Babettes Praxis-Blog
Hier berichtet Babette Teschen von ihrer täglichen Arbeit als Reitlehrerin und Ausbilderin und bringt Tipps und Anregungen direkt aus der Praxis mit. HINWEIS: Bei längeren Beiträgen wird hier in der Übersicht immer nur der erste Teil angezeigt - klicken Sie dann bitte jeweils auf den Link “Den ganzen Beitrag lesen”.
Das mitschwingende Reiterbecken oder Die liegende Acht
Beim Reiten verfolgen wir ja das Ziel, dass unser Pferd über den Rücken läuft, sprich, dass es lernt, unser Gewicht mit einem schwingenden Rücken auf eine gesunde Weise zu tragen. Um die Bewegung des Pferderückens optimal mitzugehen, müssen Sie sowohl die Links-Rechts-Bewegung des Pferderückens, als auch das Vor- und Zurückschieben des Pferdes in Ihrem Becken zulassen. Sehr häufig aber sind wir gerade im Becken sehr fest und ein festgehaltenes Becken führt zu Verspannungen in unserem Sitz, was wiederum dazu führt, dass das Pferd in seinen Rückenbewegungen gestört wird. Hier habe ich eine Übung für Sie, mit der Sie sehr effektiv ein lockeres, mitschwingendes Becken erhalten können:
Tipp
Bitte machen Sie vorab die Übung für ein weiches Gesäß, dann ist es noch effektiver!
Und so geht’s
Ihr Pferd darf am langen Zügel freien Schritt gehen. Am besten lassen Sie sich von jemandem an die Longe nehmen, damit Sie sich ganz auf die Übung konzentrieren können. Bei einem ruhigen Pferd können Sie dann auch die Augen schließen, so lässt es sich oft leichter in den Körper fühlen.
Stellen Sie sich vor, Ihr Becken ist eine Schale. In diese Schale legen Sie einen Ball. Nun lassen Sie den Ball in Ihrem Becken, im Rhythmus der Bewegung die das Pferd Ihnen gibt, vor- und zurückrollen. Diese Bewegung ist den meisten meiner Schüler/innen sehr vertraut, lernen sie doch häufig ein Mitschieben mit dem Becken.
Wenn Sie das Gefühl haben, dass Ihr Ball die Bewegung gefunden hat, lassen Sie das vor und zurück nicht mehr zu, sondern lassen den Ball nun von rechts nach links und wieder zurück von rechts nach links kullern. Achten Sie auch hier wieder darauf, den Ball vom Pferd kullern zu lassen und nicht gegen die Bewegung des Pferdes zu gehen. In dieser Bewegung fühlen Sie das wechselseitige Absenken des Rückens.
Wenn Sie auch diese Bewegung gefunden haben, lassen Sie den Ball im Uhrzeigersinn kreisen. Hier können Sie die Bewegung nicht alleine vom Pferd geben lassen, d.h. Sie müssen etwas aktiv arbeiten. Wenn das Kreisen im Uhrzeigersinn klappt, wechseln Sie die Richtung und lassen den Ball nun gegen den Uhrzeigersinn rollen. Spüren Sie in sich hinein, ob eine Richtung leichter geht als die andere.
Nun halten Sie Ihren Ball im tiefsten Punkt Ihres Beckens an. Lassen Sie keinerlei Bewegung des Balles mehr zu - wie fühlt sich das an?
- Atmen Sie noch und wenn ja, kann die Atmung tief in den Bauch?
- Ist Ihr Po locker?
- Ist Ihr Blick noch weit und frei oder ist er fixierend? (Siehe, der weite, weiche Blick)
- Können Ihre Schultern noch schwingen?
Und wie reagiert Ihr Pferd? Geht es genauso weiter oder merken Sie eine Veränderung, ein Stocken, oder ein schneller werden, Kopf anheben?
Nun geben Sie den Ball wieder frei und lassen ihn ganz von der Bewegung Ihres Pferdes bewegen. Lassen Sie alle Bewegungsrichtungen die Sie eben ausgeführt haben zu: vor und zurück, rechts und links, kreisen.
Wie bewegt sich jetzt Ihr Ball. Können Sie eine Form erkennen?
Wenn Ihr Becken wirklich alle Bewegungsrichtungen zulässt und Ihr Pferd einen normalen 4-Taktschritt geht (also keinen Pass), müsste Ihr Ball in der Form einer liegenden Acht bzw. wie ein Unendlichzeichen kullern.
Können Sie das fühlen? Super!
Wenn Sie die liegende Acht immer in Ihrem Becken zulassen, blockieren Sie keine Bewegung des Rückens Ihres Pferdes und das Pferd kann sich frei unter Ihnen bewegen.
Anhand der Acht, können sie auch mögliche Taktunreinheiten Ihres Pferdes erspüren, den Takt Ihres Pferdes beeinflussen und den korrekten Zeitpunkt zum Treiben erfühlen lernen. Wenn Sie z.B. spüren, dass die rechte Seite der liegenden Acht kleiner ausfällt als die linke, gilt es z.B. abzuklären, ob Ihre rechte Hüfte unbeweglicher ist (vielleicht eine Blockade Ihres Iliosakralgelenkes) oder ob Ihr Pferd hinten rechts kürzer tritt (vielleicht eine Blockade des Iliosakralgelenkes des Pferdes).
In manchen Fällen kann man solche Taktunreinheiten übrigens sogar alleine dadurch beseitigen, dass wir bewusst die rechte Seite unserer Acht größer rollen lassen. Hier habe ich schon die spannendsten Sachen erlebt! Pferde, die sehr sensibel auf die Acht im Becken reagieren, lassen sich beispielsweise sogar nur dadurch zum Halten durchparieren, dass ich meine Acht im Becken anhalte.
Probieren Sie diese Übung doch einmal aus! Und lassen Sie mich bitte an Ihren Erfahrungen teilhaben.
15. April 2008 von Babette Teschen • Kategorie: Übungen •
Die Basis ist gutes Laufen - der Longenkurs
Suchen Sie nach einem Weg, Ihr Pferd so zu arbeiten, dass es lernt, mit aktiver Hinterhand und aufgewölbtem Rücken in guter Stellung und Biegung zu laufen? Möchten Sie so longieren, dass Sie von dem Ergebnis auch unter dem Sattel profitieren? Dann schauen Sie doch einmal in unseren Longenkurs oder in unser Video dazu.
Von Brigitte Janson
• 22. April 2008
Sehr interessant, diese Übung. Ich finde das gut, dass es hier solche Hinweise gibt, denn im Reitunterricht ist oft nicht Zeit genug, wirklich alles so genau zu beschreiben.
In der nächsten Stunde probiere ich es gleich aus.
Danke
Liebe Grüße
von
Brigitte
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Liebe Brigitte,
ich würde mich sehr freuen, wenn Du uns nach Deiner nächsten Stunde berichtest… 
Lieben Gruß, Babette
Von Schneck
• 28. Juli 2008
Sehr interessant so eine ähnliche Übungen habe ich schon beim Centered Riding gelernt. Hilft super locker mitzuschwingen
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Hallo Schneck 
Das freut mich,
lieben Gruß, Babette
Von Melanie
• 22. September 2008
Hallo,
finde ich super interessant! Werde ich auch mal ausprobieren.
Kann man bzw. soll man im Trab auch diese acht spüren? Oder zählt das wirklich nur für den 4-Takt im Schritt.
Lg
Melanie
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Liebe Melanie,
die Acht fühlst Du nur im Schritt. Aber auch im Trab wirst Du im Wechsel rechts- links tiefer gesetzt und auch im Trab sollte der Reiter diese Bewegung im Becken zulassen,
liebe Grüße, Babette
Von Sarah
• 27. Dezember 2008
Hallo,
ein sehr interessanter Beitrag, lässt sich das damit vergleichen, dass man sagt im Schritt soll das Becken 2mal links und 2mal rechts abwechselnd schwingen? Oder ist das etwas anderes?
ich werde es morgen diekt in meiner Reitstunde umsetzten=)
LG Sarah
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Liebe Sarah,
mhhhhh, mit 2 x links, 2 x rechts, kann ich nicht so viel anfangen…
Viel Spaß beim Ausprobieren der Acht,
liebe Grüße
Babette
Von christina
• 21. Januar 2009
Liebe Babette,
hab jetzt diesen Beitrag immer und immer wieder gelesen, weil mich irgendwas irritiert hat und bin gerade draufgekommen, was.
Es ist die liegende Acht! Hab mir nämlich immer vorgestellt, die mit dem ganzen Becken machen zu müssen und das ist ja eigentlich nicht gemeint, sondern der Ball im Becken soll die liegende Acht machen. Mir ist da jetzt auch klar geworden, dass die Mitte des Körpers imm er am gleichen Punkt bleibt, also in der Mitte des Sattels.
Ich bin nämlich so eher der bewegliche Typ, der gerne übertreibt und zuviel herumwackelt.
Für ,mich ist es besser mir vorzustellen, dass meine sitzbeinhöcker rückwärts Pedale treten, damit ich von der Seitwärtsbewegung wegkomme, interessanterweise wackelt auch Sando mit den Hüften und tritt nicht ordentlich unter. Da haben wir uns dann gegenseitig oft verstärkt im “Arschwackeln”.
Das bild von der liegenden Acht verstärkt meine tendenz zur Seitbewegung dann noch.
Für steife Menschen ists sicher ein super Bild. Ich habs früher viel verwendet, da war ich aber auch noch um einiges steifer.
Liebe Grüße
christina
Von Rani
• 29. April 2009
Hallo Babette,
nur zur Sicherheit: Es ist eine waagrecht, also quer zum Pferd liegende Acht, stimmt’s?
Danke & Gruß, Rani
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Hallo Rani,
ja, es ist eine querliegende Acht 
liebe Grüße, Babette
Von Beate
• 21. Mai 2009
Angeregt durch den thread ” steife hüfte” , die auch mein Problem ist, hab ich das gestern mal aufm Weg aus dem Wald durchs Dorf probiert.
Pferd ging feinen langen Schritt auf dem Asphalt, so dass ich den (gleichmäßigen) Takt gut hören konnte. Eigentlich fiel mir das gar nicht so schwer, solange ich d r a n d a c h t e.
Das ist wieder so ne Geschichte, die sich erst mal als Reflex einschleifen muss. Dabei sind doch meine Synapsen so träge. 
Festgestellt hab ich, was ich eigentlich schon wusste(Orthopäde+ Stoßwelle): rechts bin ich Bombenfest.(verkalte Bandansätze) Aber die ubung lockert gut, nach etwa 300m wurde es besser.
Und sich mal wieder bewusst zu werden, dass man das Tierchen durch langsameres achtern ruhiger bekommt hilft auch weiter für ne leichte Hand.
Künftig muss ich wohl 2,5 Std. ausreiten, damit ich alle Übungen unterwegs schaffe ;-))
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Dann viel Spaß auf Deinen langen Übungstouren 
Liebe Grüße,
Babette
Von julia
• 5. Juni 2009
ich bin beeindruckt , all diese feinheiten sollten eigendlich auch im unterricht zur schau gebracht werden , ist mir aber noch nie untergekommen , sehr sehr schade !!!!!
diese einfühlung in die bewegung ist echt präziese und man wundert sich echt über die positive wirkung auf pferd und reiter .
hochachtungsvoll !!!julia
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Vielen Dank Julia
!
Dann kann ich Dir nur empfehlen mal Reitunterricht bei einem Central Riding Trainer zu besuchen. Dort wirst Du haufenweise solche Übungen kennenlernen,
liebe Grüße,
Babette
Von Sonja
• 24. Juli 2009
Kommentar zum centered riding in Kombination mit der hier auf diesen Seiten so wunderbar beschriebenen Art der positiven Verstärkung mit Leckerlies: das hat bei meinem Freiberger (neben Hafis wohl eine mit Essen am leichtesten zu motivierenden Rassen…)dazu geführt, dass er auch im Gelände, wo er immer vor vermeindlichen Monstern davongerannt ist, sich auch aus dem Galopp mit ausatmen, Beckenbällchen anhalten, ohne Zügeleinwirkung anhalten lässt, bzw energisch bremst, sich relaxed stehend und kauend die Gegend anschaut, um entspannt wieder weiterzugaloppieren. einfach wunderbar :-))Euch schickt der Himmel!
völlig (auch vom Longenkurs) begeisterte Grüsse
Sonja
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Wie schön
!!!
Ich freue mich riesig!
Liebe Grüße,
Babette
Von Olivia
• 14. Oktober 2009
Gar nicht so einfach
Irgendwie macht mein Becken gar keine liegende Acht, sondern eher ein V - also so, wie das Becken nach vorne rechts gewandert ist, kommt es auch wieder zurück, um dann gleich nach vorne links zu wandern!?? Zumindest ging das Pferd aber sehr schön frei schreitend 
Dann habe ich das Ganze noch auf dem Zirkel im Drehsitz ausprobiert. Schwingt da das Becken theoretisch genauso weit links wie rechts? Wenn ja, blockiere ich da scheinbar. Das passiert mir auch häufig, sobald ich irgendwelche Lektionen im Schritt reiten möchte und sei es nur Schenkelweichen - mein Becken blockiert und die Pferde verhalten sich. Gibt es dafür Übungen/ Abhilfe?
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Hallo Olivia,
das im Drehsitz die Bewegung innen etwas kleiner wird ist normal.
Was noch gut hilft sein Becken mobiler zu bekommen, sind Übungen auf einem Gymnastikball. Es gibt ein schönes Buch von E. Prockel. Es heißt “Lösen, schwingen, kreisen”. Vielleicht ist das was für Dich,
liebe Grüße,
Babette
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