Babettes Praxis-Blog : Monatsarchiv für Februar 2011

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Das Verlaufslob

Ich bin jemand, der seinem Pferd sehr gerne mit Stimmlob während der Arbeit Feedback gibt, wenn es etwas gut macht und es auf dem richtigen Weg ist. Ich sage dann mit warmer, leiser Stimme „gut so“, „prima“ oder „weiter so“. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass gerade nervöse, unsichere Pferde sehr gut darauf reagieren und sich besser entspannen.

„Sanftes Reden“ wirkt nicht nur auf Pferde beruhigend und entspannend

Auch für uns Menschen hat dieses „sanfte Reden“ den positiven Effekt, dass wir besser atmen und selber unverkrampfter sind. So lautet dann auch eine häufige Anweisung in meinen Unterrichten an meine Schüler, gerade wenn ich spüre das der Mensch seinen Atem festhält und sehr angespannt ist: „Rede mit deinem Pferd, nutze das Stimmlob, bestätige dein Pferd.”

Eine häufige Reaktion darauf vom Pferd: Es bleibt erwartungsvoll stehen

Sagt der Mensch dann etwas, reagieren viele Pferde damit, dass sie stehenbleiben. Der Besitzer sagt mir dann häufig: „Ja, das passiert immer wenn ich mit Stimme loben will. Mein Pferd bleibt dann stehen und erwartet ein Leckerchen.”

Wenn das passiert, hat der Mensch versäumt, seinem Pferd den Unterschied zu lehren, was ein Verlaufslob und was ein Kekslobwort/-Geräusch ist – wann es also wirklich ein Leckerchen erwarten kann und wann nicht.

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22. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 11 Kommentare »

Ein Weg, einem Pferd die Angst vor Hundegebell oder anderen Geräuschen zu nehmen

Letztens rief mich ein Mann an und fragte mich um Rat. Sein Problem: Er hat vier Pferde in Offenstallhaltung. Eines der Pferde, eine Haflingerstute, reagiert jedes Mal wenn der Hund des Mannes bellt panisch. Sie rennt aus dem Stall, frisst nicht mehr und ist völlig aus dem Häuschen. Die anderen Pferde hingegen bleiben gelassen und lassen sich von dem Bellen des Hundes nicht stören.

Mein Vorschlag

Ich gab dem Mann folgenden Tipp: Er solle das Bellen seines Hundes auf Band aufnehmen. Diese Aufnahme soll er mit in den Stall nehmen. Immer wenn er die Pferde füttert, soll er das Band abspielen, aber die ersten Male ganz leise! Und zwar so leise, dass die Stute keine Anzeichen von Angst und Unsicherheit zeigt und mit den anderen Pferden frisst. Wenn die Stute diese Stufe gut toleriert, soll er das Band nach und nach immer etwas lauter stellen.

Immer wieder einen Schritt zurück, wenn das Pferd es mit der Angst bekommt

Ganz wichtig dabei: Reagiert die Stute nach einer Erhöhung der Lautstärke mit Angstzeichen, soll er die Lautstärke wieder runter regulieren.

Über kurz oder lang sollte es möglich sein, dass Hundegebell in normaler Lautstärke abzuspielen, ohne dass das Pferd noch ängstlich reagiert. Wenn alles gut gelaufen ist, sollte nun auch das echte Gebell von draußen keine größere Angst mehr beim Pferd auslösen.

Wenn doch, würde ich noch mehr Zwischenschritte einbauen, also z.B. das Band vor dem Stall laufen lassen und vor allem: Immer wieder die Lautstärke so leise machen, dass man unter der echten Angstgrenze des Pferdes bleibt.

Ebenso kann man auch mit anderen Geräuschen verfahren vor denen das Pferd Angst hat, z.B. Silvesterkracher, Hupen, Motorengeräusche usw.

15. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

Der Jackpot: Besondere Leistungen besonders belohnen

Wie Sie wahrscheinlich schon wissen, arbeite ich nach den Grundsätzen des Clickertrainings mit meinen Pferden. Wenn mein Pferd also etwas Gewünschtes macht und ich das Verhalten positiv verstärken möchte, gebe ich das Geräusch mit dem Clicker (C) bzw. spreche ich das Lobwort, auf das ich mein Pferd konditioniert habe, und gebe meinem Pferd einen Belohnungshappen (B). Dieses „normale“ C+B wird in der Regel nicht groß emotional oder stimmlich von mir begleitet. Als Belohnungshappen verwende ich dafür kleine Leckerlis, Kraftfutterpellets, Haferkörner oder klein geschnittene Möhren.

Wenn mein Pferd mir etwas anbietet, was einfach mehr als gut ist

Nun möchte ich aber auch die Möglichkeit haben, meinem Pferd zu zeigen, wenn es etwas nicht nur gut, sondern wenn es etwas gradezu „bravourös“ gemacht hat, also etwas ganz besonders Tolles geleistet hat oder vielleicht sogar das Zielbild einer Übung gefunden hat (z.B. wenn sich mein Pferd das erste Mal auf mein Zeichen hin ins Kompliment begeben hat oder ähnliches).

Und dafür gibt es dann den so genannten Jackpot.

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8. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Clickertraining 7 Kommentare »

Mein Weg in die Angst- und aus ihr heraus

Vielleicht haben Sie schon gesehen, dass wir einen neuen Kurs herausgebracht haben? Dieser Kurs Vertrauen statt Angst für Mensch und Pferd liegt uns sehr am Herzen und wir freuen uns über all die tollen Rückmeldungen, die wir schon dazu bekommen haben. Da das Thema Angst für mich auch intensive persönliche Hintergründe hat, möchte ich heute die Geschichte von Persico erzählen.

Meine wilden Anfänge

Meine „Reiterlaufbahn“ begann mit meinem zehnten Lebensjahr als ich in ein Internat kam. Dort gab es Ponys mit denen ich beinahe täglich durchs Gelände ritt, in der Regel ohne Sattel und meistens nicht „gesittet“ ;-) . Fast immer ritt ich mein Pflegepony Britta, aber auch die anderen Haflinger und Norweger, die die Schule besaß, ritt ich oft.

Wir galoppierten über Stoppelfelder, nahmen jeden querliegenden Baumstamm mit und obwohl ich des öfteren unsanfte Abgänge absolvierte, hatte ich in dieser Zeit keine Angst.

Einmal die Woche fuhr ich auf einen Reiterhof in der Nähe und nahm dort „richtigen“ Unterricht. Dort ritt ich sogar Jagden mit und ritt Pferde, die kaum angeritten waren. Ok, ab und an wurde mir schon etwas mulmig, aber auch hier kann ich sagen: Ich war relativ angstfrei. (weiterlesen …)

1. Februar 2011 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 23 Kommentare »