Die Beizäumung
In meinem Blogbeitrag Das Stellen verwendete ich den Begriff „Beizäumung“, den ich heute genauer beschreiben möchte.
Die FN beschreibt die Entwicklung der Beizäumung so: „Wenn das am Zügel gehende Pferd mit seinen Hinterfüßen vermehrt an den Schwerpunkt herantritt, führt die deutlich werdende Genickbiegung zur Beizäumung.“
Unter der Beizäumung wird also das „Runden des Halses“ und das „Herannehmen der Nase“ durch Beugung des Genickes verstanden. Hier ein Foto eines korrekt beigezäumten Pferdes:

Und auch gebisslos lässt sich eine korrekte Beizäumung erreichen:

Die Stirn-Nasenlinie des Pferdes bleibt bei einer korrekten Beizäumung immer vor der Senkrechten (oder kommt max. an die Senkrechte heran). Sie darf nicht hinter die Senkrechte kommen! Und das Genick des Pferdes soll der höchste Punkt sein.
Nur ein Pferd, welches sich mit Leichtigkeit beizäumen lässt, kann mit der Hinterhand optimal arbeiten und den Rücken unter dem Reiter aufwölben. Hier finden wir also einen der Grundpfeiler guten Reitens.
Und die FN beschreibt dazu noch Folgendes: dass bei der Entwicklung der Beizäumung die Anlehnung der Reiterhand zum Pferdemaul in jedem Augenblick federnd bleiben muss und niemals starr werden darf und dass das Pferd die zu fordernde Haltung je nach seinem Ausbildungsgrad verschieden gestalten wird.
So weit, so gut.
Was ist aber leider oftmals traurige Realität? Viel zu häufig versuchen Reiter/innen, ihre Pferde durch “vorne halten und hinten treiben” in eine Beizäumung zu zwingen. Losgelassenheit lässt sich so nicht erreichen!
In wieweit sich ein Pferd beizäumen kann, hängt von der Ganaschenfreiheit ab. Ein Pferd mit geringer Ganaschenfreiheit ist nicht in der Lage sich so beizuzäumen wie ein Pferd mit ausreichender Ganaschenfreiheit. Hat das Pferd ausreichend Ganaschenfreiheit, aber dennoch Probleme mit der Beizäumung sollten Erkrankungen ausgeschlossen werden (z.B. Entzündung des Genickschleimbeutels, Zahnprobleme).
Eine Grundvorausetzung dafür, dass sich das Pferd im Genick beizäumen kann, ist die Entspannung im Kiefergelenk. Ein Pferd das entspannt am Gebiss kaut, entspannt den Unterkiefer und schafft damit überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass das Pferd im Genick loslassen kann. Unter diesem Aspekt betrachtet man doch das Zuschnüren des Pferdemauls mittels Sperrriemen aus einem anderen Blickwinkel, nicht wahr?
In meinen Augen liegt der Denkfehler vieler Reiter/innen darin, dass sie glauben, die Beizäumung des Pferdes durch Einwirkung mit der Hand erreichen zu müssen, anstatt darauf zu vertrauen das ein Pferd, welches gut dressurmäßig gearbeitet wird und vor allem mit einer weichen, immer nachgebenden Hand geritten wird, so locker im Genick wird, dass sich die Beizäumung von alleine ergibt.
Wenn die Hand zum Erreichen der Beizäumung etwas unternehmen darf, ist es in meinen Augen nur, durch ein weiches Spiel die Kautätigkeit des Pferdes anzuregen, da das, wie wir ja jetzt wissen, die Mobilität des Kiefergelenkes die Fähigkeit des Pferdes fördert , sein Genick loszulassen und sich beizuzäumen. Jeder stärkere Einsatz verhindert meiner Erfahrung nach eher die Beizäumung, als dass er sie ermöglicht.
7. April 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht • 4 Kommentare »

