Clickertraining: Mag einen das Pferd nur wegen der Leckerlis?

Ich habe Ihnen hier in meinem Blog ja bereits ausführlich das Clickertraining vorgestellt und Sie werden immer wieder lesen, dass ich gerne und häufig mit Futterlob arbeite. Für mich ist die Gabe von Futter als Belohnung eine exzellente Möglichkeit, nicht nur Lektionen sehr punktgenau erarbeiten zu können, sondern vor allem auch ein Weg, eine freudige Motivation beim Pferd zu erreichen.

Nun werde ich hin und wieder gefragt, ob uns, wenn wir mit Futterlob arbeiten, das Pferd nicht nur wegen der Leckerlis mag, die wir ihm geben. Darin schwingt die Angst, dass wir also gar keine echte Beziehung aufbauen, sondern uns die Zuneigung des Pferdes quasi nur „erkaufen“. Da das eine recht große Sorge einiger Pferdebesitzer/innen zu sein scheint, möchte ich dazu einige Gedanken schreiben.

Natürlich wird ein Mensch mit einem Futtereimer im Arm zunächst immer mit mehr Freude begrüßt werden als ein Mensch ohne Eimer. 😉 Aber meine Erfahrung  ist die, dass Pferde sehr wohl auch hinter die Futterhand schauen und ihre Zuneigung nicht erkaufen lassen. Jemand mit Futter wird zwar gerne angebettelt, aber deshalb noch lange nicht geliebt. Wer sich aber mit dem Tier befasst, tolle Sachen mit ihm macht, für eine gute Zeit miteinander sorgt und dafür, gemeinsam Spaß zu haben, der wird schnell einen guten Freund gewinnen. Und genau dafür kann Futter ein ausgesprochen nützliches Hilfsmittel sein.

Wir können davon ausgehen, dass das Clickertraining alleine nicht ausreicht, um eine echte Bindung zum Pferd aufzubauen. Aber, und das ist für mich der entscheidende Punkt: Durch das Clickertraining erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, eine gute Beziehung aufzubauen ganz enorm. Warum das so ist? Weil das Clickertraining mit der so genannten „positiven Verstärkung“ arbeitet, also konsequent mit lobender Bestätigung des richtigen Verhaltens (im Gegensatz zur negativen Verstärkung, die falsches Verhalten unangenehm macht). Und überlegen Sie mal, wie gerne Sie selbst gelobt werden und Anerkennung und Bestätigung bekommen, wenn Sie etwas richtig machen! Motiviert Sie das nicht viel mehr, als wenn Ihre Fehler bestraft werden? Genauso geht es auch dem Pferd.

Wenn wir lernen, so weit wie möglich ohne Druck und Strafe mit unseren Pferden zu arbeiten, hat das viele gute Auswirkungen:

  • das Pferd fühlt sich wohl,
  • es hat Spaß,
  • es fühlt sich sicher,
  • es lernt gerne,
  • und es merkt, dass es uns vertrauen kann.

Und das sind die besten Voraussetzungen dafür, dass wir eine innige Beziehung zu unserem Pferd aufbauen können. Das Futter ist dabei aus meiner Sicht nicht im Weg, sondern im Gegenteil: es ist eine Art Wegbereiter, nicht mehr und nicht weniger.

8. Mai 2012 von Babette Teschen • Kategorie: Umgang 9 Kommentare »

 

9 Reaktionen zu “Clickertraining: Mag einen das Pferd nur wegen der Leckerlis?”

 

Von Marion • 14. Mai 2012

Liebe babette!
Das ist ein Punkt, den man wirklich immer wieder den Leuten erklären muss, denn die Frage kommt bei vielen schnell auf. Danke für deinen Artikel, der die Argumente sehr gut darlegt. Ich möchte aber auch noch etwas ergänzen, was meiner Meinung nach ganz wichtig ist. Ich glaube, dass Clickertraining hilft, die Bindung zum Pferd zu stärken und das verhältnis zu vebessern, weil das Clickern eine Kommunikationsmethode ist, die das Pferd versteht. Wir können uns eindeutig mitteilen und das gibt dem Pferd Sicherheit.

Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist, dass das Pferd das Training mitgestaltet. Es beeinflusst aktiv seine Umwelt (in dem Fall den menschen), um das zu bekommen, was es gerne möchte (Futter). Das pferd wird so zum aktiven Partner und bleibt nicht in der Rolle des Befehlsempfängers. Das (habe ich bei meinem Oldie beobachtet, mit dem ich im Alter von 25 mit CT begonnen habe)tut den Pferden unheimlich gut und stärkt das Selbstvertraue.

Das wollte ich nochmal herausstellen, weil ich es für den wichtigsten Aspekt beim CT halte. Im Grunde hast du das ja auch so geschrieben… 😉

LG,
Marion

 

Von Connie • 14. Mai 2012

Hallo Babette,

wieder einmal ein wunderschöner Artikel – wer einmal Pferde beim Clickertraining beobachtet hat, sieht ein aktives und motiviertes Pferd, was ganz gespannt wartet was sein Mensch als nächstes möchte und z.T. sogar selbst „Vorschläge“ unterbreitet 🙂 Ich clicker meine eigene Stute seit knapp 2 Jahren und die Wandlung die sie vollzogen hat, ist deutlich spür- und sichtbar. Da ich das ganze so toll finde, integriere ich es mittlerweile sogar in meinen Unterricht (Berufsfachschule – Kommunikation) und wurde dort mit der gleichen Frage, die du aufwirfst konfrontiert. Die Schüler konnten sie 10min später selbst beantworten, als das Schulpferd, was noch nie zuvor geclickert worden war und gerade erst auf das C+B konditioniert worden war sich 100% auf mich konzentrierte und den offenen Beutel Möhren in Fressweite (der vorher auch schon untersucht worden war) völlig ignorierte! Meine Schüler und ich waren beide baff, denn mit diesem Pferd hatte ich im Rahmen des LK erst 3x zuvor überhaupt gearbeitet… So lernt der Mensch ab und an doch wieder von den Pferden 🙂

LG, Connie

 

Von Lydia • 14. Mai 2012

Liebe Babette,

mein „Kleiner“ ist bei mir zur Welt gekommen, ohnehin etwas behäbig und wahrlich nicht übermäßig nervös, doch als ich ihn neulich zurück auf das Paddock bringen wollte, kam es zu folgender Situation: Die Pferde wurden zu der Zeit angegrast, d.h. nach ein paar Stunden Wiese werden sie zurück auf den Sandpaddock getrieben, von dort aus können sie die Wiese jedoch sehen und stehen nat. mit wässrigem Mäulchen die ganze Zeit am Tor. Dabei sind einer Stallkollegin, die gerade ihre Pferde hereinholen wollte, ein paar Pferde ausgebüchst und das totale Chaos brach aus. Ein Mädchen stand auf dem Paddock und ihr Pferd rannte am Strick um sie herum, ein Teil der Herde galoppierte wild auf dem Paddock, der andere kam mir (auf dem Weg zum Paddock) entgegen, wurde dann aber durch andere Reiter umgelenkt, die mir hysterisch zuriefen, ich möchte schnell umkehren. Mein Pferd und ich hatten beide Fragezeichen im Kopf, tänzelten beide gleich nervös (was tun?) herum und hatten wohl beide den Kopf oben und den Rücken steif. Und dann besann ich mich: Ich bat ihn anzuhalten, was er auch tat, clickerte und er bekam seine Möhrchenscheibe. Und dann konnten wir wie aus einer Blase heraus das Geschehen um uns beobachten, atmeten durch und entspannten… ich vermag nicht, hier die Wechselwirkungen auseinander „zu klamüsern“, aber eine 2 mm-Möhrchenscheibe allein, hätte ihn wohl nicht motiviert, bei mir zu bleiben. Ich hatte vielmehr den Eindruck, dass uns das Clickern daran erinnert hat, dass wir beide uns doch vertrauen können! Von daher ist Eure/Deine Seite nicht nur eine tolle Bereicherung für Reiter mit „Problempferden“ – auch Pferden mit Problemreitern ist sie eine echte Hilfe! Vielen Dank!!!

 

Von Andrea • 14. Mai 2012

Hallo Ihr Lieben, das erinnert mich, was ich euch schon lange erzählen wollte: ich clickere schon lange mit meinem Hund und angeregt durch euch habe ich das auch mit meinem Pferdchen angefangen. ABER: nun fürchte ich mich. Er wird nicht agressiv, überhaupt nicht, er bettelt auch nicht. Aber da er nach dem Click die Belohnung erwartet, nur: reißt er in freudiger Erwartung sein Maul so weit auf, dass ich schon zweimal meine ganze Hand drin hatte! Er hat ja auch nicht abgebissen, alle Finger sind noch unversehrt, aber unheimlich ist mir das schon! Gebe ich ihm so ein Leckerli oder sogar einen Apfel, dann passiert das nicht. Liebe Grüße!

 

Von Renate • 14. Mai 2012

Hallo Babette,

Zitat:
„…hat das viele gute Auswirkungen:
das Pferd fühlt sich wohl,
es hat Spaß,
es fühlt sich sicher,
es lernt gerne,
und es merkt, dass es uns vertrauen kann.“

Hast noch einen seeehr wichtigen Grund vergessen : der MENSCH hat auch viel mehr Spass 🙂 Es ist doch viel toller, sich zu freuen und zu loben, anstatt sich zu ärgern und zu schimpfen 😉

lg

„die Reitmaus“

 

Von Lisa • 15. Mai 2012

Hallo!

Eine Freundin von mir hat mir ihrem Pferd auch lange mit Futterlob gearbeitet. In erster Linie wollte sie damit sein ständiges Schnappen und Rumknabbern an ihrem Ärmel abstellen. Das hat echt super funktioniert und so wurde natürlich mit dem Futterlob fleißig weitergearbeitet.
Letzt Woche war ich sie nun besuchen und durfte Zeuge ihrer tollen Tricks werden…
Das absolut beste daran war, dass sie das Pferd mit der Gerte belohnt hat…Anstatt den Leckerlis gibt sie ihm nun einfach den Gertenknauf ins Maul und er liebt diese Art der Belohnung sichtlich…

Das Pferd liebt sie also nicht wegen der Leckerlis sondern mittlerweile vielmehr wegen der Gerte, was so gesehen schon lustig ist…

Ich denke auch dass das Pferd sowohl die Leckerlis als auch den Mensch dahinter sieht… So doof sind die Tiere ja immerhin auch nicht oder?? 😉
Liebe Grüße,
Lisa

 

Von Gesine • 5. Mai 2014

Hallo in die Runde!
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Pferde nur fuer das Futterlob arbeiten, wenn man die Arbeit zu eintoenig gestaltet, also z.B. immer nur die gleichen Tricks abfragt. Dann ist eben das einzig Spannende an der Sache das Futter.
So lange man aber das Futter nur als Uebersetzung fuer „das hast du gut gemacht“ einsetzt und das Pferd immer wieder auffordert, zu denken, kreativ zu werden, fuehrt es meiner Erfahrung nach dazu, dass das Pferd an der Arbeit selbst richtig viel Spass entwickelt.
Mein Pferd spuckt zum Beispiel beim Apport-training die Leckerlis (die er wirklich richtig mag) regelmaessig aus, wenn er richtig in Fahrt kommt – klar, gleichzeitig kauen und Apport-Dingsi holen geht nicht 😉
Und man muss schliesslich nicht mit Futter belohnen, wie Lisa schon geschrieben hat – an der Lieblingsstelle kraulen, mit dem Lieblings-Spielzeug spielen lassen u.a. funktioniert bei meinem Pferd genauso gut – und der Peitschenknauf ist auch extrem beliebt als „Kauelement“ 😉

 

Von Renate • 6. Mai 2014

Liebe Babette,
meine Islandstute Svertla liebt das Clickern und die Belohnungs- Leckerlis. Allerdings stampft sie neuerdings massiv auf, wenn sie kein Leckerli kriegt. Ihr reichen lobende Worte dann nicht. Soll ich das Leckerli Geben wieder einstellen und „nur loben“?
LG
Renate
________________________________________________
Liebe Renate,
nein, Du solltest die Arbeit mit Leckerlis nicht einstellen, Du musst nur noch mal an der Höflichkeit Deines Pferdes arbeiten. Lies Dir bitte einmal diesen Beitrag von mir durch und forme Dir das höfliche „zur Seite schauen“. Wenn Du ohne Zaun neben ihr stehen kannst, ohne das sie Dich bedrängt, hast Du schon gut was geschafft. Wenn sie dann doch wieder anfängt zu fordern, also mit dem Huf zu stampfen, gehst Du kommentarlos wieder hinter den Zaun, drehst ihr den Rücken zu und ignorierst sie ein paar Sekunden (Time out). Spätestens nach ein paar Mal hat eigentlich jedes Pferd verstanden, dass „fordern“ nicht zum Erfolg führt und sie stellen das Verhalten ein. Diese Grunderziehung muss man immer mal wieder einbauen, wenn man mit Futter arbeitet.
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Christina • 31. März 2017

Ich denke auch, dass die Pferde schon den Unterschied kennen, zwischen „Leckerli“ und „Zuneigung“.
Ich bin ja noch Klicker-Anfängerin, aber für mich ist die Sache mit dem Futterlob eine echte „Entspannung“. Die ganze „Dominanz-Sache“ (Leittier-Sein, Druckstufen, etc.) hat mich fürchterlich gestresst, ich bin von der Persönlichkeit her nicht so gestrickt, für mich ist im „normalen“ Leben immer die Kooperation der Lieblingsweg und dieser Zwiespalt hat mich zunehmend überfordert.
Da kommt mir das Clicker-Training total entgegen, das Belohnen auch kleinster Lern-Ansätze, der „Platz“ für das Pferd, auch eigene Vorschläge anzubieten und nicht zuletzt – wie oben schon geschrieben – eine (für Mensch und Pferd) verständliche Art der Kommunikation. Das CT entlastet mich in gewisser Hinsicht, weil ich nicht mehr auf das Zielbild (gute Partnerschaft mit Pferd, sicheres Ausreiten, etc.) fixiert bin, sondern mich mit dem Weg dahin beschäftigen „darf“ (und ganz ehrlich: für mich ist das so viel wert, da wär es mir im Moment auch egal, wenn mich mein Pferd nur (noch) wegen der Leckerli mögen würde 😉 Allerdings glaube ich, dass man die Zuneigung als „Zugabe“ „geschenkt“ bekommt, weil die Pferde merken, wie viel toller die Arbeit bzw. das Zusammensein mit dem Menschen „plötzlich“ ist )

 

 

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