Babettes Praxis-Blog : Monatsarchiv für Juni 2008

Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt – klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.

Wie Sie Ihrem Pferd stressfrei das Spielen mit dem Klappersack beibringen können

Nachdem ich Ihnen die Methode des Aussackens als nicht empfehlenswert vorgestellt habe, möchte ich Ihnen hier nun einen Weg zeigen, wie Sie Ihr Pferd auf eine stressfreie Art mit Neuem, in diesem Fall mit einem Klappersack, vertraut machen können. Beim Klappersack handelt es sich um einen Jutesack, den Sie mit leeren, sauberen Blechdosen füllen und zunähen. Befestigen Sie einen Strick an den Klappersack.

Legen Sie den Klappersack in einem sicher umzäunten Areal auf den Boden und streuen Sie reichlich Körnerfutter (Müsli, Hafer o.ä.) darauf. Gehen Sie nun mit Ihrem Pferd auf dem Platz spazieren (ich arbeite auch hier am liebsten mit einem frei laufenden Pferd) und belohnen Sie jede Aufmerksamkeit Ihres Pferdes Richtung Klappersack. Lassen Sie Ihrem Pferd selbst die Entscheidung, wann die Neugier bzw. der Hunger siegt, und es sich an den Sack heran traut.

klappersack1.jpg

Wenn Ihr Pferd zu große Angst vor dem Sack hat und sich nicht in dessen Nähe traut, stellen Sie einen Futtereimer in die Nähe des Sackes und lassen Sie Ihr Pferd etwas daraus fressen. Am nächsten Tag stellen Sie den Eimer etwas dichter an den Sack und so arbeiten Sie sich Stück für Stück an den Sack heran.
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26. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Spiele & Co 5 Kommentare »

Das Aussacken oder: Wie man Pferde besser nicht an Neues gewöhnt

Wenn es um die Ausbildung eines jungen Pferdes geht, härt man häufig den Begriff “Aussacken”. Mit dem Aussacken sollen Pferde an ihnen bisher unbekannte Dinge gewöhnt werden. So weit klingt das ja ganz gut. Was sich aber wirklich hinter dem Begriff “Aussacken” verbirgt, ist eine Ausbildungsmethode, bei der das Pferd an einen stabilen Pfosten gebunden wird und solange mit angstauslösenden Gegenständen (Gerte mit angebundener Plastiktüte, Stangen, Autoreifen,… was die Phantasie des Menschen so hergibt) abgeklatscht wird, bis das Pferd resigniert und das, was der Mensch macht, stillstehend erträgt.

Ich lernte diese Ausbildungsmethode erstmalig durch ein Video kennen, das mir zu einem Pferd, das mir geschenkt wurde, mitgegeben wurde. Auf diesem Video ist ein peruanischer Pferdeausbilder zu sehen, der sich selber als Pferdeflüsterer bezeichnet. Später bekam ich heraus, dass mein Peruanischer Paso Mariscal bei demselben Trainer seine Grundausbildung „genossen“ hat und alles, was auf dem Video den anderen Pferden angetan wurde, auch meinem Mariscal passiert war. Ich weiß, dass viele Pferdemenschen von diesem Trainer und seinen Methoden sehr angetan sind und ihm viel Geld für seine Arbeit bezahlen. Ich kann das nicht begreifen!

Auf diesem Video sind ununterbrochen Pferde in großen Angstzuständen zu sehen. Sie hängen sich in ihre Halfter und versuchen sich mit aller Macht zu befreien. Sie schwitzen stark, die Atmung jagt, sie beben und zittern. Sie galoppieren panisch auf einem Minikreis von ca. 6 m Durchmesser in steilster Schieflage.
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24. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 4 Kommentare »

Pferde können das ab?

Land auf, Land ab dasselbe Bild: Peitschen werden geschwungen, Gerten zecken, Zügel reißen, Sporen stechen – immer wieder kommen wir an Punkte oder in Situationen, die uns an unsere Grenzen bringen und uns Gewalt anwenden lassen.

Dabei ist eines auffällig: nämlich wie vielen von uns – so sehr wir unsere Pferde auch lieben – das doch ziemlich leicht fällt. Ein gewisser Einsatz von Kraft und Zwangsmaßnahmen im Umgang mit Pferden scheint eben “einfach dazu zu gehören”. Die meisten von uns dürften z.B. damit aufgewachsen sein, denn schon die Kleinsten bekommen ja meist als erstes eine Gerte in die Hand, “um dem Pony zu zeigen, wer das Sagen hat”…

Wenn man Gewaltanwendung bei Pferden mal kritisch anspricht, hört man oft so etwas wie: „Pferde können das ab, sie gehen ja miteinander auch nicht zimperlich um“.

Klar! 3-jährige Kinder prügeln sich auch fürchterlich. Bedeutet das aber, wir dürfen 3- jährige Kinder prügeln?
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19. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 5 Kommentare »

Der Einsatz der Gerte

Wie auch zu den Sporen finden sich auch zum Thema Gerteneinsatz sehr unterschiedliche Einstellungen. Für die einen ist sie ein brutales Schlagwerkzeug, mit dem Pferde misshandelt werden, für die anderen fungiert die Gerte als verlängerter Arm, mit dem das Pferd gestreichelt werden kann und mit dem feinste Zeichen möglich sind – in der Praxis finden sich beide Extreme und alles dazwischen.

Ich selbst nutze die Gerte als feines Kommunikationsmittel, eben als Verlängerung meines Armes. Tatsächlich gehe ich fast nie ohne Gerte ans bzw. aufs Pferd (nur bei Pferden die noch sehr ängstlich auf die Gerte in der Hand reagieren).

Um die Gerte allerdings überhaupt stressfrei einsetzen zu können, nehme ich dem Pferd als erstes die Angst vor ihr. Hier gehe ich den Weg des weichenden Gegenstandes (s.a. Wie Ihr Pferd lernt, die Trense zu nehmen) und arbeite mit dem Clickertraining.
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17. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Ausrüstung 1 Kommentar »

Gedanken zum Stichwort Dominanz oder: Welche Art Führer will ich sein?

Im Umgang mit Pferden wird immer wieder der Begriff “Dominanz” strapaziert. Wir müssen uns durchsetzen, müssen der Chef sein, müssen dominant sein. Es lohnt sich, hier einmal genauer hinzuschauen, was Führung eigentlich genau heißt, denn das Führen über die Dominanz ist nur ein Weg.

Mark Rashid beschreibt z.B. in seinem Buch“ den Pferde lügen nicht“ sehr schön die zwei möglichen Führungsqualitäten, durch die wir von unserem Pferd anerkannt werden:

  • Wir können sie dominieren, so dass sie aus Furcht tun oder lassen, was wir wollen oder
  • wir können versuchen, ein so guter überzeugender Führer zu sein, dass sie sich uns freiwillig anschließen.

Mark Rashid hat nämlich das Führungsverhalten von Pferdebossen in Herden beobachtet und dort genau diese beiden Ausprägungen gefunden.
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12. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 4 Kommentare »

Von der Bedeutung der Daumen oder: Warum Sie immer an die Vögelchen denken sollten

Geht es Ihnen auch so wie mir? Können Sie erst dann eine Anweisung Ihres Reitlehrers wirklich ausführen, wenn Sie den Sinn hinter dieser Anweisung verstanden haben?

So eine für mich früher unwichtige Anweisung war es, auf die Stellung meines Daumens zu achten. Bis sich ein Reitlehrer die Mühe machte und mir den Sinn erklärte:

Der Daumen soll wie ein kleines Dach auf den Zeigefinger ruhen, ohne Druck

hand3.jpg

Nur in dieser Position ist der Muskel, der für die Bewegung des Daumens zuständig ist, vollständig locker. Dieser Muskel verläuft durch den Karpaltunnel im Handgelenk. Wenn Sie Ihren Daumenmuskel anspannen wird automatisch Ihr Handgelenk fest. Ein festes Handgelenk führt zu einer blockierten Schulter. Weiche, gefühlvolle Paraden und eine mitschwingende Schulter sind nicht mehr optimal möglich.
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10. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 3 Kommentare »

Geben wir neuen Beziehungen eine faire Chance?!

Kennen Sie auch eine Geschichte wie diese?

Eine Freundin von Ihnen war in einer unglücklichen Beziehung. Sie gab all ihr Vertrauen, all ihre Liebe, doch der Mann benutzte sie, betrog und belog sie. Nach einer langen Zeit des Leidens schaffte sie endlich die Trennung. Sie schwor sich: So was passiert mir nicht noch mal! Eine Zeit später lernte sie einen anderen Mann kennen. Der Mann liebte sie aus tiefstem Herzen, war ihr gegenüber treu und aufrichtig. Doch ihr Misstrauen saß tief. Sie schnüffelte hinter ihm her, peinigte ihn mit ihrer Eifersucht, und ließ sich emotional doch wirklich nicht ein. Auch diese Beziehung scheiterte…

Was hat nun diese Geschichte mit unserem Thema Pferd zu tun? Ich finde sehr viel.

Wir alle sind das Produkt unserer Lernerfahrungen. Und das gilt auch für unsere Beziehung mit Pferden.
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5. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Sonstiges 2 Kommentare »

Noch eine gute Runde…

Folgende Szene erlebte ich in meinem Unterricht:

Ich unterrichtete eine Frau auf ihrem Pferd. Das Pferd hatte eine schwierige Vergangenheit und brachte einige Probleme mit. Des Weiteren hatte es einen nicht sehr kräftig bemuskelten Rücken und lief noch relativ stark auf der Vorhand. Wir arbeiteten seit ca. 45 Minuten an verschiedenen Themen. Das Pferd arbeitete gut mit. Doch plötzlich begann es, verschiedene „Unarten“ verstärkt zu zeigen: Zügel aus der Hand reißen, Kopfschlagen usw.

Mein Gefühl sagte mir: das Pferd kann nicht mehr, sowohl psychisch als auch physisch. Ich bat die Reiterin anzuhalten und abzusitzen. Die Reiterin ignorierte aber meine Bitte und ritt weiter mit der Begründung: „Wir müssen wenigsten noch eine schöne Runde zum Abschluss hin bekommen…“
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3. Juni 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Aus dem Reitunterricht 9 Kommentare »