Babettes Praxis-Blog

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Ein Experiment: Puzzeln Sie sich die Hilfen mal Schritt für Schritt zusammen

Was tun Sie, wenn Sie mit Ihrem Pferd eine wirklich gute Volte reiten wollen? Sie werden alle Hilfen, die Sie dafür brauchen (Gewicht, Zügel, Beine, Körper) zusammen anwenden, um das Ziel zu erreichen, richtig?

Wenn die Volte nun aber nicht so gut gelingt, wie Sie sich das gewünscht haben, wird es im Nachhinein schwer sein, herauszufinden, wo genau der Fehler lag. Welche Hilfe haben Sie vielleicht nicht gefühlvoll genug gegeben? Oder welche der Hilfen hat das Pferd nicht korrekt angenommen?

Sie können Ihre Hilfen nur dann gezielt korrigieren oder verbessern, wenn Sie auch wissen, wo genau es hakt. Wissen Sie das nicht, korrigieren Sie vielleicht Ihre Zügeleinwirkung, die aber für das Pferd gut verständlich war. Es hatte Ihre Gewichtshilfe falsch verstanden.

Sehen Sie das Problem? Um das zu lösen, können Sie Folgendes unternehmen:

Geben Sie einmal die einzelnen Hilfen gezielt eine nach der anderen. Konzentrieren Sie sich ganz bewusst auf die korrekte Gabe jeweils genau einer Hilfe, um anschließend zu erfühlen, ob Ihr Pferd diese Hilfe ohne Problem annimmt. Nehmen Sie immer erst dann eine weitere Hilfe hinzu, wenn Ihr Pferd auf die vorherige richtig reagiert hat.

Sehen wir uns dieses Experiment einmal genauer an – und zwar am Beispiel der oben erwähnten Volte:

1. Hilfe – Der innere Zügel

Locken Sie Ihr Pferd mit weichen Impulsen am inneren Zügel in die Innenstellung. Konzentrieren Sie sich nur darauf und widerstehen Sie der Versuchung, auch schon gleich einen Schenkelimpuls zu geben oder das Gewicht zu verlagern.

Das Pferd muss/soll noch nicht abwenden. Es soll nur konstant in Stellung gehen ohne sich fest zu machen, sich gegen die Stellung zu wehren. Solange das nicht funktioniert, brauchen Sie gar nicht weiter machen (ohne Stellung keine Biegung!), denn Sie haben ein gravierendes Grundproblem schon gefunden. Ihr Pferd nimmt den inneren Zügel nicht an. (Die Ursachen hierfür können vielfältig sein. Das fängt bei Zahnproblemen an, geht über einen drückenden Sattel u.v.m.) Gehen Sie diesem Problem auf dem Grund und beseitigen Sie es.

Erst wenn Ihr Pferd diese Hilfe annimmt und entspannt in Stellung geht, geht es weiter.

2. Hilfe – Ihre Körperdrehung und die Gewichtsverlagerung nach innen

Um eine Volte zu reiten, wird der Oberkörper leicht nach innen gedreht und das Gewicht behutsam etwas nach innen verlagert.

Geben Sie diese Hilfe korrekt, sollte Ihr Pferd nun auf eine Kreislinie abwenden. Wenn nicht, wissen Sie, dass Ihr Pferd auf die Gewichtshilfe nicht ausreichend reagiert und so wissen Sie, woran Sie arbeiten sollten.

Wird die Hilfe gut angenommen, gehen Sie weiter zur nächsten.

3. Hilfe – Der innere Schenkel

Achten Sie nun ganz bewusst auf die korrekte Lage Ihres inneren Schenkels, der biegend am Gurt einwirken soll. Treiben Sie immer in dem Moment, in dem das innere Hinterbein des Pferdes am Vorfußen ist (siehe Das Timing der Schenkelhilfen).

Auf diese Hilfe hin sollte Ihr Pferd sich biegen. Tut es das nicht, gilt es, hieran zu arbeiten.

4. Hilfe – Der äußere Schenkel

Legen Sie nun Ihren äußeren Schenkel leicht zurück in die verwahrende Position. Wenn bis eben die Hinterhand des Pferdes ausgefallen ist, sollte das nun behoben sein.

5. Hilfe – Der äußere Zügel

Nehmen Sie nun noch am äußeren Zügel Kontakt zum Pferdemaul auf. Wenn Ihr Pferd bis eben noch über die äußere Schulter ausgebrochen ist (was es bis eben durfte), sollte das nun aufhören.

Das fertige Puzzle führt zu einer perfekten Volte

Wenn Sie alle Hilfen korrekt gegeben haben und Ihr Pferd jedes Puzzleteil angenommen hat, dann sollten Sie nun als Ergebnis die perfekte Volte ernten. Wenn es irgendwo gehakt hat, haben Sie damit auch genau die Stelle/Hilfe gefunden, die Probleme bereitet. In diesem Fall besteht Ihre nächste Aufgabe darin, die Ursache für dieses Problem zu finden und zu beseitigen.

Es ist ein bisschen gewöhnungsbedürftig, einmal ganz gezielt nur eine Hilfe zu geben, denn wir haben die meisten Hilfen schon als Bündel abgespeichert und den Prozess automatisiert. Das Hilfen-Puzzle ist eine sehr gute Möglichkeit, sich seiner Einwirkungen klarer zu werden.

Extra-Tipp: Probieren Sie dieses Hilfen-Puzzle auch mal bei den Seitengängen. Viele meiner Schüler bekommen sie auf diese Weise viel besser hin :-) und berichten Sie einmal, wie es Ihnen damit ergeht.

4. September 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 4 Kommentare »

Die Basis ist gutes Laufen - der Longenkurs

Suchen Sie nach einem Weg, Ihr Pferd so zu arbeiten, dass es lernt, mit aktiver Hinterhand und aufgewölbtem Rücken in guter Stellung und Biegung zu laufen? Möchten Sie so longieren, dass Sie von dem Ergebnis auch unter dem Sattel profitieren? Dann schauen Sie doch einmal in unseren Longenkurs oder in unser Video dazu.

 

4 Reaktionen zu “Ein Experiment: Puzzeln Sie sich die Hilfen mal Schritt für Schritt zusammen”

 

Von Almut • 5. September 2008

Ähm, und wie mache ich das mit der Galopphilfe? ;-)
(ich weiß ganz genau, wo es da bei mir hakt, nämlich beim Timing…)
Ich finde das Puzzlen übrigens ziemlich schwer, man ist wirklich schon so auf das Zusammenspiel geeicht, das man sich richtig konzentrieren muss, alles einzeln zu machen. Aber Super-Tipp, danke!
Liebe Grüsse, Almut
______________________________________________
Liebe Almut,
gerade beim Angaloppieren hatte ich ein riesen AHA-Erlebniss. Karen Lützkendorf hat das Spielchen mit mir gespielt. Es ging so: Ich musste auf dem Zirkel reiten und nach und nach alle Hilfe für das Angaloppieren “hinbauen”. Das Pferd sollte noch nicht angaloppieren. Dann sollte ich mich nur noch innerlich aufrichten und den Galopp denken… und es klappte! Das war der Hammer! Das war definitiv einer dieser absolut magischen Momente :-)
Probiere es mal aus und falls es klappt, lass es uns unbedingt wissen!
Liebe Grüße, Babette

 

Von Almut • 8. September 2008

Liebe Babette,
habe ich doch glatt gleich ausprobiert – und es klappte auch bei uns! :-) Im Nachhinein ist mir bewusst geworden, dass ich das sonst auch nicht so gänzlich anders mache – also ich bereite das angaloppieren schon vor, nur nicht so ganz zeitlupenhaft und in allen einzelnen Schritten nacheinander. Der Tipp mit dem innerlich groß werden ist echt super – als ich mich darauf mal nicht so konzentriert habe, ging es auch prompt daneben… Der schwierige Teil bei meinem Pony ist, es nicht vorher angaloppieren zu lassen – wenn sie einmal weiß, worauf es hinauslaufen soll, ist sie gern ein bisschen übereifrig :-)
Jedenfalls ein dickes Dankeschön für einen gelungenen Vormittagsritt!
Liebe Grüsse, Almut
__________________________________________
Na, das nenne ich mal eine prompte Erfolgsmeldung! Ich freue mich sehr! Oft sind es tatsächlich keine große Veränderungen zu dem, was wir sonst machen.
Und, diese schrecklich schlauen Pferde die immer schon wissen was wir wollen und immer einen Schritt vor uns sind, die kenne ich auch ;-)
liebe Grüße, Babette

 

Von summer • 17. September 2008

hallo!

erstmals: eure hp ist super! über klassikreiten.de bin ich zu euch gekommen – und hab schon viel mitnehmen können.

zum puzzle: ich habs gleich mal an unseren ungeliebten übungen ausprobiert – dem schulterherein und dem kurzkehrt. und es hat geklappt – natürlich sind die übungen noch nicht perfekt, aber wir sind deutlich entspannter dabei – vielleicht weil ich dann auch nicht mit so vielen hilfen “auf ein mal” überfordert bin.
beim kk haben wir dann auch 2 – 3 schöne schritte zusammengebracht.
auch beim travers und renvers puzzle ich gerne :-)

macht weiter so, lg summer
____________________________________________
Liebe Summer,
vielen Dank für Dein liebes Lob und ja, wir wollen so weiter machen :-) .
Und ich freu mich, wenn Dir die Übung etwas helfen konnte,
liebe Grüße, Babette

 

Von Quinine • 16. Januar 2010

Hallo Babette,

ich finde diese Idee mit dem Puzzle grandios. Denn vor allem als Anfänger kennt man gar nicht alle kleinen Hilfen, Positionen usw. die zur gewünschten Reaktion des Pferdes führen.

Wäre es möglich, mal sämtliche Reaktionen (wie du mit der Volte gemacht hast) “aufzuschlüsseln”, damit sie der Reiter danach in der richtigen Reihenfolge und auch korrekt zusammenpuzzeln kann? Ohne eine zu vergessen und auch zu merken, welches Puzzelteil noch nicht sitzt.

Genau das suche ich schon soooo lange, aber in keinem Buch habe ich das bisher gefunden.

Liebe Grüsse
Natalie
_______________________________________________
Liebe Natalie,
ich glaube ja schon lange nicht mehr an Zufällen, aber trotzdem ist es ein grandioser “Zufall”, dass diese Frage von Dir an genau dem Tag kommt, wo ich begonnen habe den nächsten Kurs zu schreiben. Ich denke, der Kurs wird Dir gefallen ;-) , aber mehr darf ich noch nicht verraten…
:-D !
Also, noch etwas Geduld, ok?
Liebe Grüße,
Babette

 

 

Einen Kommentar schreiben

 

Die folgenden Tags sind erlaubt: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

Babette Teschen

  • Veröffentlichung Der Longenkurs
  • Ausgebildete Tierheilpraktikerin
  • Seminare nach Linda Tellington-Jones
  • Von 1998 bis 2000 Reitlehrerin in der Schule Marienau
  • Seit 1996 selbständig mit dem Pferdehof Teschen -
    Zentrum für ganzheitliche Betreuung

  • Seit 1998 Spezialisierung auf Alternative Reitweise nach Sally Swift und M. Feldenkrais
  • Schülerin von Horst Becker, Lehrer der klassischen Dressur
  • Seit Anfang 2003 Angebot eigener Seminare