wir arbeiteten seit ca. 45 Minuten an verschiedenen Themen. Das Pferd arbeitete gut mit. Doch plötzlich begann es, verschiedene „Unarten“ verstärkt zu zeigen: Zügel aus der Hand reißen, Kopfschlagen usw.

Mein Gefühl sagte mir: das Pferd kann nicht mehr, sowohl psychisch als auch physisch. Ich bat die Reiterin anzuhalten und abzusitzen. Die Reiterin ignorierte aber meine Bitte und ritt weiter mit der Begründung: „Wir müssen wenigsten noch eine schöne Runde zum Abschluss hin bekommen…“
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3. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 9 Kommentare »

Brust raus – Schulterblätter zurück!?

brustraus.jpgWer von Ihnen kennt dieses Kommando nicht auch aus dem Reitunterricht? Aber haben Sie sich einmal gefragt, was dieses Kommando eigentlich mit Ihnen macht und wie sich Ihre Körperhaltung, Ihre Atmung, Ihre Stimmung verändern, wenn Sie es auszuführen versuchen?

Probieren Sie einmal aus, die Anweisung “Brust raus – Schulterblätter zurück!” ganz bewusst aus und fühlen Sie in sich hinein, ob

  • Ihre Arme noch die Nickbewegung des Pferdekopfes mitschwingen können,
  • Ihr Becken noch die Bewegung des Pferderückens mitgehen kann (siehe die liegende Acht aus der Übung für ein mitgehendes Becken),
  • Ihre Atmung noch bis in den Bauch fließen kann und ob
  • Sie in der Lage sind, weich in der Hand zu sein.

Oder passiert vielleicht Folgendes:

  • Ihre Atmung wird oberflächlich?
  • Ihre Schultern werden fest?
  • Ihr Kiefergelenk wird fest?
  • Ihre Arme werden starr?
  • Sie werden physisch und psychisch „härter“?

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25. April 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 4 Kommentare »