Babettes Praxis-Blog

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Von der Bedeutung der Daumen oder: Warum Sie immer an die Vögelchen denken sollten

Geht es Ihnen auch so wie mir? Können Sie erst dann eine Anweisung Ihres Reitlehrers wirklich ausführen, wenn Sie den Sinn hinter dieser Anweisung verstanden haben?

So eine für mich früher unwichtige Anweisung war es, auf die Stellung meines Daumens zu achten. Bis sich ein Reitlehrer die Mühe machte und mir den Sinn erklärte:

Der Daumen soll wie ein kleines Dach auf den Zeigefinger ruhen, ohne Druck

hand3.jpg

Nur in dieser Position ist der Muskel, der für die Bewegung des Daumens zuständig ist, vollständig locker. Dieser Muskel verläuft durch den Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn Sie Ihren Daumenmuskel anspannen wird automatisch Ihr Handgelenk fest. Ein festes Handgelenk führt zu einer blockierten Schulter. Weiche, gefühlvolle Paraden und eine mitschwingende Schulter sind nicht mehr optimal möglich.

In der Gertenhand sollte der Daumen genauso sanft ein Käppchen bilden:

hand4.jpg

Probieren Sie es doch einfach selbst mal aus:

Versuchen Sie zuerst Ihre Hand ganz weich zu machen. Von Sally Swift stammt das wundervolle Bild, dass wir uns vorstellen sollen, in jeder Hand ein zartes Vögelchen zu halten. Sie möchten diese Vögelchen natürlich nirgends quetschen, sie aber auch nicht davonfliegen lassen. Ihre Hand ist also hoffentlich weich und leicht geschlossen. Ihr Daumen liegt sachte auf dem Kopf Ihrer Vögelchen.

Versuchen Sie einmal, mit diesem Bild in Ihrer Vorstellung zu reiten und drehen Sie Ihr Handgelenk in alle Richtungen. Geht das leicht, wie geölt? Sehen die Sehnen im Handgelenk locker aus?

hand1_1.gif

Prima!

Nun nehmen Sie mit dieser weichen Hand Anlehnung zu Ihrem Pferd auf (siehe Artikel Eine Übung für die Anlehnung).

  • Können Sie das Mitgehen Ihrer Schulter spüren?
  • Können Sie gut atmen?
  • Können Sie die Acht im Becken fühlen und frei mitschwingen?

Nun seien Sie einmal kurz richtig fies zu Ihren armen Vögelchen und quetschen ihnen das Köpfchen.

hand2.jpg

  • Wie ist es jetzt?
  • Können Sie das Handgelenk noch genauso gut bewegen?
  • Was ist mit der mitgehenden Schulter? Ihrer Atmung? Ihrem Becken?
  • Können Sie spüren, wie groß die Auswirkung dieser kleinen Veränderung ist?

Wenn ja, werden Sie in Zukunft bestimmt genauso wie ich, sehr auf die korrekte Daumenhaltung achten, nicht wahr? :-)

PS: Denken Sie immer an die Vögelchen!!

10. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 2 Kommentare »

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2 Reaktionen zu “Von der Bedeutung der Daumen oder: Warum Sie immer an die Vögelchen denken sollten”

 

Von Nele • 12. Juni 2008

Hallo Babette,

ich habe heute zwar nicht genau Deine Übung gemacht, habe aber einfach mal mehr darauf geachtet, wie es sich anfühlt. Ich reite quasi fast nur mit “zweiFingern”. Der Zügel läuft über den Zeigefinger, der Daumen liegt sanft darauf, gerade mit so viel Druck, dass die Zügel nicht durchrutschen. Die restlichen drei Finger sind die einzigen die was tun: Sind locker-offen, wenn Pony fein in der Anlehnung ist oder schließen sich, wenn gerade gekaspert wird (ein Spezialproblem bei uns), um sofort wieder weich zu werden, wenn das Köpfchen wieder ruhig ist. Ich habe heute dabei an die Vögelchen gedacht und ganz bewußt die Zartheit des Gefühls genossen, wenn wir die Momente beiderseitiger Weichheit “da” hatten. Und ich habe auch ganz deutlich die gleiczeitige Lockerheit ausgehend von meiner Hand auf meinen Körper gespürt! Und nur mit dieser Lockerheit kann ich überhaupt erahnen, was im Maul passiert… was die Zunge macht, ob gerade die Kiefer aufeinander gepresst werden… Danke für diesen Artikel als kleine Anregung, sich das ganz bewußt werden zu lassen!

Liebe Grüße
Nele
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Hallo Nele,
schön das Dir das Bild helfen konnte, bewußt Weichheit zu spüren!
Lieben Gruß,
Babette :-)

 

Von Nadia • 15. April 2010

Hallo Babette,

dumme frage, ist diese Übung auch für Westernreiter geeignet?

Ganz liebe Grüsse
Nadia

PS: Deine Blogs begeistern mich immer wieder aufs neue! Mach weiter so…
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Hallo Nadia,
ja klar :-D !
Liebe Grüße,
Babette

 

 

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Babette Teschen

  • Veröffentlichung Der Longenkurs
  • Ausgebildete Tierheilpraktikerin
  • Seminare nach Linda Tellington-Jones
  • Von 1998 bis 2000 Reitlehrerin in der Schule Marienau
  • Seit 1996 selbständig mit dem Pferdehof Teschen -
    Zentrum für ganzheitliche Betreuung

  • Seit 1998 Spezialisierung auf Alternative Reitweise nach Sally Swift und M. Feldenkrais
  • Schülerin von Horst Becker, Lehrer der klassischen Dressur
  • Seit Anfang 2003 Angebot eigener Seminare