Ronaldo als Reitpferd

Sie haben nun schon viel von meiner Arbeit mit Ronaldo zu sehen bekommen. Bis jetzt war ich dabei immer von Boden aus aktiv. Aber ab und an sitze ich auch mal auf Pferden und so auch auf meinem Ronaldo ;-) .

Als ich Ronaldo das erste Mal ritt (er war, bevor er zu mir kam, bereits geritten), fühlte ich mich wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Zum einen bin ich Pferde dieser Größe so gar nicht gewöhnt, zum anderen reagierte er so schwergängig und zeitverzögert auf meine Hilfen, eben genau wie so ein Ozeanriese. Er ließ sich nicht stellen, geschweige denn biegen. Die Richtung konnte ich nur ungefähr bestimmen. Er legte sich schwer auf meine Hand und durchparieren war nur mit großem Kraftaufwand möglich. Er knirschte mit den Zähnen und wirkte sehr angespannt und unglücklich.

Diesen ersten Reitversuch brach ich schnell ab und ich ging etliche Ausbildungsschritte zurück, um ihn für unsere nächste Reiteinheit besser vorzubereiten.

Hiermit bereitete ich Ronaldo auf unsere nächste Reiteinheit vor:

  • Ich machte mit ihm Abkauübungen und erklärte ihm noch mal neu das Gebiss.
  • Ich arbeitete mit der klassischen Handarbeit mit ihm, um ihm die Zügelhilfen neu zu vermitteln.
  • Ich arbeitete am langen Zügel mit ihm.
  • Ich arbeitete ihn an der Doppellonge.
  • Und ich ritt ihn einige Einheiten im Longierzirkel, wobei ich mich zunächst von einem Helfer an die Longe nehmen ließ.


Erst als ich Ronaldo im Longierzirkel ohne Hilfe von unten in konstanter Stellung und im gleichmäßigem Tempo reiten konnte und er sich auf leichte Hilfe hin zum Halten durchparieren ließ, wechselte ich wieder in die große Bahn.

Es hat sich immer wieder bewährt, Rittigkeitsprobleme nicht mit Macht in der Reitbahn lösen zu wollen, sondern in der Ausbildung einfach wieder so viele Schritte zurückzugehen, wie nötig sind, um die Basis neu aufzubauen. Und auch bei Ronaldo konnte ich so schnell Erfolge ernten.

In diesem Video sehen Sie nun unsere fünfte Einheit in der großen Bahn. Eine Einheit dauert ca. 20 Minuten. Mir geht es zur Zeit nur darum, Ronaldo entspannt und locker reiten zu können. Ich fordere nicht viel von ihm. Ich möchte ihm das Gefühl geben, dass er alles richtig macht und er Spaß an dem Gerittenwerden bekommt. So dienen diese Einheiten in erster Linie dazu, uns gegenseitig kennen zu lernen und vertrauen zueinander aufzubauen – denn das ist die Basis für die weitere Ausbildung.

Wie Sie auf dem Video sehen können, spiele ich etwas mit Stellung, Bahnfiguren und Übergängen. Ich möchte ein gleichmäßiges und ruhiges Tempo. In dieser Phase ist mir Entspannung das Wichtigste. Und ich freue mich, wenn er meine Einladung sich vorwärts- abwärts zu dehnen annimmt und einen zufriedenen Eindruck macht. Erst wenn das alles gefestigt ist, kann ich in der Ausbildung im Sattel weitergehen.

7. Juli 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis 8 Kommentare »

 

8 Reaktionen zu “Ronaldo als Reitpferd”

 

Von Manuela • 8. Juli 2009

Servus Babette,

da hast Du jede Menge Arbeit hinter Dir und noch jede Menge Arbeit vor Dir!

Ganz toll fand ich die letzten Trabsequenzen – da hat er sich gut fallen lassen.

Liebe Grüsse und einen grossen Keks für Deine Geduld

Manuela
_________________________________________________________
Danke Manuela :-) !
Ich hoffe, wir haben bald so viel Vertrauen zueinander, dass dieses Loslassen (von und beiden ;-) )selbstverstädlich wird…
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Andrea • 8. Juli 2009

Ach Babette, es ist so schön zu sehen, wieviel Liebe und Geduld du aufbringst und Ronaldo es dir dankt! Ich bin ja noch nicht sooo lange eine aktive Reiterin, aber es war mir schon immer zuwider, wenn den Pferden etwas durch Zwang, Gewalt und Schmerz “beigebracht” wurde. Ich hoffe, dein Beispiel macht Schule!

Liebe Grüße
Andrea
___________________________________________________________
Vielen Dank Andrea, ich freue mich sehr :-) !!!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Beate • 9. Juli 2009

Willkommem im Club der Ozean-Dampfer-Kapitäne ;-) .
Na das wird doch fein mit euch beiden.

Die Schritte “zurück” mussten bei mir ja auch erst mal durch meinen Kopf. Doch wenn man erst mal mit dem Umdenken durch ist, bekommt man mit, wie genau diese Schritte einen eben nicht “zurück”, sondern viel weiter bringen. Und man freut sich an ganz unspektakulären Dingen, die bei manchen Möchtegern- Turnierreitern erst nur ein müdes Lächeln hervorrufen und ein paar Wochen später ungläubiges (meistens heimliches) Staunen.
Wie gut, dass es Menschen wie euch gibt, die einen zum Umdenken bringen! Danke dafür!
__________________________________________________________________________ :-D :-D :-D
Knutsch Deinen luftballonkillenden Ozeanriesen von mir ;-)
liebe Grüße,
Babette

 

Von Claudia • 13. Juli 2009

Hallo Babette,

Ich finde es toll, was ihr nach nur 5 Reiteinheiten schon leistet!
Ich habe einen 13-jährigen Wallach und musste, nach einer Wirbelblockade, falscher Ausbildung und falschem Reiten fast wieder von vorne anfangen. Ich hatte ihm einen neuen Sattel gekauft, regelmässige Physiotherapie (nach wie vor) machen lassen und eine ganz tolle Reitlehrerin gefunden. Wir haben umgestellt auf klassische Ausbildung mit viel Handarbeit und er machte super mit. Jetzt soll er so langsam etwas anfangen, zu arbeiten, ein bisschen mehr vorwärts gehen und Last aufnehmen. Im Moment klappt es nicht so gut, entweder er “schlurft” oder er “pest” aber ihn zum “Arbeiten” zu bekommen ist schwierig. Er ist aus der Not heraus ein Meister im sich Entziehen geworden und nun müssen wir herausfinden, wie wir ihn am besten motivieren können, sich vielleicht doch ein bisschen anzustrengen. Schliesslich soll er ja gesund bleiben….. Reiten ist nicht einfach!
Liebe Grüsse Claudia
_________________________________________
Das ist wohl wahr…!
Hoffentlich bekommt Ihr Dein Pferd bald aus seinem Muster raus!
Liebe Grüße und alles Gute!
Babette

 

Von Phyllis • 10. Dezember 2010

Hey, also ich persöhnlich halte nicht so viel von Hand-und Bodenarbeit bei solchen Problemen.
Wir haben auch ein Pferd, dass genau die selben Probleme hat und ich finde es wenig hilfreich ihm dabei die Hilfe an der Hand nah zu bringen, sondern man müsste mehr mit Gewicht, Kreuz und Schenkeln machen.
Sicher ist das Alles nicht ohne starke Zügeleinwirkung möglich, das weiß ich aus Erfahrung, aber ich finde es macht mehr Sinn es ihm gleich unterm Sattel beizubringen, weil Endziel soll ja eig. ein Reiten “ohne” Zügel sein.

Viel glück noch :)
_________________________________________________________________
Nun, Ronaldos “Problem”, nämlich die Angst vor dem Gebiss, hat sich mittlerweile aufgelöst. Die Ursache der Angst ist weg :-) .Ich hoffe, auch bei Eurem Problempferd gibt es eine Besserung…

Und auch hier bin ich so gar nicht mit Dir einer Meinung: Es ist alles ohne starke Zügeleinwirkung möglich! Zum Glück! Wäre es anders, ich würde das Reiten aufgeben!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Phyllis • 10. Dezember 2010

Hey, ich hab mir grad noch mal das Video angeguckt und ich kann schon verstehen wieso das alles nicht so ganz schon klappt.
Ich finds ja wirklich schön wenn du so viel Geduld und Liebe in dein Pferd steckst, nur man muss ja schon ein bischen mit helfen beim reiten.
Rahm ihn einfach mehr ein und versuch ihn von der Vorhand weg zubekommen. Es viel schwerer für dein Pferd um die Wendungen zu kommen wenn es mit so langen Zügel rum laufen darf. Nich will jetzt nich iwie als Pferdequälerin abgestempelt zu werden, aber es schadet deinem Pferd keineswegs wenn es nen bischen arbeitet und sich anstregen muss. Überfordern ist nicht gut aber fordern schon. Unsere Pferde sehen nach der Arbeit auch viel zufriedener aus als vorher im Stall ;)
_____________________________________________________________________________
Hallo Phyllis,
ich danke Dir für Deine sicherlich gut gemeinten Tipps, aber ich finde Deine Einstellung traurig und kann damit nichts anfangen.
Du scheinst Dir leider nicht die Mühe gemacht zu haben Ronaldos „Probleme“ und unseren Werdegang bis zu diesem Video anzugucken. Falls Du das noch machen möchtest, findest Du die Hintergründe unter anderem hier .

Ronaldos Problem ist mit Sicherheit nicht das er nicht genügend gefördert wurde oder wird. Er kam als Korrekturpferd zu mir, der vor seiner Zeit bei mir von Profireitern „gefördert“ wurde mit dem Ergebnis, dass er große Angst vor dem Gebiss, der Reiterhand, vor „Förderung“ allgemein und eigentlich allem hatte, was das Leben so an Aufgaben bietet.

Als ich in das erste Mal auftrenste, fing er sofort an mit den Zähnen zu knirschen und sich einzurollen. Anmerkung: Ich saß noch nicht oben! Wenn ein Pferd so auf das Gebiss reagiert mache ich solange Bodenarbeit mit dem Pferd, bis es die Angst vor dem Gebiss verloren hat. Und wenn ich dann anfange zu reiten (und das auf dem Video war eine unserer ersten Reiteinheiten) möchte ich dem Pferd nur die Angst vor dem Geritten werden nehmen und ihm zeigen, dass der Weg in die Tiefe offen ist. Da ist es mir vollkommen egal ob das Pferd die paar Runden die ich oben sitze auf der Vorhand läuft.
Eine korrekte Lastaufnahme durch die Hinterhand setzt Losgelassenheit voraus. Diese muss als erster Punkt erreicht werden. Angst verhindert Losgelassenheit.

Am traurigsten macht mich eigentlich Dein letzter Satz, denn wenn Deine Pferde nach der Arbeit im Stall zufriedener aussehen, schließe ich daraus, dass Deine Pferde vor der Arbeit unzufriedener im Stall stehen… Und genau da wäre mein Ansatzpunkt. Nämlich zu gucken, das meine Pferde immer zufrieden in die Welt schauen. Da würde ich als erstes die Haltung kritisch hinterfragen. Ich hole meine Pferde mit zufriedenen Augen aus der Herde, entweder aus dem Winterauslauf oder von der Sommerweide. Ich mache viel „Arbeit“, die meinem Pferd einfach nur Spaß macht, ob es sich dabei um fröhliche Ausritte handelt, Ball spielen, Clickertraining oder sonst was. Mir geht es in erster Linie um die Beziehung zu meinen Pferden und darum zu gucken, dass es ihnen gut geht, in jeder Hinsicht. Das es in der gesamte Ausbildung des Pferdes als eines der Ziele darum geht, das ein Pferd lernt sich mehr über die Hinterhand zu tragen, gut und schön. Aber das ist mir eindeutig zu wenig!
Liebe Grüße,
Babette

 

Von Valentina • 15. Januar 2012

Liebe Babette,
ich bin so unglaublich froh, dass es in der Reiterszene Menschen wie Dich gibt! Ronaldo strahlt eine solche Zufriedenheit und Gelassenheit aus, die ich jedem Pferd nur wünschen kann. Ich habe selbst erlebt, wie einem Pferd durch die Angst oder auch einfach nur das Unverständnis für ein Gebiss die Freude am Reiten genommen wird. Obwohl es natürlich Wege aus diesem Dilemma gibt, hat mich diese Seite und vor allem Tanias Haffiblog sehr zum Nachdenken gebracht, so dass ich mittlerweile auch nur noch gebisslos reite unterrichte.
Für eure fünfte (!!!) Reiteinheit finde ich die Aufgaben schon sehr anspruchsvoll, da Ronaldo ja wirklich ein Trauma hinter sich hat. So eine Ausführung kann nur durch die bestmögliche Vorbereitung gelingen, wozu die richtige Haltung, ein Verständnis der seelischen Situation des Pferdes, Geduld, Vertrauen und ab und an auch einfach mal ein lustiger Spiel- oder Spaziertag gehören. Deswegen halte ich es auch für völlig falsch, wenn Reiter ihr ‘Hobby’ Pferd dazu nutzen, um körperlich fit zu werden. Eure Seite ist immer wieder eine tolle Inspiration, um die Beziehung zu seinem Pferd zu verbessern. Ich hoffe, dass sich an diesem Video und an Ronaldos Weg noch viele ein Beispiel nehmen werden!
Viele Liebe Grüße,
Valentina

 

Von Melanie • 27. Dezember 2012

Hallo Babette!
Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, denn Du gibst mir gerade den Glauben an das Gute im (Berufs-) Reiter wieder. Ich habe Deinen Blog erst letzte Woche entdeckt und kann mich kaum lösen, denn Du sprichst mir bei den meisten Themen wirklich aus der Seele! Endlich zeigt mal jemand, dass man auch mit sanften Methoden, die in der Regel als Spielerei abgetan werden, erfolgreich sein kann.
Hut ab auch vor dem Umgang mit Kritik von Leuten, die offensichtlich nicht verstanden haben, worum es hier geht.
Bitte weiter so und halte uns bitte über Ronaldo auf dem Laufenden!
Liebe Grüße, Melanie

 

 

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