Alle Jahre wieder – oder: Geht es Silvester auch ohne Stress?

Von Babette Teschen

Vielen von uns Pferdehaltern graust es vor dem Jahreswechsel.

Geht es Ihnen eventuell auch wie mir? Statt fröhlich auf einer Party zu feiern, stehe ich seit Jahren in Eiseskälte bei meinen Liebsten und versuche sie an Panikausbrüchen zu hindern. Wer von Ihnen schon mal eine Pferdeherde auf eisglatten Boden ins Rennen kommen sehen hat, weiß wie berechtigt die Angst ist…

Welche Vorsorgemaßnahmen können wir treffen, um auch dieses Neujahr gut zu überstehen?

Silvester für aufgestallte Pferde

Am einfachsten sind die Maßnahmen sicherlich für Pferde, die nachts aufgestallt sind. Hier würde ich Ihnen raten soweit wie möglich alle Türen und Fenster zu verschließen, am besten die Fenster mit Decken zuzuhängen. Dann machen Sie vor 24.00 Uhr alles an Licht an, was der Stall hergibt und stellen das Radio schön laut.

So bekommen die Pferde meistens nicht viel mit, wenn es draußen rumst und kracht. Und wenn dann noch der Futtertrog mit vielen, leckeren Möhren gefüllt ist, kann eigentlich nicht mehr viel schief gehen.

Silvester im Offenstall

Schwieriger gestaltet sich das Abschotten in einer Offenstallhaltung, wie ich sie auf meinem Hof betreibe. Doch auch hier kann man sich und die Pferde vorbereiten – hier habe ich acht Tipps für Sie:

Gewöhnen Sie Ihre Pferde an Knallgeräusche

Sicherlich eine nicht nur für Silvester gute Sache ist es, die Pferde an laute Knallgeräusche zu gewöhnen. Das können Sie z.B. mit Luftballons machen und wie das geht, können Sie in meinem Blogbeitrag So wird Ihr Pferd zum Luftballonkiller nachlesen. Bitte machen Sie sich vor und bei dem Üben klar, dass es nicht darum geht, Ihre Pferde zu erschrecken! Wenn sich Ihr Pferd erschreckt, haben Sie nicht mit „wenig“ genug begonnen.

Im Handel gibt es auch Gewöhnungs-CDs für Hunde mit Silvestergeräuschen. Eine solche CD erst leise und dann immer lauter werdend im Stall abzuspielen, halte ich für eine sinnvolle Sache.

Sorgen Sie für Licht

Versuchen Sie auch im Offenstall die Umgebung vor 24.00 Uhr so hell wie möglich zu machen. So wirken die Lichter am Himmel nicht so stark.

Machen Sie Musik an

Schalten Sie auch hier ein Radio möglichst laut an. So wirken die Böller nicht ganz so durch.

Reden Sie mit Ihren Nachbarn

Ich habe schon selbst oft erlebt, wie wenig „Nichtpferdemenschen“ mitdenken, verständlicherweise, denn wer sich mit Fluchttieren nicht auskennt, bedenkt eben manche Dinge einfach nicht. Nachdem ich meinen Nachbarn die Gefahren erklärt habe, sind sie sehr rücksichtsvoll geworden. Und ein Blumenstrauß als „Dankeschön“ für rücksichtsvolles Verhalten hilft bestimmt auch für das nächste Jahr.

Füttern Sie – denn Fressen beruhigt

Wir stehen jedes Jahr mit vollen Futtereimern am Zaun und feiern für die Pferde ein zweites Weihnachtsfest. Wenn es uns nur gelingt, dass wir allein für die Hälfte der Herde so anziehend sind, dass sie sich dafür entscheiden bei uns zu bleiben, statt mit den nervösen Pferden mitzulaufen, beruhigen sich die anderen Pferde meistens auch. Und dann kommen die Nervösen meistens auch recht schnell wieder zu uns.

Achtung: Bitte gehen Sie zum Füttern nicht in den Auslauf! Die Gefahr von einer Herde panischer Pferde über den Haufen gerannt zu werden, ist nicht gerade klein.

Sorgen Sie für eine gute Einzäunung

Eigentlich sollte ein stabiler, ausbruchssicherer Zaun das ganze Jahr über eine Selbstverständlichkeit sein. Aber gerade an Silvester müssen Sie damit rechnen, dass eine einfache Litzenumzäumung Ihre Pferde vielleicht nicht an der Flucht hindern kann. Rüsten Sie hier ggf. vorher auf.

Setzen Sie Hilfe aus der Naturheilkunde ein

Sowohl die Homöopathie, als auch die Bach-Blüten habe Wirkstoffe in ihrem Repertoire, die Ängste nehmen bzw. lindern können. Suchen Sie sich rechtzeitig die Unterstützung eines gute/n Naturheilkundlers/in, der/die das passenste Mittel für Ihr Pferd individuell auswählen kann.

Greifen Sie im Notfall auf Hilfe aus der Schulmedizin zurück

Haben Sie ein wirklich schwieriges Pferd, das vor Angst völlig den Verstand verliert oder zu Stresskoliken neigt, würde ich Ihnen empfehlen, Ihren Tierarzt zu Rate zu ziehen. Lieber ein mal im Jahr eine kontrollierte Sedierung als ein unkontrolliertes Pferd, dass sich und andere in Lebensgefahr bringt.

 

Was haben Sie schon für Erfahrungen zu Silvester gemacht? Kennen Sie noch weitere gute Tipps, wie man dieses Ereignis besonders gut hinter sich bringen kann? Dann freue ich mich, wenn Sie mir diese schreiben.

 

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