Ronaldo als Reitpferd

Sie haben nun schon viel von meiner Arbeit mit Ronaldo zu sehen bekommen. Bis jetzt war ich dabei immer von Boden aus aktiv. Aber ab und an sitze ich auch mal auf Pferden und so auch auf meinem Ronaldo 😉 .

Als ich Ronaldo das erste Mal ritt (er war, bevor er zu mir kam, bereits geritten), fĂŒhlte ich mich wie auf einem Kreuzfahrtschiff. Zum einen bin ich Pferde dieser GrĂ¶ĂŸe so gar nicht gewöhnt, zum anderen reagierte er so schwergĂ€ngig und zeitverzögert auf meine Hilfen, eben genau wie so ein Ozeanriese. Er ließ sich nicht stellen, geschweige denn biegen. Die Richtung konnte ich nur ungefĂ€hr bestimmen. Er legte sich schwer auf meine Hand und durchparieren war nur mit großem Kraftaufwand möglich. Er knirschte mit den ZĂ€hnen und wirkte sehr angespannt und unglĂŒcklich.

Diesen ersten Reitversuch brach ich schnell ab und ich ging etliche Ausbildungsschritte zurĂŒck, um ihn fĂŒr unsere nĂ€chste Reiteinheit besser vorzubereiten.

Hiermit bereitete ich Ronaldo auf unsere nÀchste Reiteinheit vor:

  • Ich machte mit ihm AbkauĂŒbungen und erklĂ€rte ihm noch mal neu das Gebiss.
  • Ich arbeitete mit der klassischen Handarbeit mit ihm, um ihm die ZĂŒgelhilfen neu zu vermitteln.
  • Ich arbeitete am langen ZĂŒgel mit ihm.
  • Ich arbeitete ihn an der Doppellonge.
  • Und ich ritt ihn einige Einheiten im Longierzirkel, wobei ich mich zunĂ€chst von einem Helfer an die Longe nehmen ließ.


Erst als ich Ronaldo im Longierzirkel ohne Hilfe von unten in konstanter Stellung und im gleichmĂ€ĂŸigem Tempo reiten konnte und er sich auf leichte Hilfe hin zum Halten durchparieren ließ, wechselte ich wieder in die große Bahn.

Es hat sich immer wieder bewĂ€hrt, Rittigkeitsprobleme nicht mit Macht in der Reitbahn lösen zu wollen, sondern in der Ausbildung einfach wieder so viele Schritte zurĂŒckzugehen, wie nötig sind, um die Basis neu aufzubauen. Und auch bei Ronaldo konnte ich so schnell Erfolge ernten.

In diesem Video sehen Sie nun unsere fĂŒnfte Einheit in der großen Bahn. Eine Einheit dauert ca. 20 Minuten. Mir geht es zur Zeit nur darum, Ronaldo entspannt und locker reiten zu können. Ich fordere nicht viel von ihm. Ich möchte ihm das GefĂŒhl geben, dass er alles richtig macht und er Spaß an dem Gerittenwerden bekommt. So dienen diese Einheiten in erster Linie dazu, uns gegenseitig kennen zu lernen und vertrauen zueinander aufzubauen – denn das ist die Basis fĂŒr die weitere Ausbildung.

Wie Sie auf dem Video sehen können, spiele ich etwas mit Stellung, Bahnfiguren und ÜbergĂ€ngen. Ich möchte ein gleichmĂ€ĂŸiges und ruhiges Tempo. In dieser Phase ist mir Entspannung das Wichtigste. Und ich freue mich, wenn er meine Einladung sich vorwĂ€rts- abwĂ€rts zu dehnen annimmt und einen zufriedenen Eindruck macht. Erst wenn das alles gefestigt ist, kann ich in der Ausbildung im Sattel weitergehen.

7. Juli 2009 von Babette Teschen • Kategorie: Aus der Bereiterpraxis 8 Kommentare »

 

8 Reaktionen zu “Ronaldo als Reitpferd”

 

Von Manuela • 8. Juli 2009

Servus Babette,

da hast Du jede Menge Arbeit hinter Dir und noch jede Menge Arbeit vor Dir!

Ganz toll fand ich die letzten Trabsequenzen – da hat er sich gut fallen lassen.

Liebe GrĂŒsse und einen grossen Keks fĂŒr Deine Geduld

Manuela
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Danke Manuela :-) !
Ich hoffe, wir haben bald so viel Vertrauen zueinander, dass dieses Loslassen (von und beiden 😉 )selbstverstĂ€dlich wird…
Liebe GrĂŒĂŸe,
Babette

 

Von Andrea • 8. Juli 2009

Ach Babette, es ist so schön zu sehen, wieviel Liebe und Geduld du aufbringst und Ronaldo es dir dankt! Ich bin ja noch nicht sooo lange eine aktive Reiterin, aber es war mir schon immer zuwider, wenn den Pferden etwas durch Zwang, Gewalt und Schmerz „beigebracht“ wurde. Ich hoffe, dein Beispiel macht Schule!

Liebe GrĂŒĂŸe
Andrea
___________________________________________________________
Vielen Dank Andrea, ich freue mich sehr :-) !!!
Liebe GrĂŒĂŸe,
Babette

 

Von Beate • 9. Juli 2009

Willkommem im Club der Ozean-Dampfer-KapitÀne ;-).
Na das wird doch fein mit euch beiden.

Die Schritte „zurĂŒck“ mussten bei mir ja auch erst mal durch meinen Kopf. Doch wenn man erst mal mit dem Umdenken durch ist, bekommt man mit, wie genau diese Schritte einen eben nicht „zurĂŒck“, sondern viel weiter bringen. Und man freut sich an ganz unspektakulĂ€ren Dingen, die bei manchen Möchtegern- Turnierreitern erst nur ein mĂŒdes LĂ€cheln hervorrufen und ein paar Wochen spĂ€ter unglĂ€ubiges (meistens heimliches) Staunen.
Wie gut, dass es Menschen wie euch gibt, die einen zum Umdenken bringen! Danke dafĂŒr!
__________________________________________________________________________
😀 😀 😀
Knutsch Deinen luftballonkillenden Ozeanriesen von mir 😉
liebe GrĂŒĂŸe,
Babette

 

Von Claudia • 13. Juli 2009

Hallo Babette,

Ich finde es toll, was ihr nach nur 5 Reiteinheiten schon leistet!
Ich habe einen 13-jĂ€hrigen Wallach und musste, nach einer Wirbelblockade, falscher Ausbildung und falschem Reiten fast wieder von vorne anfangen. Ich hatte ihm einen neuen Sattel gekauft, regelmĂ€ssige Physiotherapie (nach wie vor) machen lassen und eine ganz tolle Reitlehrerin gefunden. Wir haben umgestellt auf klassische Ausbildung mit viel Handarbeit und er machte super mit. Jetzt soll er so langsam etwas anfangen, zu arbeiten, ein bisschen mehr vorwĂ€rts gehen und Last aufnehmen. Im Moment klappt es nicht so gut, entweder er „schlurft“ oder er „pest“ aber ihn zum „Arbeiten“ zu bekommen ist schwierig. Er ist aus der Not heraus ein Meister im sich Entziehen geworden und nun mĂŒssen wir herausfinden, wie wir ihn am besten motivieren können, sich vielleicht doch ein bisschen anzustrengen. Schliesslich soll er ja gesund bleiben….. Reiten ist nicht einfach!
Liebe GrĂŒsse Claudia
_________________________________________
Das ist wohl wahr…!
Hoffentlich bekommt Ihr Dein Pferd bald aus seinem Muster raus!
Liebe GrĂŒĂŸe und alles Gute!
Babette

 

Von Phyllis • 10. Dezember 2010

Hey, also ich persöhnlich halte nicht so viel von Hand-und Bodenarbeit bei solchen Problemen.
Wir haben auch ein Pferd, dass genau die selben Probleme hat und ich finde es wenig hilfreich ihm dabei die Hilfe an der Hand nah zu bringen, sondern man mĂŒsste mehr mit Gewicht, Kreuz und Schenkeln machen.
Sicher ist das Alles nicht ohne starke ZĂŒgeleinwirkung möglich, das weiß ich aus Erfahrung, aber ich finde es macht mehr Sinn es ihm gleich unterm Sattel beizubringen, weil Endziel soll ja eig. ein Reiten „ohne“ ZĂŒgel sein.

Viel glĂŒck noch :)
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Nun, Ronaldos „Problem“, nĂ€mlich die Angst vor dem Gebiss, hat sich mittlerweile aufgelöst. Die Ursache der Angst ist weg :-).Ich hoffe, auch bei Eurem Problempferd gibt es eine Besserung…

Und auch hier bin ich so gar nicht mit Dir einer Meinung: Es ist alles ohne starke ZĂŒgeleinwirkung möglich! Zum GlĂŒck! WĂ€re es anders, ich wĂŒrde das Reiten aufgeben!
Liebe GrĂŒĂŸe,
Babette

 

Von Phyllis • 10. Dezember 2010

Hey, ich hab mir grad noch mal das Video angeguckt und ich kann schon verstehen wieso das alles nicht so ganz schon klappt.
Ich finds ja wirklich schön wenn du so viel Geduld und Liebe in dein Pferd steckst, nur man muss ja schon ein bischen mit helfen beim reiten.
Rahm ihn einfach mehr ein und versuch ihn von der Vorhand weg zubekommen. Es viel schwerer fĂŒr dein Pferd um die Wendungen zu kommen wenn es mit so langen ZĂŒgel rum laufen darf. Nich will jetzt nich iwie als PferdequĂ€lerin abgestempelt zu werden, aber es schadet deinem Pferd keineswegs wenn es nen bischen arbeitet und sich anstregen muss. Überfordern ist nicht gut aber fordern schon. Unsere Pferde sehen nach der Arbeit auch viel zufriedener aus als vorher im Stall 😉
_____________________________________________________________________________
Hallo Phyllis,
ich danke Dir fĂŒr Deine sicherlich gut gemeinten Tipps, aber ich finde Deine Einstellung traurig und kann damit nichts anfangen.
Du scheinst Dir leider nicht die MĂŒhe gemacht zu haben Ronaldos „Probleme“ und unseren Werdegang bis zu diesem Video anzugucken. Falls Du das noch machen möchtest, findest Du die HintergrĂŒnde unter anderem hier .

Ronaldos Problem ist mit Sicherheit nicht das er nicht genĂŒgend gefördert wurde oder wird. Er kam als Korrekturpferd zu mir, der vor seiner Zeit bei mir von Profireitern „gefördert“ wurde mit dem Ergebnis, dass er große Angst vor dem Gebiss, der Reiterhand, vor „Förderung“ allgemein und eigentlich allem hatte, was das Leben so an Aufgaben bietet.

Als ich in das erste Mal auftrenste, fing er sofort an mit den ZĂ€hnen zu knirschen und sich einzurollen. Anmerkung: Ich saß noch nicht oben! Wenn ein Pferd so auf das Gebiss reagiert mache ich solange Bodenarbeit mit dem Pferd, bis es die Angst vor dem Gebiss verloren hat. Und wenn ich dann anfange zu reiten (und das auf dem Video war eine unserer ersten Reiteinheiten) möchte ich dem Pferd nur die Angst vor dem Geritten werden nehmen und ihm zeigen, dass der Weg in die Tiefe offen ist. Da ist es mir vollkommen egal ob das Pferd die paar Runden die ich oben sitze auf der Vorhand lĂ€uft.
Eine korrekte Lastaufnahme durch die Hinterhand setzt Losgelassenheit voraus. Diese muss als erster Punkt erreicht werden. Angst verhindert Losgelassenheit.

Am traurigsten macht mich eigentlich Dein letzter Satz, denn wenn Deine Pferde nach der Arbeit im Stall zufriedener aussehen, schließe ich daraus, dass Deine Pferde vor der Arbeit unzufriedener im Stall stehen
 Und genau da wĂ€re mein Ansatzpunkt. NĂ€mlich zu gucken, das meine Pferde immer zufrieden in die Welt schauen. Da wĂŒrde ich als erstes die Haltung kritisch hinterfragen. Ich hole meine Pferde mit zufriedenen Augen aus der Herde, entweder aus dem Winterauslauf oder von der Sommerweide. Ich mache viel „Arbeit“, die meinem Pferd einfach nur Spaß macht, ob es sich dabei um fröhliche Ausritte handelt, Ball spielen, Clickertraining oder sonst was. Mir geht es in erster Linie um die Beziehung zu meinen Pferden und darum zu gucken, dass es ihnen gut geht, in jeder Hinsicht. Das es in der gesamte Ausbildung des Pferdes als eines der Ziele darum geht, das ein Pferd lernt sich mehr ĂŒber die Hinterhand zu tragen, gut und schön. Aber das ist mir eindeutig zu wenig!
Liebe GrĂŒĂŸe,
Babette

 

Von Valentina • 15. Januar 2012

Liebe Babette,
ich bin so unglaublich froh, dass es in der Reiterszene Menschen wie Dich gibt! Ronaldo strahlt eine solche Zufriedenheit und Gelassenheit aus, die ich jedem Pferd nur wĂŒnschen kann. Ich habe selbst erlebt, wie einem Pferd durch die Angst oder auch einfach nur das UnverstĂ€ndnis fĂŒr ein Gebiss die Freude am Reiten genommen wird. Obwohl es natĂŒrlich Wege aus diesem Dilemma gibt, hat mich diese Seite und vor allem Tanias Haffiblog sehr zum Nachdenken gebracht, so dass ich mittlerweile auch nur noch gebisslos reite unterrichte.
FĂŒr eure fĂŒnfte (!!!) Reiteinheit finde ich die Aufgaben schon sehr anspruchsvoll, da Ronaldo ja wirklich ein Trauma hinter sich hat. So eine AusfĂŒhrung kann nur durch die bestmögliche Vorbereitung gelingen, wozu die richtige Haltung, ein VerstĂ€ndnis der seelischen Situation des Pferdes, Geduld, Vertrauen und ab und an auch einfach mal ein lustiger Spiel- oder Spaziertag gehören. Deswegen halte ich es auch fĂŒr völlig falsch, wenn Reiter ihr ‚Hobby‘ Pferd dazu nutzen, um körperlich fit zu werden. Eure Seite ist immer wieder eine tolle Inspiration, um die Beziehung zu seinem Pferd zu verbessern. Ich hoffe, dass sich an diesem Video und an Ronaldos Weg noch viele ein Beispiel nehmen werden!
Viele Liebe GrĂŒĂŸe,
Valentina

 

Von Melanie • 27. Dezember 2012

Hallo Babette!
Ich möchte mich ganz herzlich bedanken, denn Du gibst mir gerade den Glauben an das Gute im (Berufs-) Reiter wieder. Ich habe Deinen Blog erst letzte Woche entdeckt und kann mich kaum lösen, denn Du sprichst mir bei den meisten Themen wirklich aus der Seele! Endlich zeigt mal jemand, dass man auch mit sanften Methoden, die in der Regel als Spielerei abgetan werden, erfolgreich sein kann.
Hut ab auch vor dem Umgang mit Kritik von Leuten, die offensichtlich nicht verstanden haben, worum es hier geht.
Bitte weiter so und halte uns bitte ĂŒber Ronaldo auf dem Laufenden!
Liebe GrĂŒĂŸe, Melanie

 

 

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