Babettes Praxis-Blog

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Gedanken zum Stichwort Dominanz oder: Welche Art Führer will ich sein?

Im Umgang mit Pferden wird immer wieder der Begriff “Dominanz” strapaziert. Wir müssen uns durchsetzen, müssen der Chef sein, müssen dominant sein. Es lohnt sich, hier einmal genauer hinzuschauen, was Führung eigentlich genau heißt, denn das Führen über die Dominanz ist nur ein Weg.

Mark Rashid beschreibt z.B. in seinem Buch“ den Pferde lügen nicht“ sehr schön die zwei möglichen Führungsqualitäten, durch die wir von unserem Pferd anerkannt werden:

  • Wir können sie dominieren, so dass sie aus Furcht tun oder lassen, was wir wollen oder
  • wir können versuchen, ein so guter überzeugender Führer zu sein, dass sie sich uns freiwillig anschließen.

Mark Rashid hat nämlich das Führungsverhalten von Pferdebossen in Herden beobachtet und dort genau diese beiden Ausprägungen gefunden.

Einmal gibt es regelrechte Tyrannen, die eine Art Schreckherrschaft über die Pferde führen. Das sind die Leittiere innerhalb der Herde, die jedes Pferd verscheuchen, egal ob das Tier gerade entspannt liegt und schläft. Man sieht sie ständig drohend, mit angelegten Ohren ihr Zepter schwingen. Diese Leittiere werden nicht gemocht, sondern vielmehr gefürchtet. Die anderen Pferde schließen sich ihnen notgedrungen an, vermeiden aber jeden Kontakt, wenn es möglich ist.

Die zweite Kategorie Leitpferd ist eine ganz andere: Ihnen schließen sich die Pferde an, weil sie gerne in deren Gesellschaft sind. Diesen Leitpferden vertraut die Herde, da sie gerecht und vor allem berechenbar sind. Diese Leitpferde sorgen gut für die Gruppe, beenden Streitigkeiten und entwickeln gute Problemlösungen, damit die Herde sicher und gut versorgt ist. Die anderen suchen die Nähe solcher Führungspferde.

Nun stellt sich die Frage:

  • Möchte ich mein Pferd dominieren, möchte ich ein Pferd, das vor mir kuscht?
  • Oder möchte ich lieber ein Tier, das mir vertraut, weil es weiß, dass ich gut für es sorge und dem die Arbeit mit mir Spaß macht, weil unsere Vorschläge angenehm und bereichernd für das Pferd sind?

Wir können wählen: Was für eine Führungsperson will ich sein und was muss ich tun, um das zu erreichen?

Diese Schlüsselfrage gilt es mit in den Alltag zu nehmen, damit wir aus ihr unser tägliches Handeln ableiten können. Nun ist das Führen durch Dominanz sicher oft der einfachere Weg, aber eine wirklich gute Führungsperson zu werden, ermöglicht uns nicht nur eine ganz andere Beziehung zu unseren Pferden, sondern sie schenkt uns auch die Möglichkeit, persönlich zu wachsen und zu reifen.

Für welchen Führungsstil entscheiden Sie sich?

12. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 4 Kommentare »

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4 Reaktionen zu “Gedanken zum Stichwort Dominanz oder: Welche Art Führer will ich sein?”

 

Von Carola Schlanhof • 15. Juni 2008

Hi Babette,

(vorab, ich habe die Bücher von Rashid gelesen, und sie gefallen mir sehr gut).

Problematik bei den diversen NH-Methoden ist m. E.:
Es heißt: Pferde sind:…, und es wird eigentlich kaum auf unterschiedliche Pferdetypen eingegangen (von der oben-unten-Einteilung in der Hackordnung mal abgesehen),
Spannend dazu auch die Bücher von Michael Schäfer, der ziemlich frei lebende Pferde auch tatsächlich beobachtet hat und z. B. diverses aggressives >typisches HengstverhaltenLeittier< Mensch in total anderem Kontext angewendet.
Es wird davon ausgegangen, daß moderne Pferdegruppen, die willkürlich zusammengewürfelt werden, genauso agieren wie natürliche Pferdefamilienverbände.
Man scheint tatsächlich zu glauben, daß Pferde Menschen für Pferde halten (warum sollten sie) und als Bestandteil bzw. Chef der Herde betrachten, obwohl sie im allgemeinen nur einen sehr geringen Prozentsatz des Tages mit nur einem kleinen Teil der Herde, oft Einzeltier verbringen.

In einigen Fähigkeiten sind Pferde den Menschen eindeutig überlegen (z.B. Heimfindevermögen, tw. Gefahrenerkennung), was früher durchaus genutzt wurde, ohne daß jemand Angst hatte, daraufhin von seinem Pferd als Untergebener betrachtet zu werden.

Ach ja, das soll KEIN Aufruf zu Antiautoritärer Erziehung sein. Bei allem Verständnis für Pferde sind mir bestimmte Lernziele einfach wichtig, genauso wie meine körperliche Unversehrtheit.

Hoffe, ich bin nicht zu Off topic geworden.

Liebe Grüße

Carola
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Liebe Carola,

ich finde überhaupt nicht, dass Du off topic geworden bist und kann dem was Du sagst nur zustimmen!
Lieben Gruß, Babette

 

Von Sarah • 22. Juni 2008

Hallo Babette,

spannend, Rashid auf deiner Homepage wieder zu finden! Spannend deshalb, weil ich ihn vor kurzem für mich entdeckt habe und gerade das zweite Buch von ihm lese. Und wie oft dachte ich beim Lesen “Ja! Genau so! Das wollte ich immer!”
Vieles davon hast du mir ja schon vor Jahren gezeigt und nahe gebracht. Inzwischen sind wir diesen Weg weiter gegangen und ich denke oft an die erste Reitstunde bei dir zurück. Sie war sicherlich ein ganz besonderer Wendepunkt in der Nandi-Sarah-Beziehung.

Ob ich schon ein passive leader bin? Hin und wieder bestimmt, aber immer auch noch nicht. Aber die Richtung stimmt, glaube ich.
Im übrigen finde ich, dass sich all diese Grundsätze auch wunderbar auf das Zusammenleben und -arbeiten mit Menschen übertragen lässt. Gerade in “Führungspositionen”. Das Miteinander ist so sehr viel angenehmer.

LG,
Sarah (und Nandi)
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Hallo Sarah,

ich freue mich riesig über Deine Zeilen :-) !
Und ja, diese Grundsätze verhelfen nicht nur im Umgang mit Pferden zu einem schöneren Miteinander. Immer wieder, wenn ich in Kursen über Pferdespsychologie spreche, oder Artikel für diese Seite schreibe denke ich, und das selbe gilt im Umgang mit dem Partner, Kindern, Hunden… Und oft habe ich Angst das ausszusprechen aus Angst vor der Kritik, ich würde Pferde vermenschlichen. Sicher sind Pferde Pferde und sollen wie Pferde behandelt werden. Aber das, was ich oft im Umgang mit Pferden sehe, hat in meinen Augen NICHTS mit einem pferdegerechten Umgang zu tun…
alles Liebe und gib Nandi ein dickes Möhrchen von mir :-)
Babette

 

Von Sarah • 25. Juni 2008

Hey,

so, Nandi hat das Möhrchen verspeist und gefragt, wann er bei euch mal wieder Luftballons zerbeißen darf ;-)
Ich finde nicht, dass du die Pferde vermenschlichst. Vielleicht geht es auch manchmal eher darum, die Menschen wieder etwas zu vertierlichen (oder so). Das Pferde pferdegerecht behandelt werden wollen, weil Vermenschlichung ja auch ungerecht ist (nämlich häufig Absicht unterstellen bedeutet), ist mE das Wichtigste, was ich im Laufe der Jahre von Nandi gelernt habe. Wenn ich nämlich weiß, dass er “nur” ein Pferd ist, kann ich auch meine Emotionen aussen vor lassen und wirklich fair zu ihm sein.
Wenn ich nämlich an gewisse Bereiter denke und Sprüche wie “der Bock ver.rscht dich” höre, dann kann ich nicht umhin zu denken, dass das ja auch bloß Vermenschlichung ist…wenn auch besonders negativ.

Naja, um zum Thema zurück zu kommen: (zwischen)-menschliche Kommunikation funktioniert bei Menschen, die ihre Körpersprache und ihre passive leadership bewußt einsetzen können, jedenfalls um einiges besser als bei so manch einem überschulten Manager ;-)

LG,
Sarah
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Sag Nandi, jederzeit! Er muss nur sein Frauchen überreden ihn hierher zu kutschieren ;-)
Dann gibt es das nächste Möhrchen von mir persönlich :-) !
alles Liebe, Babette

 

Von KeHoeff • 29. Mai 2009

hey this is a very interesting article!
___________________________________________________
Thank you :-D !

 

 

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Babette Teschen

  • Veröffentlichung Der Longenkurs
  • Ausgebildete Tierheilpraktikerin
  • Seminare nach Linda Tellington-Jones
  • Von 1998 bis 2000 Reitlehrerin in der Schule Marienau
  • Seit 1996 selbständig mit dem Pferdehof Teschen -
    Zentrum für ganzheitliche Betreuung

  • Seit 1998 Spezialisierung auf Alternative Reitweise nach Sally Swift und M. Feldenkrais
  • Schülerin von Horst Becker, Lehrer der klassischen Dressur
  • Seit Anfang 2003 Angebot eigener Seminare