Babettes Praxis-Blog
Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.
Von der Bedeutung der Daumen oder: Warum Sie immer an die Vögelchen denken sollten
Geht es Ihnen auch so wie mir? Können Sie erst dann eine Anweisung Ihres Reitlehrers wirklich ausführen, wenn Sie den Sinn hinter dieser Anweisung verstanden haben?
So eine für mich früher unwichtige Anweisung war es, auf die Stellung meines Daumens zu achten. Bis sich ein Reitlehrer die Mühe machte und mir den Sinn erklärte:
Der Daumen soll wie ein kleines Dach auf den Zeigefinger ruhen, ohne Druck

Nur in dieser Position ist der Muskel, der für die Bewegung des Daumens zuständig ist, vollständig locker. Dieser Muskel verläuft durch den Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn Sie Ihren Daumenmuskel anspannen wird automatisch Ihr Handgelenk fest. Ein festes Handgelenk führt zu einer blockierten Schulter. Weiche, gefühlvolle Paraden und eine mitschwingende Schulter sind nicht mehr optimal möglich.
In der Gertenhand sollte der Daumen genauso sanft ein Käppchen bilden:

Probieren Sie es doch einfach selbst mal aus:
Versuchen Sie zuerst Ihre Hand ganz weich zu machen. Von Sally Swift stammt das wundervolle Bild, dass wir uns vorstellen sollen, in jeder Hand ein zartes Vögelchen zu halten. Sie möchten diese Vögelchen natürlich nirgends quetschen, sie aber auch nicht davonfliegen lassen. Ihre Hand ist also hoffentlich weich und leicht geschlossen. Ihr Daumen liegt sachte auf dem Kopf Ihrer Vögelchen.
Versuchen Sie einmal, mit diesem Bild in Ihrer Vorstellung zu reiten und drehen Sie Ihr Handgelenk in alle Richtungen. Geht das leicht, wie geölt? Sehen die Sehnen im Handgelenk locker aus?

Prima!
Nun nehmen Sie mit dieser weichen Hand Anlehnung zu Ihrem Pferd auf (siehe Artikel Eine Übung für die Anlehnung).
- Können Sie das Mitgehen Ihrer Schulter spüren?
- Können Sie gut atmen?
- Können Sie die Acht im Becken fühlen und frei mitschwingen?
Nun seien Sie einmal kurz richtig fies zu Ihren armen Vögelchen und quetschen ihnen das Köpfchen.

- Wie ist es jetzt?
- Können Sie das Handgelenk noch genauso gut bewegen?
- Was ist mit der mitgehenden Schulter? Ihrer Atmung? Ihrem Becken?
- Können Sie spüren, wie groß die Auswirkung dieser kleinen Veränderung ist?
Wenn ja, werden Sie in Zukunft bestimmt genauso wie ich, sehr auf die korrekte Daumenhaltung achten, nicht wahr?
PS: Denken Sie immer an die Vögelchen!!
10. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht • 4 Kommentare »
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Von Nele
• 12. Juni 2008
Hallo Babette,
ich habe heute zwar nicht genau Deine Übung gemacht, habe aber einfach mal mehr darauf geachtet, wie es sich anfühlt. Ich reite quasi fast nur mit “zweiFingern”. Der Zügel läuft über den Zeigefinger, der Daumen liegt sanft darauf, gerade mit so viel Druck, dass die Zügel nicht durchrutschen. Die restlichen drei Finger sind die einzigen die was tun: Sind locker-offen, wenn Pony fein in der Anlehnung ist oder schließen sich, wenn gerade gekaspert wird (ein Spezialproblem bei uns), um sofort wieder weich zu werden, wenn das Köpfchen wieder ruhig ist. Ich habe heute dabei an die Vögelchen gedacht und ganz bewußt die Zartheit des Gefühls genossen, wenn wir die Momente beiderseitiger Weichheit “da” hatten. Und ich habe auch ganz deutlich die gleiczeitige Lockerheit ausgehend von meiner Hand auf meinen Körper gespürt! Und nur mit dieser Lockerheit kann ich überhaupt erahnen, was im Maul passiert… was die Zunge macht, ob gerade die Kiefer aufeinander gepresst werden… Danke für diesen Artikel als kleine Anregung, sich das ganz bewußt werden zu lassen!
Liebe Grüße
Nele
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Hallo Nele,
schön das Dir das Bild helfen konnte, bewußt Weichheit zu spüren!
Lieben Gruß,
Babette
Von Nadia
• 15. April 2010
Hallo Babette,
dumme frage, ist diese Übung auch für Westernreiter geeignet?
Ganz liebe Grüsse
Nadia
PS: Deine Blogs begeistern mich immer wieder aufs neue! Mach weiter so…
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Hallo Nadia,
ja klar
!
Liebe Grüße,
Babette
Von Lisa
• 23. Januar 2012
Hi Babette,
Mir wurde das mit der Handhaltung auch nie richtig erklärt. Mit der Folge, dass ich bei jedem “Jetzt stell doch mal die Fäuste richtig auf” fast krampfhaft versuchte, meine Hände möglichst gerade und aufgestellt zu halten…Irgendwann hab ich dann den Reitlehrer gewechselt, und die sagte mir plötzlich dass meine Hand zu starr ist und ich die Hände lieber tief halten sollte und “weich in der Hand” werden sollte…Mein daraus resultierendes Problem waren dann offene Fäuste auf Bughöhe des Pferdes mit entsprechendem Sitz…
Ich freue mich jetzt richtig darauf, in den Stall zu gehen, das mit den Vögelchen mal auszuprobieren und einen fetten Aha-Effekt zu kriegen…
Liebe Grüße,
Lisa
Von Sarah Gebauer
• 6. Juli 2012
Liebe Babette,
ich war im Internet auf der Suche nach einem Trick, die Hände und das Handgelenk beim Reiten locker zu lassen, da mir das in meinen Dressurstunden nicht gelingt.
Ich bin vier Jahre lang nur Gelände, ohne Nasen-, Sperrriemen und Martingal und dergleichen geritten, oft auch ohne Sattel, und hatte nie das Problem, “mehrere Kilos in der Hand zu haben”. Seitdem ich seit ganz kurzem wieder Dressurstunden nehme, habe ich große Probleme mit dem Handgelenk, vor allem beim Zügel nachfassen. Ich bekomme es nicht auf die Reihe, die Hand locker zu lassen.
Nächste Woche werde ich den Vögelchen-Trick einmal ausprobieren und hoffe sehr, dass er mir weiterhilft. (Mein armes Pferd muss sich denken, was für ein Grobian ich doch bin
).
Gruß,
Sarah
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