Babettes Praxis-Blog : Monatsarchiv für November 2009

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Abrüsten statt aufrüsten

In meinem letzten Blogbeitrag habe ich über das Verfeinern der Hilfengebung geschrieben.

Ein Weg, ein Pferd dazu zu bringen, auf eine Hilfe zu reagieren, ist das Verstärken der Hilfe bis die Reaktion kommt, und dann sofort zu loben, sobald das Pferd in der gewünschten Art und Weise reagiert. Dieser Weg funktioniert oft, aber nicht immer.

Manchmal würde das Pferd erst auf eine Hilfenintensität reagieren, bei der meine persönliche Grenze wie stark ich bereit bin eine Hilfe zu geben,überschritten werden müsste – sprich: ich müsste stärker einwirken als ich es will. Was kann man in diesen Fällen tun?

Mein Ansatz ist hier:

  • Motivation erhöhen,
  • Umwege finden
  • und ggf. in der Ausbildung Schritte zurück gehen.

Zugegeben, diese drei Schritte sind nicht immer leicht und erfordern häufig viel Nachdenken und Einfallsreichtum von uns. Und vor allem der letzte Punkt fordert unsere Bereitschaft, Rückschritte zu machen.

Das Pferd “gewinnen” lassen?

Oftmals werden Außenstehende den Eindruck haben, mein Pferd hätte gegen mich „gewonnen“. Mir aber geht es nicht um Sieg innerhalb eines Krieges. Mir geht es darum das Pferd zu motivieren. Ich wünsche mir ein Pferd das auf meine Hilfen reagiert, weil es das tun möchte.

Erinnern Sie sich noch an folgenden Satz aus meinem letzten Beitrag? Jedes Lebewesen tut die Dinge die es tut nur aus zwei Motiven heraus: Entweder um etwas Unangenehmes zu vermeiden, oder weil es sich davon etwas Positives verspricht.
(weiterlesen…)

24. November 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 6 Kommentare »

Auf dem Weg zu einer feinen Hilfengebung

Wir alle wünschen uns ein Pferd, welches im Laufe seiner Ausbildung lernt, auf immer feinere, von uns gegebene Signale, wunschgemäß zu reagieren. Unser Traumziel ist ein Pferd, welches sich mittels unsichtbaren Hilfen dirigieren lässt, praktisch unsere Gedanken liest. Und aus diesem Wunsch heraus denken sich viele, die zum ersten Mal ein Jungpferd ausbilden: “Wenn ich nie starke Hilfen gebe, erhalte ich ein sensibles Pferd“. So gehen sie dann mit feinen Hilfen an ihr junges Pferd und wundern sich, wenn ihr Pferd nicht so reagiert, wie sie es erwarten.

Die Ursache liegt darin, dass unser Pferd erst lernen muss, auf unsere Hilfen richtig zu reagieren. Klar, wir wissen genau, was wir mit einer Hilfe erreichen wollen, aber unser junges Pferd versteht uns einfach nicht. Und selbst wenn es uns versteht, ist vielleicht die Motivation noch nicht da, auch wirklich auf die Hilfe zu reagieren.

Ein kleiner Ausflug in die Lernmotivation

Jedes Lebewesen tut die Dinge die es tut nur aus zwei Motiven heraus:

  • Entweder um etwas Unangenehmes zu vermeiden
  • oder weil es sich davon etwas Positives verspricht.

Um dem Pferd zu erklären, was wir mit unserer Hilfe sagen wollen, kommen wir manchmal nicht umhin, die Stärke der Hilfengebung zu steigern. Wenn ich die Hilfe steigere bis ich eine Reaktion des Pferdes erhalte, lernt das Pferd korrekt zu reagieren, weil es das unangenehme Steigern der Hilfe vermeiden möchte (negative Verstärkung). Wichtig ist sofort das Pferd sehr zu loben, sobald es ein richtiges Verhalten auf unsere Hilfe zeigt (positive Verstärkung).

Ich habe das Steigern der Hilfengebung in dem Blogbeitrag Einsatz der Gerte erklärt. Die Hilfenstärke steigert sich auf einer Skala von 1 – 10. Wir fangen an bei Stufe 1 = ganz leichte Hilfe (Energie, inneres Bild) und können die Hilfengebung steigern bis auf Stufe 10 = eine sehr starke Hilfengebung, die ich ohne Qual für das Pferd geben kann.

Wenn ich meine Hilfen korrekt steigere, lernt das Pferd in der Regel sehr schnell, auf feine Signale zu reagieren – das aber nur dann, wenn der Mensch auch wirklich in seiner Hilfengebung feiner wird und jedes gute Reagieren mit Lob positiv verstärkt!

Achtung: Fehlerquelle!

Und hier komme ich zu dem Punkt, um den es mir heute in diesem Beitrag geht. Denn hier liegt eine häufige Fehlerquelle von uns Menschen, die ich während meines Unterrichtes oder auf Kursen immer wieder beobachte: Der Mensch gibt die Hilfe an sein Pferd nicht zu Beginn mit der Stärke der Stufe 1, sondern fängt die Intensität seiner Hilfe gleich mit z.B. Stufe 3, oder vielleicht gar Stufe 5-6 an.
(weiterlesen…)

17. November 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 10 Kommentare »

Pferdeerziehung – Eine Frage der Herangehensweise

Jede/r Pferdebesitzer/in muss sich mit dem Thema „Erziehung“ auseinandersetzten. Zeigt sich sein Pferd ungezogen, so kommen oft Kommentare von Außenstehenden, wie z.B. diese:

  • „Setzt dich mal durch!“
  • „Du musst ihm zeigen wer der Chef ist!“
  • „Ihr habt ein Dominanzproblem.“
  • usw.

Das führt in der Regel zu einer sehr strengen und ernsten Einstellung zum Thema (Pferde-)Erziehung. Diese Sicht macht uns hart und so lässt sich leider leicht strafen.

Keine Frage, ein Pferd sollte ab einem gewissen Alter und Ausbildungsstand über eine gute Grunderziehung verfügen. Der Umgang mit einem schlecht erzogenen Pferd ist keine Freude und kann auch schnell gefährlich werden.

Aber was nicht wünschenswert ist, ist ein so genannter „Kadavergehorsam“. Jedes Pferd sollte meiner Ansicht nach seine Individualität behalten, das Recht haben „Nein“ zu sagen und die Freiheit haben, seine eigenen Vorschläge und Ideen entwickeln zu können, solange diese in für uns akzeptablen Rahmen liegen.

Und um genau das zu erreichen, habe ich mittlerweile eine andere Herangehensweise und Einstellung zur Erziehung gewonnen und vielleicht gefällt Sie Ihnen ja auch: Ich sehe die Erziehung wie ein sportliches Spiel zwischen mir und dem Pferd.
(weiterlesen…)

10. November 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 11 Kommentare »

Die Friktionsmassage

Unter “Friktion” versteht man eine Massagetechnik, bei der die Haut und die darunter liegenden Muskelfasern quer zum Faserverlauf verschoben werden. Bei der Friktionsmassage handelt es sich um eine Tiefengewebemassage, was bedeutet, dass mit relativ viel Druck gearbeitet wird. Die Friktionsmassage wirkt durchblutungsfördernd und löst Gewebeverklebungen auf.

Profimasseure wenden die Friktionsmassage auch an um Verklebungen und Verhärtungen an Sehnen und Bändern zu beheben, aber da wir keine ausgebildeten Massagetherapeuten sind, bitte ich Sie, davon abzusehen.

Sie sollten auch sicher sein, dass in dem Bereich, bei dem Sie die Friktionsmassage anwenden, keine Nervenbahnen und Blutgefäße verlaufen, sondern wenden Sie die Friktionsmassage nur auf Muskulatur an. Ich habe Ihnen hier mal grob skizziert, wo Sie die Friktionsmassage ohne Bedenken anwenden dürfen:

friktion.jpg

Für mich stellt die Friktionsmassage eine sehr gute Möglichkeit da, insbesondere die lange Rückenmuskulatur zu bearbeiten und ein Gefühl für diese sensible Muskulatur zu bekommen. Somit ist diese Behandlung dieses Muskels nicht nur Therapie, sondern auch Diagnosehilfe.
(weiterlesen…)

3. November 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Übungen 2 Kommentare »

Babette Teschen

  • Veröffentlichung Der Longenkurs
  • Ausgebildete Tierheilpraktikerin
  • Seminare nach Linda Tellington-Jones
  • Von 1998 bis 2000 Reitlehrerin in der Schule Marienau
  • Seit 1996 selbständig mit dem Pferdehof Teschen -
    Zentrum für ganzheitliche Betreuung

  • Seit 1998 Spezialisierung auf Alternative Reitweise nach Sally Swift und M. Feldenkrais
  • Schülerin von Horst Becker, Lehrer der klassischen Dressur
  • Seit Anfang 2003 Angebot eigener Seminare